Karl Koch (Hacker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Karl Koch (Karl Werner Lothar Koch, auch bekannt unter seinem Pseudonym Hagbard Celine; * 22. Juli 1965 in Hannover; † 23. oder 24. Mai[1] 1989 in Ohof) war ein deutscher Hacker.

Familie und Jugend[Bearbeiten]

Karl wuchs unter schwierigen Verhältnissen auf.[2] Seine Mutter starb 1976 an Krebs, sein Vater hatte Alkoholprobleme. Karl Koch interessierte sich als Jugendlicher für Astronomie[3] und engagierte sich im Landesschülerrat. Von den Einnahmen als Schülerrat kaufte er sich seinen ersten Computer.[4] 1984 starb sein Vater an Krebs.

Hackerkarriere[Bearbeiten]

Mit der Erbschaft des Vaters von 100.000 DM kaufte sich Karl Koch unter anderem einen Atari ST. Kurz danach gründete er in Hannover einen Ableger des Chaos Computer Clubs unter dem Namen „Leitstelle511“ mit, der bis heute existiert.[5]

Koch benutzte in den Datennetzen das Pseudonym „Hagbard Celine“ (Name einer Hauptfigur der Romantrilogie Illuminatus! von Robert Shea und Robert Anton Wilson, die Koch mit 14 Jahren las und die ihn stark beeinflusste). Auch seinen Computer hatte er nach dem der Illuminatus-Trilogie „FUCKUP“ („First Universal Cybernetic-Kinetic Ultra-Micro Programmer“) benannt. Koch war davon überzeugt, dass es die Illuminaten, wie sie in Illuminatus! beschrieben wurden, tatsächlich gebe, und versuchte – wie Hagbard Celine im Roman – diese mit seinen eigenen Mitteln, eben dem Hacken, zu bekämpfen.

Karl Koch war ein überzeugter Anarchist, der seine Hacks auf Grund seiner Einstellung machte: „Wissen muss für jeden Menschen gleich zugänglich sein!“[6] Er war ab 1985 Mitglied der SPD.

KGB-Hack[Bearbeiten]

Bekannt wurde Karl Koch vor allem durch den so genannten KGB-Hack. Dabei arbeitete er mit den deutschen Hackern „DOB“ (Dirk-Otto Brezinski), „pengo“ (Hans Heinrich Hübner) und „urmel“ (Markus Hess) zusammen. Der Croupier „Pedro“ (Peter Carl) – der sich in notorischen Geldsorgen befand – sah in den Fähigkeiten der Hacker eine Möglichkeit zum Geldverdienen. Die Idee, ihre Entdeckungen auf den gehackten, westlichen Computersystemen an das KGB zu verkaufen, stammte von „Pedro“. Die Gruppe wurde 1986 durch den amerikanischen Astrophysiker Clifford Stoll enttarnt, nachdem ihm aufgefallen war, dass die Kosten der tatsächlich verbrauchten Rechenzeit gegenüber den Angaben der Buchhaltung eine Differenz von 75 US-Cent aufwiesen, was ihn auf Kochs Spur führte. Stoll schrieb über diese Vorkommnisse später das Buch Kuckucksei.

Tod[Bearbeiten]

In den Monaten vor seinem Tod arbeitete er als Fahrer in der Landesgeschäftsstelle der niedersächsischen CDU. Am 1. Juni 1989 wurde Kochs Leiche in einem Wald bei Ohof im Landkreis Gifhorn aufgefunden, nachdem er bereits eine Woche vermisst worden war.[7] Als Todesursache wurde offiziell Selbstverbrennung angegeben. Als Ursachen hierfür werden Kochs lange emotionale Vereinnahmung durch die „Jagd auf Illuminaten“ und sein dauerhafter Drogenkonsum angenommen, die ihn Ende der 1980er Jahre immer weiter in psychische Probleme getrieben und auch Klinikaufenthalte zur Folge gehabt hatten. Vor allem in der Hackerszene halten sich Gerüchte, Karl Koch sei – möglicherweise aus politischen Motiven oder infolge seiner Verwicklung ins kriminelle Milieu – ermordet worden. Die Umstände seines Todes wurden nie vollständig aufgeklärt.

Film[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thomas Ammann, Matthias Lehnhardt, Gerd Meißner & Stephan Stahl: Hacker für Moskau. Deutsche Computer-Spione im Dienst des KGB. Wunderlich, Reinbek, 1989, ISBN 3-8052-0490-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Den 23. Mai nennt Susanne Nolte: Zum 20. Todestag von Karl Koch. In: iX – Magazin für professionelle Informationstechnik. Juni 2009, S. 93; den 24. Mai nennt die Todesanzeige seiner Schwester, siehe Freke Over, Armin, Wilhelm, Hans und Steffen: Dokumentation über Karl Koch. 1989, S. 9 (PDF).
  2. Wenn nicht anders angegeben, stammen die Informationen aus der Dokumentation Freke Over, Armin, Wilhelm, Hans und Steffen: Karl Koch. 1989, insbesondere der selbst verfasste Lebenslauf Kochs auf S. 4 f. (PDF).
  3. Carsten Ost: Karl Koch. Erinnerungen eines Bekannten auf dessen persönlicher Homepage, März 2001.
  4. Freke Over u.a.: Karl Koch Doku. S. 5, archiviert vom Original am 14. Juli 2009, abgerufen am 14. Juni 2014.
  5. 20 Jahre Leitstelle 511. In: Chaos Computer Club Hannover. 1. Januar 2005.
  6. Karl Koch: Wissen muss für jeden zugänglich sein. Heute wäre Hacker Karl Koch 45 Jahre alt geworden. Seine Maxime: Wissen muss für jeden Menschen gleich zugänglich sein! dctp.tv, 22. Juli 2010, abgerufen am 14. Juni 2014.
  7. Susanne Nolte: Zum 20. Todestag von Karl Koch. In: iX – Magazin für professionelle Informationstechnik. Juni 2009, S. 93.