Karl VII. (HRR)

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Karl VII. als Kaiser; er trägt die Ordensschärpe von St.-Georg und die Ordenskette vom Goldenen Vlies (Bild von George Desmarées, posthum um 1766, heute Schloss Nymphenburg)

Karl Albrecht von Bayern (* 6. August 1697 in Brüssel; † 20. Januar 1745 in München) aus dem Hause Wittelsbach war von 1726 bis 1745 als Karl I. Kurfürst und Herzog von Bayern. Nach dem Tod Kaiser Karls VI. im Jahr 1740 beanspruchte er auch das Erzherzogtum Österreich und das Königreich Böhmen, setzte sich aber nicht durch.

Doch als Karl VII. war er von 1742 bis 1745 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Damit war er der einzige Nicht-Habsburger auf dem Kaiserthron seit 1437 und – vier Jahrhunderte nach seinem Stammvater Ludwig IV. – der dritte Wittelsbacher auf dem römisch-deutschen Thron. Ihm folgte Franz I. Stephan, welcher das Haus Habsburg-Lothringen begründete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl wurde in Brüssel als Sohn des bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel und dessen zweiter Gattin, Therese Kunigunde, der Tochter des polnischen Königs Johann III. Sobieski, geboren. Max Emanuel residierte dort seit Ende 1691 als Generalstatthalter der spanischen Niederlande.

Der junge Karl Albrecht, 1717-1719, Joseph Vivien, Warschauer Königsschloss

Die Familie des Kurfürsten und sein umfangreicher Hofstaat kehrten 1701 von Brüssel nach München zurück. Nach Max Emanuels Flucht zurück in die Spanischen Niederlande nach der Niederlage in der Schlacht von Höchstädt am 13. August 1704 blieben Karl Albrecht und seine Geschwister zunächst bei ihrer Mutter, die nunmehr die Regentschaft in München ausübte. Im Mai 1705 verweigerten die österreichischen Behörden der Kurfürstin nach einem Aufenthalt in Venedig die Wiedereinreise nach Bayern und zwangen auch sie in ein Exil, das zehn Jahre dauern sollte.[1] Da auch sein Vater, über den am 29. April 1706 die Reichsacht verhängt wurde,[2] nach der Niederlage von Ramillies am 23. Mai 1706 von Brüssel ins Exil nach Compiègne ging,[1] sah Karl Albrecht seine Eltern erst als 17-Jähriger wieder.[3]

1706 wurden Karl Albrecht und drei seiner Brüder auf Anweisung Kaiser Josephs I. nach Klagenfurt gebracht, wo sie vornehmlich von Jesuiten standesgemäß unterrichtet und erzogen wurden, während seine Schwester und die beiden jüngsten Brüder in München blieben. Der Nachfolger Josephs, Kaiser Karl VI., vergrößerte 1712 den Hofstaat der Prinzen, verlegte ihn nach Graz[4] und holte auch Karls vierten Bruder Johann Theodor dorthin. Da der jüngste Bruder, Maximilian Emanuel, inzwischen gestorben war, blieb nur Karls einzige Schwester, Prinzessin Maria Anna, in München.[5] Nach Ende des Krieges lebte die Familie ab April 1715 wieder in Bayern.

Am 6. August 1715 wurde Karl Albrecht volljährig und damit formell regierungsfähig. Vom 3. Dezember 1715 bis zum 24. August 1716 unternahm er eine Bildungsreise nach Italien und beteiligte sich 1717 mit einem bayerischen Truppenkontingent am Feldzug gegen die Türken. Bei den Aufenthalten am kaiserlichen Hof in Wien lernte er seine zukünftige Gattin Maria Amalia, die jüngere Tochter des verstorbenen Kaisers Josephs I., kennen. Die Vermählung mit Erzherzogin Maria Amalia fand am 5. Oktober 1722 statt. Zwar hatte Bayern auf Thronansprüche gegenüber Habsburg durch diese Heirat offiziell verzichtet, dennoch eröffnete sie Perspektiven für einen Erbanspruch auf österreichische Besitzungen. Zu Ehren des frisch vermählten Paares ließ Kurfürst Maximilian Emanuel vom 17. Oktober bis zum 4. November in München und Umgebung glanzvolle Feierlichkeiten ausrichten.

Auf einer mehrwöchigen Reise mit seinen Brüdern nach Frankreich, auf der Karl am 5. September 1725 an der Hochzeit König Ludwigs XV. teilnahm, knüpfte er Kontakte zum französischen Hof.

Kaiser Karl VII. im Harnisch; er trägt die Ordensschärpe von St.-Georg und die Ordenskette vom Goldenen Vlies

Kurfürst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tode des Kurfürsten Maximilian Emanuel wurde Karl am 25. Februar 1726 Kurfürst. Damit übernahm er auch eine Schuldenlast von 26 Mio. Gulden.[6][7] Zunächst bemühte sich der neue Herrscher die Haushaltslage zu verbessern, Sparmaßnahmen setzten beim Hofstaat an, die indirekten Steuereinkünfte konnten geringfügig erhöht werden und man begann mit dem Abbau des Schuldenbergs. In den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts gab der Kurfürst die Sparpolitik jedoch zugunsten der Anwartschaft auf den Kaiserthron und der damit als notwendig empfundenen Prachtentfaltung wieder auf. [8]

Karl Albrecht betrieb eine Politik der freundschaftlichen Anlehnung an Habsburg, setzte aber auch die Politik seines Vaters zur Erlangung des Erbes der Habsburger und der Krone des Reiches zielstrebig fort. Dazu diente 1727 die Erneuerung des Bündnisses mit Frankreich. Darin war bereits das Ziel, die Kaiserkrone zu erwerben, vorgesehen. 1729 stiftete er den Hausritterorden vom Heiligen Georg. Im selben Jahr begann er mit dem Bau der Festung Rothenberg. Die unentschiedene Politik zwischen Wien und Versailles führte dazu, dass Karl Albrecht während des polnischen Erbfolgekrieges von 1738/39 einen frankreichfreundlichen Neutralitätskurs fuhr, was ihn nicht daran hinderte, dem Kaiser Truppen für den Türkenkrieg zu stellen.

In der österreichischen Erbfolgefrage rückte er von der Anerkennung der pragmatischen Sanktion durch seinen Vater ab. Er legte 1732/33 zusammen mit der ebenfalls wittelsbachischen Kurpfalz und Kursachsen Protest gegen die Anerkennung der pragmatischen Sanktion durch das Reich ein. Außerdem ließ er eine Denkschrift ausarbeiten, in der er das gesamte österreichische Erbe für sich beanspruchte. Konkrete Pläne für ein bayerisches Handeln beim Eintritt des Erbfalles blieben aber aus. Es gelang auch nicht, die hohen Schulden seines Vorgängers abzutragen.

In der Münchner Residenz ließ Karl Albrecht die Reichen Zimmer (eingeweiht am 4. November 1737) und die Grüne Galerie einrichten. Für seine Frau ließ er im Schlosspark Nymphenburg 1734 bis 1739 die Amalienburg erbauen. Seiner Geliebten, Josepha Topor Freiin von Morawitzky,[9] die er später mit dem Grafen Antonio Porcia verheiratete, schenkte er das Palais Porcia. Aus seiner Verbindung mit Sophie Caroline von Ingenheim stammte sein 1723 geborener Sohn Franz Ludwig, dem er den Adelstitel eines Grafen von Holnstein verlieh und das Palais Holnstein in München schenkte. Der Kurfürst hielt überaus prunkvoll Hof. Um 1740 betrugen die Hofausgaben mit 760.000 von 2,13 Millionen Gulden 35 Prozent der Staatsausgaben. Gleichzeitig ließ er ohne Rücksicht auf die Finanzlage seine Armee aufrüsten.

Als nach dem überraschenden Tode Kaiser Karls VI. im Oktober 1740 die Kurfürsten Karl Albrecht und Karl Philipp am 30. Oktober 1740 die Übernahme des Reichsvikariats bekanntgaben, führte das zum Protest der evangelischen Reichsstände. Die Wittelsbacher Hausunion von 1724 war weder vom Kaiser noch von den Reichsständen anerkannt worden. Erst als sich Karl Albrecht und Karl Philipp am 18. Januar 1741 mit dem sächsischen Kurfürsten Friedrich August II., der auf seine verbriefte Beteiligung am Reichsvikariat bestand, als ihren Konvikar einigten, konnten die Streitigkeiten beendet werden.[10] Die Einigkeit der beiden Wittelsbacher Kurfürsten kommt durch Vikariatsmünzen mit der Darstellung ihrer beider Brustbilder zum Ausdruck.

Kaiser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allegorische Darstellung der Kaiserkrönung Karls VII. mit der Reichskrone, 1742
Taler mit Karls Porträt, 1743
Wappen Karls VII. mit Reichsadler, Kurhut, Reichskrone, Goldenem Vlies und Georgsorden

Mit dem Tod Kaiser Karls VI. waren die männlichen Habsburger ausgestorben, als Erbin war seine Tochter Maria Theresia vorgesehen, wie es in der Pragmatischen Sanktion der weiblichen Erbfolge festgeschrieben war. Auf die seit dem Privilegium Minus bestehende weibliche Erbfolge in Österreich berief sich allerdings auch Karl Albrecht aufgrund seiner Heirat, ebenso Friedrich August von Sachsen und Polen, der Maria Josepha, die ältere Tochter Josephs I., geheiratet hatte. Darüber hinaus begründetet Karl Albrecht seinen Anspruch mit seiner Abstammung von Anna von Österreich. [11][12] Bayern sollte Böhmen, Österreich ob der Enns und das südliche Österreich unter der Enns, Sachsen dagegen Mähren und das nördliche Österreich unter der Enns bekommen. Er legte sich selbst den Titel des Erzherzogs von Österreich zu und sprach Maria Theresia nur mehr als Durchl. Großherzogin von Toskana an (ihr höchster ehelicher Titel von den Lothringern).[13]

Weil Frankreich seit 1739 in den War of Jenkins’ Ear verwickelt war, zögerte es, Karl Albrecht wirkungsvoll zu unterstützen. Im Dezember 1740 begann dann der Österreichische Erbfolgekrieg, der von Friedrich II. von Preußen ausgelöst wurde, weil dieser im Ersten Schlesischen Krieg um Schlesien kämpfte.

Erst jetzt war Frankreich zum Eintritt in den Krieg bereit. Im Frühjahr 1741 schloss Karl Albrecht mit dem Nymphenburger Vertrag ein Bündnis mit Spanien, Preußen und kurze Zeit später mit Frankreich. Im Herbst des Jahres trat diesem Bündnis auch Kursachsen bei. Es erwies sich jedoch als zweischneidig: Die Franzosen hatten kein Interesse, den Platz der Habsburger den Wittelsbachern zu überlassen und boten nur halbherzig Unterstützung. Es kam auch zu keiner wirklich effektiven Zusammenarbeit zwischen den preußischen, bayerischen und französischen Armeen. Im September wurde die französische Rheinarmee Karl Albrecht unterstellt. Dieser war damals bereits bis Linz vorgestoßen. Statt Wien einzunehmen, wie von Friedrich II. gefordert, wurde die Armee unter dem Herzog de Belle-Isle auf französischen Druck nach Böhmen befohlen. Frankreich kam es darauf an, das österreichische Erbe aufzusplittern. Am 26. November wurde Prag erobert und Karl Albrecht ließ sich am 19. Dezember 1741 in Prag zum König von Böhmen krönen, nachdem er in Linz die Erbhuldigung seitens der bayernfreundlichen Stände des Landes entgegengenommen hatte.[13] Sein französischer Halbbruder Emmanuel-François-Joseph de Bavière wurde als Gouverneur von Prag eingesetzt.

Silberabschlag von Frankfurter Dukat auf die Kaiserwahl 1742

Am 24. Januar 1742 wurde Karl Albrecht einstimmig auch mit der hannoverschen Kurstimme Georgs II., der mit Maria Theresia verbündet war, zum Kaiser gewählt. Über Dresden und München zog er nach Frankfurt zur Kaiserkrönung. Am 12. Februar 1742 erfolgte die prunkvolle Kaiserkrönung in Frankfurt am Main durch seinen Bruder Clemens August. Die Stadt Frankfurt ließ zu diesem Anlass Golddukaten und Silberabschläge prägen.[14]
Seinem glücklosen Feldmarschall Graf Ignaz von Törring schrieb er einen Tag nach dem Fest:

„Meine Krönung ist gestern vor sich gegangen mit einer Pracht und einem Jubel ohne gleichen, aber ich sah mich zur gleichen Zeit von Stein- und Gichtschmerzen angefallen – krank, ohne Land, ohne Geld kann ich mich wahrlich mit Hiob, dem Mann der Schmerzen, vergleichen.“

Die Chronik Bayerns. 1994, S. 245

Denn mittlerweile hatte Maria Theresia einen Waffenstillstand mit Preußen erreicht, Truppen aus Italien und Ungarn zusammengezogen und war zum Gegenangriff übergegangen. Der österreichische Oberbefehlshaber Ludwig Andreas Graf Khevenhüller eroberte erst Linz zurück, und schon zwei Tage nach der Kaiserkrönung Karl Albrechts konnten ihre Armeen in München einmarschieren. Im Juli 1742 schied Preußen mit dem Frieden von Berlin dann zum zweiten Mal aus der Koalition aus, was Verbitterung in Frankreich und tiefe Enttäuschung bei dem heimatlosen Kaiser Karl VII. über den preußischen König hervorrief. Im Sommer 1742 mussten sich die Österreicher unter Khevenhüller mangels Truppenstärke aus Bayern zurückziehen, aber im folgenden Feldzug unter dem Oberkommando des Prinzen Karl Alexander von Lothringen eroberten sie das südliche Bayern zurück. Das Missgeschick der französischen Armee rief Karl VII. Albrechts Verbündeten de Belle-Isle nach Böhmen zurück. Von Sachsen und Preußen verlassen, wurden die beiden französischen Heerführer de Belle-Isle und de Broglie von der österreichischen Gesamtmacht angegriffen und genötigt, sich nach Prag zurückzuziehen, von wo sie im Dezember 1742 mitten durch die gegnerischen Streitkräfte den Rückzug nach Eger bewerkstelligten.

Kaiser Karl VII. musste nun nicht nur auf die habsburgischen Länder verzichten, sondern hatte auch sein eigenes Land verloren. So lebte er machtlos im Frankfurter Exil im Barckhausenschen Palais und verlieh den einen oder anderen Ehrentitel. Einer der Empfänger war Johann Caspar Goethe, den der Kaiser 1742 zum Wirklichen Kaiserlichen Rat ernannte. Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis wurde Prinzipalkommissar beim Immerwährenden Reichstag, der von Regensburg nach Frankfurt verlegt wurde. Johann Georg von Königsfeld als neuer Reichsvizekanzler konnte immerhin die Interessen des Kaisers wirkungsvoll verteidigen. In der kurzen Zeit seiner Tätigkeit hat die Reichshofkanzlei unter seiner Leitung ihren Spielraum insbesondere gegen den Reichserzkanzler stark ausgebaut.[15] Man hatte jedoch (in Anspielung auf den Spruch aut Caesar aut nihil, ‚Kaiser oder nichts‘) für Karl VII. den Spottnamen et Caesar et nihil (‚sowohl Kaiser als auch nichts‘) geprägt.[16]

Er blieb abhängig von Frankreich. Den ihm angebotenen Wechsel der Fronten lehnte er zu den gegebenen Bedingungen mehrfach ab. Er verlangte dafür die Erhebung Bayerns zum Königreich. Von Maria Theresia freigelassen, trat der in Ungnade gefallene ehemalige kaiserliche Feldmarschallleutnant Friedrich Heinrich von Seckendorff in bayrische Dienste und wurde Oberbefehlshaber des bayerischen Heeres. Im Jahre 1743 nahmen die Truppen des Kaisers und ihre Verbündeten Bayern ein, und Karl VII. konnte im April für einige Zeit nach München zurückkehren. Am 12. Mai 1743 empfing jedoch Maria Theresia in Prag die böhmische Krone. Im Frühjahr 1743 gab es in Deutschland zwei Kriegsschauplätze: In Kur-Hannover sammelte sich unter König Georg II. eine britisch-hannoversche Armee, die an den Main rückte. Frankreich schickte ihr aus dem Elsass eine eigene Armee unter Marschall Noailles entgegen, die allerdings in der Schlacht bei Dettingen am 27. Juni besiegt wurde. Seckendorff hatte jedoch am 26. Juni 1743, dem Vortag der Schlacht bei Dettingen, im österreichischen Feldlager die Konvention von Niederschönenfeld ausgehandelt, die die bayerische Armee zeitweise neutralisierte und so dem Zugriff der Österreicher entzog. Nachdem die verbündeten Franzosen sich nach Niederlagen an den Rhein zurückziehen mussten und die Bayern unter ihrem General Minuzzi mit ihren hessischen Verbündeten bereits am 9. Mai in einem Gefecht bei Simbach am Inn von Karl Alexander von Lothringen besiegt worden waren, verlor Karl VII. Bayern erneut und ging abermals nach Frankfurt. Sowohl die Franzosen als auch die Bayern wichen hinter den Rhein zurück, wo sie in die Winterquartiere gingen. Die Pragmatische Armee des Königs Georg II. lagerte nach einem kurzen Vorstoß über den Rhein schließlich in Westfalen und den Niederlanden, während die nun königlich-ungarische Armee genannten Truppen der Österreicher in Bayern und am Rhein lagen.

Friedrich II. hingegen bemühte sich im Folgejahr um Bündnispartner, um dem Erstarken Österreichs zu begegnen und den Gewinn Schlesiens zu sichern. Er fand letztlich am 5. Juni 1744 Anschluss an die durch den Nymphenburger Vertrag von 1741 verbündeten Staaten Bayern, Frankreich und Spanien, denen sich in der Zwischenzeit auch Schweden, das bourbonische Königreich Neapel, die Kurpfalz und Kurköln angeschlossen hatten. Im August 1744 marschierte Preußen in Böhmen ein. Da Österreich nun durch den Ausbruch des Zweiten Schlesischen Krieges die Hände gebunden waren, konnte der Kaiser am 23. Oktober 1744 wieder in München einziehen, nachdem Seckendorff München entsetzt hatte und nach mehreren Wechselfällen die Österreicher schließlich nach Böhmen auswichen, um Preußen zu begegnen. Österreich stellte sich keiner Schlacht, sondern schwächte die Preußen mit geschickten Angriffen und störte den Nachschub. Diese Hinhaltetaktik, die mangelnde Versorgung des preußischen Heeres und die enorm zunehmende Zahl an Deserteuren zwang Preußen letztlich zum Rückzug nach Schlesien. Unter Vermittlung des ehemaligen Reichsvizekanzlers Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim bemühte sich der Kaiser nun um einen Ausgleich mit Wien, verhandelte aber gleichzeitig erfolglos mit Frankreich um neue Waffenhilfe. Sein wichtigster Verbündeter am Hof von Versailles, de Belle-Isle war unterdessen im Dezember 1744 auf einer diplomatischen Reise nach Berlin durch einen hannoverschen Amtmann verhaftet worden.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch während des Krieges starb für Außenstehende völlig überraschend Kaiser Karl VII. am 20. Januar 1745 an der Gicht. Er hatte an seinem Todestag[17] kraft kaiserlicher Autorität seinen noch nicht 18-Jährigen Sohn Maximilian für volljährig erklärt, wodurch dieser die Thronfolge als Bayerischer Kurfürst ohne einen Vormund und Kuradministrator antreten konnte. Als Vormund wäre der Herzog Clemens Franz oder Max Josephs späterer Schwiegervater, der Kurfürst von Sachsen und König von Polen August III., in Frage gekommen.[18]

Karl VII. wurde in der Theatinerkirche zu München beigesetzt; sein Herz wurde getrennt bestattet und befindet sich in der Gnadenkapelle von Altötting. Georg Philipp Telemann schrieb für ihn eine Trauermusik mit dem Titel Ich hoffete aufs Licht.[19][20] König Friedrich II von Preußen schrieb 1746:

„Dieser Tod beraubte mich des Kaisers, der mein Freund war.“

Die Kaiser der Neuzeit, 1519-1918. 1990, S. 230, ISBN 3406343953

Die Staatsschulden des Kurfürstentums hatten sich während seiner Regierungszeit auf 35 Mio. Gulden erhöht.[21]

Am 22. April 1745 schloss sein Sohn, Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern, mit Maria Theresia den Frieden von Füssen. Bayern erkannte das österreichische Supremat im Reich an. Max III. Joseph versprach, dem Ehemann Maria Theresias, Franz Stephan von Lothringen, bei der Kaiserwahl seine Kurstimme zu geben. Österreich verzichtete seinerseits auf Kriegsentschädigungen, zog alle Truppen aus Bayern ab und erkannte im Gegenzug rückwirkend die Kaiserwürde Karls VII. an.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarg Kaiser Karls VII. in der Theatinerkirche

Kaiser Karl VII. heiratete am 5. Oktober 1722 in Wien die Erzherzogin Maria Amalie von Österreich, Tochter Kaiser Josephs I. und seiner Frau Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg. Mit ihr hatte er sieben Kinder:

Aus seiner Verbindung mit Maria Caroline Charlotte von Ingenheim (Schwester des Feldmarschall-Leutnants Karl Wilhelm von Ingenheim) hatte er einen Sohn:

Ahnentafel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahnentafel Karl VII.
Ururgroßeltern

Herzog
Wilhelm V. von Bayern (1548–1626)
∞ 1568
Renata von Lothringen (1544–1602)

Kaiser
Ferdinand II. (1578–1637)
∞ 1600
Maria Anna von Bayern (1574–1616)

Herzog
Karl Emanuel I. von Savoyen (1562–1630)
∞ 1585
Katharina Michaela von Spanien (1567–1597)

König
Heinrich IV. von Frankreich (1553–1610)
∞ 1600
Maria de’ Medici (1575–1642)

Marek Sobieski (1548/50–1605)

Jadwiga Snopkowska (1556/59–1588/89)

Jan Daniłowicz (1570–1628)

Zofia Żółkiewska (1590–1634)

Antoine de La Grange d'Arquien

Anne d'Ancienville

Baptiste de La Châtre of Bruillebault

Gabrielle Lamy

Urgroßeltern

Kurfürst
Maximilian I. von Bayern
∞ 1635
Erzherzogin
Maria Anna von Österreich (1610–1665)

Herzog
Viktor Amadeus I. von Savoyen (1587–1637)
∞ 1619
Christina von Frankreich (1606–1663)

Jakub Sobieski (1590–1646)
∞ 1627
Zofia Teofillia Daniłowicz (1607–1661)

Henri de la Grange d'Arquien (1613–1707)

Françoise de la Châtre

Großeltern

Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern (1636–1679)
∞ 1652
Henriette Adelheid von Savoyen (1636–1676)

König Johann III. Sobieski von Polen (1629–1696)
∞ 1665
Marie Casimire Louise de la Grange d’Arquien (1641–1716)

Eltern

Kurfürst Maximilian II. Emanuel von Bayern (1662–1726)
∞ 1695
Therese Kunigunde von Polen (1676–1730)

Kaiser Karl VII., Kurfürst von Bayern

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl VII. (Heiliges Römisches Reich): Das Tagebuch Kaiser Karl's VII. aus der Zeit des österreichischen Erbfolgekriegs. Hrsg.: Karl Theodor von Heigel. München 1883 (online).
  • Entwurff, Jener Fest, die wegen des vorstehend-höchsten Beylagers, zwischen ... Carolo Alberto, Und ... Maria Amalia, In ... München gehalten werden, Anno 1722. Hanck, Stadt am Hoff 1772, urn:nbn:de:bvb:355-ubr09740-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaiser Karl VII. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Britta Kägler: Weibliche Regentschaft in Krisenzeiten. Zur Interimsregierung der bayerischen Kurfürstin Therese Kunigunde (1704/05). In: zeitenblicke 8, Nr. 2. 30. Juni 2009, abgerufen am 9. September 2013 (urn=nbn:de:0009-9-19660).
  2. Ludwig Hüttl: Max Emanuel. Der Blaue Kurfürst, 1679–1726. Eine politische Biographie. 3. Auflage. Süddeutscher Verlag, München 1976, ISBN 3-7991-5863-4, S. 475.
  3. Hüttl: Max Emanuel. S. 413.
  4. Andrea Zedler: Alle Glückseligkeit seiner Education dem Allermildesten Ertz-Hause Oesterreich zu danken. Hofstaat, Bildung und musikalische Unterweisung des bayerischen Kurprinzen Karl Albrecht in Graz (1712–1715). In: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz. 42 (2012), S. 337–366.
  5. Hüttl: Max Emanuel. S. 481.
  6. Andreas Kraus: Von der Ächtung des Kurfürsten bis zum Friedensschluss. In: Andreas Kraus (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Geschichte. begründet von Max Spindler. 2. überarbeitete Auflage. Band II. Das alte Bayern. Der Territorialstaat. Beck, München 1988, ISBN 3-406-32320-0, S. 513 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Marcus Junkelmann: Max Emanuel. In: Alois Schmid und Katharina Weigand (Hrsg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48230-9, S. 244 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. 200 Jahre Bayerischer Oberster Rechnungshof. Abgerufen am 5. Mai 2017.
  9. Maria Josepha Hyacinthe Topor, Freiin von Morawitzky. In: Geneall. Abgerufen am 10. September 2013.
  10. Fritz Rudolf Künker: Bayern und das Haus Wittelsbach, eine bedeutende Spezialsammlung. Osnabrück 2006, S. 66.
  11. Maximilian V. Sattler: Lehrbuch der bayerischen Geschichte, Lindauer, 1868, S. 292
  12. Karl von Spruner: Leitfaden zur Geschichte von Bayern, Buchner, 1853, S. 81
  13. a b Churbairisches Manifest. München, 1741. Quart, 1 Bd. B. P.
    Oesterr. Erbfolgekrieg, Gründliche Ausführung Vnd Klarer Beweiss derer dem durchlauchtigsten Chur-Hause Bayern zustehenden Erbfolgs- und sonstige Recht-Ansprüche auf … Oesterreich, Böhmen u. s. w. Fol., München 1741.
    Ausführlich behandelt in: Gustav Otruba: Die Erbhuldigungen der oberösterreichischen Stände 1732–1741 - 1743. Eine Studie zur Geschichte des Treueverhaltens von Klerus, Adel und Bürgertum gegenüber Karl VI., Karl Albert und Maria Theresia. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. Band 16, 1990, III. Der Tod Karls VI, die Pragmatische Sanktion, die Erbansprüche der Wittelsbacher und die Erbhuldigung (1741). S. 161–191; IV. Die Rückeroberung des Landes Ob der Enns durch Khevenhüllers königliche Truppen und die Bestrafung der Treulosen. S. 191–204; V. Aus den Akten der Untersuchungskommission: Gnadengesuche und Rechtfertigungschreiben. S. 204–191 [gesamter Betrag S. 135–301.]. (Eintrag in Verbund Oberösterreichischer Museen: forum oö geschichte – Virtuelles Museum Oberösterreich. downloads pdf; die zeitgenössischen Motiva [Rechtfertigungen des Erbanspruchs], die auch im Dektet zur Erbhuldigung aufgenommen waren, finden sich S. 177 ff [= 2. pdf, S. 21.] wiedergegeben und diskutiert)
  14. Gerhard Schön, Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert, Frankfurt am Main, Nr. 29-35
  15. Anton Schindling, Walter Ziegler (Hrsg.): Die Kaiser der Neuzeit. 1519-1918. Heiliges Römisches Reich, Österreich, Deutschland. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34395-3, S. 227.
  16. Egon Friedell: Kulturgeschichte der Neuzeit. C. H. Beck, München 1927–31, S. 590.
  17. Alois Schmid: Max III. Joseph und die europäischen Mächte. Die Außenpolitik des Kurfürstentums Bayern von 1745–1765. Oldenbourg, München 1987, ISBN 3-486-53631-1, S. 151 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  18. Schmid: Max III. Joseph. München 1987, S. 34 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. auf magazin.klassik.com, abgerufen am 11. März 2014.
  20. auf youtube (Memento vom 8. Juli 2014 im Internet Archive), abgerufen am 11. März 2014.
  21. Egon Johannes Greipl: Karl Albrecht. Der zweite wittelsbachische Kaiser. In: Alois Schmid und Katharina Weigand (Hrsg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48230-9, S. 253 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Vorgänger Amt Nachfolger
Maximilian II. Kurfürstentum BayernKurfürstentum Bayern Kurfürst von Bayern
1726–1745
Maximilian III.
Karl II. (Gegen-)König von Böhmen
1741–1743
Maria Theresia
Karl VI. Römisch-Deutscher Kaiser
1742–1745
Franz I.