Karl II. August

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Karl II. August als Generalissimus bei der Rückkehr seines Régiments Royal-Deux-Ponts aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, Gemälde des Saarbrücker Malers Karl Kaspar Pitz (1756–1795), Öl auf Leinwand, Paris 1783
Herzog Karl II. August (1794)

Karl II. August Christian (* 29. Oktober 1746 in Düsseldorf; † 1. April 1795 in Mannheim) war von 1775 bis 1795 Herzog von Pfalz-Zweibrücken. Die beiden letzten Lebensjahre verbrachte er im Mannheimer Exil, da die Französische Republik sein linksrheinisches Fürstentum besetzt hatte. Karl II. August war der ältere Bruder des ersten bayerischen Königs Maximilian I. Joseph und wäre in der Thronfolge vor diesem gewesen.

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzog Karl II. August Christian als Kind

Seine Eltern waren die Wittelsbacher Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler (1724–1767) und Maria Franziska Dorothea von Pfalz-Sulzbach.

Karl August beabsichtigte Maria Amalia von Österreich zu heiraten. Der österreichische Minister Kaunitz und Maria Theresia lehnten den Heiratsantrag des politisch noch unbedeutsamen Prinzen ab und versprachen die Erzherzogin stattdessen Herzog Ferdinand von Parma. Maria Amalias Bruder Kaiser Joseph II. befürwortete die Verbindung, da Herzog Ferdinand der jüngere Bruder seiner geliebten und früh verstorbenen Frau Isabella von Parma war. Als Maria Amalia von ihrer Mutter über die geplante Hochzeit mit Ferdinand von Bourbon-Parma informiert wurde, reagierte sie mit Schreianfällen und trotzigem Benehmen. Sie hatte bis zuletzt gehofft, dass Maria Theresia ihr die Wahl ihres Ehemannes überlassen würde und sie wie ihre ältere Schwester Marie Christine eine Liebesheirat eingehen könnte.

Am 12. Februar 1774 heiratete der seitdem gegen Habsburg eingestellte Karl August dann Prinzessin Maria Amalie, Tochter des sächsischen Kurfürsten Friedrich Christian. Sie war eine Cousine von König Ludwig XVI. von Frankreich, König Karl IV. von Spanien und Kaiserin Maria Ludovica, der Frau Kaiser Leopolds II. Nach der Hochzeit zog das Paar in das Schloss von Neuburg an der Donau.

Herzog von Pfalz-Zweibrücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod seines Onkels Christian IV. am 5. November 1775 folgte er ihm als absolutistisch regierender Landesherr des Fürstentums Pfalz-Zweibrücken nach. Die Söhne seines Onkels aus der Ehe mit der Tänzerin Marie Anne Camasse (später zur Gräfin von Forbach erhoben) waren nicht standesgemäß und somit nicht erbberechtigt.

Da sein Verwandter Karl IV. Philipp Theodor von Bayern aus der Sulzbacher Linie der Wittelsbacher keine legitimen Kinder hatte, sollte ihn nach den Wittelsbacher Hausverträgen Karl August beerben. Damit wären alle Wittelsbacher Länder wieder vereint gewesen. Die nicht regierende Nebenlinie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen hatte keine politische Macht.

Nach seinem Regierungsantritt entließ Karl August den Hofstaat seines Vorgängers und leitete Sparmaßnahmen ein, um die Staatsfinanzen, die er zerrüttet übernommen hatte, zu sanieren. Zunächst residierte er in Schloss Jägersburg in Jägersburg. Zwei Jahre später kaufte er von einer Cousine seiner Mätresse Caroline Augusta Freiin Gayling von Altheim (1748–1823; sie heiratete 1776 Ludwig Freiherr von Esebeck) den Louisenhof auf dem Buchenberg (der heutige Karlsberg) bei Sanddorf. Er ließ ihn umbauen und erweitern, und in wenigen Jahren entstand daraus das nach ihm benannte Schloss Karlsberg, eine der größten Anlagen des ausgehenden 18. Jahrhunderts in Mitteleuropa.

Auf dem Karlsberg entstand neben dem Schloss eine Garnison und ein Landschaftspark, die Carlslust, mit Menagerien, daneben bedeutende Sammlungen u. a. eine graphische Sammlung, eine Waffensammlung, eine Bibliothek und eine Pfeifenkopfsammlung. 1779 verlegte Karl August seine Residenz dorthin.

Durch den Maler und Generalbaudirektor Johann Christian Mannlich wurde auf dem Karlsberg eine vorzügliche Gemäldesammlung aufgebaut, die später einen der Grundstöcke der Alten Pinakothek in München bildete.

Im Zuge des Aufbaues des Schlosses, der auch Karl Augusts Position als Erbe von Kurpfalz-Bayern verdeutlichen sollte, vergrößerte sich der Hofstaat weiter, die Ausgaben stiegen an, und der Herzog verschuldete sich stark. Der große Hofstaat, die Wildzäune und Parforcejagden mit den dafür von den Untertanen zu verpflegenden Hundemeuten belasteten das Verhältnis zu den Untertanen.

Es waren unter anderem die Einsprüche Karl Augusts durch den Freiherrn von Hofenfels, die den Tausch Bayerns gegen die Österreichischen Niederlande verhinderten, dem er als Erbe nach den Hausverträgen hätte zustimmen müssen. Zusammen mit der Kurfürstenwitwe Maria von Sachsen die weiter bei München residierte und Friedrich II. von Preußen konnte der Plan 1784/85 letztmals durch Karl August verhindert werden.

Exil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarkophag von Karl II. August in der Wittelsbachergruft von St. Michael in München

Nach dem Ausbruch der Französischen Revolution und auch nach Beginn des 1. Koalitionskriegs (1792–1797) blieb der Herzog aufgrund der ihm von der französischen Regierung versicherten Neutralität in seinem Fürstentum, das von französischen Truppen umgeben war. Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. sollte auch Karl August in Paris der Prozess gemacht werden. Bevor er von französischen Truppen gefangengenommen werden konnte, wurde er am 9. Februar 1793 von dem Bauern und Postknecht Nicolaus Pfeiffer aus St. Ingbert-Rohrbach gewarnt, entkam um Haaresbreite und floh über Kaiserslautern nach Mannheim. In der Folgezeit lebte er im Mannheimer Schloss und in seinem Schloss bei Rohrbach (Heidelberg).

Das leere Schloss Karlsberg wurde am 28. Juli 1793 von französischen Truppen niedergebrannt und in der Folge nie wieder aufgebaut. Fast die gesamte Einrichtung des Karlsbergs hatten Vertraute des Herzogs zuvor nach Mannheim transportieren lassen, als der Karlsberg zwischenzeitlich in der Hand der Alliierten gewesen war.

Bevor er die Kurwürde erben konnte, verstarb Karl August an den Folgen eines Schlaganfalls im Exil. Da sein Sohn früh verstorben war, trat sein jüngerer Bruder Maximilian in die Erbfolge ein und wurde schließlich 1799 auch pfalz-bayerischer Kurfürst und 1806 der erste bayerische König. Karl August hinterließ seinem Bruder einen Schuldenberg von über 9 Millionen Gulden.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits zu Lebzeiten wurde der Herzog als despotischer Herrscher geschildert. Im ersten Band von Schlözers „Stats-Anzeigen“ (1782) beschrieb ein Autor (hinter dem Pseudonym Ibrahim Ben Abdallah soll sich sein aufgeklärter Standesgenosse Herzog Georg von Sachsen-Meiningen verbergen[1]) die im Zweibrückischen herrschenden Zustände: „Eine unserer Provinzen ist jezt ganz und gar gleichsam ein einziges JagdRevier... Der über diese Landschaft gesetzte Prinz hält ganze Regimenter JagdHunde... Das ganze Land ist wie betäubt“.[2] Für den mit den Zweibrücker Verhältnissen vertrauten Hans Christoph von Gagern war er „ein finsterer, wollüstiger, zur Härte geneigter eigensinniger Mann; dem es jedoch sonst nicht an Gefühl seines Standes, seiner Pflichten als Pfalzgraf, noch an Entschlossenheit fehlte.“[3] Kaum positiver schildert den Fürsten sein Baudirektor Johann Christian von Mannlich in seinen Lebenserinnerungen.[4] Für die Demokraten wurde der zweibrückische Herrscher rückblickend zum Inbegriff des absolutistischen Despoten und Tyrannen.[5] 1923, nach dem Sturz der Monarchie in Bayern, machte der Lokalhistoriker Fritz Schunck einen Schimpfnamen des Fürsten bekannt, der sich seitdem allgemein verbreitet hat: Hundskarl.

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Christian II. von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1637–1717)
 
 
 
 
 
 
 
Christian III. von Pfalz-Zweibrücken (1674–1735)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Katharina Agathe von Rappoltstein (1648–1683)
 
 
 
 
 
 
 
Friedrich Michael von Pfalz-Birkenfeld-Bischweiler (1724–1767)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ludwig Kraft von Nassau-Saarbrücken (1663–1712)
 
 
 
 
 
 
 
Karoline von Nassau-Saarbrücken (1704–1774)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Philippine Henriette zu Hohenlohe-Langenburg (1679–1751)
 
 
 
 
 
 
 
Karl II. August
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Theodor Eustach von Pfalz-Sulzbach (1659–1732)
 
 
 
 
 
 
 
Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach (1694–1729)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Marie Eleonore von Hessen-Rotenburg (1675–1720)
 
 
 
 
 
 
 
Maria Franziska von Pfalz-Sulzbach (1724–1794)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl III. Philipp Kurfürst von der Pfalz (1661–1742)
 
 
 
 
 
 
 
Elisabeth Auguste von der Pfalz (1693–1728)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ludwika Karolina Charlotte von Radziwiłł-Birze (1667–1695)
 
 
 
 
 
 

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1878 gegründete Homburger Brauerei heißt nach dem Schloss Karlsberg Brauerei (nicht zu verwechseln mit der dänischen Brauerei, die sich mit „C“ schreibt) und verwendet das Porträt Karls auf jeder Bierflasche.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl II. August – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eduard Vehse: Geschichte der Höfe der Häuser Baiern, Würtemberg, Baden und Hessen, Teil 2, Hamburg 1853, S. 251–256. Online
  2. Ibrahim Ben Abdallah (Pseudonym), Fez und Marocco, Mai 1782 (fingiert). In: August Ludwig von Schlözer: Stats-Anzeigen, Band 1, Göttingen 1782, S. 59. Online
  3. Hans Christoph Ernst von Gagern: Mein Antheil an der Politik: Unter Napoleons Herrschaft, Band 1, Stuttgart und Tübingen 1823, S. 15. Online
  4. Johann Christian von Mannlich: Histoire de ma vie. Hrsg.: Karl-Heinz Bender und Hermann Kleber, 2 Bde., Trier 1989–1993 ISBN 3-87760-700-4.
  5. Rainer Marx: Der Karlsberg und Karl II. August in der Literatur. Saarpfalz – Blätter für Geschichte und Volkskunde, Sonderheft 2010, Homburg 2010, S. 23.
Vorgänger Amt Nachfolger
Christian IV. Herzog von Pfalz-Zweibrücken
1775–1795
Maximilian Joseph