Karmin

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Karmin (Begriffsklärung) aufgeführt.
Strukturformel
Carminsäure
Strukturformel der Karminsäure – Karmin ist ein Gemisch von Calzium- und Aluminium-Salzen der Karminsäure
Allgemeines
Name Karmin
Andere Namen
  • Karminrot
  • Echtes Karmin
  • E 120
  • C.I. 75470
Summenformel variabel
CAS-Nummer 1390-65-4
PubChem 14950
Kurzbeschreibung

roter geruchloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 492,3930 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Löslichkeit

fast unlöslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Karmin ist ein organischer roter Farbstoff. Es handelt sich um Calcium- und Aluminiumsalze der Karminsäure. Der Begriff wird von dem ursprünglich persischen Wort kermes für Scharlachbeere abgeleitet. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Karmoisin, Karmesin, Cochenille (Koschenille). Für den Farblack finden sich außerdem Bezeichnungen wie Florentiner Lack, Kugellack, Münchner Lack, Pariser Lack oder Wiener Lack. Der mit diesem Farbstoff erzielte Farbton wird auch als Scharlachrot bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cochenilleschildläuse

In Europa wurde die Farbstoffmischung unter dem Namen Kermes aus den weiblichen Kermes-Schildläusen (Kermes vermilio Planchon) gewonnen, die auf den Zweigen von immergrünen Eichen, wie der Kermeseiche (Quercus coccifera L.), leben. Ihre Verbreitung erstreckt sich über die Küsten des Mittelmeerraums. Eine Nutzung ist seit der frühen Eisenzeit (Hallstattkultur) belegt, zum Beispiel aus dem Fürstengrab von Hochdorf. In der Antike stellten sie ein wichtiges Handelsgut der Phönizier dar. Mit Kermes gefärbte Kleidung findet im Alten Testament mehrmals Erwähnung (hebräisch tola'at shani „der schimmernde Wurm“).[2] Kermes wurde außerdem aus der polnischen Kermeslaus (Porphyrophora polonica L.) hergestellt, deren Farbstoff manchmal „Johannisblut“ genannt wird. Farbstoff aus der polnischen Kermeslaus ist an Textilien aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. in Südsibirien und Pasyryk (vgl. Pasyryk-Teppich) nachgewiesen. Im Nahen Osten und Zentralasien wurde die armenische Kermeslaus (Porphyrophora hamelii Brandt) zum Färben benutzt. Sie wird seit mindestens 714 v. Chr. verwendet, als die Assyrer Urartu einnahmen. Armenische Klöster nutzten diesen Farbstoff im Mittelalter als Pigment für Buchmalereien.[2]

Nach der Entdeckung Amerikas verbreitete sich auch in Europa der strahlende Farbstoff, der aus den in Mittel- und Südamerika auf der Feigenkaktee (Opuntien) lebenden Cochenilleschildläusen (Dactylopius coccus Costa) hergestellt wurde. Die Technik der Farbherstellung wurde in den Bergen von Peru, Bolivien und Ecuador bereits vor der Ankunft der Europäer praktiziert und war dort und in Mexiko mindestens seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Cochenille wurde zum Färben von rituellen und zeremoniellen herrschaftlichen Textilien in Peru und Mexiko verwandt und als Tributzahlung in mittelalterlichen lateinamerikanischen Kulturen verwendet.[2] Die Europäer führten Cochenilleschildläuse an verschiedenen Orten der Alten Welt zur Produktion ein, unter anderem im Jahr 1826 erstmals auf den Kanarischen Inseln.[3] Auf La Palma wurde bis ins zwanzigste Jahrhundert in kleinem Umfang Cochenille geerntet.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Farbstoff wird aus weiblichen Schildläusen gewonnen. Für ein Kilogramm sind über 100.000 Schildläuse nötig. Zur Gewinnung der Farbe werden die Läuse getrocknet und in Wasser unter Zusatz von etwas Schwefelsäure ausgekocht. Das Karmesin wird dann unter Anwendung von Alaun und etwas Kalk ausgefällt, ausgewaschen und getrocknet. Durch die Verkollerung ist es dann möglich, Karmin auch als Pigment zu verwenden (Farblacke). Heute wird an Stelle von Karmin meist ein synthetischer Farbstoff verwendet.

Ein Kilogramm Cochenille ergibt ca. 50 Gramm Karmin.[4] Die getrockneten Schildläuse enthalten etwa 14 % Karmin.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karmin im Farbkreis mit Bezeichnungen nach dem Farbtonkreis von Müller. Hier sind die Farben in die Normfarbtafel der CIE, unter Beleuchtung mit Normlicht der Art C eingebaut.
Karmin
Farbcode: #960018

Karmin ist ein – vergleichsweise hochwertiger – Ersatz für den Purpur der Schnecken und ergibt scharlach- bis karminrote oder purpurrote Farbtöne.

Karmin wurde zum Färben von Stoffen und Schminken sowie für Malerfarben eingesetzt. Mit dem Hinweis, Lippenstifte seien aus Läuseblut gemacht, wurde gern versucht, junge Mädchen von deren Gebrauch abzuschrecken. Neben Lippenstiften erhielt früher auch Campari seine rote Farbe von den Cochenille-Läusen.

Als Malerfarbe ist Karmin nur wenig lichtbeständig. Es wurde häufig als Aquarellfarbe eingesetzt oder aber auch für Lasuren.

Seit der Entwicklung synthetischer Farbstoffe ist die Bedeutung von Cochenille und Karmin stark gesunken. Cochenille ist als Lebensmittelfarbstoff E 120 zugelassen und kann in farbigen Getränken und Süßigkeiten Verwendung finden.[5]

Ein preisgünstiges Surrogat ist Cochenillerot A, ein nicht unumstrittener, unter E 124 registrierter Azofarbstoff, der zur Lebensmittel- und Kosmetikfärbung zugelassen ist.

Karminessigsäure eignet sich zum Fixieren und gleichzeitigem Anfärben von Chromosomen (diese werden dunkel schwarzrot) in der Mikroskopie (für genetische Untersuchungen).

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Einatmen kann echtes Karmin als Aeroallergen Asthma auslösen.[6] Auch bei oraler Einnahme wurden allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie beschrieben, wobei IgE-Antikörper per RAST und Immunoblot nachgewiesen wurden.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karminrot – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Die Cochenille – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Datenblatt Carmin (C.I. 75470) (PDF) bei Carl Roth, abgerufen am 29. August 2010.
  2. a b c Elena Phipps: Cochineal Red: The Art History of a Color. The Metropolitan Museum of Art, New York 2010, ISBN 978-1-58839-361-6, S. 8–12 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. H. Honegger: Einführung und Cultur der Cochenille auf den kanarischen Inseln. In: Der Zoologische Garten. 20, 1879, archive.org.
  4. Eintrag zu Karmin. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 15. Juni 2016.
  5. ZZulV: Anlage 1 (zu § 3 Abs. 1 und § 7) Zusatzstoffe, die zum Färben von Lebensmitteln oder zum Erzielen von Farbeffekten bei Lebensmitteln zugelassen sind.
  6. A. I. Tabar, S. Acero, C. Arregui, M. Urdánoz, S. Quirce: Asthma and allergy due to carmine dye. In: Anales del sistema sanitario de Navarra. Band 26, Suppl 2, 2003, S. 65–73, ISSN 1137-6627, PMID 13679965.
  7. Lothar Jäger, Brunello Wüthrich, Barbara Ballmer-Weber, Stefan Vieths (Hrsg.): Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen: Immunologie – Diagnostik – Therapie – Prophylaxe. 3. Auflage, Elsevier, Urban & Fischer, 2008, ISBN 978-3-437-21362-5, S. 224.
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