Karl Christian Gottlob Sturm

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Karl Christian Gottlob Sturm (in der bibliographischen Literatur irrtümlich auch Karl Christoph Gottlieb genannt); (* 30. April 1780 in Hohenleuben, Vogtland; † 18. Mai 1826 in Bonn) war ein deutscher Agrarökonom und zuletzt Professor für Kameralwissenschaften in Jena und Bonn sowie herzoglicher Hofrat.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sturm studierte 1798 bis 1800 an der Universität Jena Ökonomie und Kameralwissenschaften, ab 1800 an der Bauakademie Berlin. Anschließend sammelte er insbesondere in Mecklenburg praktische Erfahrung im Bauwesen. 1807 promovierte er an der Universität Jena zum Dr. phil., erhielt noch im gleichen Jahr eine außerordentliche und 1809 eine ordentliche Professur für Ökonomie (im Sinne von Landwirtschaft) und Kameralwissenschaften an der Philosophischen Fakultät in Jena. Im Ergebnis von Studienreisen durch das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und als Mitglied der Landes-Güterverwaltungs-Kommission kannte Sturm die landwirtschaftlichen Verhältnisse und Bedürfnisse der Region.

Durch gute Kontakte zum Herzog Karl August und dessen Protektion wurde 1814 auf dem Kammergut das „Landwirtschaftliche Institut Tiefurt“ gegründet und Sturm als Direktor ernannt. Er unterrichtete hier in den Sommersemestern und ermöglichte den Schülern eine praxisnahe Ausbildung auf den drei Kammergütern Tierfurt, Oberweimar und Lützendorf. In den Wintersemestern nahm er darauf in seinen Vorlesungen über Kameralwissenschaften an der Universität Jena starken Bezug, 1819 wechselte er an die Universität Bonn, wo er eine Professur für Landwirtschaft und Kameralwissenschaften erhielt und ab 1822 den Aufbau des Mustergutes in Poppelsdorf als Hauptteil eines neuen landwirtschaftlichen Institutes begann. Durch seinen frühen Tod wurde diese Entwicklung unterbrochen und erst 1847 mit der Höheren Landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Poppelsdorf fortgesetzt.

Sturm gehört das Verdienst, bereits in Jena und Tiefurt eine wissenschaftlich fundierte, also akademische Ausbildung von Landwirten begonnen, die Agrarwissenschaften als eigenes Fachgebiet herausgearbeitet und den Anstoß für andere Lehrer und Einrichtungen gegeben zu haben. Er wurde 1820 in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina aufgenommen[1] und war herzoglich Sachsen-Coburgischer Hofrat.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mineralogie der Baukunst. Chemnitz 1800
  • Vorschlag zur Einführung blecherner Schornsteinröhren. Himburg, Berlin 1803, online in der Google-Buchsuche
  • Bemerkungen über einige Mängel der niederdeutschen Landbaukunst, nebst Vorschlägen dieselben zu verbessern. Himburg, Berlin 1806, online in der Google-Buchsuche
  • Grundlinien einer Encyklopädie der Kameralwissenschaften. Friedrich Frommann, Jena 1807, online in der Google-Buchsuche
  • Versuch eines Cursus der bürgerlichen Baukunst. Gießen 1809
  • Prospectus zu meinen Vorlesungen über die Staatshaushaltungskunde. Gießen 1809
  • Lehrbuch der Kammeral-Praxis zu Vorlesungen und zum Privatgebrauche für Kammeralisten, Rechtsgelehrte und Oekonomen entworfen.
Erster Teil: Lehre von den Landgütern und Domainen. Cröker, Jena 1810, online in der Google-Buchsuche
Zweiter Teil: Lehre von der Gemeinheitstheilungen, den Regalien und Steuern. Cröker, Jena 1812, online in der Google-Buchsuche
  • Jahrbücher der thüringschen Landwirthschaft. Eisenberg 1808–10, Jena 1811
  • Über die Schafwolle. Jena 1812
  • Ueber die wichtigsten Rassezeichen der Hausthiere. Jena 1812
  • Andeutungen der wichtigsten Racenzeichen der Hausthiere. Jena 1812
  • Die Viehracen auf einigen weimarischen Kammergütern. Jena 1819
  • Die Viehrassen auf den großherzoglich weimarischen Kammergütern. 1820
  • Lehrbuch der Landwirthschaft nach Theorie und Erfahrung bearbeitet.
Erster Band: Ackerbau. August Schmid, Jena 1819, online in der Google-Buchsuche
  • Beiträge zur deutschen Landwirthschaft. Jena 1822–1824, 4 Bände
  • Ueber Raçen, Kreuzungen und Veredlung der landwirthschaftlichen Hausthiere. Büschler, Elberfeld 1825, online bei der Bayerischen Staatsbibliothek, auch online in der Google-Buchsuche
  • Über den Verfall des Bauernstandes in den meisten deutschen Staaten. Jena 1826
  • als Herausgeber mit Plathner und Weber: Jahrbuch der Landwirthschaft. Jena 1819

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sturm Karl Christoph Gottlieb 9). In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 17. Altenburg 1863, S. 12 (zeno.org).
  • Carl LeisewitzSturm, Karl Christian Gottlieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 37, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 40 f.
  • Karl Chr. Gottl. Sturm, Dr. u. Prof. zu Bonn (Nr. 160). In: Neuer Nekrolog der Deutschen. 4. Jahrgang, 1826, Band 2, Voigt, Illmenau 1828, S. 899–900, online bei der Bayerischen Staatsbibliothek
  • Sturm (K. Ch. Gottl.). In: Alexander von Lengerke: Landwirthschaftliches Conversations-Lexikon für Praktiker und Laien. IV (Ri–Z). J. G. Calve, Prag 1838, S. 570–571 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 7. Juli 2012]).
  • D. Karl Christoph Gottlieb Sturm. In: Georg Gottlieb Güldenapfel: Literarisches Museum für die Grossherzogl. Herzogl. Sächsischen Lande. Erster Band. J. G. Schreiber und comp, Jena 1816, III. d) Philosophen 4., S. 165–167 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. Juli 2012]).
  • Karl Christoph Gottlieb Sturm. In: Johannes Günther: Lebensskizzen der Professoren der Universität Jena seit 1558 bis 1858. Eine Festgabe zur dreihundertjährigen Säcularfeier der Universität am 15., 16. Und 17. August 1858. Friedrich Mauke, Jena 1858, IV. Philosophen, S. 229 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. Juli 2012]).
  • Sturm (Karl Christoph Gottlieb). In: Georg Christoph Hamberger, Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, oder, Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 5. Ausgabe. X. Band. Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1803, S. 729 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. Juli 2012]).
  • Sturm (K. C. G.). In: Georg Christoph Hamberger, Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland, oder, Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 5. Ausgabe. XV. Band. Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1811, S. 572 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. Juli 2012] Werkverzeichnis).
  • Sturm (K. Chr. Gottl.). In: Georg Christoph Hamberger, Johann Georg Meusel, Johann Wilhelm Sigismund Lindner: Das gelehrte Teutschland, oder, Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 5. Ausgabe. Hrsg.: Johann Samuel Ersch. XX. Band. Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1825, S. 695–696 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. Juli 2012] Werkverzeichnis).
  • Sturm, Carl Christoph Gottlieb. In: Theophil Gerber: Persönlichkeiten aus Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Veterinärmedizin. 3. Auflage, Verlag NORA, Berlin 2008, Band 2, S. 792–793.
  • Sturm, Carl Christoph Gottlieb. In: Gitta Günther, Wolfram Huschke und Walter Steiner (Hrsg.): Weimar – Lexikon zur Stadtgeschichte. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1993, ISBN 3-7400-0807-5, S. 272 und 437.
  • Sturm, Karl Christoph Gottlieb. In: Friedrich Stier: Lebensskizzen der Dozenten und Professoren an der Universität Jena 1548/1558–1958. Manuskript UAJ I, Band 4, Bl. 2046
  • Hartmut Boettcher: Sturm, Karl Christian Gottlob. In: Lebenswege in Thüringen, Fünfte Sammlung, VOPELIUS Jena, 2015, S. 331–334

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliedseintrag von Karl Sturm bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 23. Juni 2016.