Kaplice

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Kaplice
Wappen von Kaplice
Kaplice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Český Krumlov
Fläche: 4087 ha
Geographische Lage: 48° 44′ N, 14° 30′ OKoordinaten: 48° 44′ 19″ N, 14° 29′ 47″ O
Höhe: 537 m n.m.
Einwohner: 7.064 (1. Jan. 2016)[1]
Postleitzahl: 382 41
Verkehr
Straße: I/3
Bahnanschluss: Linz Hbf–České Budějovice
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 11
Verwaltung
Bürgermeister: Pavel Talíř (Stand: 2016)
Adresse: Náměstí 70
382 41 Kaplice
Gemeindenummer: 545562
Website: www.mestokaplice.cz
Das Rathaus im Zentrum von Kaplitz.

Kaplice (deutsch Kaplitz, lat. Caplicium) ist eine Stadt mit rund 7.000 Einwohnern in Tschechien. Sie liegt in Südböhmen am linken Ufer der Maltsch und gehört zum Okres Český Krumlov. Die Katasterfläche beträgt 4087 Hektar.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in 537 m ü.M. in der Kaplitzer Furche (Kaplická brázda), die westlich von den Poluška-Bergen, östlich vom Hühnergebirge und südlich vom Gratzener Bergland umgeben wird. Nachbarort sind Hubenov und Žďár im Norden, Blansko und Hradiště im Osten, Mostky, Ješkov und Skoronice im Süden sowie Horšov, Omlenice, Omlenička, Stradov und Blažkov im Westen. Durch Kaplice verläuft die Europastraße 55.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Kaplice gehören die Ortsteile Blansko (Pflanzen), Dobechov (Dobichau), Hradiště (Radischen), Hubenov (Hubene), Květoňov (Steinbach), Mostky (Pernlesdorf), Pořešín (Groß Poreschin), Pořešinec (Klein Poreschin), Rozpoutí (Roßboden) und Žďár (Sohorz).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaplice wurde 1257 als Capliz erstmals als Pfarrort in Erbuntertänigkeit unter dem Patronat des Klosters Mühlhausen urkundlich erwähnt. Die Ansiedlung am Kaplitzer bzw. Freistadter Weg, einer alten Salzstraße von Österreich nach Böhmen, erhielt bereits im Mittelalter Marktrechte und war zusammen mit Freistadt ein wichtiger Umschlagplatz an diesem Handels- und Heeresweg, der als Bernsteinstrasse bis zur Ostsee weiterführte. Kaplitz entstand am Ufer der Maltsch als Ansiedlung mit regelmäßigem Grundriss und besaß seit 1382 Stadtrechte. Es war ein Mediatstädtchen der Herrschaft Poreschin, die 1434 in den Besitz des Ulrichs II. von Rosenberg aus dem Geschlecht der Witigonen überging. Die Stadt Kaplice führt in Erinnerung an das Geschlecht der Rosenberg deren Stammwappen, die fünfblätterigen Rose in ihrem Stadtwappen.

Nach dem Tode des letzten Rosenbergers, Peter Wok von Rosenberg erwarb Johann Georg von Schwanberg Kaplitz. Nach der Schlacht am Weißen Berg während der Rekatholisierung des Landes wurden die Schwanberger enteignet und neuer Besitzer der Stadt wurde Charles Bonaventure de Longueval, Comte de Bucquoy. Wie schon während der Hussitenkriege wurde Kaplitz auch im Dreißigjährigen Krieg von Plünderungen durchziehender Heeresgruppen in Mitleidenschaft gezogen.

Nach der Aufhebung der Erbuntertänigkeit im Jahr 1848 wurde Kaplitz Sitz des Gerichtsbezirks Kaplitz und des Bezirks Kaplitz. Letzterer bestand als Okres Kaplice bis zu einer Gebietsreform in der Tschechoslowakei und wurde 1960 aufgelöst. Im Jahr 1869 hatte Kaplitz 2.252 Einwohner. Die im 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung erfasste Kaplitz nur wenig. Die 1869 errichtete Eisenbahnverbindung der Summerauerbahn von Tábor nach Linz schloss mit einer Haltestelle zwei Kilometer westlich der Stadt Kaplitz an der Verkehrsnetz an. Im Umland der Stadt dominierte eine ertragreiche Landwirtschaft.

Im Jahr 1900 hatte Kaplitz 2.441 Einwohner, davon waren 2.214 deutsch- und 209 tschechisch-sprachig. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Monarchie Österreich-Ungarn 1918 wurde Kaplitz von Truppen der neugegründeten Tschechoslowakei besetzt. Am 3. Dezember 1919 kam es in der Stadt zu einer erfolglosen Protestkundgebung gegen die Zugehörigkeit zu diesem neuen Staat. Am 9. Juli 1936 erhielt Kaplice die vollen Stadtrechte. 1938 nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verstärkte die Sudetendeutsche Partei ihre Aktivitäten für einen Anschluss des Sudetenlandes an Deutschland. Nach dem Münchner Abkommen wurde Kaplitz von deutschen Truppen besetzt und der bisherige Okres Kaplice wurde als Landkreis Kaplitz von 1938 bis 1945 dem Reichsgau Oberdonau in Österreich angegliedert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die deutschen Bewohner der Stadt bis auf eine Minderheit von 109 Personen vertrieben und Tschechen und Slowaken angesiedelt, von denen viele nicht sesshaft wurden. Die Einwohnerzahl sank bis 1947 auf 1.588. 1953 entstand eine neue Mittelschule. Nach 1960 erfolgte die Ansiedlung von Betrieben und die Bevölkerung wuchs; es entstanden neue Wohnviertel. Durch den Wegfall des Eisernen Vorhangs entstanden für Kaplice, das zuvor wegen der Lage in der abgeschotteten Grenzzone zu Österreich benachteiligt war, neue Entwicklungsmöglichkeiten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmtheater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kino neben dem Kulturzentrum ist mit 192 Sitzplätzen, 3D-Technologie und Digital Cinema ausgestattet.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Motocross-Strecke (MX Kaplice)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Josef Norbert Reisinger (1680–unbekannt), 1731 als Reising von Reisinger in den erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben, k.k. Feldstückhauptmann; Sohn des Ambrosius Reisinger (1649–1685), Marktschreiber, Syndicus und Ratsverwandter in Kaplitz; ∞ mit Maria Zäzilia Strausz; Großvater des Feldmarschalleutnant Maximilian Reising von Reisinger.
  • Ferdinand Kindermann von Schulstein (1740–1801), Pädagoge und Bischof von Leitmeritz
  • Matthäus Klimesch (1850–1940), Historiker und Heimatforscher

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaplice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien