Kapellen (Grevenbroich)

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Kapellen
Koordinaten: 51° 7′ 36″ N, 6° 37′ 20″ O
Fläche: 4,54 km²
Einwohner: 6787 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.496 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 41516
Vorwahl: 02182
Ortseingangsschild im Norden Kapellens
Ortseingangsschild im Norden Kapellens

Kapellen, auch Kapellen-Erft, ist der zweitgrößte Stadtteil der Stadt Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen.

Zum Stadtteil Kapellen gehören die Ortsteile Gilverath, Gruissem (nur südwestlicher Teil), Neubrück, Tüschenbroich und Vierwinden. In Kapellen sind 6.636 Einwohner auf einer Fläche von 4,536 km² (Angaben der Stadt Grevenbroich, Stand 31. Dezember 2016) beheimatet.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt im Dreieck KölnDüsseldorfMönchengladbach. Er grenzt im Westen an die Ortschaft Hemmerden, im Süden an Stadt Wevelinghoven und im Osten an Stadt Hülchrath. Im Nordosten von Kapellen befindet sich Neuss-Holzheim.

Durch Kapellen fließt die Erft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unbestätigten Berichten zufolge ist Kapellen als früher Rodungsort im 9. Jahrhundert anzusetzen, für den der Bau eines Gotteshauses namensgebend wurde. Wer diesen Bau und damit die Siedlung begründete, ist bis heute unbekannt.

Die erste urkundliche Erwähnung Kapellens stammt aus dem Jahr 1155. Zu diesem Zeitpunkt war die Ortsbezeichnung „Capellen“, benannt nach der „Capella St. Kosmos und Damian“. Seit 1229 bis zum Jahre 1794 gehörte Capellen zum gräflichen Land im kurkölnischen Amt Hülchrath. In diesem Jahre besetzten französische Truppen den Ort. Immer schon von wirtschaftlicher Bedeutung war die Erft als Antriebskraft, so zum Beispiel für die Mühle Neubrück. 1815 kam Capellen an das Königreich Preußen und 1816 als selbständige Gemeinde zum Kreis Grevenbroich. Im Jahr 1869 wurde Capellen mit einem Haltepunkt an die wichtige Bahnstrecke Düren–Neuss angeschlossen.

Erst im Jahr 1910 wurde „Capellen“ in das jetzige „Kapellen“ umbenannt. Später entstand verwaltungstechnisch das Amt Hemmerden, das aus den Gemeinden Hemmerden und Kapellen/Erft bestand und den Amtssitz seit 1921 in Kapellen hatte. Der letzte Bürgermeister war Heinrich Tups (CDU) und sein Stellvertreter Wilhelm Krall (CDU). Am 1. Januar 1975 verlor die Gemeinde Kapellen ihre Selbständigkeit und wurde in die Stadt Grevenbroich eingemeindet.[2]

Neubaugebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2004 sind in zwei Bauabschnitten über 500 Einfamilienhäuser und Wohnungen zwischen der A46 und der Bahnlinie in Kapellen entstanden.[3] Hierdurch stiegen die Einwohnerzahlen in Kapellen im Vergleich zu den anderen Stadtteilen überproportional. Ein dritter und ggf. vierter Bauabschnitt sollen folgen. Das von der Immobilienfirma fälschlicherweise als „Kapellen-Tal“ bezeichnete Gebiet liegt an der höchsten Stelle des Ortsteils.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapellen ist zurzeit der Stadtteil mit der größten Zunahme an Einwohnern pro Jahr.

Postkarte aus dem Jahr 1915
Jahr
Datum
Einwohner
1816 934
1871 1208
01.12.1905 1580
16.06.1925 2084
16.06.1939 2200
29.10.1946 2654
06.06.1961 3171
1964 3328
27.05.1970 3761
30.06.1974 3864
Jahr
Datum
Einwohner
31.12.2005 5494
31.12.2006 5521
31.12.2007 5505
31.12.2009 5783
31.12.2010 5820
31.12.2011 5972
31.12.2012 6079
31.12.2013 6375
31.12.2014 6431
31.12.2015 6566
31.12.2016 6636
31.12.2017 6787

Quellen:

  • 1816 und 1871: Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes NRW – Bevölkerungsentwicklung 1816–1871
  • 1905 bis 1961: Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes NRW – Bevölkerungsentwicklung 1871–1961
  • 1964 und 1974: Heinz Ohletz: 1929–1974 Jahre Menschen Initiativen im Großkreis Grevenbroich.o.O., (1975)
  • 1970: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 294.
  • ab 2005: Angaben der Stadt Grevenbroich


Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche von Kapellen/Erft fand ihre erste Nennung im Jahre 1229. Sie war eine Eigenkirche von St. Aposteln in Köln. Das Patronat wurde anschließend auf die Herren von Dyck übertragen. Die spätere Zivilgemeinde Kapellen bestand ursprünglich aus zwei mittelalterlichen Kirchspielen: einmal St. Clemens in Kapellen und andererseits Johann Baptist in Gilverath. Die beiden Orte waren den Landdekanaten Bergheim und Neuss zugeordnet. Im Jahre 1804 entstand eine neue Einteilung.

Kultur und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des Bürger-Schützen-Vereins Kapellen
Logo des Bürger-Schützen-Vereins Kapellen

Neben den Sportvereinen und -clubs sind zahlreiche weitere Vereinigungen in Kapellen beheimatet. Beispielhaft sind hier zu nennen:

  • Bürger-Schützen-Verein 1936 e. V. Kapellen/Erft
  • Bürgerinitiative pro Ortsumfahrung Kapellen-Wevelinghoven e. V.
  • Heimatverein Kapellener-Jonge e. V.
  • MSC (Motorsportclub) Kapellen
  • NSU Quickli-Club
  • Rettet die Erftaue: Schutzgemeinschaft Lebensraum Kapellen-Wevelinghoven e. V.
  • Skatclub

Wichtige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schützen- und Heimatfest in Kapellen findet traditionell am ersten Wochenende im Juni von Freitag bis Dienstag statt. Hervorzuheben ist der große Fackelzug, welcher sich mit allen Schützen und zahlreichen Großfackeln Samstagabend nach Eintritt der Dunkelheit in Bewegung setzt. Ebenfalls ein imposantes Bild bietet Sonntag die große Königsparade mit anschließendem Schützenumzug, wo über 1000 Schützen und Musiker in verschiedenen Marschblöcken durch den Ort ins Festzelt ziehen.
Der Schützenplatz mit allen Attraktionen und dem großen Festzelt ist auf dem Gelände „Am Burghof“ in Kapellen beheimatet.

  • August: Schützenbiwak

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diverse Sportvereine sind in Kapellen/Erft beheimatet. Beispielhaft seien die Folgenden benannt:

  • SC 1911 Kapellen-Erft e. V.
  • TV Jahn 06 e. V. Kapellen (Erft)
  • TTC Kapellen-Erft 1962 e. V.
  • Tennis Club Kapellen ’84 e. V.
  • ASV „Erftfreunde“ 1937 e. V. Kapellen/Erft

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ziegelträger von Rudolf Meschede 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ziegelträger

Von 1885 bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges betrieb der Bauunternehmer Adam Rosen in Kapellen eine Ringofenziegelei, die zeitweise bis zu 60 Arbeiter beschäftigte. In der Kriegszeit 1914–1918 ruhte der Betrieb infolge der Zwangswirtschaft im Baugewerbe. Erst in den Jahren 1920–1922 wurde die Produktion langsam wieder in Gang gesetzt. 1926 wurde die Firma allerdings endgültig geschlossen. Die Gemeinde Kapellen übernahm das Gelände und erschloss es dem allgemeinen Wohnungsbau. Die Skulptur, die von Peter Schlösser und Peter Winzen entworfen wurde, soll an die Ziegelbäcker erinnern, die in dieser Ziegelei arbeiteten.

Die Friedenskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Friedenskapelle

Die Friedenskapelle befindet sich im Kapellener Ortsteil Gilverath. Sie wurde vom Jägerzug „Flotte Boschte“ in mühevoller Arbeit an alter Stelle neu errichtet.

Raketenstation Hombroich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zeiten des Kalten Krieges wurde zwischen Holzheim und Kapellen, eine von der NATO betriebene NIKE-Raketenstation errichtet, die von belgischen und amerikanischen Einheiten besetzt wurde. Nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West Konflikts 1990 wurde die Anlage stillgelegt und wird heute als Freilichtmuseum von der Stiftung Insel Hombroich betrieben.

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Clemens
  • Altentagesstätte
  • Freiwillige Feuerwehr – Löschzug „Kapellen“
  • Vier Kindergärten
  • Gemeinschaftsgrundschule Kapellen-Hemmerden (GGS), ehem. Hauptschule
  • Katholische Pfarrkirche St. Clemens
  • Evangelische Johanneskirche

Infrastruktur und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Aufstockung der Gewerbeflächen im Industriegebiet Kapellen boomt die bereits gut ausgebaute Infrastruktur. Zahlreiche kleine und größere Firmen lassen sich im Bereich des Industriegebietes Kapellen nieder und machen sich die unmittelbare Nähe der A 46 zunutze. Darüber hinaus hält durch die Umwandlung von Acker- in Bauland[4] der Zuwanderungsboom nach Kapellen weiter an. Hier wird in den kommenden Jahren ein komplett neuer Ortsbereich entstehen.

Durch zahlreiche verschiedene Geschäfte ist man weitestgehend unabhängig von anderen Orten. Des Weiteren sorgt eine gute Verkehrsanbindung sowohl an die A 46 als auch an die Bahnstrecke Düren – Neuss dafür, dass die umliegenden Großstädte schnell erreicht werden können. Durch die strategisch gute Lage von Kapellen wird der Ausbau von weiteren Gewerbeflächen in unmittelbarer Nähe der Autobahn weiter vorangetrieben.

Bahnverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Kapellen-Wevelinghoven

Der Bahnhof Kapellen-Wevelinghoven wird von der Linie RB 39 (Düssel-Erft-Bahn) bedient. Es besteht, im Halbstundenrhythmus, Anbindung an die Städte Düsseldorf, Neuss, Grevenbroich und Bedburg.

Linie Linienbezeichnung Linienverlauf Taktfrequenz
RB 39 Düssel-Erft-Bahn Düsseldorf – Neuss – Kapellen-Wevelinghoven – Grevenbroich – Bedburg (Erf) Halbstündlich (Mo–Fr), stündlich (Sa–So)

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapellen befindet sich im Gebiet des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und wird zusätzlich zum Bahnverkehr wird Kapellen vom Busverkehr Rheinland, mit jeweils sechs Linien angefahren. Zusätzlich verkehrt eine Linie der Stadtwerke Neuss GmbH.

Kapellen wird durch folgende Buslinien angebunden:

Linie Strecke Betrieb
858 Grevenbroich-Elsen – Wevelinghoven – Kapellen − Neuss Stadthalle werktags
869 Neuss Stadthalle – Holzheim – Kapellen – Wevelinghoven – Grevenbroich Bf täglich
877 Neuss Landestheater – Süd S-Bahn – Holzheim – Kapellen – Wevelinghoven (– Grevenbroich Bf) werktags
891 Neurath – Grevenbroich Bf – Kapellen täglich
893 Kapellen – Wevelinghoven – Grevenbroich Bf täglich
NE11 Kapellen – Hemmerden – Grevenbroich Bf – Frimmersdorf – Barrenstein samstags
NE12 Kapellen – Wevelinghoven – Grevenbroich Bf – Gustorf samstags

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kapellen (Erft). 2. Auflage. Geschichtsverein Grevenbroich, Grevenbroich 2001 (Beiträge zur Geschichte der Stadt Grevenbroich, 15).
  • Heinz Ohletz: 1929–1974 Jahre Menschen Initiativen im Großkreis Grevenbroich. o. O. (1975)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten & Zahlen - Kapellen
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 294.
  3. Artikel zum Neubaugebiet Website der Rheinischen Post. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  4. Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Grevenbroich-Kapellen
  5. Bürgermeistergalerie. In: www.grevenbroich.de. Abgerufen am 11. August 2016.