Karpacz

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Karpacz
Wappen von Karpacz
Karpacz (Polen)
Karpacz
Karpacz
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Jelenia Góra
Fläche: 37,96 km²
Geographische Lage: 50° 47′ N, 15° 45′ OKoordinaten: 50° 46′ 42″ N, 15° 45′ 26″ O
Höhe: 480 m n.p.m
Einwohner: 4888
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 58-540 bis 58-550
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DJE
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 4888
(30. Jun. 2015)[1]
Gemeindenummer (GUS): 0206011
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Radosław Jęcek
Adresse: ul. Konstytucji 3 Maja 54
58-540 Karpacz
Webpräsenz: www.karpacz.pl



Ehemaliger Bahnhof, dient als Zentrum für Kultur und Tourismus. Außerdem beherbergt er ein Spielzeug-Museum.

Karpacz [ˈkarpaʧ] (deutsch Krummhübel) ist eine Stadt im südwestlichen Polen. Sie liegt im Powiat Jeleniogórski der Woiwodschaft Niederschlesien. Ihre Lage macht sie neben Szklarska Poręba (Schreiberhau) zum wichtigsten Zentrum des Tourismus im polnischen Teil des Riesengebirges. Karpacz gehört der Euroregion Neiße an.

Die Stadt ist Ausgangsbasis für Wanderungen in alle Teile des Riesengebirges, bietet Möglichkeiten für Wintersport und verfügt über ca. 8500 Gästebetten.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karpacz liegt offiziell zwischen 480–885 m n.p.m. Höhe, die Stadtmitte befindet sich auf 630 m n.p.m. Höhe. Unmittelbar südlich von Karpacz, an der Grenze zu Tschechien, erhebt sich die Schneekoppe (1602 m n.m.), der höchste Berg des Riesengebirges.

Nördlich und westlich der Stadt schließen sich die Vorberge des Riesengebirges an, die Höhen von 700 bis 900 m erreichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ende des 16. Jahrhunderts bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krummhübel wurde erstmals 1599 als Blei- und Eisenmine für den Bergbau erwähnt.

Krummhübel um 1900

Nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz der am 6. Juni 1895 eröffneten und 1934 elektrifizierten Strecke der Riesengebirgsbahn GmbH wurden verschiedene metallverarbeitende Industriebetriebe eingerichtet. Außerdem stieg die Bedeutung des Fremdenverkehrs, der naturgemäß während des Ersten als auch während des Zweiten Weltkriegs fast zum Erliegen kam. Von 1910 bis 1915 wurde die Lomnitztalsperre bei Krummhübel erbaut. Seit den 1920er Jahren besaß die deutsche Schriftstellerin Else Ury ein Ferienhaus in Krummhübel. 1939 wurde es enteignet, weil Ury Jüdin war.

Tagung der NS-„Judenreferenten“ im April 1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. und 4. April 1944 fand in Krummhübel, einem kriegsbedingten Ausweichquartier des Auswärtigen Amtes (AA), eine „Arbeitstagung der Judenreferenten“ von zwölf europäischen diplomatischen Vertretungen des AA statt. Das Treffen wurde initiiert von der von Ribbentrop eingerichteten Informationsstelle Antijüdische Auslandsaktion und konkret vorgeschlagen von dem Verbindungsmann Ribbentrops zu Himmler, Horst Wagner.[2] Auf dieser Tagung verständigten sich die Teilnehmer auf eine Intensivierung der judenfeindlichen Propaganda in Europa. Franz Alfred Six forderte die „physische Beseitigung der Ostjuden“, wie der Judenreferent des AA Eberhard von Thadden protokollierte. Rudolf Schleier leitete die Sitzungen. Weitere bekannte Teilnehmer der Aktion waren Harald Leithe-Jasper, Adolf Mahr, Gustav Richter, Heinz Ballensiefen, Peter Klassen, Botschaft Paris, Hans-Otto Meissner, Rom, Hans Hagemeyer und Ernst Kutscher. Konkrete Einzelheiten über die Shoah, die während der Tagung mitgeteilt wurden, sollten ausdrücklich nicht ins Protokoll genommen werden.[3] Die Tagung sollte als Start für eine „Antijüdische Auslandsaktion“ (oder „Antijüdische Aktionsstelle“) dienen.[4]

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Potsdamer Abkommen sprach Schlesien und somit Karpacz dem polnischen Staat zu. Die deutschen Einwohner wurden, bis auf einzelne Familien, bis 1947 vertrieben. Da die Ortsbezeichnung Krummhübel kein Pendant in der polnischen Sprache besaß, hatte Karpacz in einer kurzen Phase drei Bezeichnungen: Krzywa Góra (freie Übersetzung des Begriffs Krummhübel), Drogosławice (mit dem Ziel, polnisch zu klingen, war aber nur am Bahnhof zu sehen) und letztendlich Karpacz, da viele neue Einwohner aus der Tatra oder den Beskiden (also Karpaten) zugezogen waren. Zwischen 1945 und 1989 wurde der frühere Stadtteil Brückenberg nach dem ersten kommunistischen Staatschef Bolesław Bierut "Bierutowice" (heute Karpacz Górny) genannt. Im Jahre 1960 erhielt Karpacz das Stadtrecht. Seit der Öffnung der Grenzen nach 1989 hat Karpacz als internationales Touristikzentrum an Bedeutung gewonnen.[5]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Wang um 1900
Kirche Wang Ende des 20. Jahrhunderts

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwähnenswert im Ort ist die Kirche Wang, eine aus Norwegen stammende Stabkirche im Ortsteil Brückenberg (seit 1945 Karpacz Górny). Sie besteht in allen Teilen aus Holz, nur der Turm ist gemauert. Sie wurde im 13. Jahrhundert in Norwegen erbaut und 1841 auf Initiative der Gräfin Friederike von Reden in Einzelteilen zerlegt nach Krummhübel transportiert und dort wieder aufgebaut.
  • Des Weiteren gibt es die Kirchen Herz Jesu (eingeweiht 1908) und die Jungfrau Maria (1910).
  • Die Kapelle St. Laurentius auf dem Schnee, die im 17. Jahrhundert erstmals erwähnt und im 19. Jahrhundert baulich erneuert worden war, schließt die Aufzählung der Kirchengebäude ab.

Nicht-Religiöse Bauten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der wichtigste Verwaltungsbau, das Rathaus von Karpacz, steht im Stadtzentrum und zeigt ein kirchenähnliches Aussehen. Das Basisgebäude ist im klassizistischen Stil gehalten, prägnant ist dagegen der hohe kupfergedeckte Turm mit einem neobarocken Aussehen.[6]

Brotbaude in Karpacz Górny

Ein ehemaliges Jagdschloss wird als Schule genutzt. Mehrere denkmalgeschützte Häuser im Stadtzentrum stammen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Brotbaude im gleichen Ortsteil von Karpacz wurde dadurch bekannt, dass Theodor Fontane während mehrerer Sommerurlaube hier logierte.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

POL Karpacz COA.svg

Das Wappen ist ein dreigeteiltes Schild. Im schwarzen Umrandungsfeld erscheint der Name des Ortes in silbernen Versalien. Im oberen Feld symbolisieren die Farben weiß, blau und rot die Berglandschaft, über die eine goldene Sonne ihre Strahlen breitet. Das linke untere Feld enthält drei stilisierte braune, mit gold umrandete Fichten auf grünem Grund. Das rechte untere Feld mit drei stilisierten Fischen auf blauem Grund verweist auf die früher hier betriebene Fischzucht.

Das gültige Wappen wurde im Jahr 2005 von der Stadtverwaltung beschlossen.

Da die Farbgebung nicht ganz den heraldischen Anforderungen entspricht, werden auch andere Wappen verwendet: Im oberen breiten Feld erscheint der Berg in blau und silber, über dem die Sonne aufsteigt, links unten sind drei goldene Fichten auf grünem Grund und daneben drei silberne Fische auf blauem Grund angeordnet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karpacz unterhält Städtepartnerschaften mit

Außerdem besteht eine Städtefreundschaft mit Oberwiesenthal in Sachsen.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riesengebirge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Idealer Ausgangspunkt für Ausflüge und Wanderungen in das Riesengebirge, das in einem großen Umfang als Nationalpark geschützt ist.

Wintersport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karpacz gehört zu den wichtigsten Wintersport- und Wandergebieten in Polen und ist auch bei ausländischen Besuchern sehr beliebt. Als Attraktionen für die Touristen gelten Rodelbahnen (traditionelle und eine witterungsunabhängige Alpine Coaster).

Legenden, Laienapotheker und eine angebliche Gravitationsanomalie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Legende nach soll der Riese und Berggeist Rübezahl hier gewohnt haben.

Krummhübel wurde durch die Literatur in: Die Laboranten von Krummhübel von Hans Reitzig verewigt. Krummhübel war der Hauptort der sogenannten Laboranten, Laienapotheker, die den dortigen Reichtum an Kräutern zur Herstellung von Arzneien nutzten und diese bis nach Polen und Russland vertrieben. Der letzte Laborant Ernst August Zölfel starb 1894. Diesem Thema widmete sich ebenfalls Theodor Fontane, der zahlreiche Sommer in Krummhübel verbrachte und sich von einem ungeklärten Mordfall an einem Krummhübeler Förster zu seinem Roman Quitt inspirieren ließ[7]. Neben der Brücke der Strażacka-Straße über die Große Lomnitz (Łomnica) weist ein Stein auf eine angebliche Gravitationsstörung hin, die jedoch unbewiesen ist. Esoteriker glauben daran und Touristen nutzen diesen Hinweis gern zu einer entsprechenden Ortsbesichtigung: Autos, Flaschen und Bälle rollen scheinbar bergauf. Tatsächlich fällt die Straße aber bis zum Ziel (Hotel Piecuch) ab. Die Unübersichtlichkeit des umliegenden Geländes führt zu dieser Sinnestäuschung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karpacz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Sebastian Weitkamp: Braune Diplomaten. Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der „Endlösung“ . J.H.W. Dietz. Bonn 2008. ISBN 978-3-8012-4178-0, S. 275 f.; vgl. auch zum Folgenden Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. München 2010, S. 196-199.
  3. Vgl. Protokoll der Arbeitstagung der Judenreferenten in Krummhübel am 3.–4. April 1944, PA AA Zagreb Geheimakten 27,2 Zusammenfassung: Diplomaten der Endlösung auf der Website. Das genaue Protokoll: [1]
  4. Beide Namen sind in den Archiven überliefert. Da diese feste Institution nicht zustande kam, erfolgte auch keine Namensklärung, so dass beide Bezeichnungen berechtigt sind.
  5. Alicja Hirsch-Tabis/ Ewa Katarzyna Tabis, Karpacz – Krummhübel. Dzieje miasta pod Śnieżką, Jelenia Góra 2005
  6. verschieden Ansichten des Rathauses in Karpacz
  7. Udo Wörffel: Theodor Fontane im Riesengebirge (ISBN 978-3-373-00509-4)
  8. Der dokument. Anhang S. 266–279 ist im Kern identisch mit der Fassung unter Das genaue Protokoll... in Notizen. Im Print angefügt ist noch die genaue Tagungsfolge, also ein Zeitplan, sowie eine Liste aller Teilnehmer incl. handschr. Änderungen in dieser Liste. Es fehlt im Print der Anfang der Online-Version, Schreiben des Schleier vom 4. März 1944, bezogen auf zwei vorherige Telegramme bezügl. der Vorbereitung und der Wichtigkeit der Tagung an alle Missionen (dipl. Vertretungen)