Karl Josef Silberbauer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karl Silberbauer

Karl Josef Silberbauer (* 21. Juni 1911 in Wien; † 2. September 1972 ebenda), SS-Oberscharführer im deutschen Sicherheitsdienst (SD), war der Polizist, der Anne Frank und ihre Familie am 4. August 1944 in Amsterdam verhaftete.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Armee- und Polizeidienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Josef Silberbauer diente in der österreichischen Armee, bevor er 1935 in den Polizeidienst eintrat. Vier Jahre später trat Silberbauer kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich der Gestapo bei. 1943, im Jahr seines Beitritts zur SS, wurde Silberbauer nach Den Haag in die Niederlande versetzt. Dort arbeitete für die deutsche Sicherheitspolizei in Amsterdam.

Verhaftung Anne Franks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. August 1944 erhielt Silberbauer den Befehl, dem Hinweis nachzugehen, dass im Hinterhaus der niederländischen Filiale der deutschen Firma Opekta, Prinsengracht 263, einige Juden versteckt würden. Er nahm einige Beamte mit sich und befragte dort zuerst Victor Kugler. Auch Miep Gies wurde befragt, dann aber zurückgelassen, als Kugler, Johannes Kleiman, Anne Frank, ihre Eltern Otto Frank und Edith Frank-Holländer und ihre Schwester Margot Frank, Hermann van Pels mit seiner Frau und seinem Sohn und Fritz Pfeffer festgenommen und in das SD-Gefängnis in der Euterpestraat gebracht wurden. Von dort wurden die Verhafteten ins Durchgangslager Westerbork und später nach Auschwitz und Bergen-Belsen deportiert. Nur Annes Vater Otto Frank, Victor Kugler und Johannes Kleimann überlebten.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1945 kehrte Silberbauer nach Wien zurück. Wegen seiner Mitgliedschaft in der SS und anderen nationalsozialistischen Organisation wurde Silberbauer 1946 vom Dienst suspendiert. 1952 wurde Silberbauer wegen seines nationalsozialistischen Engagements vor Gericht angeklagt aber freigesprochen. Ab 1954 konnte Silberbauer wieder bei der Wiener Polizei arbeiten.[1]

Simon Wiesenthal begann 1958, nach dem Mann zu suchen, der Anne Frank verhaftet hatte, um Holocaustleugnern die Existenz Anne Franks zu beweisen. An das Wort „Silber“ aus Silberbauers Namen konnten sich 1948 zwei befragte SD-Beamte in einer ersten Untersuchung erinnern. Wiesenthal bat Otto Frank um seine Hilfe, dieser weigerte sich jedoch, da er der Meinung war, dass nicht ihr Verhafter, der auf Befehl handelte und sich Otto Franks Angaben zufolge während der Verhaftung „korrekt“ verhalten hatte, sondern ihre Verräter gesucht werden sollten. Wiesenthal suchte trotzdem weiter und erhielt bei einem Aufenthalt in Amsterdam von einem Bekannten ein nach Abteilungen gegliedertes Telefonbuch der Gestapo. Beim Rückflug nach Wien fand er darin mehrere Silberbauer, von denen einer in einer Abteilung in Amsterdam eingesetzt war: Karl Josef Silberbauer. Wiesenthal konnte ihn daraufhin 1963 in seiner Geburtsstadt Wien in der Karmarschgasse 50 aufspüren. Silberbauer bestätigte die Verhaftung Anne Franks. Ein gegen ihn eröffnetes Verfahren wurde aber 1964 eingestellt, da er auf Befehl gehandelt hatte. Silberbauer verstarb 1972.[2]

Arbeit für den Bundesnachrichtendienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Silberbauer hat nach 1945 für den deutschen Bundesnachrichtendienst sowie für dessen Vorläufer, die Organisation Gehlen, gearbeitet. Entsprechende Belege sind durch den Hamburger Publizisten Peter-Ferdinand Koch in amerikanischen Archiven gefunden worden.[3][4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter-Ferdinand Koch: Enttarnt. Doppelagenten: Namen, Fakten, Beweise. Ecowin, Salzburg 2011, ISBN 978-3-7110-0008-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitungsauschnitt einer Österreichischen Zeitung vom 21. November, bereitgestellt vom Simon-Wiesenthal Archiv hier, eingesehen 8. März 2017.
  2. Wiener Kulturarchiv
  3. Er verhaftete Anne Frank: Silberbauer später beim BND. n-tv-Artikel vom 9. April 2011.
  4. Skandalbuch: Anne Franks Peiniger arbeitete für den BND. In: Focus vom 9. April 2011.