Karel Frederik Wenckebach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karel Frederik Wenckebach (* 24. März 1864 in Den Haag; † 11. November 1940 in Wien) war ein niederländischer Arzt, Internist, Herz- und Kreislaufspezialist.

Karel Frederik Wenckebach, Portrait von Hans Stalzer
Gedenkstein am Haus Wenckebachstraße 23, in Berlin-Tempelhof

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karels Vater war Eduard Wenckebach (1813–1874), der Telegraphieleitungen verlegte, und seine Mutter Maria Geertruida Elisabeth Cornelissen. Er hatte zwei ältere Brüder: Willem Reymert Ludwig (1860–1937), ein Maler und Illustrator, und Henri Johan Eduard (1861–1924), der Direktor der Dutch Ironworks in Ijmuiden war. Willem war auch Lehrmeisters von Karels Sohn Oswald (1895–1962), der ebenfalls Maler und Bildhauer wurde. Nach seinen Entwürfen wurden niederländische Münzen zwischen 1948 und 1981 herausgegeben. [1]

Wenckebach besuchte das Gymnasium und ab 1881 die Universität Utrecht. Er erhielt wegen seiner finanziellen Not eine Studienzulage vom Heeresministerium, die ihn verpflichtete, nach der Ausbildung Militärarzt zu werden, eine Stelle, die er aber nicht antreten musste. 1888 promovierte er und arbeitete zunächst als Assistent an den Instituten für Zoologie, Pathologie und Anatomie in Utrecht. Als er seine Farbblindheit bemerkte, wechselte er schnell in die Physiologie, denn in der Zoologie hatte er damit keine Zukunft.

Ab 1891 praktizierte er als Landarzt in Heerlen, im Südosten der Niederlande. Er ging aber 1896 wieder zurück an die Universität Utrecht, wo der deutsche Wissenschaftler Theodor Wilhelm Engelmann sein Mentor wurde. 1901 wurde er zum Professor für Interne Medizin an der Universität Groningen ernannt.

In den Jahren 1898 bis 1901 veröffentlichte Wenckebach seine sphygmographischen Studien zur Analyse des unregelmäßigen Pulses und stellte anhand der Befunde ein Rhythmusschema zur Analyse des unregelmäßigen Pulses auf.

Bereits 1898/99 hatten seine Studien zur Beschreibung der Extrasystolie und zur Entdeckung der Wenckebach-Periodik [2].

"In den Jahren 1906/07 beschrieb er in seinen Beiträgen zur Kenntnis der menschlichen Herztätigkeit das nach ihm benannte Wenckebach-Bündel, [3] ein Internodalbündel, das vom oberen und hinteren Rand des Sinusknoten ausgeht, die Vena cava superior nach hinten umfaßt, den Sinus intercavernosus kreuzt und im Septum intercavernosum zum AV-Knoten zieht." Sein Werk Die unregelmässige Herztätigkeit und ihre klinische Bedeutung erschien 1914. In dieser Abhandlung, die zu einem Klassiker der rhythmologischen Literatur wurde, beschreibt Wenckebach die durch Zufall bei einem Patienten mit Vorhofflimmern gemachten Beobachtungen über die Wirksamkeit der antiarrhythmischen Substanz Chinin. Damit ist Wenckebach als Begründer der medikamentösen Arrhythmiebehandlung anzusehen.[4]

1911 erhielt er eine Berufung als Professor an die Universität Straßburg

1914 - 1929 war er Professor in Wien. Hier gehörte er zu den Wegbereitern der Wiener Medizinischen Schule.

Auch wirkte er beim Aufbau des Wiener Instituts für Medizingeschichte in den Gebäuden der ehemaligen Wiener Militärakademie (Josephinum) mit. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Erforschung der Herz- u. Kreislaufstörungen.

Mit 65 Jahren beendete er sein Berufsleben. Er war einer der Begründer der modernen naturwissenschaftlichen Medizin. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof der Gemeinde Grinzing.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenckebach war Mitglied von über 30 wissenschaftlichen Gesellschaften und Träger hoher Auszeichnungen. 1925 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[5]

Nach ihm ist der AV-Block II° Typ 1 benannt. Das frühere Militärlazarett in Berlin-Tempelhof ist 1951 in „Wenckebach-Krankenhaus“ umbenannt worden. Die an dem Krankenhaus liegende Moltkestraße wurde am 13. Februar 1957 in Wenckebachstraße umbenannt. 1962 wurde in Wien Döbling (19. Bezirk) die Wenckebachgasse nach ihm benannt.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Experiment en kliniek (1901), Groningen
  • Die Arhythmie als Ausdruck bestimmter Funktionsstörungen des Herzens. Eine physiologisch-klinische Studie (1903), Leipzig, 193 S.
  • Beiträge zur Kenntniss der menschlichen Herztätigkeit (1906-08), 3 Bände, In: Archiv für Physiologie
  • Die unregelmäßige Herztätigkeit und ihre klinische Bedeutung (1914), Verlag W. Engelmann, Leipzig & Berlin
  • Über den Mann von 50 Jahren (1915)
  • Angina pectoris (1926)
  • Unregelmäßige Herztätigkeit (1927), zusammen mit H. Winterberg, Leipzig
  • Herz und Kreislauf bei der Beriberi-Krankheit (1929), zusammen mit W. C. Aalsmer, Berlin & Wien
  • Herz- und Kreislaufinsuffizienz (1931)
  • Medizinische Praxis. Band 12 (1931), Dresden & Leipzig
  • Das Beriberi-Herz (1934), J. Springer Verlag, Berlin

In Zusammenarbeit mit W. Falta gab er ab 1920 auch das Wiener Archiv für innere Medizin mit heraus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Oswald Wenckebach > Münzkatalog
  2. Wẹnckebach-Periodik: Anomalie des Herzrhythmus mit regelmäßigem Ausfall einer Kammererregung nach mehreren normalen Systolengeführt, die eine besondere Form des partiellen atrioventrikulären Herzblockes darstellt und bei der das PQ-Intervall solange zunimmt, bis ein QRS-Komplex ausfällt"
  3. Wẹnckebach-Bündel: gebündelte Muskelfasern, die vom rechten Vorhof des Herzens zur oberen Hohlvene ziehen
  4. Berndt Lüderitz: Gesch. Herzrhythmusstörungen, pp.62-65
  5. Mitgliederverzeichnis Leopoldina, Karel Frederik Wenckebach