Karl Theodor von Dalberg

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Karl Theodor von Dalberg, um 1791, Gleimhaus Halberstadt

Karl Theodor Anton Maria Kämmerer von Worms, Reichsfreiherr von und zu Dalberg (er unterschrieb mit Carl) (* 8. Februar 1744 in Mannheim[1][2]; † 10. Februar 1817 in Regensburg) war ein deutscher Kurfürst, Erzbischof und Staatsmann, Schriftsteller, Popularphilosoph und Freund der Weimarer Dichter sowie Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Akademien.

Als Bischof stand er den Bistümern Konstanz, Worms, Mainz und Regensburg vor. Als Erzbischof von Mainz war er von 1802 bis 1803 Kurfürst und rangierte als Reichserzkanzler protokollarisch gleich hinter dem Kaiser. Als durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 Mainz an Frankreich fiel, wurde deshalb Dalberg als einziger der geistlichen Kurfürsten mit den neu für ihn geschaffenen Fürstentümern Aschaffenburg und (bis 1810) Regensburg sowie mit der Grafschaft Wetzlar entschädigt. Mit Unterzeichnung der Rheinbundakte (1806) wurde er Fürstprimas des Rheinbundes, und sein Staatsgebiet, nun Fürstprimatischer Staat, wurde um Besitzungen im Spessart und um Frankfurt am Main erweitert. 1808 gründete er in Aschaffenburg die Karls-Universität, der er als Rektor vorstand. 1810 musste er auf das an das neue Königreich Bayern fallende Fürstentum Regensburg verzichten und erhielt stattdessen die Fürstentümer Fulda und Hanau sowie den Titel Großherzog von Frankfurt, was er bis 1813 blieb. Danach behielt er lediglich den Rektorposten der Karls-Universität bis 1815 sowie seine geistlichen Würden, bis er 1817 verstarb.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Beginn einer geistlichen Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des kaiserlichen Kammerherren Franz Heinrich aus der freiherrlichen Familie von Dalberg, älterer Bruder von Wolfgang Heribert von Dalberg und Johann Friedrich Hugo von Dalberg, wählte ohne elterlichen Zwang die geistliche Laufbahn. Das hochbegabte Kind genoss eine katholische Erziehung, die ihm ein vielseitiges Wissen vermittelte. Als junger Mann widmete er sich in Heidelberg dem Studium der Rechtswissenschaften, das er dort 1761 abschloss und anschließend in Mainz fortsetzte. Ende 1762 begab er sich auf seine Bildungsreise nach Italien und Frankreich, von der er nach zwei Jahren zurückkehrte. In Rom lernte er den Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann kennen und in Pavia setzte er sein juristisches Studium fort. Anfang 1765 trat er in kurmainzische Dienste, wurde schon bald mit wichtigen Aufgaben betraut und konnte so seine Fähigkeiten auf zahlreichen Gebieten der Verwaltung zeigen. Bereits seit 1754 Domizellar in Mainz, wurde er 1779 Domherr in Würzburg, wie auch 1786 Domherr in Mainz. Weitere Domkanonikate besaß er in Worms und Konstanz. Der Kurfürst-Erzbischof von Mainz ernannte Dalberg 1771 zum mainzischen Statthalter Erfurts (1771–1802), womit er den thüringischen Teil des Landes zu verwalten hatte. 1780 wurde er Propst von Wechterswinkel und Rektor der Universität Würzburg; 1797 auch noch Dompropst in Würzburg. Im Jahr 1789 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt; weiterhin war er Mitglied der Bayerischen[3], der Göttinger Akademie der Wissenschaften[4] und der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

Die 1770er und 1780er Jahre in Erfurt waren die glücklichste Zeit in Dalbergs Leben. Sie waren gekennzeichnet durch nachbarliche Verbindungen zum Musenhof in Weimar, die Neuorganisation der Universität Erfurt und die Förderung der Volksbildung und der allgemeinen Wohlfahrt im Sinne der Aufklärung. Doch bei aller Aufgeschlossenheit lagen ihm besonders die religiöse Erziehung, Priesterbildung, Predigt und Katechese am Herzen. Er war Mitglied des Illuminatenordens unter dem Namen 'Baco di Verulam' und 'Präfekt' der Illuminaten in Erfurt.[5] Dalberg war, trotz gegenläufiger Auffassung in der Forschungsliteratur, nicht Mitglied des Freimaurerbundes, war ihm jedoch wohlgesinnt. Von ihm ist das Wort überliefert, wer als Christ Freimaurer werden wolle, gleiche einem Reiter, der sein Pferd sucht, obgleich er schon auf ihm sitzt, womit er die ethische Vereinbarkeit von Christentum und Freimaurerei betonte.

Übernahme bischöflicher Würden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Juni 1787 wurde er, mit preußischer Unterstützung, zum Koadjutor des Erzbischofs von Mainz gewählt. Am 18. Juni 1787 folgte die Wahl zum Koadjutor des Bischofs von Worms und am 18. Juni 1788 die Wahl zum Koadjutor des Bischofs von Konstanz. In der Zwischenzeit war Dalberg am 11. November 1787 in Bamberg zum Priester geweiht worden.[6] Am 10. März 1788 ernannte ihn der Papst zum Titularerzbischof von Tarsus in Kilikien und am 31. August 1788 empfing er in Aschaffenburg die Bischofsweihe.

Als Dalberg am 17. Januar 1800 regierender Fürstbischof von Konstanz wurde, war die alte Ordnung bereits im Zusammenbruch. Am 25. Juli 1802 wurde er auch der letzte regierende Kurfürst-Erzbischof von Mainz und Bischof von Worms, allerdings nur noch in den rechts des Rheins gelegenen Gebieten. Obwohl das Schicksal der Reichskirche bereits entschieden war, bemühte er sich um die Erhaltung der Bischofssitze. Wenn er ihnen auch nicht die weltliche Macht bewahren konnte, so wollte er sie jedoch wenigstens weiterhin im jus dioecesanum sehen, was er auch tatsächlich durchsetzen konnte, von den Fürsten aber trotzdem kaum beachtet wurde.

Primas der deutschen Kirche 1803–1817[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Schutz des geistlichen Lebens kämpfte Dalberg um die Schaffung des Amtes eines Fürstprimas, unter dessen Aufsicht das kirchliche Leben dann erhalten werden könnte. Dabei ging es Dalberg nicht um die Schaffung einer papstfreien Nationalkirche, sondern nur um den Erhalt der Kirche in Deutschland. Der Reichsdeputationshauptschluss übertrug im Jahre 1803, da Mainz nun endgültig an Frankreich gefallen war, die Ämter des Mainzer Kurfürsten, des Reichserzkanzlers, des Erzbischofs von Mainz und des Primas für Deutschland von Mainz auf das Bistum Regensburg. Die Metropolitanrechte des neuen Erzbistums sollten sich zukünftig auf das ganze rechtsrheinische Heilige Römische Reich erstrecken, ausgenommen die Hoheitsgebiete Preußens und Österreichs. Die Wahl für den Sitz des Reichskanzlers war auf Regensburg gefallen, weil dort der Reichstag versammelt war.

§ 25 des Reichsrezesses besagt, dass die „Würden eines Kurfürsten, Reichs-Erzkanzlers, Metropolitan-Erzbischofs und Primas von Deutschland“ für immer mit dem Regensburger Bischofsstuhl verbunden sein sollten. Die Metropolitangerichtsbarkeit erstreckte sich auf alle deutschen Bistümer, mit Ausnahme der österreichischen unter Salzburg und der preußischen. Zu diesem Zwecke war aus den Gebieten des Fürstentums Aschaffenburg, der Reichsstadt (jetzt Grafschaft) Wetzlar und dem Fürstentum Regensburg das Kurfürstentum errichtet worden. Das Fürstentum Regensburg bestand zu dieser Zeit aus dem Regensburger Hochstift mit den Herrschaften Donaustauf, Wörth und Hohenburg, der Reichsstadt Regensburg, der Fürstabtei St. Emmeram, den Reichsstiften Obermünster und Niedermünster und allen Besitzungen der mittelbaren Stifte und Klöster Regensburgs.

Karl Theodor von Dalberg 1812 (Ölgemälde von Franz Seraph Stirnbrand)

Da der bisherige Bischof von Regensburg noch lebte, beschränkte sich Dalberg lediglich auf seine Staatsgeschäfte. Erst mit dem Tod des Bischofs am 4. April 1803 ließ er das Domkapitel in seine kanonischen Rechte eintreten, das nun einen Kapitularvikar wählte und Dalberg die „administratio in spiritualibus“ antrug. Er nahm sie jedoch nur unter Vorbehalt der päpstlichen Bestätigung an und wandte sich an Papst Pius VII. mit der Bitte, der rechtsrheinischen Übertragung des Mainzer Sitzes nach Regensburg kanonische Kraft zu verleihen. Da Bayern aber einen Fürstprimas in Regensburg vermeiden wollte, opponierte es mit allen Mitteln, einschließlich Verleumdungen bezüglich schismatisch-nationalkirchlicher Pläne, gegen Dalberg. So erlangte er am 15. Juli 1803 lediglich die provisorische Administration über das Bistum Regensburg als Fürstbischof und erhielt seine Ernennung zum Erzbischof von Regensburg erst am 1. Februar 1805. Anlässlich der Kaiserkrönung Napoleons I. wollte er mit Papst Pius VII. bezüglich der kirchlichen Neuordnung Deutschlands in Verhandlungen treten. Er erhielt vom Papst zwar das Pallium, nicht aber die Aufnahme des Titels eines „Primas Germaniae“ in die Bulle, was wohl auf den Widerstand der Kurienkardinäle zurückzuführen ist. Allerdings erhielt er die mündliche Zusage des Papstes, dass er zur Führung des Titels berechtigt sei. So trug er den Titel Primas von Deutschland bis zu seinem Tode.

10 Dukaten (1810) auf die Ernennung Dalbergs zum Großherzog von Frankfurt

Da Dalbergs Staat auf einer schwachen Grundlage stand und einzig Napoleon die Kirchenpolitik bestimmte, wählte Dalberg Napoleons Onkel, Kardinal Joseph Fesch, im Jahre 1806 zu seinem Koadjutor. Diese ungesetzliche Ernennung, der eine kirchliche Zusage versagt blieb, war ein fataler Schritt schierer Verzweiflung zur Rettung der deutschen Kirche und wurde ihm selbst von Freunden schwer verübelt. Bei der Schaffung des Rheinbundes ließ sich Dalberg von Napoleon bewegen, als Fürstprimas an die Spitze des neuen Staatengebildes zu treten. Diesen Schritt, welcher bei anderen Fürsten als politische Notwendigkeit bzw. Opportunismus betrachtet wurde, wurde bei Dalberg als Verrat hingestellt. Seine Verbindung mit Napoleon brachte ihn in ein immer schieferes Licht, je schroffer dieser den Papst behandelte und die Empörung in Deutschland gegen die Franzosen wuchs. 1810 übergab Napoleon Dalbergs Fürstentum Regensburg an Bayern, während Dalberg das neugebildete Großherzogtum Frankfurt, welches ohne Beziehung zu seiner geistlichen Würde stand, als Großherzog (1810–1813) erhielt.

Stationen und Wirken in Regensburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dalberg kam bereits im Dezember 1802 in Regensburg an, einige Wochen vor dem offiziellen Termin im Februar 1803. Er fand eine Stadt vor, die sich angesichts des absehbaren Endes des Reichstages in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen befand. In einem Bericht an Talleyrand heißt es: Das völlige Fehlen jeglicher öffentlichen Wohlfahrt, der schlechte Zustand der Straßen und Wege, der zunehmende Mangel finanzieller Ressourcen lassen diese Stadt in einen wahrhaft erbärmlichen Zustand fallen.[7] Als Residenz wird dem Fürstprimas die 1800 zu einem repräsentativen klassizistischen Residenzgebäude umgebaute Dompropstei am Domplatz angeboten.[8]
  • Nach dem Reichsdeputationshauptschluss begannen alle auswärtigen Gesandtschaften Regensburg zu verlassen. Damit ging der Stadt ein erheblicher Wirtschaftsfaktor verloren. Zugleich gab es Gerüchte, dass auch das Haus Thurn und Taxis die Stadt verlassen wollte. Das hätte den Verlust von Arbeitsplätzen für 200 Familien und für die Stadt einen weiteren Umsatzverlust von 200.000 Gulden zur Folge gehabt. Dalberg begann Verhandlungen mit dem Fürstenhaus und bot für den Fall des Verbleibs in Regensburg umfangreiche Vergünstigungen an, auf die das Haus Thurn und Taxis keinen Rechtsanspruch gehabt hätte, z. B. Befreiung von Staatsabgaben, Steuern und Einquartierungen und die Zivilgerichtsbarkeit über Bedienstete und Mitglieder der Generalpostdirektion.[7] 1806 einigte man sich auf eine Deklaration, mit der Dalberg allen Wünschen des Hauses Thurn und Taxis ohne Änderungen nachkam. Damit war gesichert, dass Regensburg vorerst Wohnsitz der fürstlichen Familie blieb. Die endgültige Entscheidung über eine dauerhafte Niederlassung des Fürstenhauses in Regensburg fiel aber erst 1812 mit dem Postentschädigungsvertrag, in dem das Königreich Bayern die Klostergebäude von Kloster St. Emmeram dem Haus Thurn und Taxis als Entschädigungsobjekte übereignete.
  • Bereits im Juli 1803 begann Dalberg Reformen im Aufbau der Stadtverwaltung, im Steuersystem und bei der Verleihung des Bürgerrechts, das anders als bisher nun auch Katholiken erhalten konnten. Er berief Heinrich Johann Bösner zum Polizeidirektor. Er sollte eine Neuordnung der Stadtbezirke (Wachten), die Neubezeichnungen der Türme der Stadtmauer und der Benennungen der Straßen mit noch heute gültigen Straßennamen durchführen.[8][9]
  • Das von einer religiös paritätisch besetzten Stiftung betriebene Katharinenspital, das unter der Aufsicht der Reichstadt Regensburg gestanden hatte, war beim Regierungsantritt von Dalberg mit 16.000 Gulden sehr hoch verschuldet. Dem von Dalberg eingesetzten Verwalter gelang es in einigen Jahren, die Verschuldung deutlich zu verringern.[8]
  • Bereits kurz nach seiner Ankunft offenbarte sich Dalberg 1803 als Freund und Gönner der bereits 1790 gegründeten Botanischen Gesellschaft und überließ der Gesellschaft ein Gartengelände von Kloster Emmeran, um dort einen botanischen Garten anzulegen. Als das Grundstück 1813 von Bayern an das Haus Thurn und Taxis verkauft wurde, schenkte Dalberg der botanischen Gesellschaft 2000 Gulden zum Kauf eines Ersatzgrundstückes im östlichen Abschnitt der Fürst Anselm Allee für einen Garten der bis 1854 bestand.[8]
  • Als Landesherr war Dalberg auch mit der Säkularisierung der klöster befasst, darunter das Dominikanerinnenkloster Heilig Kreuz, das umstrittene, exklusive Damenstift Obermünster und das Kloster Sankt Emmeram, das sich durch die Arbeiten des Mönches Placidus Heinrich in einer Phase höchster wissenschaftlicher Blüte befand. Dalberg betrieb die Säkularistion nicht rabiat, sondern umsichtig, rücksichtsvoll und vorausschauend. Er erwies sich als gütiger, kunstsinniger Regent, der nicht nur einen ausgeprägten Sinn für naturwissenschaftliche Bedürfnisse, Einrichtungen und Geräte hatte, sondern auch sozial engagiert war. So blieben die Bibliothek und die wertvolle Gerätesammlung der Emmeramer Mönche unangetastet, wurden nicht verkauft und sogar noch mit eigenem Geld erweitert, weil Dalberg erkannt hatte, dass das Kloster auch ein Auftraggeber für städtische Handwerker war.[8] Die Dominikanerinnen konnten ihr Kloster weiter betreiben, weil sie dem Wunsch Dalbergs folgten und den Grundschulunterricht für Mädchen übernahmen. Das führten die Nonnen auch fort, als Regensburg 1810 an Bayern fiel und konnten auf diese Weise ihr Kloster endgültig retten. [8]
  • Dalberg verfügt 1805 die Gleichstellung und Gleichbehandlung von ehelichen und unehelichen Waisenkindern. 1809 ordnet er die Rückverlegung der evangelischen Waisenkinder an, die seit 1725 an der Brunnleite nahe der Donau in einem stadteigenen Gebäude untergebracht waren, in dem auch ein Zuchthaus betrieben wurde. Für die Kinder wurde am alten Standort westlich des evangelischen Bruderhauses am Emmeramsplatz ein neues Waisenhaus gebaut, um die Kinder dem schlechten Einfluss der Strafgefangenen zu entziehen.[8]
  • Schon früh förderte Dalberg die Pläne zur Ansiedlung einer Porzellanfabrik auf dem Zwingergelände am Singrün in der Absicht, die Industrie und den Wohlstand in der Stadt zu fördern. Betreiber der Fabrik war der Unternehmer Johann Heinrich Koch, der 1765 das Bürgerrecht erworben hatte und ein Schwager des Regensburger Großkaufmannes Dittmer war. Dalberg wies die Verwaltung an, einen günstigen Kaufpreis für das Gelände auszuhandeln und die Ableitung des Abwassers über den Stadtgraben zu erlauben. Er gewährte dem Fabrikanten für 5 Jahre das Privileg zur alleinigen Herstellung von Porzellan und Prämien für die Ausfuhr der Produkte über eine Verschiffung auf der Donau. 1804/05 entstand das noch heute vorhandene, palaisartige Fabrikationsgebäude und ein Werksgebäude mit Brennerei, in denen zunächst sog. Türkenbecher und Gebrauchsgeschirr produziert wurde. Unter verschiedenen Besitzern wurde bis 1869 produziert.[8] Langfristig erfolgreich war auch Dalbergs Umgang mit Grundstücken und Gebäuden des Deutschen Ordens, die 1809 nach Auflösung des Ordens an ihn als den Landesherren fielen. Er veräußerte das Areal und die Gebäude weiter an einen Unternehmer und nach seinem Tod entstand dort das damals größte Industrieunternehmen in Regensburg, die Bleistiftfabrik Rehbach.[8]
  • Ein Jahr nach dem Tod des Fürsten Carl Anselm von Thurn und Taxis würdigte Dalberg 1806 das Andenken an den Verstorbenen durch Erweiterung der von ihm angelegten Baumallee durch Pflanzungen vor dem Peterstor und dem Jacobstor und durch einen jährlichen Zuschuss von 2000 Gulden zum Unterhalt der Anlagen. Weiterhin initiiert und fördert Dalberg den Bau eines Obelisken für den verstorbenen Fürsten, der nach dem Entwurf des Hofbaumeisters Emanuel Herigoyen aus Steinen der Stadtmauer errichtet wurde. Auch unterstützte er den geplanten Bau des Keppler-Monuments.[8]
  • Die unhaltbaren hygienischen Verhältnisse auf dem Domfriedhof veranlassten Dalberg schon 1803, die Auflassung dieses Friedhofs zu verfügen und den bereits vor dem Petertor existierenden protestantischen Petersfriedhof mit einem katholischen Petersfriedhof erweitern zu lassen. Außerdem ließ Dalberg alle ehemaligen Hinrichtungsstätten und Richtplätze vor den Toren der Stadt beseitigen.[8]
  • Das katholische Siechen- und Krankenhaus St. Josef für arme Dienstboten in der Ostengasse ließ Dalberg 1807 durch den Hofarchitekten Herigoyen um einen Flügel für arme Kranke evangelischer Konfession erweitern.[8]
  • Die schon 1801 in Regensburg eingeführte, aber auf Widerstand in der Bevölkerung stoßende Pockenschutzimpfung mit den relativ harmlosen Viren der Kuhpocken wurde von Dalberg massiv gefördert. Die Impfungen wurden von seinem Hofarzt kostenlos im evangelischen Bruderhaus durchgeführt und von Dalberg mit jährlichen Zuschüssen finanziert.[8]
  • Dalberg begann 1806 mit der Einrichtung einer öffentlichen Kunstschule zum Erlernen des handwerklichen Zeichnens, die 1810 zu einer Akademie für künstlerisches Zeichnen erweitert werden sollte. Während der Unterricht im handwerklichen Zeichnen tatsächlich stattfand, blieb die Verwirklichung der künstlerischen Akademie unter Leitung des freischaffenden Künstlers Joseph Franz von Goez ein Wunschtraum, der nach dem Übergang von Regensburg an Bayern nach 1810 nicht mehr verfolgt wurde.[8]
  • Im Auftrag von Dalberg, aber auch auf eigene Initiative hat sein Hofbaumeister Herigoyen viele Gebäude und auch private Villen im inneren Stadtgebiet von Regensburg errichtet. Wie die Herigoyen-Werkliste zeigt, prägen die Gebäude das Stadtbild noch heute. Nachdem 1809 der südöstliche Stadtteil Regensburgs im Verlauf der Schlacht bei Regensburg total zerstört wurde, unterstützten Dalberg und Herigoyen die betroffene Bevölkerung mit Plänen zum Wiederaufbau, jedoch waren die Zerstörungen so umfangreich, dass der Wiederaufbau und die Neugestaltung der Straßenzüge noch viele Jahre dauerte.[8]

Lebensende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herzurne des Karl Theodor von Dalberg in der Stiftskirche von Aschaffenburg

1811 reiste Dalberg nach Frankreich und nahm am Pariser Nationalkonzil teil, wo er für die Freilassung des Papstes eintrat. Mit dem Sturz Napoleons verlor er im Jahre 1814 seine weltliche Herrschaft, so dass er ab März 1814 Regensburg nicht mehr für längere Zeit verließ. Hinfort widmete er sich ganz seinem geistlichen Amt. Er starb an den Folgen eines Schlaganfalles und wurde im Mittelschiff des Regensburger Domes beigesetzt. Sein von dem italienischen Bildhauer Luigi Zandomeneghi (1778–1850) geschaffenes Epitaph aus Carrara-Marmor befindet sich auch heute noch dort. Sein Herz wurde in einer Silberkapsel/Herzurne in der Stiftskirche von Aschaffenburg beigesetzt, wo sie sich noch heute befindet.

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Landesherr und Bischof war Dalberg von peinlicher Gewissenhaftigkeit, in seiner Amtsführung von kantischem Pflichtbewusstsein, dabei aber von gewinnender menschlicher Güte und großer Hilfsbereitschaft. So oft er in Regensburg oder Konstanz weilte, hielt er die Pontifikalhandlungen selbst und nahm in Regensburg für gewöhnlich auch an den Konsistorialsitzungen teil. Zeitlebens besaß er einen starken Glauben an die guten Möglichkeiten im Menschen und war darin ganz ein Regent im Sinne der Aufklärung. Theologisch gut gebildet, wenn auch kein Theologe im eigentlichen Sinne, war er in seinem kirchlichen Denken febronianisch beeinflusst. Sein Nachfolger als Großherzog sollte Prinz Eugène de Beauharnais werden. Jedoch kam es wegen des Machtniedergangs Napoleons nach der Völkerschlacht bei Leipzig nicht mehr dazu, das Großherzogtum wurde aufgelöst.

1816 verfügte Dalberg in einer Gedenkschrift, dass seine Sammlungen im Schloss Johannisburg in Aschaffenburg unverbrüchliches Eigentum der Stadt und seiner Bürger sein sollten.[10] Nach seinem Tode prozessierten seine Erben, die Fürsten von der Leyen, jahrelang um die Hinterlassenschaft. Einige damals wahrscheinlich ausgehändigte Gemälde gelten heute (2011) als verschollen.[11]

Nach Dalberg ist der Dalberg-Preis für transdisziplinäre Nachwuchsforschung benannt, der jährlich von der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt verliehen wird.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geht eindeutig aus dem Taufbucheintrag der Mannheimer Pfarrei St. Sebastian hervor; Abbildung der entsprechenden Seite bei Konrad M. Färber u. a. (Hrsg.): Carl von Dalberg: Erzbischof und Staatsmann (1744–1817), Regensburg 1994. S. 23
  2. Fritz Reuter: Die Dalberg in Worms und Hernsheim, in: Hans-Bernd Spies (Hrsg.): Carl von Dalberg 1744–1817, Aschaffenburg 1994. S. 273–274
  3. Mitgliedseintrag von Carl Theodor Freiherr von Dalberg bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. Januar 2017.
  4. Holger Krahnke: Die Mitglieder der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 1751–2001 (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-Historische Klasse. Folge 3, Bd. 246 = Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Mathematisch-Physikalische Klasse. Folge 3, Bd. 50). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-82516-1, S. 64.
  5. Hermann Schüttler: Die Mitglieder des Illuminatenordens
  6. vergleiche Hans-Bernd Spies: Priester- und Bischofsweihe des 1787 zum Coadjutor gewählten Carl von Dalberg, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 10 (2011–2013), Heft 2, S. 114–134.
  7. a b Siegfried Grillmmeyer: Das Fürstenhaus Thurn und Taxis und die Wohnsitzfrage nach 1800 In: Thurn und Taxis-Studien Bd. 20 Reichsstadt und Immerwährender Reichstag (1663–1806), Verlag Michael Lassleben Kallmünz, 2001, ISBN 37847 15222, S. 77–87
  8. a b c d e f g h i j k l m n o Karl Bauer: Regensburg Kunst- Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag in H. Gietl Verlag & Publikationsservice GmbH, Regenstauf 2014, ISBN 978-3-86646-300-4, S. 69 f., 21 f., 721, 30, 177, 162/442 ff., 183/425, 429 f., 334, 550 f., 800/922 f., 397, 885, 248/320, 100 f.
  9. Matthias Freitag Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) und das Fürstentum Regensburg[1] abgerufen April 2018
  10. Gernot Frankhäuser / Anja Lippert: Kunst und Staatskunst. Carl Theodor von Dalberg. Hrsg.: Museen der Stadt Aschaffenburg. Aschaffenburg 2010, S. 26–27.
  11. FAZ vom 12. Oktober 2010, Seite 46: Die kleine, aber teure Stadt. Aschaffenburg erinnert mit einer Sonderausstellung Kunst und Staatskunst an den letzten Mainzer Kurfürsten
  12. Pressemitteilung 31/10 der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt: Dalberg-Preis 2011, abgerufen am 26. September 2011.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl von Beaulieu-Marconnay: Karl von Dalberg und seine Zeit. Zur Biographie und Charakteristik des Fürsten Primas. 2 Bde., Weimar 1879.
  • Carl von Dalberg: Ausgewählte Schriften (Hrsg. von Hans-Bernd Spies; Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg, Reihe Nachdrucke, Bd. 3), Aschaffenburg 1997.
  • Konrad M. Färber u. a. (Hrsg.): Carl von Dalberg: Erzbischof und Staatsmann (1744–1817), Regensburg 1994. ISBN 3-927529-03-6
  • Konrad M. Färber: Dalberg, Bayern und das Fürstentum Regensburg. Neue Quellen aus den Archiven von Wien und Paris, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 49,3 (1986) 695–717.
  • Konrad M. Färber: Kaiser und Erzkanzler. Carl von Dalberg und Napoleon am Ende des Alten Reiches, Regensburg 1994.
  • Gernot Frankhäuser / Anja Lippert: Kunst und Staatskunst. Carl Theodor von Dalberg. Museen der Stadt Aschaffenburg. Aschaffenburg 2010.
  • Reinhard Grütz: Erfurt im Schatten der Französischen Revolution Regierungspraxis und Staatstheorie Carl Theodor von Dalbergs (Erfurter Theologische Schriften Band 28), Leipzig 2000.
  • Karl Hausberger (Hrsg.): Carl von Dalberg. Der letzte geistliche Reichsfürst (Schriftenreihe der Universität Regensburg 22), Regensburg 1995, ISBN 978-3-930480-40-1.
  • Karl Hausberger: Geschichte des Bistums Regensburg, Bd. 2: Vom Barock bis zur Gegenwart, Regensburg 1989, 94–104.
  • Herbert Hömig: Carl Theodor von Dalberg. Staatsmann und Kirchenfürst im Schatten Napoleons, Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77240-4.
  • Ekkehard Krömer: Die staatsrechtlichen Grundgedanken Karl von Dalbergs, Diss. Köln 1958.
  • Michael Ludscheidt: Aufklärung in der Dalbergzeit. Literatur, Medien und Diskurse in Erfurt im späten 18. Jahrhundert (Schriften der Bibliothek des Evangelischen Ministeriums Erfurt, Bd. 1), Erfurt 2006.
  • Klaus Rob: Karl Theodor von Dalberg (1744–1817). Eine politische Biographie für die Jahre 1744–1806. Frankfurt am Main 1984.
  • Georg Schwaiger: Carl Theodor von Dalberg. Erzbischof von Regensburg (1805–1817), in: Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg 23/24 (1989) 489–494.
  • Georg Schwaiger: Sailer und Dalberg, in: Festschrift für Andreas Kraus zum 60. Geburtstag, Kallmünz 1982, 369–380.
  • Hans-Bernd Spies (Hrsg.): Carl von Dalberg 1744–1817 (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg, Bd. 40), Aschaffenburg 1994, ISBN 978-3-87965-064-4
  • Hans-Bernd Spies: Carl von Dalberg (1744–1817) – Neues zur frühen Biographie (bis 1772) des Fürstprimas, in: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg 9 (2008–2010), S. 69–98.
  • Josef Staber: Kirchengeschichte des Bistums Regensburg. Regensburg 1966, S. 169–177.
  • Martin A. Völker: Raumphantasien, narrative Ganzheit und Identität. Eine Rekonstruktion des Ästhetischen aus dem Werk und Wirken der Freiherren von Dalberg, Aufklärung und Moderne, Bd. 5. Hannover-Laatzen: Wehrhahn Verlag, 2006. ISBN 978-3-86525-205-0
  • Karl Georg BockenheimerDalberg, Carl Theodor Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 703–708.
  • Ludwig Lenhart: Dalberg, Carl Theodor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 489 f. (Digitalisat).
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Dalberg, Carl Theodor. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1195–1197.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karl Theodor von Dalberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
VorgängerAmtNachfolger
Maximilian Christof von RodtBischof von Konstanz
1799–1817
––
Friedrich Karl Joseph von ErthalErzbischof von Mainz
1802–1803
Joseph Ludwig Colmar
Friedrich Karl Joseph von ErthalBischof von Worms
1802–1803
––
Joseph Konrad von SchroffenbergErzbischof von Regensburg
1802–1817
Johann Nepomuk von Wolf
––Großherzog von Frankfurt
1810–1813
Eugène de Beauharnais
(Titulargroßherzog)