Karain-Höhle

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Eingang zur Karain-Höhle

Die Karain-Höhle, auch Schwarze Höhle genannt, liegt etwa 27 km nordwestlich von Antalya in der gleichnamigen türkischen Provinz auf einer Höhe von 400 m über dem Meeresspiegel am Hang des Sam Dağı in der Nähe des Dorfes Yağcı Köyü oder Yağca. Der Eingang befindet sich etwa 100 m über der Travertin-Ebene, die sich im Miozän bildete[1] und im Pleistozän ein See war.

37.07777777777830.570833333333Koordinaten: 37° 4′ 40″ N, 30° 34′ 15″ O

Reliefkarte: Türkei
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Karain-Höhle
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Türkei

Die Tropfsteinhöhle besteht aus einem Komplex von drei großen Kammern, die durch Kalzitmauern sowie Stalagmiten und Stalaktiten voneinander getrennt und über enge Gänge miteinander verbunden sind.

Die Karain-Höhle wurde von 1946 bis 1974 von İsmail Kılıç Kökten von der Universität Ankara erforscht. In der Füllschicht im Eingangsbereich wurde mit Ausgrabungen begonnen. Die Arbeiten wurden mindestens bis 2008 durch Işın Yalçınkaya in Zusammenarbeit mit der Universität Lüttich fortgesetzt. Das Schichtpaket in Kammer E ist über 10 m dick und besteht aus fluviatilen Ablagerungen, Travertinschichten und sandig-schluffigen Schichten. Der gewachsene Boden wurde bisher nicht erreicht, nach unten hin (unterhalb von Schicht V) werden anthropogene Ablagerungen jedoch zunehmend seltener.[1]

Die Ausgrabungen zeigen, dass die Höhle seit dem Mousterien (vor etwa 200.000 Jahren) über das Jungpaläolithikum und akeramische Neolithikum[2] bis in die Antike bewohnt war. Letzteres wird durch griechische Ziertafeln und Monogramme an den Außenwänden belegt. Sie zeigen, dass der Ort auch als Tempel genutzt wurde. Kökten hatte ursprünglich von Alt- und Mittelpaläolithischen Schichten gesprochen und berichtet auch von Faustkeilen,[3] die jedoch in den neueren Grabungen bisher nicht zu Tage traten.[1]

Im Innenbereich und im Eingang der Tropfsteinhöhle wurden steinzeitliche Feuersteinklingen, verschiedene Schaber und Pfeilspitzen gefunden, sowie Knochen von Flusspferden, Elefanten, Wildpferden, Onagern, Wildrindern, aber auch Rot- und Damhirsch, Ziege, Schaf, Reh, Höhlenbär, Hyäne, Löwe, Luchs, Wolf, Fuchs, Wildkatze, Dachs, Marder, Stachelschwein und Nashörnern, sowie Vogelknochen. Auch menschliche Knochen, darunter Kiefer und Zähne des Neandertalers und Knochen von Homo sapiens gehören zu den Funden.[4]

Aus den Mittelpaläolithischen Schichten stammen 1766 Silices,[5] darunter vier Levallois-Kerne aus Abschlägen. Die meisten Kerne sind erschöpft und lassen keine Grundform mehr erkennen.[6] 807 Stücke (18 %)[7] sind retuschiert, unter den Geräten überwiegen die Schaber, gefolgt von Stücken mit durchgängiger Lateralretusche und Moustier-Spitzen.[2] Das Rohmaterial bildeten vor allem Flußkiesel[2] aus Radiolarit, die aus der vorgelagerten Ebene stammen.[8]

An Artefakten fanden sich Schaber aus Grundformen in Levalloistechnik, meist im Moustérien-Stil retuschiert, sowie einige Moustérien-Faustkeile. In den jüngeren Schichten lagen ritzverzierte Kiesel und Knochenplastiken. An einem Knochengerät wurde wohl ein menschliches Gesicht geformt, das stilistisch dem Natufien nahesteht, was möglicherweise auf Beziehungen nach Palästina hinweist. Aus dem Neolithikum stammen Fundstücke, die wohl mit der Hacılar-Ware verwandt sind.

Ein Großteil der Funde kann im Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara sowie im prähistorischen Saal des Museums von Antalya besichtigt werden, einige Teile sind auch in dem kleinen Museum vor Ort am Fuß des Berghangs zu sehen.

Im Jahr 1989 legte ein Team der Universität Tübingen in der 1,5 Kilometer nordnordöstlich gelegenen Öküzini-Höhle einen Testschnitt an, um Pollen- und Sedimentproben sowie Tierknochen zu entnehmen [9].

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Marcel Otte, Işin Yalçinkaya, Ofer Bar–Yosef, Janusz K. Kozłowski, Jean-Marc Léotard, Harun Taşkiran, Pierre Noiret, Metin Kartal: The Anatolian Palaeolithic: data and reflections. In: British School at Athens Studies 3, The Palaeolithic Archaeology of Greece and Adjacent Areas: Proceedings of the ICOPAG Conference, Ioannina, September 1994 (1999), S. 73 (JSTOR, abgerufen am 26. August 2015).
  2. a b c Angela Minzoni-Deroche: Le Paléolithique Moyen du Taurus. In: Paléorient 14/2, Colloque Préhistoire du Levant II, Processus des changements culturels (1re partie) 1988, S. 156 (JSTOR, abgerufen am 26. August 2015).
  3. İsmail Kılıç Kökten, Karain in Türkiye Prehistoryasin Yeri. Türk Cografiya Dergesi 18-19, S. 22−-23, 17−27, zitiert nach Otte et al. 1999
  4. Marcel Otte, Işin Yalçinkaya, Janusz Kozłowski, Ofer Bar-Yosef, Ignacio López Bayón, Harun Taskiran: Long-term technical evolution and human remains in the Anatolian Palaeolithic. In: Journal of Human Evolution. Band 34, Nummer 4, ISSN 0047-2484, 1988, S. 413−431, doi:10.1006/jhev.1997.0199.
  5. Angela Minzoni-Deroche: Le Paléolithique Moyen du Taurus. In: Paléorient 14/2, Colloque Préhistoire du Levant II, Processus des changements culturels (1re partie) 1988, S. 155 (JSTOR, abgerufen am 26. August 2015).
  6. Angela Minzoni-Deroche: Le Paléolithique Moyen du Taurus. In: Paléorient 14/2, Colloque Préhistoire du Levant II, Processus des changements culturels (1re partie) 1988, Tabelle 1 (JSTOR, abgerufen am 26. August 2015).
  7. Angela Minzoni-Deroche: Le Paléolithique Moyen du Taurus. In: Paléorient 14/2, Colloque Préhistoire du Levant II, Processus des changements culturels (1re partie) 1988, S. 157 (JSTOR, abgerufen am 26. August 2015).
  8. Marcel Otte, Işin Yalçinkaya, Ofer Bar–Yosef, Janusz K. Kozłowski, Jean-Marc Léotard, Harun Taşkiran, Pierre Noiret, Metin Kartal: The Anatolian Palaeolithic: data and reflections. In: British School at Athens Studies 3, The Palaeolithic Archaeology of Greece and Adjacent Areas: Proceedings of the ICOPAG Conference, Ioannina, September 1994 (1999), S. 73–86 (JSTOR, abgerufen am 26. August 2015).
  9. Gerd Albrecht, B. Albrecht, H. Berke, D. Burger, J. Moser, W. Rähle, W. Schoch, G. Storch, H.-P. Uerpmann, B. Urban: Late Pleistocene and early Holocene Finds from Öküzini: A Contribution to the settlement History of the Bay of Antalya, Turkey. In: Paléorient 18/2, 1992, S. 129

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karain-Höhle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien