Karl-Heinz Hoffmann (Rechtsextremist)

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Karl-Heinz Hoffmann. Aufnahme aus dem Jahr 2011

Karl-Heinz Hoffmann (* 27. Oktober 1937 in Nürnberg) ist als deutscher Neonazi bekannt geworden. Er war Gründer der nach ihm benannten und 1980 verbotenen rechtsterroristischen Wehrsportgruppe Hoffmann.

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoffmann wurde 1937 in Nürnberg geboren. Sein Vater war Arzt und fiel 1940 im Zweiten Weltkrieg. Die Familie wurde während der Luftangriffe auf Nürnberg nach Kahla in Thüringen evakuiert, wo Hoffmann aufwuchs. Er erlernte den Beruf des Porzellanmalers und wurde Mitglied der Gesellschaft für Sport und Technik (GST). 1953 flüchtete er in die Bundesrepublik Deutschland und kehrte nach Nürnberg zurück. Dort begann er eine Ausbildung als Grafiker und besuchte anschließend die Nürnberger Akademie für bildende Künste und schließlich die Kunstakademie in München.

Bis 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1950er Jahren unternahm Hoffmann mehrere Reisen in die Türkei, den Iran und nach Indien. 1968 trat er in der Uniform eines Offiziers der Luftwaffe der Wehrmacht bei einer Veranstaltung in einem Nürnberger Café zusammen mit einigen Männern in SS-Uniformen und Frauen in BDM-Kleidern zu einer Tonband-Geräuschkulisse aus Granatengeheul und MG-Salven auf. Er engagierte sich als „Jugendreferent“ bei der wiedergegründeten Frontkämpferorganisation Stahlhelm.[1] Hoffmann erklärte mehrfach, keine neonazistischen Ziele zu verfolgen. Er spekulierte jedoch über einen Wiederanschluss Österreichs an Deutschland, weshalb ihm wegen nationalsozialistischer Propaganda die Einreise nach Österreich auf unbestimmte Zeit verwehrt wurde, und bekundete auch große Bewunderung für die Person Adolf Hitlers.[2]

„Es wäre doch ganz einfach töricht zu leugnen, dass Adolf Hitler genial war und dass er zweifellos sehr viele Dinge hier gemacht hat, wo wir heute langsam wieder drauf kommen, sie wieder tun.“

Karl-Heinz Hoffmann, 1974[3]

1973 gründete Hoffmann die nach ihm benannte Wehrsportgruppe Hoffmann. Diese wurde 1980 als verfassungsfeindliche Organisation verboten.

Hoffmann hatte Kontakte zu dem DVU-Chef und Verleger der Deutschen National-Zeitung Gerhard Frey. Frey übernahm 1976 „aus nationaler Solidarität“ Hoffmanns Gerichtskosten in Höhe von 8.000 DM.

Am 19. Dezember 1980 wurden der jüdische Verleger und ehemalige Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Shlomo Lewin, und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke in Erlangen von Uwe Behrendt, einem Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann, erschossen. Eine Beteiligung Hoffmanns bzw. ein von ihm gegebener Mordauftrag wurde vermutet, konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Es kam nie zu einer Verurteilung, da der mutmaßliche Täter Selbstmord beging.[4]

Am 16. Juni 1981 wurde Hoffmann auf dem Flughafen Frankfurt verhaftet und aufgrund verschiedener Delikte angeklagt. Wegen Geldfälschung, Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung sowie Vergehen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz wurde er 1984 vom Landgericht Nürnberg-Fürth zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt,[5] die er in Bayreuth verbüßte. Wegen guter Führung und „günstiger Sozialprognose“ wurde er 1989 aus dem Gefängnis entlassen.[6] Die WSG war mittlerweile zum Mythos in der Neonaziszene geworden; es existieren beispielsweise T-Shirts mit dem Konterfei des „Chefs“, wie Hoffmann sich selbst in Anlehnung an Ernst Röhm nannte.

Entwicklung nach 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Ermreuth

Nach seiner Haftentlassung gründete Hoffmann zusammen mit seiner Ehefrau Franziska Anfang der 1990er Jahre mehrere Bau- und Sanierungsfirmen in Nürnberg und Umgebung. Zu dem Firmenkonglomerat gehörten später bis zu 15 Unternehmen. Mit dem Fall der Mauer in der DDR übersiedelte er nach Kahla, erhielt sein Elternhaus zurück und sanierte bzw. errichtete hier zahlreiche Büros und Wohnungen. Größere Teile der Kahlaer Innenstadt, darunter über ein Dutzend Häuser, kamen in den Besitz des Paares, das zu den größten Investoren in der Kleinstadt zählte. Auch in Nürnberg wurde Immobilieneigentum zum Zwecke der Sanierung erworben. Außerdem betrieb Hoffmann zwei Antiquitätenläden in Nürnberg und München.

Eine von Hoffmann betriebene Gaststätte entwickelte sich zum Treffpunkt der lokalen Neonaziszene. Gleichzeitig nahm dieser Kontakt auf zu ehemaligen Mitstreitern wie dem mittlerweile für die NPD in Sachsen tätigen Ex-WSG-„Unterführer“ Bernd Grett oder dem Ex-WSG-„Offizier“ Anton Pfahler. Geschäftliche Beziehungen unterhielt Hoffmann zeitweilig auch zu Wilhelm Tell, einem Architekten und Chef der Republikaner in Jena. Ab Ende 2000 zog sich Hoffmann zunehmend aus Kahla zurück und übersiedelte zurück nach Schloss Ermreuth bei Neunkirchen am Brand, wo sich bereits das Hauptquartier der WSG befunden hatte. Die Firmen in Kahla wurden weitgehend abgewickelt. 2004 erwarb er mehrere Immobilien im westsächsischen Kohren-Sahlis, darunter ein ehemaliges Rittergut mit Herrenhaus und Stallungen, in dem ehemals der Schriftsteller Börries Freiherr von Münchhausen gewohnt hat. Für das Rittergut Sahlis schuf Hoffmann die gemeinnützige Fiduziarische Kulturstiftung Schloss Sahlis, um Fördergelder zur Erhaltung des Kulturdenkmals Schloss Sahlis zu bekommen. Für die Erhaltung und Pflege hat er in den Jahren 2005 bis 2007 rund 130.000 Euro vom Freistaat Sachsen bezogen.[7] Dort züchtete Hoffmann Bio-Wollschweine. Selbst bezeichnete er sich mittlerweile als "ein sozialistischer Öko-Faschist".[8]

Im Jahr 2010 hielt Hoffmann einen Vortrag im Gasthof Zollwitz in Hausdorf (Colditz).[9][10] Anschließend wurden Hoffmanns Wohnung und sein Gutshof, im Rahmen von Ermittlungen gegen eine neonazistische Gruppe um André Kapke, von Einsatzkräften wegen des Verdachts eines geplanten Sprengstoffanschlags durchsucht. Die Durchsuchung verlief ergebnislos. Nach Aufdeckung der terroristischen Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrundes, zu dem auch Kapke Verbindung hatte, kündigte die Staatsanwaltschaft Jena an, die Untersuchungen wieder aufzunehmen.[11]

2011 kündigte Hoffmann auf seiner Website ein Referat im sogenannten „Nationalen Zentrum“ der NPD in Leipzig mit den Themen „Rechtsbedenkliche Methoden der bundesdeutschen Justiz“, „Das Problem der globalen Überbevölkerung und die Auswirkungen auf unseren Lebensraum“ und „Die wahre Geschichte der Wehrsportgruppe Hoffmann“ an. Wenige Tage nach Bekanntwerden der NSU-Morde und -Überfälle wurde die Veranstaltung abgesagt, da nach Aussagen Hoffmanns „die NPD meint, sie könne sich in Anbetracht des durch die Berichterstattung zur ‚Zwickauer Zelle‘ ausgelösten antifaschistischen Tsunamis keine Veranstaltung erlauben“.[12]

2012 hielt Hoffmann bundesweit 12 Vorträge, wie er gegenüber Report Mainz angab, davon drei in Baden-Württemberg und einen in der Westpfalz. Laut Hoffmann haben auch Funktionäre der verbotenen neonazistischen Organisation „Wiking-Jugend“ daran teilgenommen.[13][14][15] Die Aufzeichnung der Vorstellung seines Buches zum NSU vom 27. Oktober 2012 in Ermreuth wurde als YouTube-Video online gestellt, ebenso wie das Gespräch über „Rechte Gewalt“ mit dem Journalisten Olaf Sundermeyer vom 1. August 2012 in Ermreuth. Sundermeyer hat das Gespräch für sein am 23. Oktober 2012 erschienenes Buch „Rechter Terror in Deutschland – Eine Geschichte der Gewalt“ verwendet.

Der Abwasserzweckverband Wyhratal erwirkte 2016 die Zwangsversteigerung von Schloss Sahlis wegen nichtgezahlter Abwassergebühren.[8][16] Gekauft wurde das Rittergut von einem damals 21-jährigen Bieter aus Nordrhein-Westfalen, der persönlich nie in Erscheinung trat.[17]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Fromm: Die "Wehrsportgruppe Hoffmann": Darstellung, Analyse und Einordnung: ein Beitrag zur Geschichte des deutschen und europäischen Rechtsextremismus. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1998.
  • Andrea Röpke: Ex-WSG-Chef kauft Rittergut. In: Blick nach rechts. Nr. 9/2004.
  • Andrea Röpke, Berny Vogl: Was macht eigentlich...? Karl-Heinz Hoffmann. In: Der rechte Rand. Nr. 84. September/Oktober 2003.
  • Patrick Moreau: Les héritiers du IIIe Reich. L'extrême droite allemande de 1945 à nos jours. Paris 1994.
  • Ulrich Chaussy: Oktoberfest. Das Attentat. Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann. Ch. Links Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86153-757-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Grumke, Bernd Wagner: Handbuch Rechtsradikalismus: Personen, Organisationen, Netzwerke : vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft. Leske & Buderich, 2002, S. 170.
  2. Ihnen wäre das Lachen vergangen. In: Der Spiegel. 48/1980, S. 76f.
  3. Die Wehrsportgruppe Hoffmann. In: Panorama. 11. März 1974. (online)
  4. Wolfgang Most: Vereinigung der Einzeltäter: Wehrsportgruppe Hoffmann. In: haGalil onLine. 3. Januar 2006, abgerufen am 1. Januar 2011.
  5. Bundesminister des Innern, Verfassungsschutzbericht 1984, 1985, S. 194.
  6. Moses und Schweine. In: Der Spiegel. 31/1989, 31. Juli 1989.
  7. Kleine Anfrage (Drucksache 5/4674) der sächsischen Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz
  8. a b Karl-Heinz Hoffmann: Seine Webseite ist ein Exerzierplatz für Verschwörungstheorien. In: Die Zeit. 3. Februar 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 9. Mai 2017]).
  9. Fahnder verhaften Neonazi wegen Terrorverdacht, fr-online.de 29. November 2011.
  10. spiegel.de
  11. Nach Nazi-Mordserie: "Wehrsportgruppe Hoffmann" im Visier der Ermittler. In: Die Welt. 17. November 2011.
  12. Christian Fuchs: NPD lädt rechtsextremen Redner aus. In: Spiegel-online. 27. November 2011.
  13. swr.de
  14. swr.de
  15. nordbayern.de
  16. LVZ-Online: Rechtsextremist zieht sich aus Sachsen zurück – Rittergut von Karl-Heinz Hoffmann in Kohren-Sahlis wird zwangsversteigert – LVZ - Leipziger Volkszeitung. Abgerufen am 9. Mai 2017 (deutsch).
  17. Thomas M.: Trubel um Rittergut Kohren Sahlis Karl Heinz Hoffmann (MDR 27.01.16). 4. Februar 2016, abgerufen am 9. Mai 2017.