Karlheinz Brandenburg

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Karlheinz Brandenburg, 2010
Brandenburg (rechts) und der Comic-Zeichner manniac 2014 beim SUMA-Kongress & Award »Wege aus der Überwachungskatastrophe« im Neuen Rathaus von Hannover

Karlheinz Brandenburg, (* 20. Juni 1954 in Erlangen) ist ein deutscher Elektrotechniker und Mathematiker. Gemeinsam mit Ernst Eberlein, Heinz Gerhäuser (ehem. Institutsleiter des Fraunhofer IIS), Bernhard Grill, Jürgen Herre und Harald Popp (alle Fraunhofer IIS) entwickelte er das weit verbreitete mp3-Verfahren zur Audiodatenkompression. Er ist außerdem für seine grundlegenden Arbeiten im Bereich der Audiocodierung, der Wahrnehmungsmessung, der Wellenfeldsynthese und der Psychoakustik bekannt. Brandenburg erhielt für seine Arbeiten zahlreiche nationale und internationale Forschungspreise, Auszeichnungen und Ehrungen. Seit dem Jahr 2000 ist er Lehrstuhlinhaber für Elektronische Medientechnik an der Technischen Universität Ilmenau. Er war maßgeblich an der Gründung des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT beteiligt, dessen Leiter er ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur 1973 begann Brandenburg sein Elektrotechnik- und Mathematik-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, erhielt sein Diplom 1980 (Elektrotechnik) und 1982 (Mathematik). Danach wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Technische Elektronik und promovierte im Jahr 1989. In seiner Dissertation beschrieb er Techniken, welche die Grundlage für viele moderne Audiokodierungs- bzw. Audiodatenkompressionsverfahren bilden. Von 1989 bis 1990 war er Postdoctoral member of technical staff bei den AT&T Bell Laboratories (USA). In Erlangen war er bis 1993 als akademischer Rat auf Zeit und danach bis 1999 als Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS aktiv. Im Jahr 2000 wechselte Karlheinz Brandenburg nach Ilmenau und wurde Inhaber des Lehrstuhls Elektronische Medientechnik des Instituts für Medientechnik an der Technischen Universität Ilmenau. Im Mai 2000 wurde er zum Leiter der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT in Ilmenau ernannt, die er zum 1. Januar 2004 in das eigenständige Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT überführte.

Karlheinz Brandenburg ist Mitglied verschiedener internationaler Standardisierungsgremien, Fellow of IEEE und Fellow der Audio Engineering Society (AES) sowie ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech). Derzeit hält Brandenburg mehr als 100 Patente. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge. Zusammen mit Mark Kahrs (Rutgers University) veröffentlichte er den Fachband »Applications of Digital Signal Processing to Audio and Acoustics«.

Brandenburg wurde mit zahlreichen Preisen für seine Forschungsarbeiten ausgezeichnet. Im Jahr 2000 erhielt er zusammen mit seinen Erlanger Kollegen Harald Popp und Bernhard Grill den Deutschen Zukunftspreis. Seit Mai 2004 ergänzt der IEEE Masaru Ibuka Consumer Electronics Award für seine wissenschaftlichen Verdienste auf dem Gebiet der digitalen Audiocodierung die Reihe seiner Auszeichnungen. Im Dezember 2006 wurde ihm das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Darüber hinaus hat ihn die International Electrotechnical Commission (IEC) zu einem der 120 wichtigsten Vordenker der Elektrotechnik aller Zeiten gewählt und ihn in die »Hall of Fame« der bedeutendsten Persönlichkeiten ihrer Zunft aufgenommen. Im März 2007 würdigte die amerikanische Consumer Electronics Association (CEA) Prof. Karlheinz Brandenburg zusammen mit den Professoren Dieter Seitzer und Heinz Gerhäuser für die Entwicklung und Verbreitung des mp3-Formats und nahm sie stellvertretend für das gesamte Fraunhofer-Entwicklerteam in die »CE Hall of Fame« auf.

Brandenburg ist Vorstandsmitglied des Vereins Suma e.V., der sich für den freien Wissenszugang einsetzt und die Suchmaschine MetaGer betreibt.

Brandenburg ist evangelisch. Er sieht keinen Widerspruch zwischen seinem Glauben und seiner Arbeit als Wissenschaftler. Dagegen sagt er: »Christlicher Fundamentalismus ist mir höchst zuwider, Fundamentalisten verraten die Ideen des Christentums, bis hin zur Leugnung der Evolution.«[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014

  • IMTC Leadership Award for his contribution to audio coding and the standardization of the mp3 format, zusammen mit Bernd Edler
  • Ehrendoktorwürde der Polytechnischen Universität Valencia für die Einführung und Etablierung moderner Verfahren der Audiocodierung, der gehörangepassten Wahrnehmungsmessung und der Psychoakustik
  • Mitgliedschaft in der »Internet Hall of Fame« der Internet Society (ISOC)
  • AES Board of Governors Award in recognition of his co-chairing the 53rd AES International Conference

2011

  • »Distinguished Heyser Memorial Lecturer« der AES 130th Convention
  • AES Board of Governors Award in recognition of co-chairing the AES 42nd International Conference

2009

  • Ehrendoktorwürde der Leuphana Universität Lüneburg für die Mitentwicklung des mp3-Formats und seine Arbeiten im Bereich der Audiocodierung
  • Berufung in die »Hall of Fame der deutschen Forschung« des manager magazins für seinen herausragenden Beitrag zur Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Deutschland
  • Botschafter des Europäischen Jahrs der Kreativität und Innovation 2009

2008

  • Ehrendoktorwürde der Universität Koblenz-Landau für herausragende Forschungsleistungen im Bereich der Audiocodierung

2007

  • Mitgliedschaft in der »CE Hall of Fame« der Consumer Electronics Association (CEA) zusammen mit Professor Dieter Seitzer und Professor Heinz Gerhäuser für die Entwicklung und Verbreitung des mp3-Formats

2006

  • Mitglied in der »Hall of Fame« der bedeutendsten Vordenker der Elektrotechnik aller Zeiten, gekürt durch die International Electrotechnical Commission (IEC)
  • Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

2004

  • IEEE Masaru Ibuka Consumer Electronics Award, for major contributions to digital audio source coding
  • Thüringer Forschungspreis 2003 in der Kategorie »Angewandte Forschung«, zusammen mit Sandra Brix, Thomas Sporer
  • Sputnik Innovator Award – Ehrung für Visionäre des digitalen Umbaus der Entertainmentbranche

2003

  • Publications Award of the Audio Engineering Society (AES) for the best paper of the year 2000/2001; “PEAQ – the ITU Standard for the Objective Measurement of Perceived Audio Quality”, zusammen mit John G. Beerends, Roland Bitto, Catherine Colomes, Bernhard Feiten, Michael Keyhl, Christian Schmidmer, Thomas Sporer, Gerhard Stoll, Thilo Thiede, William C. Treurniet

2002

  • ISO/IEC 13818-7: 1997-Award / Information Technology – Generic coding of moving pictures and associated audio information – Part 7: Advanced Audio Coding (AAC), zusammen mit Bernhard Grill, Jürgen Herre, Ralph Sperschneider, ISO/IEC Certificate of Appreciation (Project Editor in the development of International Standard) for works on MPEG-2 AAC

2001

  • Deutscher Internet Award NEO, für die maßgebliche Entwicklung, Standardisierung und erfolgreiche Vermarktung des Datenformats MPEG Layer-3 (mp3)

2000

  • IEEE Engineering Excellence Award – The Region 10th Chapters of the IEEE Consumer Electronics Society
  • AES Board of Governors Award for co-chairmanship of the AES 17th International Conference
  • Deutscher Zukunftspreis für die Arbeit an mp3, zusammen mit Bernhard Grill, Harald Popp

1998

  • AES silver medal award, for continued contributions and leadership to the art and science of perceptual audio coding

1996

  • Innovationspreis der Bayerischen Staatsregierung

1994

  • AES Fellowship Award for significant work in perceptual audio coders and psychoacoustics

1990

  • Promotionspreis der Technischen Fakultät, Universität Erlangen-Nürnberg

Suzanne Vega als »Mutter der mp3«[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Team um Brandenburg machte die ersten Praxistests mit der A-cappella-Version des Liedes Tom’s Diner von Suzanne Vega. Brandenburg hörte zufällig das Lied und empfand das Stück sogleich als geeignete Herausforderung für eine Audiodatenkompression. Tom's Diner, ein Song über ein kleines Restaurant in New York, wurde somit das weltweit erste Lied im mp3-Format. Seitdem gilt Suzanne Vega als »Mutter der MP3« (»mother of mp3«).[2]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karlheinz Brandenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Brandenburg: EFundamentalismus verrät die Ideen des Christentums in: Chrismon spezial vom 31. Oktober 2014.
  2. Podcast „Grünes Glück“: Suzanne Vega über ihre Rolle als „Mutter von mp3“