Karl XIV. Johann (Schweden)

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Karl XIV. Johann

Karl XIV. Johann (* 26. Januar 1763 in Pau, Frankreich als Jean-Baptiste Jules[1] Bernadotte; † 8. März 1844 in Stockholm) war französischer Kriegsminister, Marschall von Frankreich, Fürst[2] von Ponte Corvo, Oberbefehlshaber der alliierten Nordarmee gegen Napoleon sowie von 1818 bis 1844 als Karl XIV. Johann König von Schweden und als Karl III. Johann König von Norwegen.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Bernadottes Geburtshaus in Pau.
Oskar I. von Schweden und Norwegen.

Jean-Baptiste Bernadotte war das dritte Kind des Henri Bernadotte (* 14. Oktober 1711; † 31. März 1780), Anwalt des Königs (procureur du roi) am Seneschall-Gerichtshofs, und dessen Ehefrau Jeanne de Saint Vincent (* 1. April 1728; † 8. Januar 1809). Das Kind wurde am Tag der Geburt katholisch getauft. Taufpaten waren Jean Bernadotte der Jüngere und seine Ehefrau Marie de Besbedes.[3] Zur Familie gehörte der ältere Bruder Jean und die ältere Schwester Marie († 1796).[4]

Am 17. August 1798 heirateten Jean-Baptiste Bernadotte und Désirée Clary in Sceaux-l´Unitè.[3] Seine Ehefrau war zuvor von April 1795 bis 1796 mit Napoleon Bonaparte verlobt gewesen. Désirée war eine Schwägerin von Joseph Bonaparte, der am 1. August 1794 ihre Schwester Julie Clary geheiratet hatte. Das Ehepaar nahm − gemeinsam mit Lucien Bonaparte und dessen Ehefrau Christine Boyer − als Trauzeugen an der Eheschließung teil.[5]

Der Ehe von Jean-Baptiste und Désirée Bernadotte entstammte der Sohn François Joseph Oscar Bernadotte, geboren am 4. Juli 1799. Der einzige Sohn wurde 1844 als Oskar I. von Schweden und Norwegen königlicher Nachfolger seines Vaters.

Zeit von 1780 bis 1799[Bearbeiten]

Beginn der militärischen Karriere (1780−1791)[Bearbeiten]

Bernadotte begann zunächst eine Advokaturlehre, die er − nach dem Tod seines Vaters − im zweiten Lehrjahr abbrach. Am 3. September 1780 wurde Bernadotte − nach einer Anwerbung − Soldat im 60. Regiment Royal-la-Marine (Kompanie Brassac) in der kaiserlichen Armee während der Epoche des Absolutismus unter Ludwig XVI. Das Regiment trug den maritimen Namen, weil es für den Dienst auf Inseln, in Häfen und in Übersee aufgestellt war. Bald nach seiner Anwerbung diente Bernadotte achtzehn Monate lang auf Korsika, wo er auch als Fechtmeister für die Offiziere tätig war. Am 20. Mai 1782 wurde er Grenadier.[6]

Im vierten Jahr seiner Dienstzeit kam Bernadotte nach Grenoble. Hier erhielt er am 16. Juni 1785 den Mannschaftsdienstgrad eines Gefreiten (Caporal) und am 3. August 1785 den eines Serganten.[6] Am 21. Juni 1786 folgte der Unteroffiziersdienstgrads eines Fourrier (Quartiermeister). [7]

Am 11. Mai 1788 erreichte Bernadotte die Beförderung zum Sergeant-Major, was dem deutschen Dienstgrad eines Feldwebels entspricht. Wegen heftiger vorrevolutionärer Angriffe aus dem Dritten Stand gegen die Soldaten geschah im Oktober 1788 die Verlegung des Regimentes von Grenoble nach Marseille.[8] Hier wurde er am 7. Februar 1790 zum Adjutant (Unteroffizier) befördert. Französische Regimente kannten zusätzlich den Adjuntanten als Offizier. Diese Dienstgradgruppe wäre Bernadotte allerdings verwehrt gewesen, denn das Ancien régime der Bourbonen forderte von jedem Offizier der königlichen Armee den Nachweis von vier adligen Generationen.[9]

Für die Armee während der Französische Revolution beseitigte ein Beschluss der Nationalversammlung im August 1791[10] alle Standevorrechte und schuf endlich auch Aufstiegsmöglichkeiten für Soldaten, die aus dem Bürgertum stammten. Im April 1792 konnte Bernadotte − rückwirkend mit Datum vom 6. November 1791 − zum Leutnant im 36. Infanterieregiment befördert werden.[3]

Erster Koalitionskrieg (1792−1797)[Bearbeiten]

Im Ersten Koalitionskrieg wollte ein Bündnis europäischer Mächte (1792–1797) versuchen, die Französische Revolution und ihre Auswirkungen einzudämmen oder rückgängig zu machen. In diesem Krieg, den Frankreich mit seiner Kriegserklärung vom 20. April 1792 begonnen hatte, kämpfte Bernadotte in der Rheinarmee unter dem Oberkommando von General Adam-Philippe de Custine.

Am 21. September 1792 wurde die Erste Französische Republik ausgerufen. Im selben Monat war Bernadotte an der Einnahme von Speyer und Mainz beteiligt − in Bingen wurde er am 30. November 1792 zum Regimentsadjutanten befördert.[11] Die Rheinarmee hatte die Aufgabe, das linke Rheinufer zu erobern, um mit dem Rhein eine natürliche Grenze Frankreichs zu sichern.

In der Periode der Terrorherrschaft, die von Anfang Juni 1793 bis Ende Juli 1794 dauerte, wurde Bernadotte mit Wirkung vom 18. Juli 1793 zum Capitaine (Hauptmann) gewählt.[11] Bernadottes Regiment unterstützte die Nordarmee bei den Kämpfen am 8. September 1793 bei Hondschoote und am 15. und 16. Oktober 1793 bei Wattignies. Die französische Armee stand dabei unter der Führung des Generals Jean-Nicolas Houchard. Noch vor den beiden Schlachten wurde Bernadotte am 8. August 1793 zum Chef de Bataillon (Oberstleutnant) gewählt. Eine Bestätigung der Wahl folgte am 8. Februar 1794, so dass er Kommandeur eines Bataillons wurde. Am 4. April 1794 übernahm Bernadotte als Chef de Brigade (Oberst) die 71. Infantrie-Halbbrigade[6] mit 3.000 Mann.

Am 26. Juni 1794 nahm Bernadotte unter General Jean-Baptiste Kléber an der Schlacht bei Fleurus teil. Drei Tage später, am 29. Juni 1794 erhielt Bernadotte die Beförderung zum Brigadegeneral und die Zuteilung zur Sambre- und Maas-Armee[6] unter Jean-Baptiste de Jourdan.

In der Schlacht bei Aldenhoven am 2. Oktober 1794 hielt Bernadotte mit 10.000 Mann einer Übermacht von 25.000 Gegnern stand. Am 5. Oktober 1794 erreichte er mit seinen Truppen die niederrheinische Stadt Neuss. Am 22. Oktober 1794 wurde Bernadotte zum Divisionsgeneral ernannt.[6] und Kommandeur einer Avantgardedivision.[12] Als am 4. November 1794 Maastricht kapitulierte, wurde Bernadotte bis zum Dezember Garnisonskommandant.

Am 5. April 1795 einigten sich die Republik Frankreich und das Königreich Preußen auf einen seit 1794 diskutierten Vertrag. In der Nacht zum 6. April 1795 unterzeichneten François Barthélemy für Frankreich und Karl August von Hardenberg für Preußen den Frieden von Basel. Die Kämpfe gegen Österreich gingen im Kriegsjahr 1795 jedoch weiter: Im Januar 1795 hatte Bernadotte in Köln das Kommando über die 4. Division übernommen, mit der er im Herbst 1795 Kreuznach eroberte. Am 12. Dezember 1795 zogen sich die Truppen wieder zurück.

Im Kriegsjahr 1796 war Bernadotte an der Schlacht bei Wetzlar am 15. und 16. Juni 1796 beteiligt. Von Wetzlar aus drangen Bernadottes Truppen dann weit in südöstlicher Richtung bis in die Nähe von Regensburg vor. Infolge der Niederlage in der Schlacht bei Amberg am 24. August 1796 mussten sich die Sambre-und Maas-Armee sowie Rhein-Mosel-Armee wieder nach Westen zurückziehen. Im Oktober 1796 wurde Bernadotte zum Militärgouverneur von Koblenz ernannt. Zu Beginn des Jahres 1797 erhielt er vom Direktorium den Befehl, mit 20.000 Mann aus der Sambre-und Maas-Armee nach Italien zu marschieren.[13]

Napoleon Bonaparte, General des Italienfeldzugs, hatte die Unterstützungstruppen angefordert. Bernadottes Truppen brauchten für die rund tausend Kilometer von Anfang Januar bis Ende Februar 1797. Der Marsch führte von Koblenz nach Metz und Dijon, dann über den Mont Cenis nach Susa ins Piemont, von dort weiter nach Mailand und schließlich nach Mantua, dem Sitz des Hauptquartiers.[13]

In Mantua fand am 3. März 1797 die erste Begegnung zwischen Napoleon und Bernadotte statt. Bernadotte erhielt den Befehl über die 4. Division, die auf Wien marschieren sollte und ganz aus seinen zugeführten Truppen der Sambre-Maas-Armee bestand. Der Vormarsch begann am 10. März 1797 von Padua in Richtung Undine. Am 18. März 1797 besetzten Bernadottes Soldaten Palmanova. Am 19. März 1797 eroberten sie Gradisca d’Isonzo, so dass sich Erzherzog Karl nach Norden zurückziehen musste. Anschließend hatte Bernadotte die Aufgabe, Richtung Laibach zu marschieren. Hier gelang die Besetzung von Idria und des Quecksilberbergwerkes. Napoleon beteiligte Bernadotte − er gab dafür sein Einverständnis − an der reichen Ausbeute des Bergwerkes.[13][14]

Am 4. Mai bzw. 14. Mai 1797 genehmigten die Regierungen Frankreichs und Österreichs den Vorfrieden von Leoben, der am 24. Mai 1797 ratifiziert wurde. Nach dem Waffenstillstand besetzten französische Truppen venezianisches Gebiet, und Bernadotte erhielt die Ernennung zum Gouverneur von Friaul mit Sitz in der Provinzhauptstadt Udine. Im Sommer 1797 − wenige Wochen vor dem Staatsstreich des 18. Fructidor − schickte Napoleon die Generale Augereau und Bernadotte nach Paris. Bernadotte hatte die Aufgabe, der Regierung die erbeuteten Fahnen zu übergeben.[14] Am 17. Oktober 1797 folgte der Friede von Campo Formio.

Botschafter in Wien und Armée de Mayence (1798−1799)[Bearbeiten]

Infolge des Friedens von Campo Formio verlor Bernadotte seine adminstrativen und militärischen Funktionen. Er musste sich nach Treviso begeben, um auf weitere Befehle zu warten. Dort erreichte ihn schließlich im Januar 1798 die Ernennung des Direktoriums zum französischen Botschafter in Wien. Mit dieser Ernennung verhinderte Napoleon die anstehende Übernahme der Italien-Armee durch Bernadotte. Stattdessen übernahm General Berthier die Armee. Am 8. Februar 1798 traf Berndotte in Wien ein. Doch nach einem Eklat wegen des Hissens der Trikolore am 13. April 1798 anläßlich des Jahrestages zum Vorfrieden von Leoben verließ der Botschafter bereits am 17. April 1798 wieder Wien und reiste zurück nach Paris, wo er im Mai eintraf.[15]

Am 10. Oktober 1798 wurde Bernadotte zur Armée de Mayence versetzt und hatte sein Hauptquartier in der Universitätsstadt Gießen.

Als Joubert sich als unzureichend erwies, ernannte man Bernadotte am 10. Februar 1799 zum Oberbefehlshaber der Italienarmee, der schwere Bedenken aufgrund der mangelnden Truppenstärke hatte. Kriegsminister Schérer übernahm aufgrund Bernadottes Empfehlung an Barras selbst das Oberkommando. Letzterer erhielt am 21. Februar, rückdatiert auf den 5., das Oberkommando der Rheinischen Observationsarmee. Als im erneuten Krieg gegen Österreich diese Armee mit der Helvetien- und der Donauarmee unter Jourdans Kommando zusammengelegt wurde, begab sich Bernadotte wegen „Bluthustens“ in Kur.

Kriegsminister[Bearbeiten]

Lucien Bonaparte, der mit Bernadotte befreundet war, gemalt von François-Xavier Fabre, nach 1800

Auf Anraten von Lucien und Joseph Bonaparte schlug Direktor Gohier Bernadotte als Nachfolger des allgemein für unfähig gehaltenen Milet-Mureau zum Kriegsminister vor. Am 2. Juli 1799 wurde Bernadotte einstimmig vom Direktorium gewählt. Zur Zeit Bernadottes Kriegsminsteramtes gab es 260.000 Soldaten von Holland bis Neapel, die von allen Seiten durch äußere Feinde und im Inneren durch die Royalisten bedroht waren. Er ordnete die Finanzen, ging gegen Korruption vor, richtete neue Rekrutencamps ein und verbesserte die Versorgung der Truppen. Als Jourdan, Augereau und Saliceti versuchten, mit ihm ein Komplott gegen die Regierung zu verabreden, bei dem Barras, Sieyès und Fouché verhaftet werden sollten, lehnte er dies in seiner Funktion als Kriegsminister mit Truppenunterstützung ab; er müsse dazu zuvor zurücktreten. Das Komplott fand nicht statt. Sieyès, Barras und Roger-Ducos, die gewarnt worden waren, setzten gegen den Widerspruch der anderen beiden Direktoren Bernadotte am 14. September ab, indem sie seinen angeblichen Rücktritt annahmen. Sieyès gewährte Bernadottes gewünschtes Ruhegehalt als Divisionsgeneral. Bernadottes Nachfolger, Edmond Louis Alexis Dubois-Crancé, blieb keinen Monat im Amt und wurde von Berthier beerbt. Bernadotte soll geäußert haben, dass er, in seiner Funktion als Kriegsminister und Vorgesetzter Napoleons, diesen verhaften lassen müsse und würde, wenn er sich unerlaubt von seiner Truppe aus Ägypten entfernen würde. Napoleon tat dies durch die Landung in Frankreich genau einen Monat später.

Unter Napoleon[Bearbeiten]

Brumaire 1799[Bearbeiten]

Bernadotte reagierte auf Napoleon zurückhaltend und abweisend, weil er dessen Rückkehr nach Frankreich als Fahnenflucht von den in Ägypten zurückgelassenen Truppen sah. Napoleon suchte den Kontakt über die familiäre Bindung und nutzte die nichtsahnende Désirée als Informantin. Er versuchte sogar, Bernadotte auf seine Seite für den geplanten Staatsstreich zu ziehen, den dieser aber als Republikaner ablehnte. Bernadotte konnte das Versprechen abgerungen werden, von sich aus nichts gegen Napoleon zu unternehmen; würde er aber vom Direktorium oder der gesetzgebenden Körperschaft gerufen, dann ginge er gegen alle Unruhestifter zur Verteidigung der Republik vor. Aufgrund des gegebenen Wortes lehnte Bernadotte eine Zusammenarbeit sowohl mit General Moreau, wie auch Jourdan, Augereau, Saliceti und Ratsmitgliedern am 10. November/19. Brumaire ab.

Direkt nach dem Staatsstreich tauchte Bernadotte kurz mit seiner Frau, die sich als Mann verkleidet hatte, unter, da er wie andere Gegner Repressalien befürchten musste. Ein Brief Joseph Bonapartes brachte ihn dazu, wieder nach Paris zu kommen. Wie vorher Bernadotte aus familiären Gründen nicht offen gegen Napoleon vorgegangen war, so nahm Napoleon ihn aus den gleichen Gründen wieder in den Familienclan auf.

Staatsrat und Kommandeur der Westarmee[Bearbeiten]

Aufgrund der Festigung seiner Macht vergab Napoleon einem Teil seiner Gegner und Kritiker wie Moreau, Augereau und auch Bernadotte. Letzterer wurde am 24. Januar 1800 zum Staatsrat ernannt und arbeitete in der Kriegssektion an den Rekrutierungsgesetzen. Am 11. April 1800 wurde Bernadotte zum Oberbefehlshaber der Westarmee mit Hauptquartier in Rennes ernannt, ein Posten, der Ruhm versprach, denn eine Landung der Briten wurde erwartet und die Chouans unter Georges Cadoudal trieben hier ihr Unwesen. Eine britische Landung in Quiberon am 5. Juni von fast 600 Mann wurde durch örtlichen Widerstand vertrieben, ohne dass er eingreifen musste. Weitere geplante Landungen blieben aus, da Bernadotte die Küsten stärkte, wie er auch massiv gegen die Royalisten vorging, und weil der Anschlag auf Napoleon durch die „Höllenmaschine“ am 24. Dezember 1800 fehlschlug. Es kam zu Friedensvorverträgen am 1. Oktober 1801. In dieser Zeit starb Bernadottes ehemaliger Vorgesetzter und Freund Jean-Baptiste Kléber, der Napoleon als Oberbefehlshaber der Armee in Ägypten gefolgt war, durch ein Attentat. Gleichzeitig machte er die Bekanntschaft mit Juliette Recamier und mit Anne Germaine de Staël, mit denen er eine lebenslange Freundschaft pflegte.

Gesandter für die USA, Januar 1802 bis April 1804[Bearbeiten]

In der Zeit bei der Westarmee nahm das familliär-vertraute Verhältnis zwischen Bernadotte und Napoleon wieder ab, nachdem letzterer Bernadotte bei einer Beförderung sehr hart gescholten hatte. Mehrfach geriet Bernadotte in den Verdacht, gegen Napoleon zu intrigieren. So wetterten bei einer Kutschfahrt die Generäle Augereau, McDonald und Masséna mit Bernadotte gegen Napoleon, aber keiner der drei war bereit mit Bernadotte etwas zu unternehmen. Kurz darauf kamen Schmähschriften gegen Napoleon – wegen seiner diktatorischen Art und wegen der Ablehnung einer Wiederannäherung an die katholische Kirche – aus Reihen der Westarmee in Umlauf, die Bernadotte als Napoleons Nachfolger sehen wollten. Dieser geriet in Verdacht, obwohl er hiervon keine Kenntnisse hatte. Bei einer anderen Gelegenheit äußerte Bernadotte über eine Feier Napoleons, dass er diese als langweilig empfunden habe, was diesem aber zu Ohren kam.

Als sich das Verhältnis arg angespannt hatte, setzte sich u. a. Joseph Bonaparte auf Betreiben Désirées für Bernadotte ein. Napoleon schlug im Frühjahr 1802 Bernadotte vor, Gouverneur von Louisiana, den französischen Besitzungen im Gebiet der heutigen USA zu werden, die fünfmal so groß wie Frankreich und wesentlich größer als der heutige Bundesstaat Louisiana waren. Wegen des zu erwartenden Krieges mit Großbritannien und der schlechten Verteidigungsmöglichkeit betrieb Napoleon den Verkauf dieses Gebietes an die junge USA – am 30. April 1803 wurde das Gebiet für 40 Millionen Francs (15 Millionen Dollar) verkauft – und so ernannte er Bernadotte am 31. Dezember zum bevollmächtigen Gesandten bei den amerikanischen Bundesstaaten. Die Abfahrt verzögerte sich allerdings so sehr, dass die britische Kriegserklärung dazwischen kam. Bernadotte trug Napoleon erneut seine militärischen Dienste an und dieser nahm ihn als kommandierenden General wieder auf, gab ihm jedoch fast ein Jahr lang kein Kommando.

Gouverneur von Hannover und Reichsmarschall von Frankreich[Bearbeiten]

Die Krönung in Notre Dame (1804); Gemälde von Jacques-Louis David; Bernadotte ist rechts vom Altar hinter Kardinal Joseph Fesch und neben Caulaincourt, Eugène de Beauharnais, Talleyrand und Berthier zu sehen

Als Anfang Februar 1804 Bernadottes guter Bekannter Moreau verhaftet wurde, befürchtete er Gleiches. Stattdessen bot Napoleon ihm ein Bündnis an. Dieses nahm er an und kommentierte das Julie Recamier gegenüber wie folgt: „Ich musste mich entscheiden. Ich habe ihm nicht meine Zuneigung, aber meine loyale Mitarbeit versprochen, und ich werde Wort halten.“ In einer die Kaiserschaft Napoleons befürwortenden Note der Generäle und Offiziere steht Bernadottes Unterschrift nach Murats und Massenas an dritter Stelle. Am 14. Mai erhielt er das Oberkommando über die Hannoverarmee und wurde, nachdem am 18. Mai Napoleon vom Senat zum Kaiser ernannt worden war, am 23. Mai von diesem mit 18 anderen zum Reichsmarschall ernannt – Bernadotte als Siebter. Wie schon unter der königlichen Herrschaft üblich, wurde er nun vom Kaiser als „Mon cousin“ angesprochen. Am 12. Juli wurde er außerdem zum Offizier der Ehrenlegion ernannt. Bei der Kaiser-Krönung Napoleons am 2. Dezember trug er die Halskette voran. Als weitere Anerkennung ließ dieser Bernadotte und Berthier Anwesen schenken, die zuvor General Moreau gehört hatten. Selbst für fehlende Möbel, die Josephine nach Malmaison hatte bringen lassen, kam Napoleon auf.

Wie zuvor Édouard Adolphe Mortier[16] bewohnte auch Bernadotte während seiner Zeit in Hannover[17] von 1804 bis 1805[18] das Hardenbergsche Haus am Großen Garten in Herrenhausen.[19]

Als Gouverneur des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg, welches dem britischen König Georg III. gehört hatte, residierte er im königlichen Schloss an der Leine und erwies sich als guter Verwalter. Bei den Hannoveranern und im norddeutschen Raum war er – im Gegensatz zu vielen französischen Gouverneuren – schnell geschätzt, da er sich u. a. für den Handel, billige Brotpreise, geringere Besatzungszahlungen und die Bekämpfung einer Hungersnot einsetzte. In dieser Zeit hatte er mehrere freundschaftliche Kontakte zu führenden Militärs anderer Nationen, wie z. B. zu Gebhard Leberecht von Blücher, der ihn als Kommandeur von Westfalen am Hofe in Hannover besuchte. Vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. erhielt er am 8. April gleichzeitig mit Napoleon, Murat, Cambacérès, Talleyrand, Berthier, Duroc und dem schwedischen König Gustav IV. Adolf den Schwarzer-Adler-Orden.

Kommandierender General des I. Korps der Grande Armée[Bearbeiten]

Als am 9. August 1805 Österreich dem Abkommen von St. Petersburg vom 11. April beitrat, bildete sich damit eine Koalition von 500.000 Soldaten aus Österreichern, Russen, Briten, Schweden und Neapolitanern gegen Frankreich. Da Napoleon wegen der fehlenden Seehoheit keine Chance sah, die geplante Invasion Großbritanniens durchzuführen, löste er das Lager von Boulogne auf und ließ seine Truppen unauffällig zum Rhein marschieren. Bernadotte erhielt am 23. August den Befehl, seine Regimenter in Göttingen zu sammeln und wurde am 29. zum Kommandierenden General des I. Korps ernannt. Er marschierte in 10 Tagen 350 Kilometer und erreichte am 27. September Würzburg, wo ihm die 24.000 Mann der bayrischen Armee unterstellt wurden.

Auf Befehl Napoleons verletzte er die Neutralität Ansbachs, indem er hindurchmarschierte und über Eichstätt nach Ingolstadt zog. Hier erhielt er den Befehl, München[20] zu nehmen. Am 12. Oktober zog Bernadotte in München ein, welches vom österreichischen General Kienmayer geräumt war. In der Folge eroberte er in vier Tagen das Salzburger Land. Am 13. November erhielt er den Befehl, Kutosows Russen zu verfolgen, die zuvor Mortier geschlagen hatten. Dies gelang ihm nicht, weil die Brücken zerstört und Mortiers Truppen die Boote zum Überqueren der Donau in Beschlag hatten. Napoleon machte Bernadotte zum Sündenbock dafür, dass Kutusow entkam und dieser konnte die ungerechtfertigte Kritik schlecht akzeptieren.

Austerlitz[Bearbeiten]

Der russische Zar Alexander und der römisch-deutsche Kaiser Franz II., der am 11. August 1804 als Franz I. auch Kaiser von Österreich geworden war, glaubten Napoleons 50.000 Mann mit ihren 80.000 bei Brünn einschließen zu können. Napoleon ließ Davout und Bernadotte in Eilmärschen herbeieilen, wobei Bernadotte die bayrischen Truppen in Iglau lassen sollte, um das Korps von Erzherzog Ferdinand dort festzuhalten. Ohne Unterbrechung marschierte das erste Korps vom 29. November morgens bis zum 30. abends 90 Kilometer. Am Vorabend der Schlacht entzog Napoleon Bernadotte die Kavallerie Kellermann mit 2.500 Pferden. Am 2. Dezember 1805 begann die Schlacht am frühen Morgen und endete nach acht Stunden mit einem eisigen Regen. Bernadottes Anteil dabei ist umstritten, Napoleons schmeichelhafte Aussage im Bulletin: „Gleichzeitig rückte das von Marschall Bernadotte befehligte Zentrum des Heeres vor. Drei seiner Regimenter führten [unter dem Kommando von Murat] einen sehr schönen Kavallerieangriff durch“, zeigte aber allen, dass Bernadotte wieder in der Gunst des Kaisers stand. Bei den Waffenstillstandsverhandlungen im Schloss des Fürsten Kaunitz war er ebenfalls anwesend.

Im Pressburger Frieden erhielt Preußen das ehemalige Königreich Hannover im Austausch für das Markgraftum Brandenburg-Ansbach, wobei letzteres an Bayern fiel. Außerdem heiratete Eugène de Beauharnais Prinzessin Auguste von Bayern. Bernadotte verwaltete Ansbach vom 23. Februar 1806 bis zum 30. September. Wieder erwies er sich als guter und gerechter Verwalter.

Als Fürst von Ponte Corvo[Bearbeiten]

Fürst Ponte Corvo[Bearbeiten]

Napoleon, der seinen Bruder Joseph am 30. März 1806 zum König von Neapel gemacht hatte, bat diesen, Bernadotte ein Herzogtum zu überlassen und schlug das größte, Tarent, mit einer Rente von vier- bis fünfhunderttausend Livres vor, da Berthier mit Neuchâtel bedacht wurde. Joseph stellte aber wohl finanzielle Interessen über die Freundschaft zu seinem Schwager und reagierte nicht. Als der Papst zwei kleine Enklaven im neapoletanischen Gebiet zurückforderte, löste er das Problem damit, dass er Talleyrand Benevent und Bernadotte Ponte Corvo als souveräne Herrscher gab. Gegenüber Joseph äußerte Napoleon, dass er diesen Titel Bernadotte nur in Rücksicht auf Josephs Frau, Désirées Schwester Julie, gegeben hatte, „dass der Schwager der Königin von Neapel bei Ihnen einen vornehmen Rang hat. …, denn in meiner Armee gibt es Generäle, die mir weit besser gedient haben und mir weit mehr verbunden sind.“

Ponte Corvo war eine Stadt mit umliegendem Gebiet, die ca. 5.600 Einwohner zählte und nur eine Rente von gut 13.000 hervorbrachte. Bernadotte scherzte deswegen gern im Kreise der Vertrauten, er wäre vom Kaiser nicht zum Fürsten, sondern zum Bürgermeister von Ponte Corvo ernannt worden. Im Gegensatz zu Berthier und Murat zeichnete er nicht nur mit seinem Vornamen und nannte sich zum zeitweiligen Missfallen des Kaisers häufig Marschall J. Bernadotte und nicht, wie vom Kaiser gewünscht und später auch gefordert, Fürst von Ponte Corvo. Bernadotte besuchte Ponte Corvo nie, aber das Stadtwappen von Ponte Corvo (Rabe auf einer Steinbrücke) wurde in etwas geänderter Form zum Wappen des Hauses Bernadotte und dadurch schließlich zum Element des zentralen Herzschilds im Wappen Schwedens.

Berthier und Bernadotte waren die einzigen Marschälle, die souveräne Fürstentümer von Napoleon erhielten.

Schlacht bei Jena und Auerstedt[Bearbeiten]

Als der Krieg erneut ausbrach, Preußen am 6. September in Sachsen eindrang und dieses zur Koalition überzeugte, bekam das I. Korps Marschbefehl Richtung Saalfeld, wo es die Sachsen vertrieb. Napoleon plante seinen Angriff auf die Preußen bei Jena, wobei Bernadotte und Davout in Naumburg dem Feind den Rückzug nach Berlin abschneiden sollten. Die Schlacht war eigentlich für den 15. geplant, fand aber, da Truppenteile zu sehr in Gefechte verwickelt wurden, schon am 14. statt.

Bernadotte, der von Berthier den Befehl erhielt, nach Dornburg zu marschieren, unterrichtete diesen, dass seine Spione Truppen von ca. 50.000 Mann in der Umgebung von Weimar ausgemacht hätten, die sich wohl auf dem Rückzug nach Magdeburg befänden. Diese Nachricht wurde ignoriert.[21] Am 14. Oktober, wenige Stunden nach Mitternacht, kam ein Befehl für Davout, nach Apolda zu marschieren und dem Feind in den Rücken zu fallen. Sollte sich Bernadotte noch bei ihm befinden, könnten sie gemeinsam marschieren, wobei der Kaiser hoffte, Bernadotte befinde sich schon in Dornburg. In der Tat waren die meisten Einheiten Bernadottes schon auf dem Weg Richtung Dornburg. Bernadotte selbst aber war mit seinen restlichen Truppen noch in Naumburg, als der Befehl Napoleons an Davout und Bernadotte eintraf, entweder gemeinsam oder getrennt auf Apolda zu marschieren. Die Marschälle beschlossen aufgrund der tatsächlichen Truppenstellung, getrennt zu marschieren.

Um 11:00 morgens erreichte das 1. Korps Dorndorf, und Bernadotte hörte Kampfgetöse sowohl aus Auerstedt wie aus Jena. Da der Aufstieg nach Dornburg außerordentlich schwer war, erreichte Bernadotte die Hochfläche erst um 14 Uhr.[22] Zu diesem Zeitpunkt begann deutlich hörbar der Kampf bei Kapellendorf. Entsprechend dem Befehl Napoleons, nach Apolda zu ziehen, um dem Feind in den Rücken zu fallen, marschierte Bernadotte dem Kanonendonner direkt entgegen, zumal diese Straße bei Stobra auch nach Apolda abzweigte. Als der Kampf bei Kapellendorf gegen 15.30 Uhr aufhörte, befand sich Bernadotte in Stobra. Um 16 Uhr erreichte er Apolda.

Napoleon hat am Tag nach der Schlacht in seinem 5. Bulletin die Aufgabe Bernadottes beschrieben: "Das Korps des Marschalls Fürst von Ponte Corvo hätte aus Dornburg hervorbrechen sollen, um dem Feind in den Rücken zu fallen und ihn in Richtung Naumburg oder Jena zu verfolgen." Bernadotte hat, als in Stobra um 15.30 Uhr kein Kanonendonner bei Kapellendorf mehr zu hören war, beschlossen, nicht „dem Feind in den Rücken zu fallen und ihn in Richtung […] Jena zu verfolgen", sondern gemäß dem nächtlichen Befehl an Davout und ihn, „nach Apolda zu marschieren und dem Feind in den Rücken zu fallen“, mit seiner Spitzendivision zügig nach Apolda zu ziehen. Diese Entscheidung ist umstritten. Eine endgültige Antwort ist noch nicht gefunden, zumal nicht bekannt ist, ob Bernadotte um 15.30 Uhr eindeutig wusste, dass die Preußen allerorten auf der Flucht waren, oder ob er damit rechnen musste, dass die Kämpfe erneut aufflackerten.

Die Kritiker Bernadottes sagen: "Bernadotte ist auf der Hochebene zwischen Dornburg und Apolda untätig geblieben, weil er weder nach Auerstedt noch nach Jena/Weimar marschiert ist. Nach Apolda hätte er angesichts der Situation um 15.30 Uhr nur dann marschieren dürfen, wenn er den ausdrücklichen Befehl gehabt hätte, auf jeden Fall unbedingt nach Apolda zu ziehen, um die dortige Brücke über die Ilm zu sperren."

Seine Verteidiger sagen: „Da er sah, dass Davout in Auerstedt Gefahr lief, auf dem linken Saale-Ufer übergangen zu werden, marschierte er entsprechend den Befehlen des Kaisers Richtung Weimar über Apolda, das er um 16.00 Uhr erreichte. Einem Hilfegesuch Davouts folgte Bernadotte nicht, da er den Befehlen des Kaisers nicht zuwiderhandeln wollte. Die Truppenpräsenz des 1. Korps in der Mitte zwischen Jena und Auerstedt verhinderte aber eine Vereinigung beider preußischen Heere, die stattdessen den Rückzug – besser: die Flucht – antraten.“

Davout siegte mit seinen drei Divisionen mit 27.300 Mann gegen 50.000 Mann. Bis 7.00 Uhr abends gelang es Bernadotte, mehr als 1.000 Mann der flüchtenden preußischen Armee gefangen zu nehmen. Für den gesamten Tag der Doppelschlacht, vom Abmarsch in Dornburg über Apolda bis zur Ilm, melden die Quellen keinerlei Kampfkontakte Bernadottes, weder nach Auerstedt noch nach Jena hin. Am Abend war das Schlachtfeld mit Zehntausenden von verletzten Preußen und Sachsen bedeckt (Gesamtverluste 33.000).

Davout beschwerte sich am 17. Oktober beim Kaiser, gegen das halbe preußische Heer allein gelassen worden zu sein. Napoleon, der eigene Fehler schlecht eingestehen konnte und die Situation falsch eingeschätzt hatte – er war anfänglich davon ausgegangen, die Hauptmacht bei Jena geschlagen zu haben –, machte Bernadotte dafür verantwortlich. Im 5. Bulletin des Kaisers vom 15. Oktober hieß es noch, dass „der Fürst von Ponte Corvo aus Dornburg [hätte] hervorbrechen sollen, um den Feind [der Schlacht bei Jena] in den Rücken zu fallen …“, während ihm am 21. Oktober die mangelnde Unterstützung Davouts bei Auerstedt vorgeworfen wurde. Späteren Diffamierungskampagnen nach soll Davout Bernadotte sogar den Oberbefehl über die gemeinsamen Truppen angeboten haben, wenn sie gemeinsam nach Apolda gingen, was dieser aber abgelehnt habe. Bernadotte hätte als Älterem dies Recht ohnehin zugestanden. Ein angebliches Hilfeersuchen Davouts[23] an Bernadotte, welches dieser ignorierte, ist ebenfalls nach den Recherchen des englischen Biografen Dunbar Plunket Barton erfunden.[24]

Tatsache bleibt jedoch, dass Bernadottes Besetzung von Apolda mit ihrer wichtigen Brücke über die Ilm eine noch relativ geordnete Zusammenführung der beiden geschlagenen preußischen Teilarmeen verhinderte. Sowohl der Rückzug der Hauptarmee bei Auerstedt auf Apolda als auch der Preußen bei Kapellenberg (Korps Rüchel und die Reste der Armee Hohenlohe) auf Apolda wurden verhindert auf die Meldung hin, dass Apolda bereits von den Franzosen (Bernadotte) besetzt sei. Die geschlagenen Preußen trafen zwar schließlich hinter Weimar zusammen, aber in einem derart aufgelösten Zustand, dass ihnen ein aktiver Widerstand nicht mehr möglich war, sondern nur noch die Flucht. Ein direkter Angriff Bernadottes auf die sich von Auerstedt zurückziehenden Preußen oder auf die von Jena/Kapellenberg zurückziehenden hätte unter dem Strich kein anderes Ergebnis gebracht als die relativ kampflose Besetzung Apoldas durch Bernadotte.

Eroberung Halles[Bearbeiten]

Morgens am 15. Oktober erteilte Napoleon den Marschällen Murat, Soult und Bernadotte den Befehl, den Feind zu verfolgen und zu vernichten, wobei Bernadottes frische Truppen am selbigen Tag aufbrachen. Nach einem nächtlichen Gewaltmarsch von 30 Kilometer eroberte Bernadotte am 17. die Stadt Halle an der Saale. Er überraschte die Preußen vom Westen, wo die Stadt aufgrund eines einzigen schmalen Dammes über sumpfige Gebiete – der zudem von 15.000 Soldaten unter dem Kommando des Herzogs Eugen von Württemberg verteidigt wurde – mit Brücke über die Saale als uneinnehmbar galt. Bernadotte vernichtete ein Drittel dieser Truppen und vertrieb den Rest vier Meilen zurück. Die Franzosen verloren lediglich 800 Mann als Tote und Verwundete.

Napoleon verglich diese Brücken-Erstürmung mit seiner eigenen bei Lodi und soll Marschall Lefebvre hierzu gesagt haben: „Was? Diese Brücke haben sie genommen? Die hätte ich nicht mit 60.000 Mann anzugreifen gewagt!“[25] Die Eroberung Halles machte für Davouts Truppen den Weg nach Berlin frei.

Verfolgung Blüchers nach Lübeck[Bearbeiten]

Siehe auch: Schlacht bei Lübeck

Am 22. Oktober wurde die Elbe überschritten und das Korps von Bernadotte machte sich an die Verfolgung der flüchtenden Truppen Blüchers, während Soults Truppen die des Herzogs von Weimar und Murats die von Hohenlohe verfolgte. Da teilweise bis zu 50 Kilometer Strecke am Tag zurückgelegt wurden, ließ Bernadotte seine Artillerie außer 6 Kanonen und anderes Behäbige zurück und verfolgte lediglich mit zwölftausend Mann Infanterie und achthundert Reitern den durch den Zusammenschluss mit den Truppen des Herzogs von Weimar auf 21.000 Mann angewachsenen doppelt so starken Gegner. Von Waren an, gab es die folgenden fünf Tage ständig Gefechte mit der preußischen Nachhut, wobei Bernadotte selber mehrfach persönlich „im wildesten Getümmel“ steckte und Blücher zwei von Bernadotte angebotene ehrenvolle Kapitulationsforderungen ablehnte. Blücher hatte gehofft, durch seine als mörderisch zu bezeichnende Flucht – es wurden 700 Kilometer in zwanzig Tagen zurückgelegt und unzählige preußische Soldaten starben vor Hunger und Erschöpfung – französische Truppen zu binden, damit die restliche preußische Armee sich in östlichen Preußen zum erneuten Angriff sammeln könne. Aufgrund der Kapitulation Preußens erfüllten sich Blüchers Hoffnungen nicht.[26]

Als sich die Preußen knapp den Zugang vor Bernadottes Truppen in die neutrale Stadt Lübeck erzwungen[27] hatten, trafen dort auch Soults und Murats Truppen ein. Bernadotte eröffnete am 6. November 1806 den Sturm auf Lübeck mit zwei Divisionen und es gelang gegen Mittag in die Stadt einzudringen und große Teile der Truppen – Scharnhorst und der schwer verwundete Yorck darunter – gefangen zu nehmen. Die Franzosen verloren 1.000, die Preußen 8.000 Mann. Blücher konnte zwar mit 9.000 Mann entkommen, aber angesichts der ausweglosen Lage und des desolaten Zustandes seiner Truppe, nahm er die erneute Kapitulationsforderung Bernadottes mit dem Zusatz, dass er nur mangels Brot und Munition kapituliere, und der Bedingung einer Ehrerbietung für die preußischen Truppen, an. Bernadotte akzeptierte diese Bedingungen erst nicht, aber da Blücher zu keinen weiteren Zugeständnissen zu bewegen war, gab Bernadotte zur Vermeidung weiterer Kämpfe und Toten nach und ließ entsprechend der Kapitulationsbedingungen die französischen Truppe längs der Straße zur Ehrerbietung an den vorbeiziehenden tapferen Feind Aufstellung nehmen. Als persönliche Geste verzichtete er auf die Annahme von Blüchers Degen.

Zurück in Lübeck unterband Bernadotte auf Vermittlung des dort lebenden französischen Gelehrten Charles de Villers Plünderungen durch die ausgehungerten französischen Truppen und zeigte sich schwedischen Kriegsgefangenen sehr entgegenkommend, womit er einen guten Ruf in Schweden bekam, der ihm später hilfreich wurde.

Der folgende Polenfeldzug[Bearbeiten]

Da Friedrich Wilhelm insgeheim mit dem Zaren verhandelte, beschloss Napoleon Polen zu besetzen und die Russen anzugreifen. Am 15. Dezember stieß Bernadotte in Thorn zum Kaiser und erhielt das Kommando über den linken Flügel der großen Armee mit Ney und Bessières unter sich. Als die Russen unter Bennigsen einen Ungehorsam Neys, der Königsberg erobern wollte und so eine Bresche in den französischen Truppen geöffnet hatte, ausnutzen wollten, reagierte Bernadotte sehr schnell und konnte die Russen bei Mohrung zurückdrängen, was ihn die Glückwünsche Napoleons einbrachten.

Für Napoleon eröffnete sich die Gelegenheit zum „Eylauer Manöver“, aber, da die Kuriere an Bernadotte abgefangen wurden, erhielt dieser keine Instruktionen und Bennigsen erfuhr von der Falle, die ihm gestellt wurde. Bernadottes Truppen waren so am 6. und 7. Februar beschäftigt, die preußischen Truppen von General L’Estocq zu verfolgen, dass sie nicht an der Schlacht bei Preußisch Eylau teilnahmen. Am 5. Juni, als Bennigsen mit einer neuen Offensive begann, wurde Bernadotte am Hals verwundet und musste pausieren. Napoleon lud den frisch Genesenen zu den Festlichkeiten der Friedensfeier in Tilsit ein und beschenkte ihn mit Geld, Gütern und Renten in Millionenhöhe.

Hamburg und Dänemark[Bearbeiten]

Am 14. Juli 1807 wurde Bernadotte zum Gouverneur und Oberbefehlshaber der deutschen Hansestädte mit Hauptsitz in Hamburg ernannt und zeigte wieder seine verwalterischen Fähigkeiten, u. a. trotz einer Hungerszeit, in der er viel für die notleidende Bevölkerung tat. Als der russische Zar das zu Schweden gehörende Finnland angriff, gab es die Option, Schweden von Dänemark aus anzugreifen. Bernadotte wurde mit einer Invasion beauftragt und sollte neben seinen eigenen, aus Franzosen, Spaniern und Holländern bestehenden Truppen, die Dänemarks führen. Die Dänen blieben die Truppen schuldig, die Briten erreichten mit der Bombardierung Kopenhagens die Seeherrschaft und machten eine Passage äußerst gefährlich und die spanischen Soldaten desertierten zu den Briten, als sie von Napoleons Plan erfuhren, seinen Bruder Joseph als spanischen König einzusetzen. Die Invasion erschien unmöglich geworden. Im Frühjahr 1809 endete Bernadottes Statthalterschaft in Hamburg durch den erneuten Krieg.

Wagram[Bearbeiten]

In der Schlacht bei Wagram am 5. und 6. Juli 1809 führte Bernadotte statt der vorgesehenen 50.000 Mann nur ca. 16.000 Mann, vor allem sächsische Truppen, die schlecht ausgebildet waren. Deutsch-Wagram wurde mehrfach erobert und wieder aufgegeben, die Sachsen wurden von französischen Truppen für Österreicher gehalten und beschossen und, obwohl die meisten Kämpfe gegen Nachmittag und die restlichen gegen 21.00 Uhr eingestellt wurden, mussten Bernadottes Soldaten bis in die Nacht hinein kämpfen. Aufgrund der aussichtslosen Lage – man war fast vom Feind eingeschlossen – und von Berthier irrtümlich abkommandierten Reserven beschloss Bernadotte den Rückzug. Er beschwerte sich bei Napoleon über die Befehlsstruktur, die vermutlich auf Berthier zurückging, und das sinnlose – so würde man heute sagen – Verheizen von Menschen. Es kam zum Streit mit Napoleon, Bernadotte gab sein Kommando ab. Tage später erfuhr Napoleon, wie sehr Bernadotte in seinem letzten Tagesbefehl die Sachsen für ihre Tapferkeit gelobt hatte und wies dies als unrichtig zurück. Es wurde sogar behauptet, die Sachsen hätten am 5. keinen Schuss abgegeben und Bernadotte sei wegen schlechter Führerschaft seines Amtes enthoben worden.

Walcheren und Rom[Bearbeiten]

Kaum zu Hause angekommen erfuhr Bernadotte, dass die Briten mit 40.000 Soldaten eine Invasion unternahmen, mit 20.000 am 30. Juli auf der Insel Walcheren gelandet waren, Vlissingen eroberten und Antwerpen bedrohten. Bernadotte begab sich nach Paris und bot seine Hilfe an. Polizeiminister Fouché befürwortete, Kriegsminister Clarke und Erzkanzler Cambacérès lehnten Bernadotte aufgrund der kaiserlichen Ungnade ab. Napoleons Bruder Louis, König von Holland, war äußerst beunruhigt und so war Napoleon damit einverstanden, dass Bernadotte die Verteidigung übernahm, lobte Fouché und schalt die anderen. Bernadotte ergriff mehrere Maßnahmen zur Verstärkung von Antwerpen und stärkte die Moral der zahlenmäßig unterlegenen und schlecht ausgebildeten Truppen, so dass ein britischer Überraschungsangriff nicht mehr möglich war. Kurzfristig unterstellte Napoleon ihm sogar Marschall Moncey. Da viele britische Soldaten an Typhus starben, war die Gefahr Mitte September bald abgewendet.

Napoleon war es unlieb, dass Bernadotte in Paris, in seinem Haus bleiben wollte und forderte ihn auf, in sein Fürstentum Pontecorvo zu ziehen. Als dieser ablehnte und lieber seinen Titel zurückgeben wollte, folgte ein Angebot, die französische Armee in Katalonien zu übernehmen, was Bernadotte ebenfalls ausschlug. Napoleon rief ihn nach Wien, wo er gerade weilte, und bot ihm den gut dotierten Posten als Gouverneur von Rom an – Napoleons Sohn führte den Titel „König von Rom“ –, den Bernadotte erst annahm, dann als Exil ansah und ablehnte. Bernadotte kehrte nach Paris zurück um seinen „Ruhestand“ zu nehmen.

Kronprinz von Schweden[Bearbeiten]

Apelstein Nr. 38 in Leipzig als Erinnerung an die Völkerschlacht und Karl Johann

Wahl zum Kronprinzen von Schweden[Bearbeiten]

In Schweden, einer Erbmonarchie, die sich zur Wahlmonarchie wandelte, wenn kein Erbe vorhanden war, wurde 1809 König Gustav IV. Adolf wegen möglichen Wahnsinns entthront und verbannt. Ein schon älterer, kinderloser Onkel wurde als Karl XIII. neuer König. Als der von ihm adoptierte und zum Nachfolger gewählte Kronprinz Karl August vorzeitig starb, wurde ein neuer Thronerbe gesucht.

Die schwedischen Adeligen setzten sich zuerst für die Kandidatur des älteren Bruders Karl Augusts ein, um eine Kandidatur des dänischen Königs zu verhindern. Da dieser aber als schwächlich angesehen wurde, suchte unter anderem der junge Baron Carl Otto Mörner eine Alternative. Da er wie viele schwedische Militärs glaubte, Frankreich würde bald Russland angreifen, sah er die Gelegenheit, dass eine kriegserfahrene und in der Gunst Napoleons stehende Persönlichkeit als Kronprinz von Schweden Finnland von Russland zurückerobern könnte.

Mörner, der in Frankreich weilte, diskutierte diese Frage in einer kleiner Gruppe schwedischer Adliger, und als möglicher Kandidat blieb vor allem Bernadotte, der einerseits eine gewisse Unabhängigkeit von Napoleon gezeigt hatte und andererseits in Schweden einen guten Ruf genoss, u. a. weil er bei der Einnahme Lübecks Mörners Onkel mit anderen Schweden gefangen nahm und bestens behandelte.

Als Bernadotte gefragt wurde, konnte er alle Zweifel entkräften, machte seine Zustimmung aber abhängig von der Napoleons, welche auch kam, da dessen Favorit als möglicher Kandidat, Eugène de Beauharnais, ablehnte. Am 12. Juli wurde die Kandidatur in Schweden bekannt gegeben. Durch geschickte Propaganda wurde Bernadotte in sehr kurzer Zeit dem gesamten schwedischen Volk bekannt und beliebt, und auch König Karl XIII. wurde überzeugt. Der schwedische Reichstag in Örebro wählte am 21. August Bernadotte einstimmig zum Kronprinzen von Schweden.

Die Urkunde, die Bernadotte aus seiner französischen Nationalität entlassen sollte, enthielt allerdings eine Klausel, niemals Krieg gegen Frankreich zu führen. Bernadotte empfand dies als Zumutung für seine zukünftige Rolle als souveräner Herrscher und wollte lieber das schwedische Angebot ablehnen, als das Dokument zu akzeptieren. Letztlich verzichtete Napoleon auf diesen Passus. Am 19. Oktober 1810 konvertierte Bernadotte, eine schwedische Forderung erfüllend, vom katholischen zum protestantischen Glauben.

„Schwedenstein“ bei Serno

Schweden – die Norwegen-Finnland-Frage[Bearbeiten]

Am 20. Oktober 1810 betrat Bernadotte zum ersten Mal sein künftiges Königreich, einen Tag später wurde er zum Oberbefehlshaber aller schwedischen Streitkräfte ernannt. Am 5. November wurde er, auf seinen Wunsch hin, von Karl XIII. adoptiert und nahm den Namen Karl Johann (Carl Johan), Kronprinz von Schweden, an.

Karl Johann bemühte sich um ein gutes Verhältnis zu Frankreich, sah aber sowohl die Gefahr, ein napoleonischer Marionettenstaat zu werden, als auch jene, in den schon ahnbaren Konflikt Frankreichs mit Russland gezogen zu werden. Russland hatte 1808/09 im Krieg gegen Schweden diesem Finnland abgenommen, das 700 Jahre zu Schweden gehört hatte, und viele Schweden hofften mit Frankreich auf eine Rückeroberung Finnlands. Karl Johann hielt dies für abwegig und auf Dauer gesehen für nicht klug. Die lange Grenze Finnlands zu Russland und die größtenteils trennende Ostsee zwischen Schweden und Finnland machten letzteres schwer zu verteidigen. Anders sah dies mit Norwegen aus, welches aber zu Dänemark gehörte. Norwegen hätte gegen Schwedisch-Pommern und Mecklenburg getauscht werden können, aber Napoleon lehnte diese Vorstellung Karl Johanns ab. Napoleons Plan hingegen ging dahin, Schwedens Bündnis gegen Russland mit Finnland zu erkaufen, Karl Johann wollte aber für sein neues Vaterland Frieden.

Schon am 25. Oktober stellte Napoleon Schweden ein Ultimatum, Großbritannien den Krieg zu erklären. Schweden nahm auf Druck Frankreichs seit Januar an der Kontinentalsperre teil, hatte aber, da die schwedische Wirtschaft darunter sehr litt, im August ein heimliches Freundschaftsabkommen mit Großbritannien getroffen, welches selbst dann gelten sollte, wenn die Zwangslage eine Kriegserklärung forderte. Schweden – Karl Johann bat bei der Entscheidung keine Rücksicht auf seine Person zu nehmen – erklärte Großbritannien somit den Krieg, ohne dass dies irgendeine Konsequenz hatte. Frankreich schickte nun eine Flotte in die Ostsee, beschlagnahmte in Piratenmanier die angeblich britischen Waren schwedischer Schiffe und presste Matrosen in den französischen Marinedienst. Karl Johann schrieb an Napoleon in dieser Zeit mehrere Briefe. Unter anderem entschuldigte er, dass Schweden schwerlich einen aktiven Krieg führen könne, denn es fehlten Geld und Truppen. Die Armee war auf unter 25.000 Mann zusammengeschrumpft. Statt zu antworten, ließ Napoleon verlauten, dass er nur mit Souveränen korrespondiere, und nicht mit Kronprinzen. In dieser Zeit wurden auf Geheiß Napoleons – verschiedenen Abmachungen entgegen – die Bernadotte verliehenen französischen Landgüter zu Gunsten des französischen Staates eingezogen.

Schweden versuchte nun durch Karl Johann eine Politik der Neutralität. Im Dezember lehnte Schweden das Angebot eines Bündnisses mit Frankreich gegen 3.000 schwedische Matrosen ab. Parallel begann Karl Johann freundschaftliche Kontakte zum Zar Alexander I. und signalisierte Russland, dass Schweden sich aus einem Krieg heraus halten würde, selbst, wenn Frankreich es dazu auffordern würde. Im Januar 1811 lehnte Schweden die Bildung eines Bundes mit Dänemark und dem Großherzogtum Warschau ab, der im gleichen Verhältnis zu Frankreich treten sollte, wie der Rheinbund. Im Februar drohte Napoleon mit der Besetzung Schwedisch-Pommerns, wenn Schweden den Schmuggel mit britischen Waren nicht stärker bekämpfen würde.

Im Mai versuchte Karl Johann nochmals den Schulterschluss mit Napoleon mit der Bitte, Norwegen oder einen Teil Norwegens als Tausch gegen andere schwedische Besitzungen erhalten zu dürfen. Er wolle auch den Kontakt zu Großbritannien und dem Zaren abbrechen und Napoleon sogar 60.000 Mann stellen, sofern er diese Truppen befehligen dürfe und diese nie in Spanien eingesetzt werden würden. Statt einer Antwort ließ Napoleon Dänemark – aufgrund von 'Gerüchten' – warnen, Schweden könnte Norwegen angreifen. Am 17. März übernahm Kronprinz Karl Johann die Amtsführung vom kranken Karl XIII.

Karl XIV. Johann (Denkmal in Oslo)

Gegen Napoleon in den Befreiungskriegen[Bearbeiten]

Er erwies sich jetzt als loyaler Schwede: Als Napoleon Schwedisch-Pommern widerrechtlich besetzte, nahm Karl Johann Kontakte zu Napoleons Gegnern auf. Zar Alexander I. riet er zu der erfolgreichen Taktik, die französischen Truppen anzugreifen, solange Napoleon sie nicht befehligte, vor Napoleon selber aber zurückzuweichen. Diese Taktik wurde auch in den Befreiungskriegen 1813 durchgeführt, in denen Bernadotte die sogenannte Nordarmee befehligte. Den Anspruch, dem Zaren zur Rückzugsstrategie geraten zu haben, wird auch für Phull erhoben. Die Truppenstärke der Schweden betrug 3 % des Gesamtheeres (10.000 von 310.000). Die Schweden erreichten das Schlachtfeld von Leipzig als Letzte.

Als die Alliierten verlangten, er solle mit seiner Nordarmee gegen die Niederlande und Frankreich kämpfen, lehnte er dies ab. Stattdessen marschierte er mit einem Teil der Nordarmee nach Holstein ein, und nach einem kurzen Krieg kam es am 15. Dezember 1813 zum Waffenstillstand und 14. Januar 1814 zum Kieler Frieden. In diesem wurde der Anschluss Norwegens, welches zu Dänemark gehört hatte, in Personalunion an Schweden festgelegt.[28]

König von Schweden und Norwegen[Bearbeiten]

Mit dem Tod Karls XIII. am 5. Februar 1818 wurde er als Karl XIV. Johann König von Schweden und Norwegen. Seine Krönung fand am 11. Mai in Stockholm zum schwedischen König und am 7. September in Trondheim zum norwegischen König statt.[29] Er ist der Stammvater des bis heute regierenden schwedischen Königshauses Bernadotte. Innenpolitisch zeigte er sich machtbewusst. Er regierte autokratisch und verzichtete auf jegliche Reform. Allerdings sah er sich gezwungen, der Opposition ein Stück entgegenzugehen, indem er die Verfassung von 1809 in einigen Punkten zu deren Gunsten revidieren ließ. Als König Karl Johann 1844 in Stockholm starb, fand man auf seinem Körper angeblich eine Tätowierung mit der Aufschrift „Mort aux rois!“ (Tod den Königen) – ein Überbleibsel aus seiner revolutionären Vergangenheit. Er wurde in der Stockholmer Riddarholmskyrkan beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Wertungen[Bearbeiten]

Bernadotte war eine schillernde Figur. Der 1763 in Frankreich Geborene trug 47 Jahre lang den Namen Bernadotte und 34 Jahre lang den Namen Karl XIV. Johann. Allein dies schon rechtfertigt bzw. erfordert unterschiedliche Blickwinkel. Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Bereichen Politik, Militär und Familie. Bei der Beurteilung der über ihn gemachten Aussagen ist die Interessenlage des Äußernden zu berücksichtigen.

Bernadottes Leben und Handeln sind umstritten. Während er aufgrund der Veröffentlichungen von Zeitzeugen bis in die heutige Zeit teilweise negativ dargestellt wird, so stellen ihn spätere Biografen in einem besseren Licht dar. Vorwürfe, bei den Schlachten bei Auerstedt und Jena, Wagram, Großbeeren, Dennewitz und Leipzig und in seinem Verhalten Napoleon gegenüber verräterisch gehandelt zu haben, scheinen größtenteils unbegründet. Es ist in einigen Punkten sogar nachgewiesen, dass gezielte Verleumdungskampagnen – schon zu seinen Lebzeiten, aber auch auf preußisch-deutscher Seite danach – gegen ihn betrieben wurden, um z. B. Napoleon, Blücher, Bülow und die Preußen besser darzustellen.

Die entscheidende Konfliktebene ist dabei die Politik. Aus dem Marschall Napoleons wurde 1810/1818 der König von Schweden. Dieser Wechsel musste nicht zwangsläufig einen Seitenwechsel bedeuten. Für seine schwedischen Wähler war zwar eine gewisse innere Unabhängigkeit Bernadottes gegenüber Napoleon wichtig; andererseits hatte Napoleon dieser Wahl zugestimmt. Für den voraussehbaren Konflikt mit Russland erwartete Napoleon von Bernadotte zumindest Neutralität, die Schweden dagegen vielfach deutlichen Widerstand. Als Napoleon 1811 Schwedisch-Pommern besetzte, verbündete sich der nunmehrige schwedische Regent mit den Gegnern Napoleons. Diese Parteinahme wurde und wird von den Anhängern Napoleons als Verrat gewertet, und vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, warum von dieser Seite her seine bisherigen Leistungen abgewertet wurden. Die Gegenseite sieht ihn indessen in der Front derjenigen, die Europa vom Joch des Tyrannen Napoleon befreit haben. Es ist zu verstehen, dass diese Seite dem Befreier und Begründer einer zweihundertjährigen, noch heute herrschenden Dynastie nicht die weniger ruhmvollen Aspekte seiner militärischen Leistungen vorhalten möchte.

Als Militär ist sein Aufstieg bis zum Armee-Oberbefehlshaber bzw. Kriegsminister von Frankreich allein aufgrund seiner militärischen Eigenschaften ohne Napoleon erklärbar, als Marschall von Frankreich dann aber sicher nicht ohne seine verwandtschaftlichen Beziehungen zum Kaiser. Napoleon, der sich für ein unübertreffliches militärisches Genie hielt, neigte dazu, seine eigenen Erfolge hochzuloben, dagegen seine militärischen Patzer zu vertuschen. Einerseits nahm er im Falle von Siegen seinen Marschällen einen Teil ihres Ruhms, andererseits belud er sie im Falle von Niederlagen mit unberechtigten Vorwürfen. Seine starke Emotionalität, die übergangslos zwischen Überschwang und Zornesausbrüchen wechseln konnte, hat er durch eigene Schriftzeugnisse belegt. Entscheidend ist letzten Endes, dass Napoleon Bernadotte nie den endgültigen militärischen Abschied gab, und dies sicherlich nicht allein aus verwandtschaftlicher Rücksicht. Wer wie Napoleon unbedingt siegen wollte, durfte unter seinen Marschällen nicht aus Sentimentalität Versager mitschleppen; der französische Kaiser muss Bernadotte also für einen kompetenten General gehalten haben.

Auf kollegialer Ebene ist zu berücksichtigen, dass es innerhalb aller Armeen sowie zwischen verbündeten Armeen Rivalitäten der führenden Generäle gab und gibt, mit der Tendenz, die eigenen Erfolge hochzuloben und die Erfolge der anderen abzuwerten. Ungeachtet dieser subjektiv interessierten Blickwinkel ist festzustellen, dass von Bernadotte keine handstreichartigen, überraschenden Manöver, keine Gewaltmärsche, kein todesverachtender Widerstand selbst bei großen Verlusten berichtet werden – Dinge, die üblicherweise militärischen Ruhm begründen. Er hat die von ihm erwartete Pflicht eines Marschalls zweifellos erfüllt; auch die anderen Marschälle hatten manchmal ihre schwachen Momente. Versuche, ihn über diese allgemeine Ebene der Pflichterfüllung als überdurchschnittlich begabt hochzuloben oder ihn umgekehrt als notorischen Versager darzustellen, müssen aber mangels Quellenbelegen scheitern. Bernadotte war offenbar ein unauffälliger, ausreichend kompetenter Feldherr.

Mit dem Wechsel vom Marschall zum Kronprinz änderte sich auch sein Verhalten als militärischer Befehlshaber. Als Marschall Napoleons konnte er bei einer Niederlage nur den Marschallstab verlieren, während die Gesamtverantwortung für den Staat bei Napoleon blieb, aber als Kronprinz konnte er den Thron verlieren. Schweden, ein Land mit nur geringer Bevölkerung, konnte damals nur ein Heer von etwa 10.000 Mann aufstellen (die Gesamtstärke der Verbündeten in der Völkerschlacht von Leipzig 1813 betrug 310.000 Mann); das Staatsoberhaupt musste mit diesen Ressourcen daher sparsam umgehen und versuchen, mit geringstmöglichem Aufwand den größten (politischen) Erfolg zu erreichen. Seine von den Preußen beklagte Zurückhaltung im Vormarsch war aus der Sicht des Kronprinzen zweifelsohne schwedische Staatsraison. So gerechtfertigt dieses Verhalten aus schwedischer und unabhängiger Sicht auch ist, so darf es nicht dazu führen, ihn dennoch im Feldzug 1813 als militärischen Helden darzustellen; man muss ihn hier als Staatsmann würdigen.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Jean-Baptiste Bernadotte war ein französischer Revolutionsgeneral, der nach der französischen Eroberung der Österreichischen Niederlande, Hollands und des linken Rheingebietes unter Napoleon Bonaparte in der Italienarmee kämpfte. In der Kaiserzeit wurde Bernadotte einer der 14[31] Marschälle vom 19. Mai 1804, mit denen Napoleon seine Feldzüge führte. Er nahm u. a. an den Schlachten bei Austerlitz und Wagram teil und verfolgte erfolgreich Blücher nach Lübeck, wo er ihn gefangen nahm.

König Karl XIV. Johann, gemalt von Fredric Westin

In seiner Zeit bis 1810 war er Gouverneur des Kurfürstentums Hannover, Ansbachs und der Hansestädte. Vom Kaiser erhielt er den Titel eines Fürsten von Ponte Corvo und weitere Ehrungen. Nach der Schlacht von Wagram (1809) hatte er sich mit dem Kaiser zerstritten, führte aber erfolgreich die Verteidigung Frankreichs, als die Briten in Holland landeten.

1810 wurde Jean-Baptiste Bernadotte vom kinderlosen König Karl XIII. adoptiert. Als schwedischer Thronfolger nahm Bernadotte den Namen Karl Johann an. Er konvertierte zum evangelisch-lutherischen Glauben und wurde Mitglied der Schwedischen Kirche. Weil Norwegen seit 1814 infolge des Kieler Friedens mit Schweden in einer Personalunion verbunden war, wurde er ebenfalls norwegischer Thronfolger und nach dem Tode seines Adoptivvaters auch norwegischer König.

Als in den folgenden französischen Feldzügen Schwedisch-Pommern widerrechtlich besetzt wurde und Schweden immer größeren französischen Repressalien ausgesetzt wurde, begann Karl Johann, Napoleons Gegner zu unterstützen. So riet er Zar Alexander I. zu der Rückzugstaktik, die den französischen Russlandfeldzug zur Katastrophe werden ließ.[32] 1813 stellte Bernadotte sich mit schwedischen Truppen gegen Napoleon und wurde Oberbefehlshaber einer von drei Armeen der Koalition, der sogenannten Nordarmee, bestehend aus Preußen, Russen und Schweden. Unter ihm errang von Bülow den Erfolg bei der Schlacht bei Großbeeren und Dennewitz. Aufgrund des von ihm und Radetzky ausgearbeiteten Trachenberg-Planes kam es zur Völkerschlacht bei Leipzig. An der Schlacht selbst nahmen er und die von ihm kommandierte Nordarmee nur zögerlich teil. Im weiteren Feldzug weigerte er sich, auf französischem Boden zu kämpfen und Frankreich zu vernichten, obwohl Zar Alexander in ihm Napoleons Nachfolger sah. Stattdessen führte er einen Anschluss Norwegens an Schweden durch.

In der Folgezeit erreichte Bernadotte die schwedische Neutralität: Schweden beteiligte sich nicht an der Koalition gegen Napoleon während der Herrschaft der hundert Tage. 1818 wurde Bernadotte als Karl XIV. Johann König von Schweden und als Karl III. Johann König von Norwegen. Jean-Baptiste Bernadotte begründete in Schweden das Königshaus Bernadotte.

Literatur[Bearbeiten]

Bernadotte[Bearbeiten]

  • Clemens Amelunxen: Jean-Baptiste Bernadotte. Marschall Napoleons – König von Schweden. Heymann, Köln u. a. 1991, ISBN 3-452-22228-4.
  • Dunbar Plunkett Barton: The Amazing Career of Bernadotte 1763−1844. Murray, London 1929
    • Deutsche Ausgabe: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763−1844. Aus dem Englischen übersetzt von Otto Albrecht van Bebber. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936
    • Französische Ausgabe: Bernadotte (1763–1844). Payot, Paris 1961 u. Plon, Paris 1983, ISBN 2-228-13320-5.
  • Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946
  • Jörg-Peter Findeisen: Jean Baptiste Bernadotte. Revolutionsgeneral, Marschall Napoleons, König von Schweden und Norwegen. Katz, Gernsbach 2010, ISBN 978-3-938047-48-4.
  • Gabriel Girod de l’Ain: Jean Baptiste Bernadotte – Bürger, französischer Revolutionsgeneral, schwedisch-norwegischer König. Verlag des Südkurier, Konstanz 1989, ISBN 3-87799-081-9.
  • Torvald T. Höjer: Carl XIV Johan. Norstedt, Stockholm.
  1. Den franska tiden. 1939.
  2. Kronprinstiden. 1943.
  3. Konungstiden. 1960.

Allgemein[Bearbeiten]

  • Carl Bleibtreu: Marschälle, Generäle, Soldaten Napoleons I. Zörb, Hamburg 1999, ISBN 3-931482-63-4. (Repr. d. Ausg. Berlin 1899)
  • Désiré Lacroix: Die Marschälle Napoleon I. Schmidt & Günther, Leipzig 1898.
  • Annemarie Selinko: Désirée. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln/Berlin 1951.
  • Jürgen Sternberger: Die Marschälle Napoleons. Pro Business, Berlin 2008, ISBN 978-3-86805-172-8.
  • Helmut Stubbe-da Luz: „Franzosenzeit“ in Norddeutschland (1803 – 1814). Napoleons Hanseatische Departements. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-384-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl XIV – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Vorname Jules, der u. a. in der Ernennungsurkunde zum schwedischen Kronprinzen auftaucht, war kein Taufname, sondern ein zugelegter Name; in der Zeit der französischen Revolution zur Ehrung „römischer“ Helden nicht unüblich.
  2. Anders als im Deutschen üblich, ist Prince ein höherer Titel als etwa „Herzog“. In einigen deutschen Biographien findet man auch „Fürst und Herzog“.
  3. a b c Bernadottes Akten aus den Archiven des Französischen Kriegsministerums, zitiert nach Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, S. 316−318.
  4. Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, S. 8 u. 39.
  5. Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, S. 81.
  6. a b c d e Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, S. 9−17 u. 316−318 (Archiv des Kriegsministeriums).
  7. Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, Rangliste des französischen Kriegsministerium, S. 218.
  8. Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946, S. 21−23.
  9. Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, S. 11.
  10. Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946, S. 26.
  11. a b Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946, S. 31−32.
  12. Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946, S. 35.
  13. a b c Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946, S. 39−48.
  14. a b Dunbar Plunkett Barton: Bernadotte, französischer Grenadier und König von Schweden, 1763-1844. Goldmann, Bern/Leipzig/Wien 1936, S. 47−55.
  15. Fritz Corsing: Jean Baptiste Bernadotte. Nauck, Berlin 1946, S. 54−59.
  16. Klaus Mlynek: MORTIER, Edouard Adolphe Casimir Joseph. In: Hannoversches Biographisches Lexikon. S. 260. (online auf: books.google.de)
  17. Klaus Mlynek: BERNADOTTE, Jean Baptiste Jule (als Karl XIV. Johann König von Schweden und Norwegen) (siehe Literatur)
  18. Helmut Knocke: Hardenbergsches Haus, in: Stadtlexikon Hannover, S. 270.
  19. Klaus Mlynek: BERNADOTTE, Jean Baptiste Jule (als Karl XIV. Johann König von Schweden und Norwegen) (siehe Literatur)
  20. Klaeber S 186 zu Irrtümern Napoleons bezüglich Bernadottes: "Bernadotte hat nichts für die Operationen bei Ulm getan. Soult war in München."
  21. Girod de l’Ain, S. 167. Er wurde zu recht ignoriert, denn es gab zwar 50.000 Mann bei Weimar (vor allem das Korps Rüchel); aber sie bewegten sich nicht in Richtung Magdeburg, sondern umgekehrt in Richtung Jena.
  22. General Dupont, zitiert in Barton "Bernadotte", S. 161: "Wenn es nicht ausgeführt worden wäre, würde man nicht glauben, dass die Artillerie auf einem derartigen Zufahrtsweg vorwärts kommen könnte." Nach Klaeber S 178 benötigte das Husarenregiment 6 Stunden für den Aufstieg.
  23. Wenn das angebliche Hilfeersuchen Davouts durch Trobriand ausführlicher erwähnt wird (z. B. bei Gerd Fesser "1806 – Die Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt", S. 59), dann nur im Zusammenhang, die geschlagenen Preußen zu verfolgen, also ein Hilfeersuchen nach und nicht während oder für die Schlacht(!). Hier hat Bernadotte allerdings 1.000 Gefangene vorzuweisen. Selbst der preußische König musste seine Gefangenschaft durch Bernadottes Truppen fürchten und umkehren.
  24. Quellen insbesondere Sir D. P. Barton "Bernadotte" (ausführlicher in den englischen Werken) S. 161 ff, stützende auf Historikern wie Henri Houssaye, den Korpsberichten und einer Studie des Militärhistorikers Oberstleutnant Titeux "Le Maréchal Bernadotte et la manoeuvre d'Jena"; Hans Klaeber; S. 173 ff., der sich u. a. auf Ménéval, Derrécagaix, Bonnal, Foucart, Rose, Goltz, Lettow-Vorbeck und das Operationsjournal des 3. Korps stützt; Gabriel Girod de l’Ain, S. 165 ff; ebenso Corsing, Imhoff und Wencker-Wildberg, Bernard Narbonne (frz.); nach dem Historiker Amelunxen, S. 46 "Zur Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 kam Bernadotte, erneut einem widersprüchlichen Befehl des Hauptquartiers aufsitzend, zu spät auf die Gefechtsfelder und konnte sich nur bei der Verfolgung des fliehenden Gegners hervortun." Sowohl Bernadotte wie auch Davout standen, um bei der Schlacht bei Jena entscheidend mitzuwirken, in der Gegend von Naumburg viel zu weit weg (je nach Schlachtort über 30 km). Davout wurde über Apolda nach Jena beordert, Bernadotte hatte Wahlfreiheit über Apolda oder Dornburg zu gehen und entschloss sich zu letzterem, da einem vorigen Befehl nach Dornburg zu gehen, seine Truppen teilweise auf diesem Wege kampierten. Davout geriet unerwartet bei Auerstedt auf die Preußen, was Napoleon selber lange nicht wahrhaben wollte. Obwohl im 5. Bulletin direkt nach der Schlacht von Napoleon bestätigt wird, dass Bernadotte von Dornburg aus hervorbrechen sollte, behauptete er am 21. Oktober, Bernadotte hätte Davout unterstützen sollen. Auf Sankt Helena schrieb er in seinen Memoiren sogar, dass Bernadotte wegen Auerstedt hätte erschossen werden sollen, was nicht geschehen wäre, weil Bernadotte sich weinend an Berthier gewandt hätte, was nachweislich nicht stimmt, da Bernadotte und Berthier keinerlei Kontakt hatte und lückenlos bis zur Schlacht von Lübeck, 6. November 1806, Bernadottes Weg verfolgt werden kann. Im Gegenteil schickte Napoleon Bernadotte in einem Befehl vom 15. Oktober, 10.00 Uhr morgens, zur Verfolgung der Truppen, denen Davout gegenübergestanden hatte. Ignorierend, dass dies die Preußische Hauptarmee gewesen war, was Napoleon zu diesem Zeitpunkt noch nicht realisiert hatte. Der Kaiser setzte sogar soviel Vertrauen in Bernadotte, dass dieser freie Hand in der Verfolgung der Preußen erhielt (Foucart, Prenzlow – Lübeck, S. 5: "Iéna, 15 octobre 1806, 10 heures du matin. ... cependant vous êtes le maître de manœuvrer comme les circonstances vous l’indiqueront. Faites le plus de mal possible à l’ennemi, ayant soin cependant d’attaquer le corps qui a été opposé au maréchal Davout, s’il était possible qu’il fût resté en position, ce qui serait la plus grande folié ; dans ce cas, poursuivez vivement ce corps.") Insbesondere der schwere Aufstieg bei Dornburg; ca. 1,60 m breiter schlammiger Weg, der auf weniger als 1 km einen Höhenunterschied von ca. 80 m überwand wird in Jena-Auerstedt-Literatur ignoriert, wie auch, dass Bernadotte 1.000 Gefangene machte. Auch für die übrigen Generäle und Marschälle wird nicht erwähnt, welche schwierigen Wegpassagen sie zu bewältigen hatten und wie viel Gefangene sie gemacht haben, weil dies militärische Selbstverständlichkeiten waren. Der Regen, der Bernadottes Weg so schlammig gemacht hatte, ist auch auf alle anderen Wege und Felder bei Jena und Auerstedt gefallen.
  25. Girod de l’Ain S. 171; Barton S.169 bringt das Zitat leicht anders: "Ich weiß nicht, ob ich den Sturm mit weniger als fünfzigtausend Mann gewagt haben würde. Bernadotte scheut vor nichts zurück."
  26. Amelunxen, S. 46. "In knapp drei Tagen legte er mit seinem Korps 120 km zurück. Mit glänzender, diesmal von Berthier nicht behinderten [Anm.: u. a. wg./bei Auerstedt gemeint] Strategie stieß er zur Ostsee vor, keilte den Marschall Blücher vor der dänisch-holsteinischen Grenze ein und schnitt ihm den Rückzug nach Osten ab. Fast ohne Blutvergießen, bei weitgehender Schonung der eigenen und der feindlichen Truppen, allein durch hohe Feldherrenkunst hat Bernadotte so die preußische Teilkapitulation bei Ratekau herbeigeführt." Insbesondere Bernadotte verhinderte, dass Blücher und Scharnhorst nach Ostpreußen entkamen und sich mit der restlichen Preußischen Armee vereinigen könnte.
  27. Tom Crepon: Gebhard Leberecht von Blücher. S. 149: "Lübeck ist eine neutrale Stadt ohne Soldaten und Bewaffnung, doch was gilt das Gesetz, wenn Blücher der Teufel Bernadotte im Nacken sitzt?"
  28. Sverre Bagge, Knut Mykland: Norge i dansketiden. 1998, S. 302.
  29. Peter von Kobbe: Geschichte der neuesten Zeit. Hamburg 1843, S. 300. (online auf: books.google.de, abgefragt am 10. Mai 2011)
  30. Liste der Ritter des Königlich-Preußischen Hohen Ordens vom Schwarzen Adler. Decker, Berlin 1851, S. 15; (Digitalisat, Abgefragt am 3. September 2012)
  31. Napoleon ernannte 18 Marschälle, darunter 4 Ehrenmarschälle, mit denen er nicht in den Krieg zog.
  32. Es ist umstritten, ob sein Vorschlag entscheidend war. Denn auch Phull und Kutusow hatten dem Zaren zum Rückzug geraten, eine Konsequenz aus dem allen interessierten Militärs bekannten Erfolg der Guerillakriegsstrategie im Spanischen Unabhängigkeitskrieg seit 1807.
Vorgänger Amt Nachfolger
Karl XIII./II. König von Schweden
1818–1844
Oskar I.
Karl XIII./II. König von Norwegen
1818–1844
Oskar I.
Louis Marie de Milet de Mureau Kriegsminister von Frankreich
1799
Edmond Louis Alexis Dubois-Crancé
Marcus Gjøe Rosenkrantz Ministerpräsident von Norwegen
1814
Hans Henrik von Essen
Hans Henrik von Essen Ministerpräsident von Norwegen
1816
Hans Henrik von Essen