Karlheinz Drechsel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karlheinz Drechsel (2014)

Karlheinz Drechsel (* 14. November 1930 in Dresden) ist ein deutscher Musikjournalist und Jazzmusiker. Der als Dr. Jazz bekannte Drechsel moderierte von 1959 bis 1991 die Sendung Jazz Panorama und ist einer der Gründungsväter des Dixielandfestivals in Dresden.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inspiriert von seinem älteren Bruder spielte Drechsel seit 1946 in verschiedenen Dresdner Swingformationen und gründete im selben Jahr einen Jazz-Zirkel in der Stadt. 1949 begann er, direkt nach dem Abitur, seine Ausbildung beim Rundfunk der DDR, wo er zunächst als Regieassistent tätig war. Wegen seiner Vorliebe für amerikanische Musik und „Kontakte zu Westbürgern“ (Stasi-Jargon) wurde er 1952, offiziell „aus Reorganisationsgründen“, vom DDR-Rundfunk entlassen.

1956 wurde Drechsel Schlagzeuger der Elb Meadow Ramblers und gehörte zu den Gründern der Dresdner „Interessengemeinschaft Jazz“. Diese Gemeinschaft leitete er, bis diese 1957 im Zusammenhang mit dem Prozess gegen den vom Regime als Spion verdächtigten Reginald Rudorf verboten wurde.

Ab 1958 war er erneut beim Rundfunk in Ost-Berlin tätig, wo er hauptamtlich Hörspiele und Radio-Features inszenierte. Der Medienhistoriker Patrick Conley hebt Drechsels Features als gelungene Beispiele hervor, „in denen Musik mehr bedeutet als eine akustische Auflockerung oder den Hinweis auf einen Szenenwechsel“.[1] Daneben gestaltete Karlheinz Drechsel eigene Jazzsendungen; 1959 startete seine wöchentliche Sendung Jazz Panorama, die (zunächst im Deutschlandsender) bis 1991 lief; später kam einmal im Monat Die Jazznacht beim Berliner Rundfunk dazu. Daneben moderierte er Konzerte und hielt hunderte Vorträge für die Anerkennung des Jazz in der DDR.

Karlheinz Drechsel mit Dizzy Gillespie am 9. Mai 1981 in der Volksbühne Berlin anlässlich der 5. Jazzbühne.

Im Jahre 1964 begründete er in Berlin das erste Amateur-Jazzfestival der DDR. Ein Jahr später in Dresden organisierte er die ersten Repräsentativ-Konzerte des modernen DDR-Jazz (bis zu deren Verbot 1968). Er gestaltete mit dem Leo Wright-Qintett, das er in die DDR holte, die erste Jazz-Sendung beim DDR-Fernsehen (DFF). Drechsel half 1965 bei der Organisation der legendären Louis-Armstrong-Tournee in der DDR, die er als Moderator begleitete. Ebenso begleitete er die erste Tournee von Albert Mangelsdorff durch die DDR.

1971 entstand auf seine Initiative das Internationale Dixieland Festival Dresden, das er bis heute moderiert. 1977 war er an der Einrichtung der Festivalreihe Jazzbühne Berlin beteiligt, einer bis 1989 bestehenden Konzertreihe mit DDR- und internationalen Jazzmusikern, die er auch moderierte.

1968 bis 1974 studierte Drechsel Kultur- und Theaterwissenschaft als Grundlage für seinen Beruf als Hörspiel-Regisseur. Er diplomierte 1975 zum Thema „Über die kulturpolitische und künstlerische Spezifik des Jazz“. Er veröffentlichte mehrere Bücher über den Jazz und schrieb auch für Fachzeitschriften wie Melodie und Rhythmus.

Nach der Wende (1989) wirkte Karlheinz Drechsel auch in den Alten Bundesländern als Jazz-Moderator: Jazzfestival Braunschweig, Hot Jazz Meeting in Hamburg, Jazzfestival Hameln und Jazz in den Mai in Mülheim/Ruhr. In den Neuen Bundesländer war er verantwortlich für Aufbau, Gestaltung und Moderation der Konzertreihen Jazz im Gewandhaus (Leipzig), Jazz in der Semperoper (Dresden) und des Internationalen Jazzfestivals in Wittenberge/Elbe.

1989 erhielt Drechsel eigene Rundfunksendungen bei den Kulturprogrammen des (später gegründeten) MDR und ORB sowie beim späteren Gemeinschaftsprogramm von SFB und ORB Radio Kultur. 1991 übernahm er die künstlerische Leitung und die Moderation des internationalen Jazzfestivals Velbert.

Drechsel ist Mitbegründer (1992) des Berliner Jazz Treff Karlshorst e.V. Bis 1997 war er dessen 1. Vorsitzender und seit 1997 ist er Ehrenvorsitzender.[2]

Im Januar 2004 wurde Karlheinz Drechsel für seine Verdienste um den Jazz mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, sowie im selben Jahr mit der erstmals vergebenen Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Dresden ausgezeichnet.

Sein Sohn Ulf Drechsel, der als Jazzredakteur beim rbb Kulturradio tätig ist, initiierte Drechsels Autobiographie, die in Form von Gesprächen entstand.

Karlheinz Drechsel mit Frau Annemarie (2012)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Bratfisch: Die spannendste Sache der Welt. Interview mit Karlheinz Drechsel. In: Ders.: Freie Töne: die Jazzszene in der DDR. Ch. Links-Verlag, S. 61–74
  • Karlheinz und Ulf Drechsel: Zwischen den Strömungen – mein Leben mit dem Jazz. Greifenverlag (Berlin/Rudolstadt) 2011
  • Kurzbiografie zu: Drechsel, Karlheinz. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karlheinz Drechsel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrick Conley: Der parteiliche Journalist. Metropol, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-050-9, S. 134. In dem gleichen Band findet sich auch eine ausführliche Darstellung von Drechsels Regiearbeit Die exotische Landschaft oder Die Reise in den Spreewald (Feature von Joachim Seyppel, 1968), S. 171–173.
  2. Internetseite des Jazz Treff