Karl Spindler (Schriftsteller)

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Karl Spindler, Porträt von Franz Xaver Winterhalter (1830)

Karl Spindler (* 16. Oktober 1796 in Breslau; † 12. Juli 1855 in Bad Freiersbach; auch Carl Spindler; auch C. Spinalba; auch Max Hufnagl) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spindler, Sohn einer Schauspielerin und eines Kapellmeisters am Breslauer Theater, verbrachte seine Jugend in Straßburg, kam zu einem Rechtsanwalt in die Lehre, gab die angestrebte Laufbahn als Jurist jedoch auf, nachdem er sich dem französischen Kriegsdienst durch Flucht entzogen hatte. Er ging nach Augsburg, wurde Schauspieler und schloss sich einer Wandertruppe an. Jahrelang zog er mit dieser Theatergesellschaft durch Deutschland und die angrenzenden Länder. In Hermannstadt (Siebenbürgen) lernte er seine spätere Frau Fanny kennen. Um 1824 verließ er das Theater und begann von der Schriftstellerei zu leben. Er wohnte in Hanau und Stuttgart, ließ sich 1829 in München nieder, 1831 in Baden-Baden, wechselte später mehrfach den Wohnort und zog nach dem Tod seiner an Geisteskrankheit verstorbenen Frau wieder nach Baden-Baden. Er starb am 12. Juli 1855 in Bad Freiersbach.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spindler verfasste mit einer geradezu fabelhaften Geschwindigkeit zahllose Romane und Novellen. Zwischen 1830 und 1860 zählte er zu den populärsten Unterhaltungsschriftstellern in Deutschland. Seine hastige Produktion und die Schwächen seiner Erzählprosa verhinderten nicht, dass Spindler von der literarischen Kritik zumindest teilweise ernst genommen wurde. Die spätere Literaturgeschichtsschreibung hat Spindler trotz seiner überaus großen Wirkung auf das zeitgenössische Lesepublikum ignoriert. Erst Arno Schmidt machte in einem Radioessay (Erstsendung 1974) wieder auf das Phänomen Spindler aufmerksam und hob vor allem dessen Volksroman Der Vogelhändler von Imst (1841, 4 Bde.) sowie Putsch & Comp. 1847–1848-1849 (1851–52, 4 Bde.) hervor.

Unter seinen zahlreichen Romanen gehören zu den seinerzeit am meisten gelesenen: Der Bastard (1826, 3 Bde.; aus der Zeit Kaiser Rudolfs II.), Der Jude (1827, 4 Bde.; eine Sittenschilderung aus der ersten Hälfte des 15. Jahrh.), Der Jesuit (1829, 3 Bde.), Der Invalide (1831, 5 Bde.), ein Roman aus der Zeit der französischen Revolution, und Der König von Zion (1837, 3 Bde.), der in Münster der Wiedertäuferzeit spielt.

Spindler verfasste einige Theaterstücke und war auch journalistisch tätig: 1829 erschien unter seiner Redaktion in München die Damen-Zeitung. Ein Morgenblatt für das schöne Geschlecht, von 1831 bis 1832 Zeitspiegel. Wöchentliche Lieferungen aus dem Gebiete der Romantik, der Kunst, der Geschichte und des Lebens sowie von 1830 bis 1849 das Taschenbuch Vergißmeinnicht.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sämmtliche Werke. Bd. 1-84, 86-102. Stuttgart: Hallberger 1831–1854. (Bd. 85 nicht erschienen)
  • Werke. Classiker Ausgabe. Bd. 1-101. Stuttgart: Hallberger 1854–1856.
  • Ausgewählte Romane. Neue Classiker-Ausgabe. Stuttgart: Hallberger 1875–1876. (14 Abteilungen in 34 Bänden.)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Schmidt: Der Vogelhändler von Imst. Gespräch über Carl Spindler, sowie über die Historie im Roman (Typoskript 1973), in: ders., BA II,3 (1991), S. 347–388.
  • Ludwig Fränkel: Spindler, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 200–202.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl Spindler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Karl Spindler – Quellen und Volltexte