Karl Bernhardi

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Karl Bernhardi

Karl Christian Sigismund Bernhardi (* 5. Oktober 1799 in Ottrau, Hessen; † 1. August 1874 in Kassel) war ein deutscher Schriftsteller, Bibliothekar, Publizist und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn des Predigers Johann Christian Bernhardi (* 8. April 1767 in Bacharach; † 11. Juli 1837 in Zierenberg) und dessen Ehefrau Sabine, geborene Claudi (* 11. September 1769 in Wetter bei Marburg; † 13. Juli 1836 in Zierenberg), studierte Karl Bernhardi Evangelische Theologie und Philologie an der Philipps-Universität. 1816 wurde er im Corps Hassia Marburg aktiv.[1] 1817 schloss er sich der Burschenschaft Alte Germania Marburg an.[2] Von 1819 bis 1823 war er Hauslehrer in Brüssel, setzte anschließend sein Studium der Philologie an der Reichsuniversität Löwen fort, an der er 1826 zum Dr. phil. promovierte und Bibliothekar. 1829 wurde er als Erster Bibliothekar an die Kurhessische Bibliothek berufen.

Grab von Karl Bernhardi auf dem Hauptfriedhof in Kassel

Die Kurhessische Verfassung von 1831 fand in ihm einen ihrer aktivsten Vorkämpfer. So war er 1831 Mitbegründer und Redakteur der Zeitung Der Verfassungsfreund und gehörte 1833 der kurhessischen Ständeversammlung an. 1834 gründete er in Kassel die Anstalt zur Erziehung armer und verwahrloster Knaben. Er war Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Kassels und Vorsteher des Bürgerausschusses von 1835 bis 1841.

Vom 18. Mai 1848 bis zum 21. Mai 1849 war er Abgeordneter für den 2. kurhessischen Wahlbezirk Eschwege in der Frankfurter Nationalversammlung. Er gehörte zu Heinrich von Gagerns Casino-Fraktion und gab von Juni bis Oktober 1848 die Flugblätter aus der Nationalversammlung heraus. Nach der Auflösung der Nationalversammlung nahm er am Gothaer Nachparlament teil.

Von 1859 bis 1874 war er der Leiter kurhessischen Landesbibliothek als einer der Nachfolger von Jacob Grimm. Im selben Jahr wurde er Vorstandsmitglied des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, den er 1834 mit gegründet hatte und dessen Vorstand er bis zu seinem Tode angehörte.

Als Mitglied der Nationalliberalen Partei saß er von 1867 bis Oktober 1868 im Preußischen Abgeordnetenhaus und von 1867 bis 1870 im Reichstag (Norddeutscher Bund).[3][4][5]

Familie[Bearbeiten]

Karl Bernhardi war seit 1838 mit Ida Engelhard (* 3. Oktober 1811 in Kassel; † 1. Oktober 1866 ebenda), Tochter des Kasseler Obergerichtsdirektors Wilhelm Gotthelf Engelhard und dessen erster Gattin Karoline Heym (1795–1821), verheiratet. Beider Sohn war Heinrich Bernhardi.

Ehrungen[Bearbeiten]

Unvollständige Liste

Werke[Bearbeiten]

Außer vielen Aufsätzen und Flugschriften veröffentlichte er

  • De excidio regni judaici. Löwen 1824 (gekrönte Preisschrift)
  • Übersetzung von Marie Degérandos: Fortschritte des Gewerbfleißes. Kassel 1842
  • K. Schomburgs Nachlaß und Briefwechsel. Kassel 1843
  • Wegweiser durch die Volks- und Jugendschichten. Leipzig 1852
  • Die Sprachgrenze zwischen Deutschland und Frankreich. Kassel 1871
  • Sprachkarte von Deutschland. Kassel 1843, 1849

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Korps-Listen 1910, 160, 74
  2. Peter Kaupp: Burschenschafter in der Paulskirche, Dieburg 2005
  3. Bernhard Mann (Bearb.): Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Droste Verlag, Düsseldorf 1988, S. 63 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3)
  4. Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann (Bearb.): Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870. Historische Photographien und biographisches Handbuch. Droste Verlag, Düsseldorf 1989, Foto S. 67, Kurzbiographie S. 376 f. (Photodokumente zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Band 2)
  5. Fritz Specht, Paul Schwabe: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Auflage. Carl Heymanns Verlag, Berlin 1904, S. 149

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Altmüller: Bernhardi, Karl Christian Sigismund. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 460 f.
  • Stefan Arend: Karl Bernhardi und die erste Sprachkarte des deutschen Sprachgebiets von 1843. Mit einer Reproduktion der Karte von 1843. Kassel 2003. (ISBN 3-00-012590-6)
  • Stefan Arend: Die Grenzen der Zungen. Dr. Karl Bernhardi (1799–1874) und die erste Sprachkarte des Deutschen – eine kulturelle Meisterleistung aus Kassel. In: KulturMagazin (Kassel) Nr. 102, Juli/August 2004, S. 24.
  • Stefan Arend: Das Land der Deutschen mit der Sprache suchen. Politik durch Germanistik: Wie Karl Bernhardi die Grenzen des Reichs durch Philologie festlegen wollte. Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 206 vom 5. September 2003, S. 40. (Inhaltsgleich mit Dingeldein ohne Quellenangabe)
  • Heinrich J. Dingeldein: Karl Bernhardi und die Sprachgrenzen im Deutschen. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Sprachwissenschaft im 19. Jahrhundert. In: Angelika Braun (Hrsg.): Beiträge zur Linguistik und Phonetik. Steiner, Stuttgart 2001, S. 161–175.
  • W.[ilhelm] Hopf: Bernhardi, Karl. In: Ingeborg Schnack (Hg.): Lebensbilder aus Kurhessen und Waldeck 1830–1930. Erster Band. Marburg 1939, S. 23–26
  • Bernd Haunfelder, Klaus Erich Pollmann: Reichstag des Norddeutschen Bundes 1867-1870, Droste, Düsseldorf 1989, ISBN 3-7700-5151-3
  • Norbert Nail: Ein politischer Chronist. Ein Preisrätsel um Korporierte, die Spuren hinterließen. In: Studenten-Kurier 3/2012, S. 20-21; 4/2012, S. 25
  • Jakob Petmecky: Karl Bernhardi: ein kurhessischer Vorkämpfer der deutschen Einheitsbewegung. Sommer, Bad Ems 1929

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Karl Bernhardi – Quellen und Volltexte