Karl Bruchhaus

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Karl Bruchhaus (* 26. Februar 1903; † nach 1980) war ein deutscher Jurist. Als Oberstaatsanwalt beim Volksgerichtshof wirkte er an zahlreichen Todesurteilen der NS-Kriegsjustiz mit.

Leben und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch studierte Bruchhaus Rechtswissenschaften. Mit Prüfungsdatum vom 8. Juni 1928 promovierte er an der Universität Köln zum Dr. jur.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Bruchhaus, den Volker Hoffmann als „einen Mann der zweiten Generation der Nazi-Anwälte“ kennzeichnet, als Ankläger beim Volksgerichtshof berufen.[1] Gemäß den Angaben des nach dem Zweiten Weltkrieg in der Deutschen Demokratischen Republik entstandenen Braunbuches über Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik war Bruchhaus in seiner Eigenschaft als Erster Staatsanwalt und Vollstreckungsleiter beim Oberreichsanwalt (= Vertreter des Oberreichsanwaltes beim Volksgerichtshof) während der Kriegsjahre als Ankläger an mindestens 33 von diesem Gericht verhängten Todesurteilen beteiligt.[2] Der Journalist Walter Oehme gelangte aufgrund der großen Zahl von Menschen, die der Jurist während des Krieges dem Henker überantwortete, später aufgrund der Durchsicht der Akten des Volksgerichtshofes zu der Auffassung, dass Bruchhaus’ Name sich wie „der Geist des Bösen und der Vernichtung“ durch die Rechtsprechung des Volksgerichtshofes gezogen habe.[3]

So war Bruchhaus an den Todesurteilen – und somit in letzter Konsequenz auch Hinrichtungen – gegen Hanno Günther, Wolfgang Pander, Emmerich Schaper, Bernhard Sikorski und Alfred Schmidt-Sas (am 13. Oktober 1942 zum Tode verurteilt), gegen Adam Leis, Anton Breitinger, Edmund German, Karl Götting, Otto Häuslein Wilhelm Hugo, Wilhelm Klöppinger und Julius Nees (alle am 26. Juni 1942 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt), gegen Herbert Neubeck (am 2. Februar 1943 wegen Vorbereitung zum Hochverrat und landesverräterische Feindbegünstigung zum Tode verurteilt), gegen Alois Geiger (am 17. September 1943 zum Tode verurteilt) und gegen Wilhelm Friedrich Beuttel, Albert Alfred Kamradt und Willi Seng (am 24. Mai 1944 zum Tode verurteilt) beteiligt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg amtierte Bruchhaus als Oberstaatsanwalt beim Landgericht in Wuppertal. 1961 wurde er vorzeitig, aber mit vollen Bezügen pensioniert.

Ein im Februar 1958 auf Veranlassung der Witwe des während des Krieges auf einen von Bruchhaus als Vertreter der Staatsanwaltschaft eingereichten Antrag hin zusammen mit fünf Gesinnungsfreunden zum Tode verurteilten und hingerichteten Adam Leis eingeleitetes Strafverfahren gegen Bruchhaus wurde im Juli desselben Jahres wieder eingestellt.[4]

Eine 1980 von der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes gegen Bruchhaus gestellte Strafanzeige wurde nicht verfolgt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Verarbeitungserwerb nach Bürgerlichem Recht, Köln 1928.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Hoffmann: Hanno Günther, ein Hitler-Gegner, Berlin 1992, S. 157.
  2. Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik und in Westberlin. 3. Aufl. Berlin (Ost) 1968, S. 118 (Text im Internet (Memento vom 3. März 2011 im Internet Archive)).
  3. Walter Oehme: Ehrlos für immer, 1962, S. 60.
  4. „Leichte Fälle?“, in: Der Spiegel vom 17. Februar 1960.