Karl Flesch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Karl Flesch
Ehrengrab von Karl Flesch auf dem Hauptfriedhof Frankfurt

Karl Ferdinand Moritz Flesch (geboren 6. Juli 1853 in Frankfurt am Main; gestorben 15. August 1915 ebenda) war ein Frankfurter Sozialpolitiker. Er war Rechtsanwalt, Stadtrat, Leiter des Armen- und Waisenamtes und Abgeordneter im preußischen Parlament.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Flesch wurde als jüngster Sohn des Arztes Jacob Gustav Flesch und dessen Frau Florentine, (auch Florence genannt) geborene Creizenach, geboren. Beide Elternteile stammten aus etablierten und angesehenen Frankfurter Familien. Sie waren seit 1851 verheiratet und konvertierten 1859 vom jüdischen zum protestantischen Glauben.

Flesch besuchte zunächst die Musterschule in Frankfurt, danach das heutige Lessing-Gymnasium und legte 1872 das Abitur ab. Er studierte in Heidelberg und Berlin Jura und schloss drei Jahre später mit Promotion ab. In Heidelberg gehörte er zu den Gründern der Verbindung Rupertia. Zusammen mit dem Strafverteidiger Bernhard Geiger ließ er sich 1880 in seiner Heimatstadt nieder. Er vertrat unter anderem wiederholt sozialdemokratische Arbeiter vor Gericht, obwohl er den sozialistischen Ideen ablehnend gegenüberstand. Ab 1884 saß er als Mitglied der Fortschrittlichen Volkspartei im Stadtrat und nahm im selben Jahr die Stelle des Leiters des Armenamtes der Stadt Frankfurt an. Zur gleichen Zeit heiratete er Ida Ebeling, mit der er fünf Kinder hatte. Flesch war Mitglied der Frankfurter Freimaurerloge Zur Einigkeit. Sein jüngster Sohn Hans Flesch (1896–1945) war einer der profiliertesten Rundfunkpioniere der Weimarer Republik. Ein weiterer Sohn war der Mediziner Max Flesch-Thebesius (1889–1983).

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein erklärtes Ziel als Leiter des Armenamtes der Stadt Frankfurt war die dauerhafte Verbesserung der Lebensumstände der armen Bevölkerung. Er straffte die Struktur der Armenpflege und baute das in Frankfurt bereits etablierte Elberfelder System konsequent aus.[1] Ein wesentliches Element seiner Armenpflege war die Förderung und der organisierte Einsatz ehrenamtlicher Armenpfleger. Zudem versuchte er, eine bessere Kenntnis und Verständnis in der Frankfurter Bürgerschaft für die Armen und deren Probleme zu schaffen. Unter anderem rief er den „Ausschuß für Volksvorlesungen“ ins Leben, der Arbeitern unentgeltlich Zugang zu Vorträgen ermöglichen sollte. Dieser organisierte weiterführend Volksvorstellungen im Theater, Volkskonzerte und Museumsführungen. Maßgeblichen Anteil hatte er auch an der Gründung der Heil- und Pflegeanstalt Kalmenhof in Idstein. Seine Ansätze zu einer schichtübergreifenden Kommunikation wurden sowohl von bürgerlichen Gruppen, wie auch von den Gewerkschaften zunächst skeptisch betrachtet, doch letztlich gelang ihm die Etablierung des Ausschusses. Zudem wirkte er bei der Gründung der Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen mit.

Bemerkenswert ist auch sein wissenschaftliches Wirken: Er beschäftigte sich als Jurist vor allem mit arbeitsrechtlichen Fragen und konzentrierte sich auf die rechtliche Situation ungelernter Arbeiter in der Großindustrie. Er untersuchte mögliche Ursachen von Armut und ließ zu diesem Zweck Befragungen und statistische Erhebungen durchführen. Durch deren Veröffentlichungen versuchte er auf die Lebensumstände der Armen aufmerksam zu machen und erarbeitete gleichzeitig Lösungskonzeptionen. Nach seiner Überzeugung konnte eine langfristige Verbesserung nur durch eine staatliche Organisation der Armenfürsorge erreicht werden. Ab 1906 war er auch als Frankfurter Abgeordneter im preußischen Parlament tätig. Im Zentrum seiner politischen und rechtswissenschaftlichen Arbeit standen Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung aller gesellschaftlichen Schichten und Subjekte, namentlich der Arbeiter.

Im Frankfurter Stadtteil Bornheim ist die Karl-Flesch-Straße nach ihm benannt.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Haftpflicht, Unfallversicherung und Normalarbeitstag privatrechtliche und sozialrechtliche Erörterungen. G. Pollner, München 1883.
  • Die Ursachen der Armuth und die Krankenversicherung. J. C. C. Bruns, Minden i. Westf. 1886.
  • Die Wohnungsnoth vom Standpunkte der Armenpflege. In: Schriften des Deutschen Vereins fur Armenpflege und Wohlthatigkeit. Duncker & Humblot, Leipzig 1888, Heft 4, S. 121–172.
  • mit Heinrich Bleicher: Beiträge zur Kenntnis des Armenwesens in Frankfurt am Main und zur Armenstatistik. Gebrüder Knauer, Frankfurt 1890.
  • Frankfurter Arbeiterbudgets . Haushaltungsrechnungen eines Arbeiters einer Königl. Staats-Eisenbahnwerkstätte, eines Arbeiters einer chemischen Fabrik und eines Aushilfearbeiters. Veröffentlicht und erläutert von Mitgliedern der Volkswirtschaftl. Sektion des Freien Deutschen Hochstiftes, Bevorwortet im Auftr. der Sektion von Stadtrat Dr. Karl Flesch, Gebrüder Knauer, Frankfurt am Main 1890.
  • mit Friedrich Soetbeer: Sociale Ausgestaltung der Armenpflege. In: Schriften des Deutschen Vereins fur Armenpflege und Wohlthatigkeit. Duncker & Humblot, Leipzig 1901.
  • Kommunale Betätigung auf dem Gebiete der Armenpflege und sozialen Fürsorge. Fischer, Wien 1907.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolph Bauer: Flesch, Karl, in: Hugo Maier (Hrsg.): Who is who der Sozialen Arbeit. Freiburg : Lambertus, 1998 ISBN 3-7841-1036-3, S. 172–173.
  • Kai Gnippke: Flesch, Karl Ferdinand Moritz. In: Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. Erster Band. A–L (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission. Band XIX, Nr. 1). Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7829-0444-3, S. 211–212.
  • Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 1: Sozialpolitiker im Deutschen Kaiserreich 1871 bis 1918. Kassel University Press, Kassel 2010, ISBN 978-3-86219-038-6, S. 47 f. (Online, PDF; 2,2 MB).
  • Monika Hermel: Karl Flesch (1853–1915) Sozialpolitiker und Jurist (= Fundamenta Juridica 30). Baden-Baden 2004.
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 131.
  • Nassauische Parlamentarier. Teil 2: Barbara Burkardt, Manfred Pult: Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden 1868–1933 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau. Bd. 71 = Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen. Bd. 17). Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 2003, ISBN 3-930221-11-X, Nr. 85.
  • Hans Kilian Weitensteiner: Karl Flesch – Kommunale Sozialpolitik in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main 1976.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. hierzu Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881-1890), 7. Band: Kommunale Armenpflege, bearbeitet von Wilfried Rudloff, Darmstadt 2015 und Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890-1904), 7. Band, Armenpflege und kommunale Wohlfahrtspolitik, bearbeitet von Wilfried Rudloff, Darmstadt 2016.