Kapitalertragsteuer

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Die Kapitalertragsteuer (KESt, KapESt, KapErtSt oder auch KapSt) ist eine Erhebungsform der Einkommensteuer und der Körperschaftsteuer. Als Quellensteuer wird sie von der die Kapitalerträge auszahlenden Stelle (z.B. eine Bank, eine Versicherung oder eine Kapitalgesellschaft) für Rechnung des Gläubigers der Kapitalerträge einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Die Kapitalertragsteuer wird, wenn sie nicht als Abgeltungsteuer ausgestaltet ist, bei der Steuerveranlagung wie eine Steuervorauszahlung behandelt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Erträge aus Kapitalvermögen unterliegen in fast allen europäischen Staaten der jeweiligen Einkommensteuer. Um den Steueranspruch zu sichern, wird die auf die Kapitalerträge entfallende Einkommensteuer oftmals direkt an der Quelle mittels einer Kapitalertragsteuer eingefordert. Der Zahlende behält sie für den Empfänger ein und überweist sie an die Finanzbehörde. Auch wenn Kapitalerträge nicht der Kapitalertragsteuer unterliegen, wie zum Beispiel Zinsen aus Privatdarlehen, bedeutet das nicht, dass sie steuerfrei bleiben. Der Empfänger muss die Kapitalerträge in seiner Steuererklärung angeben.

Zwischen den Staaten der Europäischen Union sowie verschiedenen anderen Staaten und Gebieten wird der gegenseitige Steueranspruch auf Kapitalerträge durch das Meldeverfahren oder eine 35 %-ige Quellensteuer („EU-Zinssteuer“) gesichert.[1]

Kapitalertragsteuer in Deutschland[Bearbeiten]

Die Kapitalertragsteuer wurde durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 für Privatanleger ab 2009 im Sinne einer Abgeltungsteuer umfassend reformiert.

Kapitalertragsteuer in Österreich[Bearbeiten]

In Österreich beträgt die Kapitalertragsteuer (KESt) einheitlich 25 %. Die österreichische Kapitalertragsteuer ist als Abgeltungsteuer konzipiert. Mit Abführung der KESt ist der Kapitalertrag abschließend besteuert (§ 97Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche Abs. 1 EStG) und wird bei Berechnung des steuerpflichtigen Einkommens nicht mehr miteinbezogen. Alternativ besteht die Möglichkeit der Veranlagung. In diesem Falle wird der Kapitalertrag zum Gesamtbetrag der Einkünfte dazugerechnet und mit zum allgemeinen Steuertarif (§ 27aVorlage:§/Wartung/RIS-Suche) Abs. 5 versteuert. Die Regelbesteuerungsoption kann nur für alle Einkünfte, die gemäß (§ 27aVorlage:§/Wartung/RIS-Suche Abs. 1) dem besonderen Steuersatz von 25 % unterliegen, gemeinsam ausgeübt werden.[2][3] Im Veranlagungszeitraum 2010 können Kapitalerträge aus Beteiligungen (Beteiligungserträge) im Falle der Veranlagungsoption noch mit dem halben Durchschnittsteuersatz versteuert werden (§ 37Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche Abs. 1 iVm. § 37Vorlage:§/Wartung/RIS-Suche Abs. 4 EStG a.F.). Im Rahmen des Budgetbegleitgesetzes 2011 wurde der Absatz 4 des §37 EStG jedoch gestrichen.[4]

Die Bestimmungen der Endbesteuerung stehen im Verfassungsrang (Endbesteuerungsgesetz).

Kapitalertragssteuer in der Schweiz[Bearbeiten]

Die Schweizer Kapitalertragssteuer wird als Verrechnungssteuer oder als Zahlstellensteuer bezeichnet. Diese Steuer ist nicht nur als Einkommensteuer ausgelegt, sondern dient wegen der Höhe des Steuersatzes auch als Vermögensteuer. Weil in der Schweiz das Bankkundengeheimnis viel umfassender als in anderen Staaten beachtet wird, ist die Verrechnungssteuer als Abgeltungsteuer konzipiert. Die Geldinstitute (Bank oder Versicherung) sind verpflichtet, automatisch 35 % des Zinsertrages jedes Kontos oder Wertpapiers an den Staat abzuführen. Dieser Betrag wird nach korrekter Deklarierung der Zinserträge und des Vermögens zurückerstattet. Das heisst aber nicht, dass per Saldo keine Kapitalertragssteuer entrichtet wird: Sowohl auf Bundesebene wie auf kantonaler Ebene muss eine solche normale Einkommenssteuer entrichtet werden, die Verrechnungssteuer dient nur der Sicherung einer korrekten Deklaration dieser Einkommenssteuern.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe auch Richtlinie 2003/48/EG im Bereich der Besteuerung von Zinserträgen
  2. Sabine Kirchmayer: Besteuerung der Einkünfte natürlicher Personen aus Kapitalvermögen in Österreich. In: IWB. Nr. 5, 2011, S. 178–188.
  3. BGBLA 2010 I 111, S. 66.
  4. BGBLA 2010 I 111, S. 68.

Weblinks[Bearbeiten]


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