Karl-Heinz Pahling

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Karl-Heinz Pahling kurz nach der Haftentlassung, ca. 1962

Karl-Heinz Pahling (* 5. Februar 1927 in Vinzelberg; † 16. März 1999 in Uchtspringe) war einer der Streikführer beim Volksaufstand des 17. Juni 1953 in der Deutschen Demokratischen Republik. Er wurde verhaftet und zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im November 1960 wurde er entlassen, aber erst nach dem Ende der DDR vollständig rehabilitiert.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Heinz Pahling war der Sohn eines Stellmachers der Bahn. Aufgewachsen ist er in Stendal, wo er auch die Schule besuchte. Kurz vor Kriegsende wurde er als 17-Jähriger noch eingezogen und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Er wurde 1947 entlassen und blieb zunächst in Westdeutschland. Im Jahre 1951 kehrte er zurück in die Altmark, die inzwischen zur DDR gehörte. Er ging als Gleisarbeiter zur Bau-Union der Reichsbahn. Dort war er in der Nähe der Kleinstadt Niemegk im Bezirk Potsdam beschäftigt, als am 16. Juni 1953 die Nachrichten über die beginnenden Unruhen der Bauarbeiter in der Hauptstadt Berlin auch in andere Teile des Landes durchsickerten.

Der Streikführer Karl-Heinz Pahling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem ehemaligen Gelände der Ziegelei in Niemegk versammeln sich in den frühen Morgenstunden des 17. Juni 1953 die Gleisbauarbeiter der Deutschen Reichsbahn. Sie solidarisieren sich mit den Forderungen der streikenden Bauarbeiter in Berlin und beschließen, eine Abordnung mit ihren Forderungen zur SED-Kreisleitung nach Belzig zu schicken. Nach und nach schließen sich die Arbeiter der Ziegelei und große Teile der Bevölkerung von Niemegk der Demonstration an. Es formiert sich ein Demonstrationszug von ca. 1000 Personen, der sich zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz begibt. Hier beschließen die Demonstranten, um 14:00 Uhr geschlossen nach Belzig zu fahren, um mit einem Demonstrationsmarsch durch die Stadt ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Der 26-jährige Gleisbauarbeiter Karl-Heinz Pahling, dem größten Teil seiner Kollegen eher unter dem Spitznamen „Tom Brack“ bekannt, wird in das vierköpfige Streikkomitee gewählt. Dieses stellt einen Forderungskatalog zusammen, den eine Abordnung des Komitees dem Rat der Stadt Belzig überbringen soll. Die Forderungen der Arbeiter beinhalten unter anderem:

  • Haftentlassung ihrer wegen politischer Vergehen verurteilten Arbeitskollegen der Bau-Union
  • Herabsetzung der Normen
  • Abschaffung des Spitzelsystems
  • freie Wahlen und Abzug aller Besatzungstruppen in ganz Deutschland

Karl-Heinz Pahling verbleibt zunächst bei den wartenden Demonstranten in Niemegk. Doch es werden immer mehr Stimmen laut, die eine Fortsetzung der Demonstration direkt in Belzig zur Unterstützung der Forderungen verlangen.

Pahling fühlt sich für die Organisation des Demonstrationszuges verantwortlich. Er organisiert einen aus offenen Güterwaggons bestehenden Sonderzug, beschafft einen geschlossenen Waggon für die Teilnahme zweier Schulklassen, formiert den Demonstrationszug in Belzig, verhindert Ausschreitungen gegen SED-Funktionäre, verhandelt mit dem russischen Kommandeur eines Mannschaftswagens, dessen Besatzung den Demonstrationszug in Höhe der Wiesenburger Brücke unter Abgabe von Warnschüssen sprengen wollen, und fordert daraufhin Geleitschutz für die Demonstranten durch die Kasernierte Volkspolizei (KVP). Vor dem Rat des Kreises Belzig vereinigt sich der Demonstrationszug aus Niemegk mit den demonstrierenden Bauern aus der Umgebung und Teilen der Belziger Bevölkerung. Karl-Heinz Pahling erläutert von einer Mauer herab den Demonstranten noch einmal die 19 Punkte umfassenden Forderungen. Danach begibt er sich mit einer Verhandlungsdelegation in den Rat des Kreises. Nach dem Eintreffen weiterer sowjetischer Mannschaftswagen wird die Delegation von zwei sowjetischen Offizieren aus dem Rat verwiesen. Die Demonstranten werden unmissverständlich aufgefordert, den Platz vor dem Rat zu räumen, und Pahling gibt ihnen resignierend bekannt: „Die Russen haben uns rausgeschmissen.“

Die Verurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst kann er sich noch einige Tage verstecken, bevor er am 25. Juni 1953 schließlich festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis in Potsdam gebracht wird. Viele Monate lang weiß er nicht, wo er sich überhaupt befindet, da er mit verschlossenen Augen in das Gefängnis gebracht wurde und ihn niemand über seinen Aufenthaltsort aufklärt.

Als einziger des vierköpfigen Streikkomitees wird er am 19. August 1953 vom I. Strafsenat des Bezirksgerichts Potsdam wegen Verbrechens nach Artikel 6 der Verfassung der DDR zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Damit erhält er die höchste Freiheitsstrafe, die im Bezirk Potsdam im Zusammenhang mit den Ereignissen des 17. Juni 1953 ausgesprochen wird. Trotz mehrerer Gnadengesuche wird Karl-Heinz Pahling erst am 19. November 1960 aus dem Zuchthaus Brandenburg entlassen.

Nach der Entlassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl-Heinz Pahling bei der Einweihung der Gedenktafel vor der JVA Brandenburg im Oktober 1996

Nach seiner Haftentlassung geht er nach Stendal zurück. Er heiratet und wird zweifacher Vater.

Nach der Wende 1989 ist er in der ostdeutschen sozialdemokratischen Bewegung tätig. Später wird er aktives Mitglied der Sozialdemokratischen Partei. Er war auch (Gründungs-) Mitglied verschiedener Organisationen von politischen Gefangenen in der ehemaligen DDR. In den folgenden Jahren trat er in Kontakt mit Organisationen ehemaliger politischer Gefangener in der ganzen Welt.

Pahling wurde im Jahre 1991 vollständig rehabilitiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]