Karmin

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Strukturformel
Carminsäure
Strukturformel der Karminsäure
Allgemeines
Name Karmin
Andere Namen
  • Karminrot
  • Echtes Karmin
  • E 120
  • C.I. Natural Red 4
  • C.I. 75470
Summenformel C22H20O13
Kurzbeschreibung

dunkelroter geruchloser Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 1390-65-4
EG-Nummer 215-724-4
ECHA-InfoCard 100.014.295
PubChem 14950
Wikidata Q320617
Eigenschaften
Molare Masse 492,39 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Löslichkeit

fast unlöslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Karmin (echtes Karmin, Cochenille, Koschenille) ist ein aus Cochenilleschildläusen gewonnener roter Farbstoff, dessen Hauptbestandteil die Karminsäure ist.

Der Farbstoff ist verwandt mit Kermes (unechtes Karmin), das aus Schildläusen aus dem Mittelmeerraum gewonnen wird, dem Lac Dye aus der indischen Lackschildlaus, der Polnischen Cochenille (auch Wurzelkermes oder Johannisblut) aus der Polnischen Karminschildlaus Porphyrophora polonica und der Armenischen Cochenille aus der Schildlaus Porphyrophora hameli.[2] Mitunter wird der Begriff Karmin für alle aus Schildläusen gewonnenen Farbstoffe verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cochenilleschildläuse

In Mittel- und Südamerika wurde der Farbstoff aus Cochenilleschildläusen (Dactylopius coccus Costa) hergestellt, die auf Feigenkakteen (Opuntien) leben. Die Technik der Farbherstellung wurde in den Bergen von Peru, Bolivien und Ecuador bereits vor der Ankunft der Europäer praktiziert und war dort und in Mexiko mindestens seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Cochenille wurde zum Färben von rituellen und zeremoniellen herrschaftlichen Textilien in Peru und Mexiko verwandt und als Tributzahlung in mittelalterlichen lateinamerikanischen Kulturen verwendet.[3]

Nach der Entdeckung Amerikas verbreitete sich das echte Karmin auch in Europa und verdrängte weitestgehend den Kermes. Die Europäer führten Cochenilleschildläuse an verschiedenen Orten der Alten Welt zur Produktion ein, unter anderem im Jahr 1826 erstmals auf den Kanarischen Inseln.[4] Auf La Palma wurde bis ins zwanzigste Jahrhundert in kleinem Umfang Cochenille gewonnen. Mit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Bedeutung von Karmin stark gesunken.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Farbstoff wird aus trächtigen weiblichen Schildläusen gewonnen. Zur Gewinnung der Farbe werden die Läuse mit Essig gewaschen und getrocknet, dann werden sie in Wasser unter Zusatz von etwas Schwefelsäure ausgekocht. Zur Verlackung als Aluminium- oder Calcium-Salz wird die Karminsäure anschließend unter Anwendung von Alaun und etwas Kalk ausgefällt, ausgewaschen und getrocknet. Nach der Verkollerung kann das Karmin als Pigment verwendet werden.

Ein Kilogramm getrocknete Cochenilleschildläuse ergeben ca. 50 Gramm Karmin.[5] Dafür benötigt man etwa 60.000 bis 100.000 Cochenilleschildläuse.[6] Die europäischen Schildlausarten enthalten etwa 10-mal weniger Farbstoff. Während der Farbstoff aus der Cochenilleschildlaus, wie auch aus der Armenischen Schildlaus, zu über 94 % Karminsäure enthält, besteht der Farbstoff aus der Polnischen Schildlaus nur zu 62–88 % aus Karminsäure. Der Farbstoff aus der Kermes-Schildlaus besteht überwiegend aus Kermessäure.[7][8][9][10][11]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karmin im Farbkreis mit Bezeichnungen nach dem Farbtonkreis von Müller. Hier sind die Farben in die Normfarbtafel der CIE, unter Beleuchtung mit Normlicht der Art C eingebaut.
Karmin
Farbcode: #960018

Karmin ist ein – vergleichsweise hochwertiger – Ersatz für den Purpur der Schnecken und ergibt scharlach- bis karminrote oder purpurrote Farbtöne.

Der Farbstoff wird zum Färben von Textilien und bei kosmetischen Artikeln, beispielsweise Lippenstiften, sowie für Malerfarben eingesetzt. Cochenille ist als Lebensmittelfarbstoff E 120 zugelassen und wird in farbigen Getränken und Süßigkeiten verwendet.[12] So erhielt früher auch Campari seine rote Farbe von den Cochenille-Läusen. Ein preisgünstiges Surrogat ist Cochenillerot A, ein unter E 124 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassener Azofarbstoff.

Als Malerfarbe ist Karmin nur wenig lichtbeständig. Es wurde häufig als Aquarellfarbe eingesetzt oder aber auch für Lasuren.

Karminessigsäure eignet sich zum Fixieren und gleichzeitigem Anfärben von Chromosomen (diese werden dunkel schwarzrot) in der Mikroskopie (für genetische Untersuchungen).

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Einatmen kann echtes Karmin als Aeroallergen Asthma auslösen.[13] Auch bei oraler Einnahme wurden allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie beschrieben, wobei IgE-Antikörper per RAST und Immunoblot nachgewiesen wurden.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karminrot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Die Cochenille – Quellen und Volltexte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amy Butler Greenfield: A Perfect Red: Empire, Espionage and the Quest for the Colour of Desire. HarperCollins Publisher, New York 2004, ISBN 0-06-052275-5 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Datenblatt Carmin (C.I. 75470) (PDF) bei Carl Roth, abgerufen am 21. November 2017.
  2. Mark C. Whiting: Die Farbstoffe in frühen Orientteppichen. In: Gesellschaft Deutscher Chemiker (Hrsg.): Chemie in unserer Zeit. 15. Jahrgang, Nr. 6. Verlag Chemie GmbH, Weinheim 1981, S. 179–189.
  3. Elena Phipps: Cochineal Red: The Art History of a Color. The Metropolitan Museum of Art, New York 2010, ISBN 978-1-58839-361-6, S. 8–12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. H. Honegger: Einführung und Cultur der Cochenille auf den kanarischen Inseln. In: Der Zoologische Garten. 20, 1879, archive.org.
  5. Eintrag zu Karmin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 15. Juni 2016.
  6. Willy Kükenthal, Hans Strümpel: Handbuch der Zoologie. Band 4, De Gruyter, 1983, ISBN 3-11-008856-8, S. 81.
  7. Ingo Klöckl: Chemie der Farbmittel: In der Malerei. Walter De Gruyter GmbH, Berlin, München, Boston 2015, ISBN 978-3-11-037451-3, S. 293 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Ch. Watt, J. Watt Jr.: The Chemist: Or, Reporter of Chemical Discoveries and Improvements, and Protector of the Rights of the Chemist and Chemical Manufacturer. R. Hastings, London 1840, S. 209–210 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Major Colourants and Dyestuff: Cochineal and Carmine auf fao.org, abgerufen am 17. Juli 2018.
  10. Janet Best: Colour Design. Elsevier, 2017, ISBN 978-0-08-101270-3, S. 562.
  11. HALI: The International Journal of Oriental Carpets and Textiles. Ausgaben 111–113, Oguz Press, 2000, S. 61.
  12. ZZulV: Anlage 1 (zu § 3 Abs. 1 und § 7) Zusatzstoffe, die zum Färben von Lebensmitteln oder zum Erzielen von Farbeffekten bei Lebensmitteln zugelassen sind.
  13. A. I. Tabar, S. Acero, C. Arregui, M. Urdánoz, S. Quirce: Asthma and allergy due to carmine dye. In: Anales del sistema sanitario de Navarra. Band 26, Suppl. 2, 2003, S. 65–73, ISSN 1137-6627, PMID 13679965.
  14. Lothar Jäger, Brunello Wüthrich, Barbara Ballmer-Weber, Stefan Vieths (Hrsg.): Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen: Immunologie – Diagnostik – Therapie – Prophylaxe. 3. Auflage, Elsevier, Urban & Fischer, 2008, ISBN 978-3-437-21362-5, S. 224.
Farb-Check-RGB.svg

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