Karin Ugowski

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Karin Ugowski vor der Deutschen Filmpreisverleihung (LOLA) in Berlin 2016.
Karin Ugowski vor der Deutschen Filmpreisverleihung (LOLA) in Berlin 2016.

Karin Ugowski (* 11. Juli 1943 in Berlin) ist eine deutsche Film- und Theaterschauspielerin, Synchronsprecherin, Sprecherin, Produzentin, Kunst- und Kulturförderin sowie Kultur-Veranstalterin mit Arbeitsstationen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Russland, Israel, Ungarn, Polen und den USA.[1][2]

Künstlerisches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karin Ugowski wuchs im zerstörten Deutschland der Nachkriegszeit in Berlin-Johannisthal auf und studierte entgegen dem Wunsch ihrer Eltern von 1962 bis 1965 Schauspiel an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg.

Ein historisches Autogramm von Karin Ugowski aus dem Jahre 1968.
Ein historisches Autogramm von Karin Ugowski aus dem Jahre 1968.

Noch vor Beendigung ihres Schauspielstudiums wurde sie für weibliche Hauptrollen in Märchenkinofilmen der DEFA verpflichtet. Diese Filme gelten heute als Rarität deutscher Filmgeschichte und werden jährlich zur Weihnachtszeit im deutschen Fernsehen wiederholt.[3] Es folgten weitere Hauptrollen in Filmen wie z.B. Signale – Ein Weltraumabenteuer, Osceola, Das unsichtbare Visier, und weitere. Anfang der 1970er-Jahre gehörte sie für mehrere Fälle zum Ermittlerteam des Polizeiruf 110 und spielte in diversen Folgen der TV-Reihe Der Staatsanwalt hat das Wort.

Zeitgleich stand Karin Ugowski an verschiedenen Theatern Berlins auf der Bühne. Bevor sie ab Mitte der 1960er Jahre an die Theaterbühne Volksbühne Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz unter der Intendanz von Benno Besson gerufen wurde, der sie bis 2003 unter der Intendanz von Frank Castorf treu geblieben ist, war sie zuvor kurzzeitig auch am Maxim-Gorki-Theater in Berlin engagiert. Zu bekannten Inszenierungen mit Karin Ugowski an der Volksbühne gehörten unter anderem Jean Baptiste Molières Der Arzt wider Willen unter der Regie von Benno Besson und Heiner Müller oder beispielsweise Ende Gut, Alles Gut von William Shakespeare unter der Regie ihres zweiten Lebensgefährten, des Schauspielers, Oberspielleiters und Regisseurs Helmut Straßburger.[4]

Trotz ihrer aktiven Filmarbeit blieb Karin Ugowski bis 2003 fester Teil des Theater-Ensembles der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und stand mit späteren Filmpartnern wie z.B. Armin Mueller-Stahl, Henry Hübchen und Leander Haußmann auf einer Theater-Bühne, welche später unter der Intendanz von Frank Castorf durch politisch- sowie sozial-kritische und moderne, provokante Inszenierungen international auffallen sollte. Sie gehörte zu den aktiven Befürwortern politischer Veränderungen und des Wandels der Volksbühne unter Frank Castorf und Christoph Schlingensief und setzte sich weiter für das Theater ein, während sie parallel in Film und Fernsehen gastierte und das Ensemble der Volksbühne bereits stark wechselte.

Ihre besondere Wandlungsfähigkeit stellte sie vor einigen Jahren erneut in dem Kurzfilm Open von Charlotte Siebenrock unter Beweis, in dem sie sich innerhalb von drei Minuten von einer alten Tankraststätten-Bedienung in eine jung gebliebene lebensfrohe Frau verwandelte. Der Kurzfilm wurde auf verschiedenen Filmfestivals präsentiert. Von 2005 bis 2009 spielte Karin Ugowski die durchgehende Rolle der Eva Landmann in der Telenovela Wege zum Glück.

Insgesamt wirkte die Schauspielerin in über 80 Theaterproduktion und über 150 Film - und Fernsehproduktionen mit. Politisch galt Karin Ugowski in ihrer Biografie begründet zu jeder Zeit als systemkritisch, was sich auch in ihrem Theater-Engagement und diversen Lesungen widerspiegelt. Seit 2006 ist Karin Ugowski aktives Mitglied der Deutschen Filmakademie.[5]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits während ihres Schauspielstudiums und der ersten großen Kinoerfolge in den 1960er Jahren lernte sie ihren ersten Mann Eberhart Ugowski kennen und heiratete. Zu dieser Zeit wurde ihr erster Sohn geboren. Auch wenn die Ehe nur wenige Jahre hielt, behielt sie, wie damals üblich, den Namen, unter dem sie zumal als Schauspielerin nun einem größerem Publikum bereits bekannt war.[6]

In den 1970er Jahren lebte sie in einer langjährigen Lebenspartnerschaft mit dem am 20. Juni 2010 verstorbenen Regisseur, Theaterleiter und Schauspieler Helmut Straßburger, mit dem sie auch an verschiedenen Theaterinszenierungen zusammen arbeitete und aus der ihr zweiter Sohn, der Autor, unabhängige Theater und Filmemacher, Komponist und Musikproduzent Sebastian Ugovsky entstammt und der ebenfalls in der Branche tätig ist. Er zeichnete unter dem Musik-Pseudonym „Gilmano“ unter anderem für mehrere internationale Musikerfolge verantwortlich, steuerte Musik-Titel zu internationalen US-Kinoproduktionen wie z.B. The Equalizer mit Denzel Washington bei[7], und baute das in Berlin ansässige Musik-Label und die Musikproduktion REQQORD (ehemals „Slo' Jam“) auf.[8] In 2 Filmproduktionen, an denen Karin Ugowski beteiligt war, führte er Regie.[9][10]

In den 1980er Jahren pflegte die Schauspielerin eine langjährige geistige Freundschaft mit dem Autor und Texter Peter Brasch, Bruder des ebenfalls bekannten Autors und Theatermachers Thomas Brasch sowie des Schauspielers Klaus Brasch. Peter Brasch widmete ihr einen Gedichtband (Buch-Widmung) und schrieb das Radio-Hörspiel Die goldene Gans (1989) inspiriert durch ihre Verkörperung der Prinzessin Roswitha in der gleichnamigen Verfilmung von 1964.[11]

Seit 1993 ist Karin Ugowski mit dem Maler und Grafiker Günter Horn, dem letzten lebenden Schüler Otto Nagels, verheiratet, der 1970 für das Bühnenbild einer der erfolgreichsten Inszenierungen der Berliner Volksbühne - Diderots Rameaus Neffe - verantwortlich war und welche nachträglich mehrfach als Fernsehaufzeichnung ausgestrahlt wurde.[12] Mit ihm gemeinsam engagiert sie sich für die Kulturförderung im mecklenburgischen Nordosten Deutschlands.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Eine Auswahl an Kino- und TV-Produktionen)[13]

  • 1963: Frau Holle
  • 1964: Die goldene Gans
  • 1965: Der Nachfolger
  • 1965: Ehering in der Westentasche
  • 1965: Julika
  • 1965: König Drosselbart
  • 1966: Columbus 64
  • 1966: Hat Adam Riese sich verrechnet?
  • 1966: Trick 17b
  • 1967: Die Erben des Manifests: Unterm Wind der Jahre (1-3)
  • 1967: Zielansprache
  • 1968: Der erste Sommer
  • 1968: Geheimkommando Spree (1 & 2)
  • 1969: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1969: Geheime Spuren (1-3)
  • 1969: Tolle Tage
  • 1970: Ceasar & Cleopatra
  • 1970: Signale – Ein Weltraumabenteuer
  • 1971: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1971: Osceola
  • 1972: Polizeiruf 110
  • 1973: Die Nacht der Barrikaden
  • 1973: Polizeiruf 110
  • 1976: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1977: Das unsichtbare Visier - Afrikaanse Broederbond 1
  • 1977: Das unsichtbare Visier - Afrikaanse Broederbond 2
  • 1977: Das unsichtbare Visier - Afrikaanse Broederbond 3
  • 1977: Ehe man Ehefrau bleibt
  • 1978: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1979: Das Ding im Schloß
  • 1980: Ernste Spiele
  • 1981: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1983: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1983: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1983: Im Spiegel
  • 1983: Meine hoffnungsvollen Kinder
  • 1984: Ach du meine Liebe
  • 1984: Das Puppenheim in Pinnow (Fernsehfilm)
  • 1984: Polizeiruf 110
  • 1985: Der Doppelgänger
  • 1986: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1987: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1989: Die Beteiligten
  • 1989: Ein brauchbarer Mann
  • 1989: Polizeiruf 110
  • 1990: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1990: Der Staatsanwalt hat das Wort
  • 1991: Ein kleiner Knall am Nachmittag
  • 1993: Die Männer vom K3
  • 1999: Polizeiruf 110
  • 2001: Polizeiruf 110
  • 2004: Sehnsucht
  • 2005: Der Mörder meines Vaters
  • 2005: Open
  • 2005: Soko Leipzig
  • 2006: Tornado
  • 2007: Die Farben des Regenbogens[14]
  • 2014: Auf dem Weg ins Leben[15]
  • 2017: Foxtrot[16]

Theatrografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Eine Auswahl)[4][17][18]

  • 1964: Der züchtige Klapperstorch. Ein Abend mit Chansons und Gedichten.
  • 1966: Jeanne oder Die Lerche
  • 1967: Kabale und Liebe
  • 1967: Siebentens: Stiehl Ein Bischen Weniger
  • 1968: O, Hamlet, welch ein Aufstieg!
  • 1968: V wie Vietnam
  • 1970: Der Arzt wider Willen
  • 1971: Pfeile des Eros. Ein Sittenbild der Antike
  • 1973: Rameaus Neffe
  • 1974: Familie TÓT
  • 1975: Das schöne grüne Vögelchen
  • 1976: Die Deutschen Kleinstädter
  • 1976: Handbetrieb
  • 1977: Aufzeichnungen eines Toten (Theaterroman)
  • 1979: Das Gewissen
  • 1979: Ende gut, alles gut
  • 1980: Heimat
  • 1980: Vor aller Augen
  • 1981: Der Geizige
  • 1981: Die Verbrecher
  • 1982: Das Sogenannte Privatleben (Aus den Notizen Lopatins)
  • 1984: Mein Dicker Mantel & Prinzessin Zartfuss und die 7 Elefanten
  • 1985: Die kleine Hexe, die nicht böse sein konnte
  • 1985: Garage

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Biography | Karin Ugowski. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  2. Karin Ugowski. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  3. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  4. a b Volksbühne Berlin: Spielzeitchronik 1970 bis 1980. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  5. Mitglieder: Deutsche Filmakademie. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  6. Karin Ugowski. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  7. Sebastian Ugovsky. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  8. Legal notice | REQQORD music. Abgerufen am 19. Juli 2017 (englisch).
  9. Crew United - Das Netzwerk der Film- und Fernsehbranche. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  10. IMDb Resume for Karin Ugowski. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  11. Theaterautoren - henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  12. Lexikon der Fernsehspiele / Encyclopedia of television plays in German speaking Europe. 1978/87. Walter de Gruyter, 1991, ISBN 978-3-11-141195-8 (google.de [abgerufen am 19. Juli 2017]).
  13. Karin Ugowski. Abgerufen am 19. Juli 2017.
  14. Crew United - Das Netzwerk der Film- und Fernsehbranche. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  15. Karin Ugowski bei filmmakers (Detailinformation: Filmografie). Abgerufen am 19. Juli 2017.
  16. Foxtrot (2017). Abgerufen am 19. Juli 2017.
  17. Volksbühne Berlin: Spielzeitchronik 1980 bis 1990. Abgerufen am 19. Juli 2017 (deutsch).
  18. Theatrography | Karin Ugowski. Abgerufen am 19. Juli 2017.