Karen Gloy

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Karen Gloy im April 2016

Karen Gloy (* 21. Dezember 1941 in Itzehoe) ist eine deutsche Philosophin.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karen Gloy studierte Philosophie, Germanistik, Physik, Kunstgeschichte und Psychologie an den Universitäten Hamburg und Heidelberg. Zu ihren Lehrern gehörten unter anderen Carl Friedrich von Weizsäcker, Hans-Georg Gadamer, Karl Löwith, Dieter Henrich, Ernst Tugendhat und Michael Theunissen.

1975 promovierte sie mit einer Arbeit über Immanuel Kant. Die Habilitation erfolgte 1980 mit der Schrift „Einheit und Mannigfaltigkeit“ an der Universität Heidelberg. 1982 wurde sie außerordentliche Professorin in Heidelberg. Von 1985 bis 2007 war sie Ordinaria für Philosophie und Geistesgeschichte an der Universität Luzern (emeritiert seit 2007). Im Jahr 1996 hatte sie ein Forschungssemester an der Harvard-Universität, Cambridge, MA./USA. 2002-2008 war Karen Gloy auch als ständige Gastprofessorin/dozentin an der Universität Wien tätig. Außerdem lehrte sie bis 2016 am Humboldt-Studienzentrum der Universität Ulm und lehrt weiterhin an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Gloy ist Mitbegründerin der Internationalen Gesellschaft „Systeme der Philosophie“ und Mitglied in den Wissenschaftlichen Beiräten des "Wiener Jahrbuchs", der "Zeitschrift für Deutsche Philosophie", Beijng, der "Fichte-Studien", des "Internationalen Jahrbuchs des Deutschen Idealismus" und der "Internationalen Zeitschrift für Philosophie", des "Vereins für Komparative Philosophie und Interdisziplinäre Bildung", Wien, Rat der "Internationalen UNESCO-Zeitschrift Philosophie, Soziologie und Psychologie" an der Charkower Nationalen Technischen Universität (Ukraine), Mitglied des Patronatskomitees der Akademie der Generationen Solothurn., Lehrbeauftragte der Seniorenuniversität Luzern. Sie hat Gastprofessuren in aller Welt wahrgenommen, so in China, Taiwan, Japan, Korea,Kolumbien, Argentinien, Brasilien,Peru, Griechenland und Österreich.

Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwerpunkte der Arbeiten Karen Gloys wurden durch zwei ihrer Lehrer, Carl Friedrich von Weizsäcker und Dieter Henrich, sowie durch die frühen Begegnungen mit verschiedenen Kulturen geprägt.

Carl Friedrich von Weizsäcker motivierte sie zu naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Fragestellungen, denen nicht nur ihre Dissertation, sondern auch verschiedene andere Werke gewidmet sind.

Die Anregung zur Beschäftigung mit spekulativer Philosophie kam von Dieter Henrich. Dieses Interesse bildete sich zunächst in der Auseinandersetzung mit dem Deutschen Idealismus, Kant, Fichte, Hegel und Schelling heraus. Diesbezügliche Untersuchungen sowohl zu historischen Gestalten des Idealismus wie auch selbständige Überlegungen zur Dialektik erwuchsen zu fundamentalem Interesse und fanden ihren Niederschlag in Karen Gloys Habilitationsschrift sowie in anderen Werken und Aufsätzen.

Gastprofessuren und Vorträge in alle Welt (Europa, Asien, Ostasien, Nord- und Südamerika) brachten Karen Gloy in Kontakt mit heterogenen Kulturen, Mentalitäten und Denkweisen. Daraus ergab sich die Fragestellung nach verschiedenen Rationalitätstypen und Denkmustern, die Thema verschiedener ihrer Werke sind. In ihrem Büchern Vernunft und das Andere der Vernunft (2000) und Denkformen und ihre kulturkonstitutive Rolle (2016) wehrt sich Gloy gegen eine einseitige Vernunftauslegung, wie sie zum 'Logozentrismus des Abendlandes' geführt hat. Dem stellt sie andere Vernunfttypen und rationale Denkmuster entgegen: die sumerische Listenmethode, die Dihairesis, das prozessorientierte dialektische Denken, die metaparadoxale Rationalität und das analogische Denken. Ausgehend von diesen Studien widmet sich Gloy in den letzten Jahren nicht zuletzt aufgrund eigener Feldforschung bei rezenten Naturethnien in Papua Neuguinea, Irian Jaya und den Salomonen sowie im Amazonasgebiet der interkulturellen Philosophie.

Darüber hinaus gilt ihr Interesse dem Verhältnis von Philosophie und Kunst und der Frage, ob Philosophie vielleicht eine bestimmt organisierte, argumentative,logische Form von Kunst sei.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschungsbericht und Interkulturelle Philosophie

  • Unter Kannibalen. Eine Philosophin im Urwald von Westpapua. Primus Verlag, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-89678-681-4.
  • Kulturüberschreitende Philosophie. Das Verständnis unterschiedlicher Denk- und Handlungsweisen. Wilhelm Fink, München 2012, ISBN 978-3-7705-5387-7. (Grundsätzlicher, an Beispielen orientierter Beitrag zur Interkulturellen Philosophie, verwendet aber auch eigene Forschungserlebnisse)
  • Denkformen und ihre kulturkonstitutive Rolle. Paderborn 2016, ISBN 978-3-7705-6105-6.
  • Was ist die Wirklichkeit? Fink, Paderborn 2015, ISBN 978-3-7705-5948-0. (Foirschungsbeitrag von Bhutan)

Naturwissenschaftliche und naturphilosophische Fragen

Spekulative Philosophie

  • Einheit und Mannigfaltigkeit. Eine Strukturanalyse des „und“. Systematische Untersuchungen zum Einheits- und Mannigfaltigkeitsbegriff bei Platon, Fichte, Hegel sowie in der Moderne. Habilitationsschrift. de Gruyter, Berlin 1981, ISBN 3-11-008418-X.

als Hrsg.: Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Vorlesungen über Logik und Metaphysik. Heidelberg 1817. Hamburg 1992, ISBN 3-7873-1003-7.

Denkmuster und Rationalitätstypen

  • Vernunft und das Andere der Vernunft. Alber, Freiburg 2001, ISBN 3-495-47890-6.
  • mit Manuel Bachmann: Rationalitätstypen. Alber, Freiburg/ München 1999, ISBN 3-495-47960-0.
  • mit Manuel Bachmann: Das Analogiedenken. Vorstösse in ein neues Gebiet der Rationalitätstheorie. Freiburg/ München 2000, ISBN 3-495-47964-3.
  • Bewusstseinstheorien. Zur Problematik und Problemgeschichte des Bewusstseins und Selbstbewusstseins. 3. Auflage. Alber, Freiburg/ München 2004, ISBN 3-495-48117-6.
  • Kollektives und individuelles Bewußtsein. Fink, Paderborn 2009, ISBN 978-3-7705-4868-2.
  • Denkanstöße zu einer Philosophie der Zukunft. Passagen, Wien 2002, ISBN 3-85165-518-4[2]
  • Von der Weisheit zur Wissenschaft. Alber, Freiburg 2007, ISBN 978-3-495-48256-8.
  • Zwischen Glück und Tragik. Fink, München 2014, ISBN 978-3-7705-5645-8.

Einführungen

Festschrift für Gloy[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alessandro Lazzari: Metamorphosen der Vernunft : Festschrift für Karen Gloy. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2439-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wladimir Alekseevič Abaschnik: Das Vernunftverständnis im postmetaphysischen Zeitalter. Mit besonderer Berücksichtigung der Positionen von Karen Gloy und Wolfgang Welsch. In: Karen Gloy (Hrsg.): Unser Zeitalter – ein postmetaphysisches? (= Studien zum System der Philosophie. Band 6). Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2938-0, S. 73–81. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bei beiden Bänden der Lizenzausg. ist der Obertitel „Das Verständnis der Natur“ als Untertitel angegeben. Im Online-Buchhandel partiell lesbar
  2. Denkanstöße zu einer Philosophie der Zukunft - Gloy, Karen
  3. Kunst und Philosophie