Karl-Foerster-Garten (Bornim)

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Karl-Foerster-Garten
DEU Potsdam COA.svg
Park in Potsdam
Karl-Foerster-Garten
Der Senkgarten, das Herzstück der Anlage
Basisdaten
Ort Potsdam
Ortsteil Potsdam-Bornim
Angelegt 1912
Bauwerke Wohnhaus
Nutzung
Parkgestaltung Karl Foerster
Technische Daten
Parkfläche 0,5 ha

Der Karl-Foerster-Garten ist ein vom deutschen Gärtner und Staudenzüchter Karl Foerster (1874–1970) angelegter Garten in Potsdam-Bornim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glyzinie am Wohnhaus
Der kleine Teich in der Mitte des Senkgartens

Karl Foerster war mit seiner Gärtnerei 1910–1911 von Charlottenburg-Westend[1] nach Bornim b. Potsdam an den Rand der von Peter Joseph Lenné im 19. Jahrhundert gestalteten Bornstedter Feldflur umgezogen. Foerster war an der Königlichen Gärtnerlehranstalt am Wildpark bei Potsdam ausgebildet worden. 1912 wurde das Wohnhaus im englischen Landhausstil mit Anregungen nach dem Architekten Hermann Muthesius (1861–1927) erbaut. Foerster legte rund um sein Wohnhaus ab 1912 auf diesem 5000 Quadratmeter großen Ackergelände Am Raubfang seine Gartenwelten an. Auf diesen Flächen testete er viele seiner insgesamt 300 Züchtungen auf ihre Widerstandsfähigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Frost. In Analogie zur Künstlerkolonie Worpswede wurde Bornim als „Worpswede der Gartengestalter“ bekannt.[2] Karl Foerster betreute die Gartenanlage bis zu seinem Tod im November 1970 selbst. 1927 nach der Heirat mit der Sängerin und Pianistin Eva Hildebrandt und der Geburt der Tochter Marianne im Jahr 1931 folgten geschäftlich schwierige Zeiten: Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren und die Kriegsjahre. Es wurden Kartoffeln und Gemüse angebaut.

Ab August 1945 führte Foerster mit Genehmigung der Sowjetischen Militäradministration seine Gärtnerei als „Züchtungs- und Forschungsbetrieb winterharter Blütenstauden“ weiter. Hermann Göritz bepflanzte 1960/1961 nach Gestaltungen des über 80-Jährigen den Garten in Teilen um und in den 1970er Jahren in eigener Regie abermals. Karl Foersters Tochter Marianne war nach der Gärtnerlehre bei ihrem Vater als Gartenarchitektin im Ausland tätig. Sie kehrte 1990 nach Bornim zurück und kümmerte sich fortan um den Erhalt der Anlage. Nach Foersters Tod wohnte Eva Foerster, seine 28 Jahre jüngere Witwe, weiterhin bis zu ihrem Tod 1997 im Haus.

1972 wurde die privat geführte Gärtnerei als „Volkseigenes Gut Bornimer Staudenkulturen“ in staatliche Führung übernommen, wobei Wohnhaus und Garten in Familienbesitz blieben. Die Tochter Marianne arbeitete ab Ende der 1950er Jahre beim belgischen Landschaftsarchitekten René Pechère als Landschaftsgärtnerin. Anfang der 1990er Jahre kehrte sie aus Brüssel zurück. 1981 war die Karl-Foerster-Gedenkstätte zur Bestandssicherung unter Denkmalschutz gestellt worden.[3] 1983 folgte die Überarbeitung durch Hermann Göritz und Peter Herling. Während der Bundesgartenschau 2001 in Potsdam stellte das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Raumordnung des Landes Brandenburg durch den Sanierungsträger „Bornstedter Feld“ eine Million Mark für die umfassende Rekonstruktion bereit.[4] Das Projekt erarbeitete der Berliner Gartenarchitekt Martin Heisig, der 1957–1960 eine Lehre als Gärtner bei Karl Foerster absolviert hatte. Karl Foerster legte stets großen Wert darauf, dass sein Bornimer Garten jedem interessierten Besucher offenstand. Der Garten wurde bis 2010 von seiner (im nicht öffentlich zugänglichen Haus lebenden) Tochter Marianne Foerster geführt. Mit ihrem Tode wurden Haus und Garten in die von ihr geschaffene Marianne-Foerster-Stiftung, eine treuhänderische Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, überführt.

Lage und Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Adresse des Karl-Foerster-Gartens ist Am Raubfang 6 in 14469 Potsdam-Bornim. Er ist täglich von 9 Uhr bis zum Beginn der Dunkelheit geöffnet. Das Thema des Gartendenkmals sind winterharte Blütenstauden auf den Gartenteilen: Senkgarten, Naturgarten, Steingarten, Frühlingsweg, Herbstbeet. Der Bereich 1960 aufgegebene Versuchsgarten ist mit Züchtungen gestaltet.

Zum Garten gehört ein Gartenteich im bekannten Senkgarten. Dessen Terrassierung durch Trockenmauern wurde in den 1930er Jahren durch Hermann Mattern angelegt. In den Jahren 1960/61 erfolgte eine Überarbeitung durch Hermann Göritz, 1983 gestaltete Göritz gemeinsam mit Peter Herling einzelne Bereiche neu. Zur Bundesgartenschau 2001 wurde das Gartendenkmal rekonstruiert. Hunderte von Pflanzen hat Foerster gezüchtet, allein 70 Rittersporne. Mit einer Länge von 45 Metern und einer Breite von 25 Metern ist der Senkgarten das Herzstück der Anlage. Es stehen Rittersporn, Phlox, Astern und Chrysanthemen zwischen den Gräsern. Den Teich umgeben Iris und Taglilien. Direkt daneben befindet sich der „Frühlingsweg“ mit Großsträuchern wie Haselnuss und Schneeball, die im Frühling ihre volle Pracht zeigen. Anschließend liegt das Herbstbeet, das den Frühlingsweg, den Steingarten und die Farnschlucht verbindet. Gegenüber dem Gartentor stehen noch die Bornstedt_(Potsdam)#Der_Raubfang der Remise Raubfang, dem Waldstück, in dem sich früher das Vieh unterstellen konnte.

Der Garten und das Wohnhaus sind seit 1981 denkmalgeschützt. Durch unauffällige Absperrungen war der private Bereich des Wohnhauses markiert. Um eine dauerhafte Bewahrung dieses Kulturdenkmals sicherzustellen, hatte Marianne Foerster, 2010 im Alter von 79 Jahren verstarb,[5] das Haus und den nach ihrem Vater benannten Garten in Potsdam-Bornim der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn hinterlassen.[6]

Hunderte Sorten von Pflanzen hatte Foerster gezüchtet. Von April bis Oktober finden jeweils am ersten Sonntag des Monats Führungen statt.[7] „Original Foerster-Stauden“ können im benachbarten Laden der als GmbH[8] geführten Gärtnerei erworben werden. Die Stiftung[9] gestaltet die untere Etage mit Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Bibliothek für die Öffentlichkeit zugänglich um und im Obergeschoss (ehemaliges Wohn- und Schlafzimmer von Eva Foerster) wird für Forschungsarbeiten der Arbeitsplatz mit Präsenzbibliothek eingerichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marianne Foerster: Der Garten meines Vaters Karl Foerster. Hg.: Ulrich Timm. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2005. ISBN 3-421-03503-2
  • Heike Kühn (Deutsche Stiftung Denkmalschutz): Die Marianne-Foerster-Stiftung. Wie ein gemeinsames Ziel zum Erfolg für alle wird. In: Gartenpraxis 09/2018, S. 46–49.
  • Norbert Kühn: Karl-Foerster-Garten in Bornim bei Potsdam. Ulmer, Stuttgart 2018. ISBN 978-3-8186-0368-7
  • Norbert Kühn: Karl-Foerster-Garten in Potsdam-Bornim. In: Gartenpraxis 09/2018, S. 34–45.
  • Felix Merk: Eine Spurensuche, die sich sichtbar lohnt. In: Gartenpraxis 09/2018, S. 48.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Karl-Foerster-Garten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verzeichnis der Handel- und Gewerbetreibenden von Charlottenburg mit Westend. In: Berliner Adreßbuch, 1908, V., S. 141. „Karl Förster, Ahornallee 40“ (1908/4888: Ahornallee 40: Eigentümer Henselsche Erben; Bewohner: Gärtnereibesitzer Karl Förster, Geh.Reg.Rat und ord.Prof Wilhelm Förster).
  2. Foersters Stauden
  3. Wohnhaus und Garten Karl Foerster - ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
  4. Foerster-Garten in Potsdams Norden
  5. Vita Marianne Foerster auf der Website der Deutschen Stiftung Denkmalschutz@1@2Vorlage:Toter Link/www.denkmalschutz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Marianne Foersters Erbe ist sicher, Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vom 31. Januar 2011
  7. Treffpunkt jeweils 11 Uhr am Gartentor, an die Stiftung geht der Eintritt von 10 Euro pro Person, Anmeldung ist nicht erforderlich
  8. Foerster-Stauden GmbH seit 1910
  9. Monumente: Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Oktober 2013

Koordinaten: 52° 25′ 14,5″ N, 13° 1′ 13″ O