Karlheinz Steinmüller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Karlheinz Steinmüller (* 4. November 1950 in Klingenthal/Sa.) ist ein deutscher Diplomphysiker, Futurologe und Science-Fiction-Autor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karlheinz Steinmüller zählt gemeinsam mit seiner Frau Angela Steinmüller zu den Science-Fiction-Autoren mit sehr fundierten Geschichten hinsichtlich gesellschaftlicher Strukturen und Mechanismen. Angela und Karlheinz Steinmüller galten deshalb nicht nur in der DDR als Top-Autoren dieses Genres, auch heute noch werden ihre Bücher verlegt und wieder aufgelegt.

Nach dem Abitur an einer Spezialklasse für Mathematik und Naturwissenschaften studierte Karlheinz Steinmüller Physik und Philosophie. 1977 promovierte er mit der Dissertation „Die Maschinentheorie des Lebens. Philosophische Probleme des biologischen Mechanizismus“ zum Dr. phil. und war danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse der Akademie der Wissenschaften der DDR. Seit 1982 ist er freischaffender Schriftsteller und wurde 1988 als Vertreter des Arbeitskreises "Literatur und Umwelt" in den Vorstand des Schriftstellerverbandes der DDR gewählt. Ab 1991 arbeitete er am SFZ (Sekretariat für Zukunftsforschung gGmbH) in Gelsenkirchen; er ist Gründungsgesellschafter (seit 1997) und Wissenschaftlicher Direktor der Z_punkt GmbH The Foresight Company Köln und Berlin.

Angela und Karlheinz Steinmüller schreiben seit vielen Jahren sowohl gemeinsame als auch jeweils eigene Werke. Beide verfassen auch Sachbücher. Von Karlheinz Steinmüller sind zahlreiche Aufsätze zur Phantastik in dem Jahrbuch Das Science Fiction Jahr erschienen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Damals erschienen, hätten die Leser im schleimigen Kakerlak, den Ober-Spitzel Mascaras, ein Gleichnis auf die Stasi erkannt und in der 'Anleitung zum lotrechten Träumen' ein Gleichnis auf die letztlich erfolglosen Versuche der SED-Kulturpolitik, die Künste in ideologische Zwänge eingesperrt vor ihren dahinholpernden Karren zu spannen. Doch heute, von dem DDR-typischen Blick nach Aufmüpfigem zwischen den Zeilen befreit, erweist sich das Buch als viel mehr als nur eine verschlüsselte Kritik am SED-Staat. Der Traummeister verhandelt mittels einer spannenden Handlung, die ohne Rücksicht auf Konventionen Elemente aus Science Fiction, Märchen und Fantasy verquickt, die Frage nach dem Sinn der Utopie. Die Revolution von Mascara befreit die Menschen nicht, sie schlägt sie nur in andere, neue Fesseln. Indem Kilean die Miscarier mit Hilfe seiner gesteuerten nächtlichen Visionen 'umträumen' und so zu ihrem Glück zwingen will, verstümmelt er sie, nimmt ihnen Willen und Selbstbestimmung und verkehrt so seine Absicht ins Gegenteil... gedanklich, stilistisch und sprachlich der bisherige Höhepunkt im Werk der Steinmüllers.“

Karsten Kruschel über Der Traummeister: Das Science Fiction Jahr 1992, hrsg. von Wolfgang Jeschke, Wilhelm Heyne Verlag München, ISBN 3-453-05379-6, S. 825.

„Das Buch der Steinmüllers beleuchtet die Ereignisse von 704 speranischen Jahren, etwa dem Anderthalbfachen in irdischer Zeitrechnung. Es besteht aus 26 Erzählungen unterschiedlicher Länge und Intensität. Manche, eher Vignetten, werfen nur ein schlaglichtartiges Bild auf eine Situation. Andere beschreiben literarisch komplex und mit differenzierten Figuren ein Zeitalter oder einen Wendepunkt. Oder sie erzählen einfach eine spannende Geschichte, die sich historisch mehr oder weniger genau einordnen läßt. Mal sind sie realistisch gehalten, mal klingt der Text wie mündlich überlieferte Märchen und Sagen. Die Form des Ganzen ähnelt der von Ray Bradburys Mars-Chroniken... Das Gedankenspiel um Spera ist eine feine Gelegenheit für Utopiker, einmal tabula rasa zu machen... man kann von Null anfangen und nun alles richtig machen.“

Gundula Sell über Spera: Das Science Fiction Jahr 2005, hrsg. von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke, Wilhelm Heyne Verlag München 2005, ISBN 3-453-52068-8, S. 1021f.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1995: Kurd-Laßwitz-Preis "Beste Kurzgeschichte" für Leichter als Vakuum (gemeinsam mit Angela Steinmüller und Erik Simon unter dem Pseudonym „Simon Zwystein“)
  • 2001: Deutscher Fantasy-Preis für die Verbreitung der phantastischen Literatur in zwei verschiedenen Gesellschaftssystemen sowie ihre Zukunftsperspektiven (gemeinsam mit Angela Steinmüller)
  • 2004: Kurd-Laßwitz-Preis „Beste Kurzgeschichte“ für Vor der Zeitreise (gemeinsam mit Angela Steinmüller)

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane und Erzählungen
  • mit Angela Steinmüller: Andymon. Eine Weltraum-Utopie. Neues Leben, Berlin 1982. Zugleich: Union-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-8139-5611-3. Überarbeitete Neuausgabe: Argument-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-88619-342-X. Auch als: Werke in Einzelausgaben #2.
  • mit Angela Steinmüller: Korallen des Alls : Wissenschaftlich-phantastiscche Erzählung. Das neue Abenteuer #447. Neues Leben, Berlin 1984.
  • mit Angela Steinmüller: Pulaster. Roman eines Planeten. Neues Leben, Berlin 1986, ISBN 3-355-00160-0. Auch: Phantastische Bibliothek #204. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-37990-9.
  • mit Angela Steinmüller: Der Traummeister. Das neue Berlin, Berlin 1990, ISBN 3-360-00174-5. Auch: Heyne SF&F #4881, 1992, ISBN 3-453-05412-1. Auch als: Werke in Einzelausgaben #4.
  • mit Angela Steinmüller: Spera : Ein phantastischer Roman in Erzählungen. Golkonda, München 2004, ISBN 3-946503-71-3. Auch als: Werke in Einzelausgaben #3.
  • mit Erik Simon und Angela Steinmüller: Die Wurmloch-Odyssee. Eine Weltraum-Operette. Shayol, Berlin 2014, ISBN 978-3-943279-21-4. Neuausgabe: Memoranda, München 2017, ISBN 978-3-946503-16-3.
Sammlungen
  • Der letzte Tag auf der Venus. Kompass-Bücherei #247. Neues Leben, Berlin 1979. Leicht überarbeitet als Die letzten Tage auf der Venus. Neues Leben, Berlin 1991, ISBN 3-355-01231-9.
  • mit Angela Steinmüller: Windschiefe Geraden. Das Neue Berlin, Berlin 1984.
  • mit Angela Steinmüller: Der Traum vom großen roten Fleck. Phantastische Bibliothek #147. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-37631-4.
  • mit Angela Steinmüller: Warmzeit : Geschichten aus dem 21. Jahrhundert. Werke in Einzelausgaben #1. Shayol, Berlin 2003, ISBN 3-926126-30-2.
  • mit Angela Steinmüller: Computerdämmerung : Phantastische Erzählungen. Werke in Einzelausgaben #6. Shayol, Berlin 2010, ISBN 978-3-926126-93-1.
  • mit Erik Simon und Angela Steinmüller: Leichter als Vakuum. Phantastische Geschichten. Memoranda, München 2017, ISBN 978-3-946503-17-0.
Sachliteratur
  • Die Maschinentheorie des Lebens : Philosophische Probleme des biologischen Mechanizismus. Dissertation Humboldt-Universität Berlin 1977.
  • mit Angela Steinmüller: Charles Darwin. Vom Käfersammler zum Naturforscher. Neues Leben, Berlin 1985. Überarbeitet als: Darwins Welt. Aus dem Leben eines unfreiwilligen Revolutionärs. Oekom-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-86581-124-0.
  • mit Angela Steinmüller: Das Zukunftsbild der utopischen Literatur der DDR in den fünfziger und sechziger Jahren. Sekretariat für Zukunftsforschung, Gelsenkirchen 1994, ISBN 3-928635-08-5.
  • mit Angela Steinmüller: Vorgriff auf das Lichte Morgen. Studien zur DDR-Science-Fiction. Erster Deutscher Fantasy-Club, Passau 1995, ISBN 3-924443-85-8.
  • Gestaltbare Zukünfte : Zukunftsforschung und Science-Fiction. Sekretariat für Zukunftsforschung, Gelsenkirchen 1995, ISBN 3-928635-12-3.
  • Grundlagen und Methoden der Zukunftsforschung : Szenarien, Delphi, Technikvorausschau. Sekretariat für Zukunftsforschung, Gelsenkirchen 1997, ISBN 3-928635-21-2.
  • mit Angela Steinmüller: Visionen 1900 – 2000 – 2100 : Eine Chronik der Zukunft. Rogner und Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg 1999, ISBN 3-8077-0198-2.
  • Zukunftsforschung in Europa. Ergebnisse und Perspektiven. 2000.
  • mit Angela Steinmüller: Ungezähmte Zukunft. Wild Cards und die Grenzen der Berechenbarkeit. Gerling-Akademie-Verlag, München 2003, ISBN 3-932425-53-7. Überarbeitet als: Wild Cards. Wenn das Unwahrscheinliche eintritt. Murmann, Hamburg 2004, ISBN 3-938017-12-0.
  • mit Angela Steinmüller: Die Zukunft der Technologien. Murmann, Hamburg 2006, ISBN 3-938017-46-5.
  • mit Robert Gaßner: Welche Zukunft wollen wir haben? : Visionen, wie Forschung und Technik unser Leben verändern sollen : Zwölf Szenarios und ein Methodenexkurs. Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin 2009, ISBN 978-3-941374-04-1.
  • mit Klaus Burmeister, Alexander Fink, Beate Schulz-Montag: Deutschland neu denken : acht Szenarien für unsere Zukunft. oekom, München 2018, ISBN 978-3-96238-018-2.
als Herausgeber
  • Wirklichkeitsmaschinen : Cyberspace und die Folgen. ZukunftsStudien #11. Beltz, Weinheim & Basel 1993, ISBN 3-407-85311-4.
  • Die Zukunft der Zukunft : Kongreß-Dokumentation. Sekretariat für Zukunftsforschung, Gelsenkirchen 1993, ISBN 3-928635-06-9.
  • mit Peter Schattschneider: Science Fiction – Werkzeug oder Sensor einer technisierten Welt? : Vortragsreihe. Erster Deutscher Fantasy-Club, Passau 1995, ISBN 3-924443-78-5.
  • Zukunftsforschung in Europa : Ergebnisse und Perspektiven. Nomos-Verlags-Gesellschaft, Baden-Baden 2000, ISBN 3-7890-6766-0.
Werkausgabe

Die Werke in Einzelausgaben von Karlheinz und Angela Steinmüller erschienen ab 2003 im Shayol-Verlag, Berlin. In den Bänden 1, 3 und 6 sind einige wenige Texte nur einem der beiden Autoren zugeordnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Draut: Zwiespältige Zukunftsvisionen. Das Autorenpaar Steinmüller und die ostdeutsche utopische Science Fiction. Tectum, Marburg, 2014. ISBN 978-3-8288-3337-1.
  • Helmut Fickelscherer: SF-Schriftsteller nach der Wende. Ein Interview mit Angela und Karlheinz Steinmüller. In: Berliner Lesezeichen. 4, Heft 7, 1996, ISSN 0945-0106, S. 5–12.
  • Hubert Heinzl: Pulaster. In: Das Science Fiction Jahr 1989 (Bd. 4), herausgegeben von Wolfgang Jeschke. Wilhelm Heyne Verlag, München 1988, ISBN 3-453-03139-3, S. 584–587.
  • Karsten Kruschel: Steinmüller, Angela und Karlheinz. In: Lexikon der Science Fiction-Literatur seit 1900. Mit einem Blick auf Osteuropa. Herausgegeben von Christoph F. Lorenz. Peter Lang, Frankfurt/Main 2016, ISBN 978-3-63167-236-5, S. 543–550.
  • Franz Rottensteiner: Karlheinz Steinmüller. In: Killy Literaturlexikon, Band 11 (Si-Vi). Walter De Gruyter, 2011, ISBN 9783110220414, S. 231–232 (Auszug (Google))
  • Gundula Sell: Computerdämmerung. In: Das Science Fiction Jahr 2011. Herausgegeben von Sascha Mamczak, Wolfgang Jeschke und Sebastian Pirling. Heyne, München 2011, S. 1104–1107. ISBN 978-3-453-53379-0
  • Erik Simon: Angela Steinmüller, Karlheinz Steinmüller. In: Erik Simon, Olaf R. Spittel (Hrsg.): Die Science-fiction der DDR. Autoren und Werke. Ein Lexikon. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1988, ISBN 3-360-00185-0, S. 243–251.
  • Ralf Steinberg: Leichter als Vakuum. In: Das Science Fiction Jahr 2017. Herausgegeben von Michael Görden. Golkonda Verlag, München 2017, ISBN 978-3-946503-10-1, S. 76–79.
  • Ralf Steinberg: Die Wurmloch-Odyssee. In: Das Science Fiction Jahr 2017. Herausgegeben von Michael Görden. Golkonda Verlag, München 2017, ISBN 978-3-946503-10-1, S. 72–76.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]