Karlsruher Nuklidkarte

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Die Karlsruher Nuklidkarte ist eine weitverbreitete Nuklidkarte in gedruckter Form.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine zweidimensionale graphische Darstellung in der Segrè-Anordnung mit der Neutronenzahl N auf der Abszisse und der Protonenzahl Z auf der Ordinate. Jedes Nuklid wird am Schnittpunkt seiner jeweiligen Neutronen- und Protonenzahl durch ein kleines quadratisches Feld mit eingetragenem Elementsymbol und Nukleonenzahl repräsentiert, durch spaltenartige Unterteilung eines solchen Feldes können neben dem Grundzustand auch Kernisomere dargestellt werden. Die – erforderlichenfalls segmentierte – Farbgebung eines Feldes zeigt zusätzlich zu den vorhandenen Texteinträgen die beobachteten radioaktiven Zerfallsarten des Nuklids und eine grobe Einstufung ihrer relativen Anteile an: stabile, nicht radioaktive Nuklide komplett schwarz, primordiale Radionuklide partiell schwarz, Protonenemission orange, Alphazerfall gelb, Beta-Plus-Zerfall/Elektroneneinfang rot, Isomerieübergang (Gammazerfall, Innere Konversion) weiß, Beta-Minus-Zerfall blau, Spontanspaltung grün, Clusteremission violett, Neutronenemission hellblau. Die Nuklidfelder enthalten bei jedem Radionuklid – soweit bekannt – Angaben zu seiner Halbwertszeit und wesentlichen Energien der emittierten Strahlung, bei den stabilen Nukliden und den primordialen Radionukliden Angaben zum Anteil im natürlichen Isotopengemisch des zugehörigen chemischen Elementes. Des Weiteren finden sich bei vielen Nukliden Wirkungsquerschnitte für Kernreaktionen mit thermischen Neutronen, in der Regel für die (n, γ)-Reaktion (Neutroneneinfangquerschnitte), teilweise auch Spaltquerschnitte für die induzierte Kernspaltung und Wirkungsquerschnitte für die (n, α)-Reaktion bzw. (n, p)-Reaktion. Für die chemischen Elemente werden über deren Isotopenzusammensetzung gemittelte Wirkungsquerschnitte und relative Atommassen angegeben (letztere teilweise als Intervall, um die Variabilität der Zusammensetzung des natürlichen Isotopengemischs des Elementes widerzuspiegeln). Für die Kernspaltung von 235U bzw. 239Pu mit thermischen Neutronen werden prozentuale Isobarenausbeuten der Spaltfragmente aufgeführt.[1]

Historie, Auflagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste gedruckte Ausgabe der Karlsruher Nuklidkarte von 1958 in Form einer Wandkarte wurde von Walter Seelmann-Eggebert und seiner Mitarbeiterin Gerda Pfennig erarbeitet. Walter Seelmann-Eggebert war Direktor des Instituts für Radiochemie der 1956 gegründeten Kernreaktor Bau- und Betriebsgesellschaft mbH in Karlsruhe, einer Vorläuferinstitution des späteren (Kern-)Forschungszentrums Karlsruhe, und Lehrstuhlinhaber für Radiochemie an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Im Institut wurden „radiochemische Isotopenkurse“ angeboten, und im Rahmen dieser Lehrtätigkeit entstand die Karlsruher Nuklidkarte, welche die wesentlichen Eigenschaften der damals bekannten Nuklide in übersichtlicher Form darstellen sollte.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Karlsruher Nuklidkarte mehrfach aufgelegt und überarbeitet. Neben weiteren Mitautoren waren hierbei Seelmann-Eggebert († 1988) bis zur 5. Auflage 1981 und Pfennig († 2017) bis zur 9. Auflage 2015 beteiligt. 2006 ging das Management der Karlsruher Nuklidkarte vom Forschungszentrum Karlsruhe auf das Institut für Transurane (ITU) der Gemeinsamen Forschungsstelle (Joint Research Centre – JRC) der Europäischen Kommission über, 2012 dann auf die Nucleonica GmbH, ein Spin-off des JRC-ITU.

Die folgende Übersichtstabelle[1][2] zu den einzelnen Auflagen der Karlsruher Nuklidkarte bringt auch den wissenschaftlichen Fortschritt auf dem Gebiet der Entdeckung/Erforschung der Nuklide und neuer chemischer Elemente zum Ausdruck.

Auflage Jahr Anzahl verzeichneter
chemischer Elemente
Anzahl verzeichneter Nuklide
gesamt Grundzustände Kernisomere
1. 1958 102 ca. 1520 ca. 1300 ca. 220
2. 1961 103 ca. 1590? ? ?
3. 1968 105 ? ca. 1600? ?
4. 1974 105? ? ca. 1900? ?
5. 1981 107 ? 2224? ?
6. 1995
1998 (Rev. 1)
111
112
?
3361?
ca. 2690?
?
?
?
7. 2006 117 3654 2962 692
8. 2012 118 3847 3128? 719?
9. 2015 118 3992 3248 744
10. 2018 118 4039? 3285? 754?

? = Quellenangaben inkonsistent bzw. explizite/implizite Zahlenangaben fehlend bzw. Inklusion von Kernisomeren bei Zahlenangaben unklar.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karlsruher Nuklidkarte wird vor allem als Faltkarte (Format DIN A4) oder als Wandkarte (Format 0,96 m × 1,40 m) vertrieben.[1][2] Daneben gibt es noch größere Formate als Rollkarte, Auditoriumskarte und „Teppich“.[2] Seit 2014 wird über das nuklearwissenschaftliche Onlineportal www.nucleonica.com auch eine internetbasierte Version „Karlsruhe Nuclide Chart Online (KNCO)“ mit regelmäßigen Updates angeboten.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c J. Magill, R. Dreher, Zs. Sóti: Karlsruher Nuklidkarte. 10. Auflage. Nucleonica GmbH, Karlsruhe 2018, ISBN 978-3-943868-51-7 (Wandkarte) bzw. ISBN 978-3-943868-54-8 (Faltkarte), ISBN 978-3-943868-50-0 (Begleitbroschüre).
  2. a b c Category:KNC. Hauptseite der Karlsruher Nuklidkarte im Nucleonica-Wiki, mit Unterseiten. Nucleonica GmbH, abgerufen am 26. Februar 2018 (englisch).
  3. Help:Karlsruhe Nuclide Chart Online, KNCO++. Beschreibungsseite der Online-Version der Karlsruher Nuklidkarte im Nucleonica-Wiki. Nucleonica GmbH, abgerufen am 26. Februar 2018 (englisch).