Karōshi

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2016 – Karoshi-Fälle, aufgrund hohe Arbeitsstunden pro 100.000 Personen (15+)
  • < 2,9
  • 5 bis 3,9
  • 6 bis 8,9
  • 9 bis 11,9
  • 12 bis 14,9
  • 15 bis 22,9
  • > 22
  • Als Karōshi (jap. 過労死 karō shi, Tod durch Überarbeiten, Tod durch Überarbeitung) bezeichnet man in Japan einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Todesursache ist meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. Umstritten ist, ob Suizide, die auf arbeitsbedingte psychische Erkrankungen zurückzuführen sind (過労自殺 karō jisatsu), unter die Definition fallen.[1] Etwa 40 japanische Kliniken haben sich auf Karōshi-gefährdete Fälle spezialisiert. Das Phänomen ist auch in Südkorea verbreitet und wird dort kwarosa (kor. 과로사, Hanja 過勞死 gwalo sa) genannt.[2] In China wird der durch Überarbeitung herbeigeführte Tod als guolaosi (chin. 过劳死, guòláo sǐ, Jyutping gwo3lou4 sei2) bezeichnet.[3]

    Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Der erste Fall von Karōshi wurde 1969 gemeldet, als ein 29-jähriger verheirateter Arbeiter in der Versandabteilung der größten japanischen Zeitung an einem Schlaganfall starb. Die Medien wurden jedoch erst Ende 1980 auf dieses Phänomen aufmerksam, nachdem mehrere geschäftsführende Manager im mittleren Alter ohne vorherige Anzeichen einer Erkrankung plötzlich gestorben waren. Dieses Phänomen wurde kurz darauf als Karōshi bezeichnet, und als 1987 die öffentliche Sorge darüber zunahm, begann das japanische Arbeitsministerium mit der Veröffentlichung von Karōshi-Statistiken.

    Ursache und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    No-More-Karoshi-Protest, Tokio 2018

    Als Ursache für die Karōshi-Fälle gilt der rasante wirtschaftliche Aufstieg Japans nach dem Zweiten Weltkrieg (genauer Pazifikkrieg). Mittlerweile ist anerkannt, dass Erwerbstätige nicht über Jahre hinweg sechs bis sieben Tage pro Woche mehr als zwölf Stunden täglich arbeiten können, ohne körperlich und geistig darunter zu leiden.

    Aufgrund der mittlerweile erfolgten juristischen Anerkennung als haftungspflichtige Todesart verklagen immer mehr Angehörige von Karōshi-Opfern die jeweiligen Arbeitgeber auf Entschädigungszahlungen. Bevor jedoch eine Entschädigung zuerkannt werden kann, muss die Arbeitsüberwachungsbehörde den Fall als berufsbedingten Tod anerkennen.

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Oliver Tieste: Karôshi, ein japanisches Phänomen? Ursachen und rechtliche Hintergründe betreffend den Tod am Arbeitsplatz. Eine rechtsvergleichende Studie. Lang, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-631-36608-6.
    • Oliver Tieste: Der Tod durch Überarbeitung. Arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Hintergründe, materiellrechtliche, epidemiologische und betriebliche Rahmenbedingungen des Karoshi-Phänomens in Japan und Deutschland. Lang, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-50869-7.
    • Oliver Tieste: Haftungsfall Stresserkrankung. Grenzen und Umfang der Haftung des Arbeitgebers für stressinduzierte Erkrankungen von Beschäftigten. Wirtschaftsverlag NW Verlag für neue Wissenschaften 2005, ISBN 3-86509-245-4.

    Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. 第2章 産業精神保健の動向 Dai ni shō·sangyō seishin hoken no dōkō – „Kapitel Zwei – Trend zur Fürsorge der geistigen Gesundheit in den Gewerben“. (pdf; 1003 kB) In: mhlw.go.jp. 厚生労働省 – MHLW, 2009, abgerufen am 17. März 2022 (japanisch).
    2. Ko Dong-hwan: Koreans being overworked to death in 'kwarosa'. In: koreatimes.co.kr. The Korea Times, 27. Februar 2017, abgerufen am 27. Februar 2017 (englisch).
    3. Shai Oster: Is Work Killing You? In China, Workers Die at Their Desks. In: bloomberg.com. Bloomberg, 30. Juni 2014, abgerufen am 27. Februar 2017 (englisch).