Kapazitation

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Als Kapazitation wird der physiologische Reifungsprozess der Samenzellen im weiblichen Genitaltrakt bezeichnet, ohne die eine Befruchtung der Eizelle nicht möglich ist.

Physiologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich dabei um einen biochemischen Umbauprozess der Samenzellen, der besonders durch das Zervixsekret begünstigt wird. Beim Menschen werden dabei innerhalb von etwa 12 Stunden ein auf den Spermien befindlicher Glykoproteinüberzug sowie verschiedene im Ejakulat befindliche Proteine entfernt. Eiweißsubstanzen im Kopf der Spermien werden so aktiviert und versetzen die Samenzelle in die Lage, in die Eizelle einzudringen – falls die dazu erforderliche Akrosomreaktion erst beim Kontakt des Spermiums mit der Zona pellucida erfolgt.

Östrogene stimulieren die Kapazitation. Natürliche Umweltöstrogene können die Kapazitation ebenfalls beschleunigen – damit möglicherweise aber auch zu einer vorzeitigen Akrosomreaktion führen und damit eine Zeugung verhindern.[1] Außerdem ist Glukose für eine erfolgreiche Kapazitation essentiell, da sie zum einen als Energiemolekül für die Fortbewegung der Spermien fungiert und zum anderen die Samenzelle zur Befruchtung befähigt.[2]

Die Erforschung der Vorgänge bei der Kapazitation der Spermien sind aus zweierlei Gründen von Bedeutung: Einerseits könnte Paaren mit Kinderwunsch geholfen werden, andererseits könnte die Entwicklung von Kapazitationshemmern eine neuartige Form der Empfängnisverhütung darstellen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann M Behre, Christoph Keck: Endokrinologie, Reproduktionsmedizin, Andrologie, Band 1. Georg Thieme Verlag, 2002, ISBN 3-13-107162-1 (Volltext in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Kapazitation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Umweltöstrogene beeinflussen Spermien (Memento des Originals vom 17. Dezember 2004 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/science.orf.at ORF-Bericht über das 18. Annual Meeting der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Wien 2002
  2. Katerina Georgadaki, Nikolas Khoury, Demetrios A. Spandidos, Vasilis Zoumpourlis: The molecular basis of fertilization (Review). In: International Journal of Molecular Medicine. Band 38, Nr. 4, Oktober 2016, ISSN 1791-244X, S. 979–986, doi:10.3892/ijmm.2016.2723, PMID 27599669, PMC 5029953 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 20. April 2021]).