Karamba Diaby

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Karamba Diaby in Halle, 2014

Karamba Diaby (* 27. November 1961 in Marsassoum, Senegal) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit der Bundestagswahl 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist promovierter Chemiker und Geoökologe.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diaby wurde in Marsassoum in der Region Casamance im Südwesten Senegals als jüngstes von vier Geschwistern geboren und wuchs dort auf. Seine Mutter starb drei Monate nach seiner Geburt, sein Vater, als er sieben Jahre alt war.[1] Nach dem Tod beider Eltern wurde das Waisenkind von seiner 17 Jahre älteren Schwester und ihrem Ehemann aufgenommen. Im Alter von 13 Jahren besuchte er ein Internat in Sédhiou und vier Jahre später erlangte er einen Platz im Lycée Gaston Berger in Kaolack, das ihn auf die Universität in der Hauptstadt Dakar vorbereitete.[2]

Von 1982 bis 1984 studierte er mit Unterstützung seines Bruders Biologie und Geologie auf Lehramt an der Universität Dakar. Dabei erwachte auch sein Interesse für politische Themen. Während seines Studiums lernte er den späteren Präsidenten des Senegal Macky Sall kennen. Durch sein politisches Engagement in Dakar in den frühen 1980er Jahren kam er in Kontakt mit einer linken Studentenorganisation in Prag, die ein Studium für junge Menschen aus der ganzen Welt im damaligen Ostblock förderte. Er bewarb sich für ein Stipendium und bekam die Zulassung für die Martin-Luther-Universität; die DDR vergab auch einige Stipendien an Studenten aus nicht-sozialistischen Ländern.[3] Vor Studienbeginn belegte er von 1985 bis 1986 einen neunmonatigen Deutschkurs am Herder-Institut der Karl-Marx-Universität Leipzig. Im Anschluss studierte er von 1986 bis 1991 Chemie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dort lernte er auch seine zukünftige Ehefrau Ute kennen, die Agrarwissenschaften studierte.[2] Nach seinem Studienabschluss als Diplom-Chemiker schloss er von 1992 bis 1996 ein Promotionsstudium an. 1996 reichte er seine Dissertation Untersuchungen zum Schwermetall- und Nährstoffhaushalt in Halleschen Kleingartenanlagen – ein Beitrag zur geoökologischen Charakteristik der Stadtregion Halle ein.

Nach der Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) wechselte Diaby zum Eine-Welt-Haus Halle, wo er als Projektleiter von 1996 bis 2001 tätig war. Es folgten weitere Stationen im Bereich interkulturelle Bildung und Jugendarbeit in Halle, bevor Diaby 2011 als Referent in das Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt wechselte.

Karamba Diaby ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist konfessionslos und seit 2001 deutscher Staatsbürger. Neben Deutsch und seiner Muttersprache Diakhanke/Mandingo spricht er Französisch, die Amtssprache Senegals. Sein Vorname, der auf dem letzten „a“ betont wird, ist eine Kurzform für Karamokhoba, was auf Mandingo „der Gelehrte“ bedeutet.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon früh engagierte sich Karamba Diaby, zunächst im Schülerrat, während des Studiums in Halle war er Sprecher der internationalen Studenten. Später ließ er sich in den Ausländerbeirat von Halle wählen und wurde Bundesvorsitzender des Integrationsrats, eines Dachverbands der kommunalen Ausländerbeiräte. Seit Mitte der 1990er Jahre arbeitet Diaby in verschiedenen sozialen Projekten mit den Schwerpunkten Bildung und Integration. Im Januar 2002 wurde er vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau als Anerkennung des Engagements für die Verständigung zwischen Migranten und Deutschen empfangen.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diaby trat 2008 in die SPD ein. Bei der Aufstellung der Landesliste für Sachsen-Anhalt auf dem Landesparteitag der SPD am 16. Februar 2013 wurde er auf den dritten Platz der Landesliste für die Bundestagswahl 2013 gewählt. Gleichzeitig war er Direktkandidat im Wahlkreis 72 in Halle.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009, ein Jahr nach seinem Eintritt in die SPD, wurde Diaby in den Stadtrat von Halle gewählt. Dort ist er seitdem Mitglied des Ausschusses für Ordnung und Umweltangelegenheiten und des Bildungsausschusses. Den Betriebsausschuss Eigenbetrieb für Arbeitsförderung verließ er 2012.

Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte Diaby im Wahlkreis 72 in Halle. Er erreichte dort mit 23,34 Prozent der Erststimmen das drittbeste Ergebnis hinter dem früheren Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Christoph Bergner (CDU, 36,29 Prozent) und Petra Sitte (Die Linke, 25,51 Prozent). Er konnte jedoch über den dritten Landeslistenplatz der SPD in Sachsen-Anhalt in den Bundestag einziehen. Damit sind Diaby und Charles M. Huber (CDU) die ersten afrodeutschen Mitglieder des Bundestages. Entgegen vielen zu seiner Wahl erschienenen Presseberichten ist er nicht der erste Bundestagsabgeordnete, der in Afrika geboren wurde. Zum Beispiel gehörte der in Gare geborene Kai-Uwe von Hassel bereits seit 1953 dem zweiten Bundestag an.

Diaby wurde in der 18. Wahlperiode in den Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, wo er auch den stellvertretenden Vorsitz innehat, in den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, in den Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“ sowie als Schriftführer gewählt.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karamba Diaby möchte nicht auf seine Hautfarbe und die Integrationspolitik reduziert werden. Bereits zu seiner Zeit im Stadtrat von Halle entschied er sich gegen die Integrationspolitik und ließ sich in die Ausschüsse für Umwelt und Bildung wählen. Auch im Bundestag will er keinesfalls als Integrationsfachmann auftreten.[4]

Volksverhetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vollversammlung des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats beschloss am 13. Mai 2011 unter dem Vorsitz von Karamba Diaby die Forderung, rassistische Propaganda stärker strafrechtlich zu verfolgen und zu ahnden. Dazu sollte per Petition die Verschärfung des § 130 StGB (Volksverhetzung) gefordert werden. Auslöser für den Vorstoß des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats war das 2010 erschienene Buch Deutschland schafft sich ab und die Äußerungen von Thilo Sarrazin.[5] In einem Telefoninterview mit der Jungen Freiheit, bei dem er den Namen der Zeitung nicht verstand,[6] erläuterte er den Beschluss des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrats. Der Online-Artikel in der Jungen Freiheit führte zu einer Welle von Hetztiraden und massiven Bedrohungen gegen Diaby. Ihn erreichten rund 400 E-Mails und Dutzende Drohbriefe, manche gingen auch an den SPD-Bundesvorstand in Berlin, sogar Morddrohungen waren darunter. Der Staatsschutz ermittelte. Auch das Blog Politically Incorrect griff das Thema auf und stellte ihn mit dem Grand Boubou, einer traditionellen Kleidung für Männer in Westafrika, dar. Seitdem trägt er seinen Boubou nicht mehr in der Öffentlichkeit.[3]

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Untersuchungen zum Schwermetall- und Nährstoffhaushalt in Halleschen Kleingartenanlagen: ein Beitrag zur geoökologischen Charakteristik der Stadtregion Halle. 1. Auflage. Tectum, Marburg 1996, ISBN 3-89608-463-1.
  • Interkulturelle und antirassistische Pädagogik in Sachsen-Anhalt: das Projekt IKaP. In: Wolfram Stender, Georg Rohde, Thomas Weber (Hrsg.): Interkulturelle und antirassistische Bildungsarbeit: Projekterfahrungen und theoretische Beiträge (= Wissen & Praxis). 1. Auflage. Bd. 117. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2003, ISBN 978-3-86099-317-0, S. 165–176.
  • Methoden der interkulturellen Bildung am Beispiel der täglichen Arbeit im Begegnungszentrum der Jugendwerkstatt „Frohe Zukunft“ Halle-Saalekreis e.V. In: Johann Bischof (Hrsg.): Kultur verstehen – Kultur vermitteln: Kulturkompetenzvermittlung in der Hochschulausbildung (= Merseburger medienpädagogische Schriften: künstlerisch-technische Grundlagenvermittlung für die Ausbildung im Bereich der angewandten Kultur-, Medien- und Sozialpädagogik). Bd. 5. Shaker, Aachen 2008, ISBN 978-3-8322-7512-9, S. 203–209.
  • Mit Karamba in den Bundestag: Mein Weg vom Senegal ins deutsche Parlament, 240 Seiten, Hoffmann und Campe Verlag, 14. Oktober 2016, ISBN 978-3-455-50420-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karamba Diaby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Werfel: Bundestagskandidat Dr. Karamba Diaby erinnert sich gerne an seine Zeit in Leipzig. In: Leipziger Volkszeitung Online. 27. August 2013, abgerufen am 23. September 2013.
  2. a b Tony Paterson: Karamba Diaby: The man who aims to become Germany’s first black MP. In: The Independent. 23. Juli 2013, abgerufen am 23. September 2013.
  3. a b Chris Cottrell: German From Senegal Vies to Break Bundestag Barrier. In: The New York Times. 31. Mai 2013, abgerufen am 23. September 2013.
  4. Julius Lukas: Gerade hier – Alles spricht dafür, dass Karamba Diaby aus Halle bald im Bundestag sitzen wird. Er versteht die Aufregung darum nicht. In: Die Zeit. 7. Mai 2013, abgerufen am 29. September 2013.
  5. Uwe Köhn: „Zehn Kugeln für Dich!“ – Morddrohung gegen halleschen Stadtrat. In: Bild. 29. Mai 2011, abgerufen am 29. September 2013.
  6. Björn Hengst: Rechtsextremismus-Hochburg Sachsen-Anhalt: Herr Diaby bekommt Morddrohungen. In: Spiegel Online. 5. August 2011, abgerufen am 29. September 2013.