Kardorff (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Kardorff

Kardorff ist der Name eines alten norddeutschen Adelsgeschlechts. Die Herren von Kardorff gehören zum mecklenburgischen Uradel. Zweige der Familie bestehen bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Geschlecht im Jahre 1201 mit Radolfus de Kercthorp. Mit der Urkunde bestätigt Hartwig II. von Utlede als Erzbischof von Bremen, den Verkauf der Ortschaft Kührstorf an das St.-Johannis-Kloster in Lübeck. Radolfus wird darin als Laie genannt.[1] Die Stammreihe beginnt mit dem Ritter Fredericus de Kerkdorp, der 1275 bis 1306 in Urkunden erscheint.[2] Die Familie gehörte vermutlich zum alteingesessenen Adel. In der Kirche zum Heiligen Kreuz in Rostock befindet sich eine Grabplatte von Trude Kerkdorp. Sie zeigt bereits das Wappen der Familie, die drei Kammräder. Die in Latein verfasste Inschrift in gotischen Majuskeln lautet: „Im Jahre des Herren 1350, am Tag des Laurentius (10. August), starb die Nonne Trude Kerkdorp“[3].

Die Schreibweise des Namens variiert in älteren Urkunden von Kercthorp, Kerkdorp, Kerichdorpe, Kergdorpe und Kerchdorp, 1448 auch Karkthorp. Erst Ende des 16. Jahrhunderts wird Kardorff gebräuchlich.

Linien und Besitzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundbesitz konnte im Laufe der Zeit erheblich vergrößert werden, ging aber infolge des Dreißigjährigen Krieges zum Teil wieder verloren.

Das Geschlecht teilte sich zunächst in die beiden Hauptlinien zu Grantzow (heute Granzow, Ortsteil von Altkalen) und Wöpkendorf (heute Ortsteil von Dettmannsdorf). Die grantzowsche Linie erlosch 1736 mit dem Tod von Moritz Heinrich von Kardorff, Herr auf Grantzow und Remlin (heute Ortsteil von Schwasdorf). Schon vorher hatte er seine Güter den verwandten Kardorff aus dem Haus Wöpkendorf überlassen.

Nach dem Erwerb der Besitzungen teilte sich die wöpkendorfer Linie in die Äste Grantzow und Pannekow. Der Ast Grantzow begründete die Zweige zu Grantzow und Remlin und der Ast Pannekow die Zweige zu Steinhorst und Böhlendorf. Christoph Friedrich von Kardorff auf Wöpkendorf, Sohn des königlich dänischen Oberstleutnant Hermann von Kardorff († 1677) aus seiner zweiten Ehe mit Margaretha von Koss, war kaiserlicher Hauptmann. Er war verheiratet mit Maria Elisabeth von der Lühe und starb 1730. Später traten Mitglieder der Familie häufig in mecklenburgische, aber auch dänische Militär- und Staatsdienste.

Neben Remelin gehörten in Mecklenburg auch die Güter Grantzow und Böhlendorf zum Familienbesitz. Herr auf Böhlendorf war Friedrich Ernst von Kardorff, ältester Sohn des königlich dänischen Generalleutnants August Nicolaus Carl von Kardorff. Er wurde königlich dänischer Major und Kammerherr. Aus dem steinhorster Zweig kam der großherzoglich mecklenburg-strelitzer Kammerherr und Regierungsrat Friedrich Carl Ludwig von Kardorff.

Im Einschreibebuch des Klosters Dobbertin befinden sich neun Eintragungen von Töchtern der Familien von Kardorff aus Grantzow, Remlin und Böhlendorf aus den Jahren 1719–1915 zur Aufnahme in das dortige adelige Damenstift.

Ein bedeutender Vertreter aus neuerer Zeit war Wilhelm von Kardorff (* 1828; † 1907). Als konservativer Anhänger von Bismarcks Politik gehörte er zu den Mitbegründern der Freikonservativen Partei. 1876 gründete er den Centralverband deutscher Industrieller, einen der einflussreichsten Unternehmerverbände dieser Zeit. Sein Sohn Siegfried von Kardorff (* 1873; † 1945) wurde Landrat und Vizepräsident im Präsidium des Deutschen Reichstages.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt in Silber drei (2:1) rote Kammräder oder Richträder. Auf dem Helm mit rot-silbernen Helmdecken ein halbes rotes Kammrad (Richtrad) mit halber Nabe und drei Speichen, das mit sieben natürlichen Pfauenfedern besteckt ist.

Namensträger (chronologisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kardorff family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mecklenburgisches Urkundenbuch 1, Seite 168.
  2. Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 5, Seite 24.
  3. Wolfgang Eric Wagner: Die Grabplatten des Klosters „Zum Heiligen Kreuz“ in Rostock. Redieck & Schade, Rostock 2007; ISBN 978-3-934116-61-0. Seite 118–119; Friedrich Schlie: Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Band 1: Die Amtsgerichtsbezirke Rostock, Ribnitz, Sülze-Marlow, Tessin, Laage, Gnoien, Dargun, Neukalen. Schwerin 1896, S. 216 (Abb.)