Karl Lauterbach (Politiker, 1963)

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Karl Lauterbach (2016)

Karl Wilhelm Lauterbach (* 21. Februar 1963 in Düren) ist ein deutscher Mediziner, Politiker (SPD) und seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Lauterbach wurde 1963 als Sohn eines Arbeiters in Düren geboren; er wuchs in Niederzier auf. Nach dem Abitur am Gymnasium am Wirteltor 1983 studierte er Humanmedizin an der RWTH Aachen und an der University of Texas at San Antonio in San Antonio, Texas (USA). 1991 wurde er an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit der Dissertation Weiterentwicklung des Parametric Gammascopes auf der Grundlage von experimentellen und klinischen Studien zum Dr. med. promoviert. Von 1989 bis 1992 folgte ein Studium der Gesundheitsökonomie (Health Policy and Management) und der Epidemiologie an der Harvard School of Public Health der Harvard University in Boston, Massachusetts (USA) mit dem Abschluss Master of Science (M.Sc.). Von 1992 bis 1993 hatte er ein Fellowship der Harvard Medical School inne.[1] Gefördert von der Konrad-Adenauer-Stiftung erwarb er dort 1993 den Abschluss Scientiæ Doctor (Sc.D.). 2010 erhielt Lauterbach die Approbation als Arzt, diese hatte er nach Abschluss seines Medizinstudiums zunächst nicht beantragt.[2]

1998 wurde Lauterbach Direktor des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln; damit war auch seine Berufung als Professor verbunden. Dort ist er aufgrund seines Bundestagmandats beurlaubt. Von 1999 bis zur Wahl in den Bundestag im September 2005 war Lauterbach Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. 2003 war er Mitglied in der Kommission zur Untersuchung der Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherungssysteme („Rürup-Kommission“). Seit 2008 ist er Adjunct Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Harvard School of Public Health.[3]

Lauterbach war Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Mitglied der CDU.[4] Seit 2001 ist er SPD-Mitglied. Seit 2005 wurde er stets per Direktmandat im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV in den Bundestag gewählt (2005 mit 48,6 %, 2009 mit 37,1 %, 2013 mit 41,35 % und 2017 mit 38,49 %). Er war in der 17. Legislaturperiode der Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion, seine Nachfolgerin wurde Hilde Mattheis. Seit Ende 2013 ist er stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion.[5] Lauterbach ist zudem ordentliches Mitglied im Ausschuss für Gesundheit sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss.[6] Lauterbach lebte ab 2004 getrennt von seiner Ehefrau Angela Spelsberg, die das Aachener Tumorzentrum leitet und mit der er vier Kinder hat.[7] 2010 erfolgte die Scheidung.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten von Lauterbach vertretenen Thesen zur Gesundheitspolitik sind:

  • Einführung einer Bürgerversicherung im Gesundheitswesen.
  • Bekämpfung von Tendenzen in Richtung einer Zwei-Klassen-Medizin.
  • Ausrichtung der medizinischen Versorgung an Evidenz und Kosten-Effektivität.
  • Berücksichtigung von distributiven Ergebnissen neben den allokativen Ergebnissen von Gesundheitsprogrammen, d. h. Bekämpfung sozialer Ungleichheit durch Gesundheitspolitik

Neben seinem Schwerpunkt, der Gesundheitspolitik, engagiert sich Lauterbach auch in anderen Politikbereichen, etwa in der Bildungs- oder Sozialpolitik. Er wird dem linken Flügel der SPD zugerechnet und ist ein erklärter Gegner des dreigliedrigen Schulsystems.

Lauterbach hat sich schon in seiner Zeit als Wissenschaftler für seine gesundheitspolitischen Vorstellungen eingesetzt, u. a. als Berater der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Am 5. Juni 2013 wurde er in das Kompetenzteam von Peer Steinbrück berufen.[9]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauterbach ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di.[10][11]

Er hatte von Juli 2001 bis Juni 2013 einen Sitz im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG inne.[12][13] Er gab den Posten im Juni 2013 im Zusammenhang mit seiner Berufung in das Kompetenzteam Peer Steinbrücks für die Bundestagswahl 2013 ab.[14]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauterbachs Markenzeichen ist die Fliege, die er regelmäßig anstelle einer Krawatte trägt. Außerdem praktiziert er Wing Chun Kung Fu.[15]

Karl Lauterbach unterstützt als Pate das Freiherr vom Stein-Gymnasium Leverkusen bei der Aktion Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage[16].

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Lauterbach präsentiert sein Buch Gesund im kranken System (2009).
  • Karl Lauterbach, Markus Lindlar: Informationstechnologien im Gesundheitswesen. Telemedizin in Deutschland. Gutachten. Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1999, ISBN 386077820X.
  • Karl Lauterbach, Markus Lüngen: DRG-Fallpauschalen. Eine Einführung. Anforderungen an die Adaption von Diagnosis-related groups in Deutschland. Gutachten im Auftrag des AOK-Bundesverbandes. Schattauer, Stuttgart 2000, ISBN 3794520769.
  • Karl W. Lauterbach (Hrsg.): Sozioökonomische Aspekte der Therapie kardiologischer Erkrankungen. Urban und Vogel, München 2000.
  • Markus Lüngen, Karin Wolf-Ostermann, Karl. W. Lauterbach: Krankenhausvergleich. Betriebsvergleich nach § 5 Bundespflegesatzverordnung. Schattauer, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-7945-2144-9.
  • Karl Lauterbach, Matthias Schrappe: Gesundheitsökonomie, Qualitätsmanagement und evidence based medicine. Eine systematische Einführung. Schattauer, Stuttgart 2001. (2. Auflage 2008, ISBN 3794522877.)
  • Markus Lüngen, Karl Lauterbach (Hrsg.): Ergebnisorientierte Vergütung bei DRG. Qualitätssicherung bei pauschalierender Vergütung stationärer Krankenhausleistungen. Springer, Berlin 2002, ISBN 3540428186.
  • Karl Lauterbach, Timm Volmer: Arzneimitteltherapie – Über-, Unter- und Fehlversorgung. Was leisten „neue Steuerungsinstrumente“?. Schattauer, Stuttgart 2002, ISBN 3794521323.
  • Markus Lüngen, Karl Lauterbach: DRG in deutschen Krankenhäusern. Umsetzung und Auswirkungen. Schattauer, Stuttgart 2003, ISBN 3794522621.
  • Karl Lauterbach et al.: Bestandsaufnahme der Rolle von Ambulanzen der Hochschulkliniken in Forschung, Lehre und Versorgung an ausgewählten Standorten (Hochschulambulanzenstudie). Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Sankt Augustin 2003.
  • Karl W. Lauterbach, Stephanie Stock, Helmut Brunner (Hrsg.): Gesundheitsökonomie. Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe. Huber, Bern 2006. (2. Auflage 2009, ISBN 3456846959)
  • Karl Lauterbach: Der Zweiklassenstaat. Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren. Rowohlt, Berlin 2007, ISBN 3871345792.
  • Stephanie Stock, Marcus Redaèlli, Karl Lauterbach: Wörterbuch Gesundheitsökonomie. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 3170191535.
  • Karl Lauterbach: Gesund im kranken System. Ein Wegweiser. Rowohlt, Berlin 2009, ISBN 387134625X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl Lauterbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harvard University: Karl Lauterbach, Professor of Health Economics and Epidemiology, University of Cologne; and member, German Bundestag, abgerufen am 22. November 2011.
  2. Personalien: Karl Lauterbach. In: Der Spiegel Heft 35/2010, S. 152
  3. Harvard University: Karl Lauterbach – Adjunct Professor of Health Policy and Management, abgerufen am 22. November 2011.
  4. Hauser, Peter Korn: Karl Lauterbach: „Ich kann in Berlin viel bewegen“. In: RP Online. 11. September 2013.
  5. Fraktionsvorstand der SPD-Bundestagsfraktion abgerufen am 27. November 2016
  6. Internetauftritt Stadt Köln Bundestagswahl 2013, abgerufen am 20. Juni 2014
  7. Interessenregister der Mitglieder des Vorstands von Transparency International Deutschland, pdf-Datei, abgerufen am 8. April 2013.
  8. Gesundheitsexperte der SPD: Lauterbachs Ex-Frau: „Ich hoffe, er wird kein Minister“ In: Focus Online, 29. Oktober 2013
  9. zeit.de: Steinbrück holt Lauterbach in sein Kompetenzteam, vom 5. Juni 2013, abgerufen am 9. Juni 2013.
  10. Bundestag: Abgeordneter Dr. Karl Lauterbach, SPD, abgerufen am 22. November 2011.
  11. Peer Steinbrück hat Lauterbach in sein Kompetenzteam geholt
  12. Rhön-Klinikum AG: Geschäftsbericht 2001 (PDF; 1,3 MB), abgerufen am 19. November 2013.
  13. Rhön-Klinikum AG: Geschäftsberichte, abgerufen am 19. November 2013.
  14. Handelsblatt: Lauterbach verlässt Rhön-Klinikum-Aufsichtsrat, abgerufen am 19. November 2013.
  15. Tina Hildebrandt: Karl Lauterbach: Angreifen, nachgeben, fertigmachen. Die Zeit, 21. Juni 2013; abgerufen am 17. Juli 2016.
  16. Pate des Freiherr vom Stein-Gymnasiums Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, abgerufen am 27. November 2016