Karl Mauss

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Karl Mauss (17. Mai 1898 in Plön/Holstein – 9. Februar 1959 in Hamburg) war ein deutscher Offizier und Zahnarzt.

Leben

Karl Mauss war der Sohn des Konditors Karl Mauß und dessen Ehefrau Minna, geborene Lohoff.[1] Er besuchte ab 1904 das Johanneum zu Lübeck.[2] Mauss meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger.

Mauss nahm als Fliegeroffizier am Ersten Weltkrieg teil. Nach dessen Ende wurde er Mitglied der Marine-Brigade Ehrhardt, einem antisemitischen Freikorps, das maßgeblich am Kapp-Putsch gegen die demokratische Republik beteiligt war und aus dem später die rechtsterroristische Organisation Consul hervorging,[3] sowie des rechtsradikalen und republikfeindlichen Bunds Oberland.[4][5] Mauss schied 1922 aus der Reichswehr aus.[6] Am 1. April 1922 heiratete er.[7]

Titelblatt der Dissertation

Nach beruflichen Versuchen als Verlags- und Handelsvertreter in Oberschlesien begann er 1925 ein Studium der Zahnmedizin an der 1919 neu gegründeten Universität Hamburg.[8] Maus schloss sich während des Studium einer Studentenverbindung an, heute betrachtet die Burschenschaft Germania Königsberg in Hamburg ihn als Mitglied.[9][10] Mauss wurde bei Alfred Rohrer mit dem Thema Zahnanomalien bei Idioten und Imbezillen promoviert.[11] Mauss versucht darin, mit einem erbpathologischen Konzept, in dem Degeneration und endokrinen Störungen enthalten sind, statistische Korrelationen von Zahnanomalien bei drei Gruppen von Patienten unterschiedlich stark ausgeprägter „geistiger Minderwertigkeit“ („debil“, „imbezill“, „idiotisch“) zu ermitteln.[12]

1934 ließ er sich im Dienstgrad Hauptmann beim Infanterieregiment 6 in Lübeck reaktivieren. Im Zweiten Weltkrieg wurde er Kommandeur der 7. Panzerdivision. In der Endphase des Krieges wurde Mauss schwer verwundet, so dass ihm das linke Bein amputiert werden musste.

Mauss in der Endphase in Gdynia (während der deutschen Besatzung: „Gotenhafen“), PK-Foto vom März 1945

Karl Mauss starb am 9. Februar 1959 in Hamburg an einem Herzinfarkt.

Rezeption

Mauss und dessen Vita fanden eine positive bis heroisierende Aufnahme in Schriften völkisch-nationalistischer und militärtechnisch-journalistischer Autoren wie Dominique Venner und Günter Fraschka. Das Deutsche Soldatenjahrbuch aus dem Schild-Verlag (München) brachte 1978 einen längeren biographischen Artikel über Mauss.[13] Fred Frank publizierte 1996 bei Pabel einen Landser Großband: Dr. Karl Mauss. Brillantenträger und letzter Kommandant der 7. Panzerdivision (Nr. 732).

Die Hamburger Burschenschaft Germania erinnerte mit einem biographischen Artikel in den Burschenschaftlichen Blättern und einer Ehrenwache am Grab zum 50. Todestag 2009 an den „höchstdekorierte[n] Burschenschafter und Waffenstudent[en] des Zweiten Weltkrieges“[14]. Diese Burschenschaft wird als „neofaschistisch“ eingeschätzt,[15] Der Hamburger Senat stellte sie in den Kontext als „rechtsextremistisch“ bewerteter Organisationen.[16] Die Deutsche Burschenschaft widmet Mauss einen Eintrag unter „Militär, Widerstand“ auf ihrer Homepage. Sie betont, Mauss sei „höchstdekorierter Burschenschafter im Zweiten Weltkrieg (Schwerter und Brillanten zum Ritterkreuz)“ und „Retter tausender Frauen und Kinder aus Danzig und Ostpreußen zu den Schiffen.“[17] Damit greift sie auf den wissenschaftlich widerlegten Mythos eines Primats der Rettung der Zivilbevölkerung statt auf die Tatsache eines „Kampfs bis zum letzten Mann“ und der Ablehnung eines sowjetischen Kapitulationsangebots für Gdingen und Danzig in der Endphase zurück.[18]

Ebenfalls zum 50. Todestag brachte die zumindest in ihrem politischen Teil rechtsradikale Inhalte aufgreifende Preußische Allgemeine Zeitung[19] einen längeren biographischen Artikel. Mauss sei einer der tapfersten, ritterlichsten und höchst dekorierten Truppenführer der Wehrmacht, er sei gleichwohl der deutschen Öffentlichkeit nahezu unbekannt geblieben. Er habe vielen Ostpreußen die Flucht ermöglicht.[20] Olaf Haselhorst, ehemaliger Chefredakteur[21] des nach Einschätzung der Bundesregierung rextsextremen[22] Blattes „Der Schlesier“, Organ der rechten Splittergruppe „Zentralrat der vertriebenen Deutschen“,[23] rezensierte 2011 für die Deutsche Militärzeitschrift, die dem rechtsextremistischen Arndt-Verlag (Kiel) nahe steht,[24] Peter Stockerts im rechtsextremen Pour le Mérite Verlag erschienenes Buch Die Brillantenträger der deutschen Wehrmacht und bemerkte mit Bezug auf Mauss, es sei „den Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS ein Denkmal“ gesetzt, das „umso notwendiger“ erscheine, da die Menschen in Zeiten lebten, „die militärische Leistungen nicht mehr anzuerkennen bereit“ seien.[25]

Schriften

  • Zahnanomalien bei Idioten und Imbezillen. Zahnmedizinische Dissertation. Hamburg 1928, DNB 570889901.

Einzelnachweise

  1. Mauss, 1928 Lebenslauf
  2. Karl Mauss, Lebenslauf in seiner Dissertation 1928
  3. Bruno Thoß, Brigade Ehrhardt, 1919/20, in: Historisches Lexikon Bayerns, siehe: [1].
  4. Christoph Hübner, Bund Oberland, 1921–1923/1925-1930, in: Historisches Lexikon Bayerns, siehe: [2].
  5. Anke Beyer/Anke Knigge/Johann Koch u.a., … und er muss deutsch sein … - Geschichte und Gegenwart der studentischen Verbindungen in Hamburg, Hamburg 2000, S. 208.
  6. Christian Hartmann: Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42, München 2010, 2. Aufl., S. 148.
  7. Mauss 1928 Lebenslauf
  8. Karl Mauss 1928 Lebenslauf in seiner Dissertation
  9. Anke Beyer/Anke Knigge/Johann Koch u.a. , … und er muss deutsch sein … - Geschichte und Gegenwart der studentischen Verbindungen in Hamburg, Hamburg 2000, S. 208.
  10. http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/hamburger-burschenschaft-germania-von-verfassungsschutz-beobachtet-a-969894.html
  11. Karl Mauss, Zahnanomalien bei Idioten und Imbezillen, Hamburg 1928, Diss., S. 29.
  12. Dieser und die vorausgehenden Verweise siehe: Karl Mauss, Zahnanomalien bei Idioten und Imbezillen, Hamburg 1928, Diss., S. 3f., 19f., 25.
  13. Wolfgang Hausen: Generalleutnant Dr. med. dent. Karl Mauss. in: Deutsches Soldatenjahrbuch, Schild-Verlag, 1978, Bd. 26, S. 386–391.
  14. Zum 50. Todestag von Brillantenträger Karl Mauss in Burschenschaftliche Blätter vom 29. Januar 2010, Online aufgerufen am 8. November 2013.
  15. Anke Beyer/Anke Knigge/Johann Koch u.a. , … und er muss deutsch sein … - Geschichte und Gegenwart der studentischen Verbindungen in Hamburg, Hamburg 2000, S. 208.
  16. Wolfgang Gessenharter/Thomas Pfeiffer, Die Neue Rechte — eine Gefahr für die Demokratie?, Wiesbaden 2004, S. 123.
  17. http://www.burschenschaft.de/burschenschaft-was-ist-das/geschichte-tradition/weitere-informationen/bekannte-persoenlichkeiten/bekannte-burschenschafter/militaer-widerstand.html
  18. Johannes Bühler, Vom Bismarck-Reich zum geteilten Deutschland, Westberlin 1960, S. 875.
  19. Peter Oliver Loew, Ein Polenbild der deutschen Rechten? Inhalte – Funktionen – Gefahren, in: Dieter Bingen/Peter Oliver Loew/Kazimierz Wóycicki (Hrsg.), Die Destruktion des Dialogs: zur innenpolitischen Instrumentalisierung negativer Fremdbilder und Feindbilder (= Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts), Wiesbaden 2007, S. 328–344, hier: S. 330.
  20. http://archiv.preussische-allgemeine.de/2009/paz0609.pdf.
  21. http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2012/01/27/nazis-burschen-bundeswehr_8292 aufgerufen am 8. Februar 2017.
  22. Bundestagsdrucksache 14/ 4467 aufgerufen am 8. Februar 2017.
  23. Thomas Pfeiffer, Das informationelle Kapilarsystem. Die neurechte Publizistik im Medienmix einer Bewegung von rechts, in: Wolfgang Gessenharter/Thomas Pfeiffer (Hrsg.), Die Neue Rechte — eine Gefahr für die Demokratie?, Wiesbaden 2004, S. 187–198, hier: S. 189.
  24. Bundestagsdrucksache 16/ 1282, Seite 7, Punkt f aufgerufen am 8. Februar 2017.
  25. online (Memento vom 9. November 2013 im Internet Archive) aufgerufen am 6. Februar 2017.