Karmenu Vella

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Karmenu Vella 2007

Karmenu Vella (* 19. Juni 1950) ist ein maltesischer Politiker der Malta Labour Party (MLP). Er war Vorstandsvorsitzender der Corinthia Hotel International. Seit 13. März 2013 war Vella Tourismusminister im Kabinett von Joseph Muscat.[1] Seit 2014 ist er Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei in der EU-Kommission unter Jean Claude Juncker.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch studierte er Agraringenieurwissenschaften sowie Bauingenieurwesen. Im Anschluss war er zunächst als Bauingenieur und dann als Architekt tätig. Darüber hinaus war er zeitweise Sekretär für Dienstleistungen des Gewerkschaftsbundes (General Workers Union).[2]

Seine politische Laufbahn begann er als Kandidat der Malta Labour Party (MLP) bei den Wahlen von 1976 als er zum Abgeordneten gewählt und bei den nachfolgenden Wahlen von 1981, 1987, 1992, 1996, 1998[3] sowie 2003 jeweils wiedergewählt wurde. Während dieser Zeit vertrat er die Interessen des Wahlkreises 5.

In jenen Jahren war er zeitweise auch Minister für öffentliche Arbeiten sowie Industrieminister in den von der MLP geführten Regierungen. Zuletzt war Vella von Oktober 1996 bis September 1998 Tourismusminister im Kabinett von Premierminister Alfred Sant.[4] In der Opposition war er als tourismuspolitischer Sprecher Mitglied des „Schattenkabinetts“ der MLP.[5]

Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde er zunächst stellvertretender Vorstandsvorsitzender und dann Vorstandsvorsitzender (Chairman) der Corinthia Hotel International Hotel Management and Operating Company.

Unmittelbar vor den Wahlen 2008 warf Jeffrey Pullicino Orlando, ein Abgeordneter der konservativen Nationalist Party Vella sowie einem anderen ehemaligen MLP-Minister vor, Einkommen nicht versteuert zu haben.[6][7] Vella selbst wurde bei den Wahlen am 8. März 2008 dennoch erneut als MLP-Kandidat im Wahlkreis 5 ins Parlament gewählt.[8] Als Abgeordneter gehört er dem Wahlausschuss (Select Committee) an.[9]

Seit 2014 ist Karmenu Vella als Kommissar für Umwelt, Maritime Angelegenheiten und Fischerei ein Mitglied der Europäischen Kommission. Bei der Vergabe der Fangquoten für das Jahr 2015 war er in dieser Position federführend für die Abkehr der durch Nachhaltigkeit geprägten Politik seiner Vorgängerin[10] Maria Damanaki, hin zu einer unnachhaltigen Fischereipolitik.

Vella gab 2015 einen umfangreichen „Fitness-Check“ der EU-Naturschutzrichtlinien Natura 2000 in Auftrag. Die Studie bestätigte, dass nicht EU-Recht, sondern die mangelhafte Umsetzung vor Ort und die EU-Agrarpolitik das Hauptproblem für den Artenschwund sind. Vogelarten der intensiv genutzten Agrarlandschaft nehmen weiter drastisch ab, während sich die Bestände vieler in Natura-2000-Gebieten geschützter Arten erholen. Vella hatte sich bei Plenardebatte im Europäischen Parlament trotz mehrfacher Aufforderung der Abgeordneten nicht eindeutig für die Erhaltung der Richtlinien ausgesprochen.[11]

Im Dezember 2016 entschied die Kommission, die Naturschutzrichtlinie Natura 2000 weiterzuführen.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "The new Cabinet", TIMES OF MALTA 13. März 2013
  2. "Port workers demand payment", TIMES OF MALTA 28. März 2009
  3. Wahlergebnisse 1998 Wahlkreis 5
  4. ABOUT MALTA – FACTS & FIGURES
  5. "Reflections and warnings on tourism", THE MALTA FINANCIAL & BUSINESS TIMES 29. August 2001
  6. "Pullicino Orlando reveals undeclared earnings Labour’s Karmenu Vella and Charles Mangion", MALTA TODAY 2. März 2008
  7. "A scandal for a scandal", THE MALTA INDEPENDENT 2. März 2008
  8. "More PN, MLP candidates elected", MALTA MEDIA 10. März 2008
  9. Kamra tad-Deputati (Malta) - Select Committee
  10. "Nachhaltigkeit geht über Bord", Bürger-Portal Wilhelmshaven
  11. EU-Parlament stimmt für den Erhalt der Naturschutzrichtlinien - NABU. In: NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V. Abgerufen am 7. Dezember 2016.