Karl-Heinz Helbing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Karl-Heinz Helbing (* 7. März 1957 in Mainz-Kastel) ist ein ehemaliger deutscher Ringer und Gewinner der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal im griechisch-römischen Stil im Weltergewicht.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Heinz Helbing begann als 12-jähriger Junge beim ASV Mainz 1888 mit dem Ringen. Unter Anleitung der Trainer Kurt Steinmetz, Nuri Cakici und Franz Schmitt (Ringer) entwickelte er sich rasch zu einem hervorragenden Ringer im griechisch-römischen Stil, der schon als 16-Jähriger im Jahre 1973 deutscher Juniorenmeister (d. i. Altersgruppe bis 21 Jahre) im Weltergewicht wurde. 1974 wurde er auch deutscher Jugendmeister (d. i. Altersgruppe bis 18 Jahre) in der Klasse bis 75 kg Körpergewicht.

1975 überraschte Karl-Heinz die Ringerfachwelt, als er als 18-jähriger Neuling beim Großen Preis der Bundesrepublik Deutschland in Aschaffenburg im Weltergewicht einen hervorragenden 3. Platz belegte. 1976 gelang Karl-Heinz der erste Titelgewinn bei einer deutschen Meisterschaft der Senioren und die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Montreal. In Montreal erlebte der 19-Jährige die größten Sternstunden seiner Laufbahn, denn er gewann dort die Bronzemedaille im Weltergewicht. Für diesen Erfolg zeichnete Bundespräsident Walter Scheel ihn mit dem Silbernen Lorbeerblatt aus.[1]

1977 gelang Karl-Heinz noch einmal ein großer Erfolg im Juniorenbereich, als er in Las Vegas Vizeweltmeister bei den Espoirs (Altersgruppe bis 20 Jahre) im Weltergewicht wurde. Bei der Weltmeisterschaft 1977 in Göteborg traf Karl-Heinz nach drei Siegen in der 4. Runde auf den Silbermedaillengewinner von Montreal Vitezlav Macha. In einem verbissen geführten Gefecht gelang keinem der Athleten eine Wertung, worauf beide wegen Passivität disqualifiziert wurden und mit je 4 Fehlpunkten belastet wurden. Während Karl-Heinz Helbing nach einer knappen Punktniederlage in der 5. Runde gegen den Schweden Lennart Lundell ausscheiden musste, kämpfte sich Macha bis zum Titelgewinn durch.

In den nächsten Jahren gewann Karl-Heinz bei der Weltmeisterschaft 1979 in San Diego im Weltergewicht noch einmal eine Bronzemedaille. Er konnte sich auch noch bei einigen internationalen Meisterschaften im Vorderfeld platzieren, so wurde er z. B. bei der Europameisterschaft 1980 in Prievidza vierter Sieger und belegte den gleichen Platz auch noch bei der Europameisterschaft 1984 in Jönköping, ein weiterer Medaillengewinn gelang ihm aber nicht mehr. 1980 war Karl-Heinz Helbing zum KSV Witten 07 gewechselt, wo ihn Fritz Schrader betreute.

Karl-Heinz Helbing war ein Vielstarter. Bei den internationalen Meisterschaften und den zahlreichen sonstigen Turnieren, die er bestritt besiegte er u. a. folgende hochdekorierte Weltklasseringer: Wjatscheslaw Mkrytschew und Wladimir Galkin aus der UdSSR, Mikko Huhtala und Jouko Salomäki aus Finnland, Petros Galaktopoulos aus Griechenland, Stanisław Krzesiński, Andrzej Franas und Andrzej Supron aus Polen, Lennart Lundell aus Schweden, Gheorghe Ciobotaru und Ștefan Rusu aus Rumänien. Karl-Heinz hatte aber auch Angstgegner, gegen die er nie gewinnen konnte, das waren vor allem Vítězslav Mácha aus der CSSR, Michail Mamiaschwili aus der UdSSR und Ferenc Kocsis aus Ungarn.

Karl-Heinz Helbing, der Installateur gelernt hatte, ist Angestellter der Stadtwerke Mainz. 1986 beendete er seine internationale Karriere. Er wirkte danach bei vielen Vereinen als Trainer, erwähnt seien hier nur der ASV Mainz 1888, die RWG Mömbris-Königshofen und der TSV Gailbach. Zurzeit ist er Landestrainer in Rheinhessen, Assistenztrainer der Frauennationalmannschaft beim Deutschen Ringer-Bund und Cheftrainer der WKG Untere Nahe. Von seinen acht Kindern, von denen einige auch auf der Ringermatte standen, tat sich besonders seine Tochter Sabrina (u.a.Europameisterin) hervor, die zur deutschen Spitzenklasse im Frauenringen zählte.

Internationale Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(alle Wettbewerbe im griechisch-römischen Stil, OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaft, EM = Europameisterschaft, Weltergewicht, damals bis 74 kg Körpergewicht)

Jahr Platz Wettbewerb Gew.-Kl.
1974 8. Junioren-WM in Haparanda Welter Sieger: Janko Schopow, Bulgarien vor Taimuraz Abchasawa, UdSSR und Victor Prentin, Rumänien
1975 3. Großer Preis der Bundesrepublik Deutschland in Aschaffenburg Welter hinter Gheorghe Ciobotaru, Rumänien und Janko Schopow und vor Hans-Joachim Klötzing, BRD und Daniel Emolin, Frankreich
1975 3. EG-Meisterschaft in Fredrikshavn/Dänemark Welter hinter Gian-Matteo Ranzi, Italien und Niels Madsen, Dänemark
1976 7. EM in Leningrad Welter mit einem Sieg über Klaus-Peter Kossow, DDR und Niederlagen gegen Iosif Berischwili, UdSSR und Lennart Lundell, Schweden
1976 Bronze OS in Montreal Welter mit Siegen über Mikko Huhtala, Finnland und Petros Galaktopoulos, Griechenland, einem Unentschieden gegen Janko Schopow und Niederlagen gegen Vitezlav Macha, CSSR und Anatoli Bykow, UdSSR
1977 2. Junioren-WM in Las Vegas Welter hinter Baranow, UdSSR und vor Pankow, Bulgarien und Zapokeny, Polen
1977 3. Turnier in Helsinki Welter hinter Jan Karlsson, Schweden und Mikko Huhtala
1977 6. WM in Göteborg Welter mit Siegen über Lasse Carlssen, Norwegen, Stanisław Krzesiński, Polen und Adrian Popa, Rumänien, und einer Niederlage gegen Lennart Lundell, im Kampf Helbing gegen Macha wurden beide Ringer wegen Passivität disqualifiziert
1978 2. Turnier in Athen Welter hinter Daniel Emolin und vor A. Messiakaris, Griechenland
1978 1. EG-Meisterschaft in Arnheim Welter vor Jacques Van Lancker, Belgien und Feleciano Mariotto, Italien
1978 6. EM in Oslo Welter mit einem Sieg über Berberi, Albanien und Niederlagen gegen Vitešlav Macha und Ferenc Kocsis, Ungarn
1978 10. WM in Mexiko-Stadt Welter mit einem Sieg über Lennart Lundell und einer Niederlage gegen Arif Niftulajew, UdSSR; im Kampf Helbing gegen Stanisław Krzesiński wurden beide Ringer wegen Passivität disqualifiziert
1979 10. EM in Bukarest Welter mit einem Sieg über Feleciano Mariotto und Niederlagen gegen Wjatscheslaw Mrkrytschew, UdSSR und Andrzej Franas, Polen
1979 3. WM in San Diego Welter mit Siegen über Mikko Huhtala, Edy Brun, Schweiz, Iwan Cervantes, Mexiko und Gheorghe Ciobotaru und Niederlagen gegen Janko Schopow und Ferenc Kocsis
1980 4. EM in Prievidza Welter mit Siegen über Ronald Schulz, DDR, Andrzej Franas und Wjatscheslaw Mkrytschew, UdSSR und Niederlagen gegen Nedko Nedew, Bulgarien und Mikko Huhtala
1980 2. EG-Meisterschaft in Sönderborg Welter hinter Matti Övermark, Finnland und vor Feliciano Mariotto und Jacques Van Lancker
1981 5. Großer Preis der BRD in Aschaffenburg Welter hinter Wladimir Galkin, UdSSR, Karoly Kasap, Jugoslawien, Lennart Lundell und Andrzej Supron, Polen und vor Wolfgang Vattes, BRD
1981 2. Turnier in Warschau Welter hinter Wladimir Galkin und vor Wladimir Zabagalin, UdSSR
1981 12. EM in Göteborg Welter nach Niederlagen gegen Wladimir Galkin und Gheorghe Ciobotaru
1981 10. WM 1981 in Oslo Welter mit einem Sieg über Philipe Vidal, Frankreich und Niederlagen gegen Janko Schopow und Alexander Kudrjawzew, UdSSR
1982 1. World-Cup in Budapest Welter vor Wladimir Arsenjew, UdSSR, Tibor Komáromi, Ungarn, Ichiro Tani, Japan und David Butler, USA
1982 1. Turnier in Klippan/Schweden Welter vor Wladimir Galkin, Magnus Fredriksson, Schweden, Roger Tallroth, Schweden und Andrzej Supron
1982 7. WM in Edmonton Welter mit Siegen über Jouko Salomäki, Finnland und Andrzej Supron und Niederlagen gegen Alexander Kudrjawzew und Stojan Wasiljew, Bulgarien
1983 2. "Werner-Seelenbinde"-Turnier in Leipzig Welter hinter Wladimir Zabagalin und vor Wladimir Saporoschenkow, UdSSR
1983 12. EM in Budapest Welter nach Niederlagen gegen Kanuguine, UdSSR und Andrzej Supron
1983 8. WM in Kiew Welter mit einem Sieg über Olsen, Norwegen und Niederlagen gegen Michail Mamiaschwili, UdSSR und Takahiro Muchai, Japan
1984 4. Großer Preis der BRD in Freiburg im Breisgau Welter hinter Michail Mamiaschwili, Roger Tallroth, Ștefan Rusu, Rumänien und vor J. Jamon, CSSR und P. Vamos, Ungarn
1984 4. EM in Jönköping Welter mit Siegen über Andrzej Supron, Branko Dukic, Jugoslawien und Stefan Rusu und Niederlagen gegen Roger Tallroth und Michail Mamiaschwili
1984 11. OS in Los Angeles Welter mit einem Sieg über Stratico, Argentinien und Niederlagen gegen Kim Young-Nam, Südkorea und Christopher Catalfo, USA
1985 6. WM in Kolbotn/Norwegen Welter mit Siegen über Oliver, USA, Martial Mischler, Frankreich, Tabatabai, Iran und Jouko Salomäki und Niederlagen gegen Michail Mamiaschwili und Borislaw Welitschkow, Bulgarien

Deutsche Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Platz Gew.-Kl.
1975 2. Welter hinter Hans-Joachim Klötzing, Hamburg und vor Peter Schöffler, Freiburg im Breisgau
1976 1. Welter vor Hans-Joachim Klötzing und Kurt Gansserich, Witten
1977 1. Welter vor Hans-Joachim Klötzing und Wolfgang Engel, Baienfurt
1978 1. Welter vor Hans-Joachim Klötzing und Frank Fritsche, Bonn
1979 1. Welter vor Lothar Ruch, Aldenhoven und Frank Fritsche
1980 1. Welter vor Frank Fritsche und Lothar Ruch
1981 1. Welter vor Wolfgang Vattes, Freiburg und Norbert Hilzendegen, Mainz
1982 1. Welter vor Wolfgang Vattes und Raimund Feser, Baienfurt
1983 1. Welter vor Erich Klaus, Reilingen und Raimund Feser
1984 1. Welter vor Raimund Feser und Wolfgang Vattes
1985 1. Welter vor Raimund Feser und Norbert Hilzendegen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • diverse Ausgaben der Fachzeitschriften Athletik aus den Jahren 1974 bis 1975 und Der Ringer aus den Jahren 1976 bis 1985,
  • Hundert Jahre Ringen in Deutschland. Verlag „Der Ringer“, Niedernberg, 1991,
  • Website des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften der Universität Leipzig
  • Website der WKG Untere Nahe

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Landshut, Sportchronik 1974-76: .... 1976 Empfang der deutschen Olympiamannschaft im Oktober beim Bundeskanzler Helmut Schmidt in Bonn und Auszeichnung mit dem Silbernen Lorbeerblatt ...