Karl Stülpner

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Karl Stülpner im Alter von 77 Jahren
Stülpners Grab auf dem Großolbersdorfer Friedhof
Karl Stülpner
Kupferstich (1835) mit dem Bildnis des über 70-jährigen Stülpner im Museum sächsisch-böhmisches Erzgebirge, Bergmagazin Marienberg

Karl Stülpner, eigentlich Carl Heinrich Stilpner, (* 30. September 1762 in Scharfenstein; † 24. September 1841 ebenda) war ein erzgebirgischer Soldat, Wildschütz, Schmuggler, Fabrikant und Lebenskünstler.

Romane, volkstümliche Theaterstücke und Erzählungen haben zu einer umfangreichen Legendenbildung beigetragen und dazu geführt, dass Stülpner heute gelegentlich als „sächsischer Robin Hood“ bezeichnet wird. Er lebte in einer Zeit historischer Umbrüche (Französische Revolution, napoleonische Kriege, beginnende Industrialisierung), die insbesondere in Sachsen von sozialer Ungerechtigkeit geprägt war. Das feudale Gesellschaftssystem gewährleistete das Einkommen der Oberschicht, während die Landbevölkerung häufig unzureichenden Lebensbedingungen ausgesetzt war. Das zahlreich vorhandene Hochwild in den erzgebirgischen Wäldern durfte von einfachen Leuten nicht gejagt werden, was zu einer gewissen Anerkennung des Wilddiebes Stülpner beigetragen haben dürfte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das achte Kind einer Tagelöhner- und Landarbeiterfamilie verließ sein Elternhaus früh, um seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. In Chemnitz ließ sich Stülpner 1780 für acht Jahre als kurfürstlich-sächsischer Musketier anwerben und desertierte 1785 auf dem Rückmarsch von einem Manöver. In den folgenden Jahren war er ständig auf der Flucht und geriet über Böhmen, Ungarn, Österreich, Baden und Hessen nach Hannover, wo er in ein Dragonerregiment gepresst wurde. Nach einer neuerlichen Fahnenflucht geriet er in ein preußisches Infanterieregiment, mit dem er am Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich teilnahm. Nach einer Verwundung bei Kaiserslautern 1793 desertierte er 1794 erneut und kehrte nach Scharfenstein zurück.

Wildschütz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönliche Gegenstände aus dem Wildschütz- und Alltagsleben Stülpners im Museum sächsisch-böhmisches Erzgebirge, Bergmagazin Marienberg

Zwischen 1794 und 1800 lebte Stülpner unbehelligt in Scharfenstein. Alles, was über ihn als Wildschütz erzählt wird, ist vermutlich in diese Zeit einzuordnen. Stülpner erwarb sich einen Ruf als Unterstützer und Beschützer der Armen, außerdem als Schmuggler und Räuber. Es entstand eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen Stülpner und den Scharfensteinern: Er unterstützte Bedürftige, versorgte sie mit Fleisch und Schmuggelware, dafür schützten ihn die Scharfensteiner vor der Justiz. Mehrmals entging Stülpner knapp der Verhaftung. In dieser Zeit begann Stülpners Beziehung zu seiner späteren Frau Johanna Christiane Wolf (die „Wolfin“). Sie war die Tochter des Ortsrichters Wolf, der eine Ehe zwischen ihr und Stülpner ablehnte. Stülpners Tochter Johanna Eleonora kam 1799 zur Welt, nachdem bereits 1796 ein Sohn tot geboren worden war.

Erste Ehe und Rückkehr zum Militär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1800 kehrte Stülpner freiwillig auf Lebenszeit in die sächsische Armee zurück, vermutlich um die Versorgung seiner Tochter sicherzustellen. Durch die Fürsprache einiger Freunde wurde er nicht als Deserteur bestraft. 1806 nahm Stülpner an der Schlacht bei Jena teil und geriet in französische Gefangenschaft, aus der er fliehen konnte. 1807 stellte er ein Gesuch auf Entlassung, um seine kranke Mutter zu pflegen. Als das Gesuch abgelehnt wurde, desertierte er und begab sich ins böhmische Daubitz. Christiane Wolf pflegte seine Mutter bis zu deren Tod. Anschließend zog sie ebenfalls nach Daubitz und heiratete dort Stülpner.

Böhmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stülpner betrieb verschiedene Handelsgeschäfte und gründete eine Zwirnfabrik, die ihm einen gewissen Wohlstand brachte. Nachdem 1813 in Sachsen eine Generalamnestie verkündet worden war, kehrte er zurück und kaufte sein Geburtshaus. Weil er 1820 in ein Schmuggelgeschäft verwickelt war, musste er Sachsen wieder verlassen. Im selben Jahr starb seine Frau.

Zweite Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurück in Böhmen heiratete Stülpner 1823 Anna Veronika Ventzora, mit der er bereits seit 1821 einen Sohn hatte. Über diese Zeit ist wenig bekannt, doch scheint die Ehe nicht sehr glücklich gewesen zu sein. Stülpner verließ Anna 1828, während sie mit dem zweiten Sohn schwanger war, und kehrte nach Sachsen zurück.

Die späten Wanderjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stülpner zog durch seine Heimatregion und erzählte bereitwillig Geschichten aus seinem Leben. In den sich entfaltenden Legenden vermischten sich Wahrheit, Wunschvorstellungen und Wildhüter-Romantik. Volkstümliche Schriftsteller griffen die Stülpner-Legende auf. Der Veröffentlichung eines ersten Buches 1832 folgten Gedichte und Theaterstücke. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, verkaufte Stülpner 1835 seine Lebensgeschichte an den Verleger Schönberg. Bald nach dem Erscheinen wurde das Buch verboten. Obwohl Stülpner deshalb vor Gericht eine Entschädigung erstreiten konnte, wurde er wieder mittellos. Von Altersschwäche gezeichnet kehrte er 1839 in seinen Heimatort Scharfenstein zurück. Die beiden letzten Jahre seines Lebens war er krank, fast blind und wurde aus der Armenkasse versorgt. Stülpner starb am 24. September 1841 in Scharfenstein im Alter von fast 79 Jahren. Sein Grab auf dem Großolbersdorfer Friedhof ist bis heute erhalten.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die siebenteilige Serie Stülpner-Legende des Fernsehens der DDR (1973) mit Manfred Krug in der Hauptrolle schildert in freier Adaption einige legendäre Episoden aus Stülpners Leben etwa aus der Zeit von 1795 bis 1800.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2000 wurde der am 29. Dezember 1998 in der Volkssternwarte Drebach entdeckte Planetoid 1998 YH27 nach Karl Stülpner benannt. Er trägt die offizielle Bezeichnung (13816) Stülpner und bewegt sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Hoffmann: Beschlagnahmt und verboten - Volkstümliche Literatur über den Wildschützen Carl Stülpner. in: Kulturbund der DDR (Hrsg.): Sächsische Heimatblätter. 20. Jahrgang 1974, Heft 6, S. 241 bis 267
  • Johannes Pietzonka: Karl Stülpner - Legende und Wirklichkeit. Sachsenbuch. Leipzig 1998. ISBN 3-910148-33-6.
  • Carl Heinrich Wilhelm Schönberg: Carl Stülpner's merkwürdiges Leben und Abenteuer. Zschopau 1835 (Digitalisat). (Reprint Leipzig 1973).
  • Karl Sewart: Mich schießt keiner tot. Die Geschichte des Volkshelden Karl Stülpner. Chemnitzer Verlag. Chemnitz 1994. ISBN 3-928678-14-0.
  • Friedrich von Sydow: Carl Stülpner, ein berüchtigter Wildschütz im sächsischen Erzgebirge. in: Freyberger gemeinnützige Nachrichten. Jahrgang 1812, Nummern 23 bis 29 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]