Karsten Hilse

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Karsten Hilse (* 12. Dezember 1964 in Hoyerswerda, DDR) ist ein deutscher Politiker (AfD). Er wurde am 24. September 2017 als Direktkandidat des Bundestagswahlkreises Bautzen I in den Deutschen Bundestag gewählt.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hilse wuchs im Wohnkomplex II in Hoyerswerda auf und erlernte den Beruf eines Elektromonteurs. Später ging er zur Volkspolizei und arbeitete seit 1986 als Verkehrspolizist. Seit der Wende ist Hilse in Hoyerswerda als Polizeibeamter im Streifendienst tätig. 1991 war er während der rassistischen Ausschreitungen in Hoyerswerda beim Schutz der Wohnheime auf der Albert-Schweitzer-Straße im Einsatz.[1] Zudem arbeitete er nebenberuflich als Journalist beim Lokalfernsehen, als Statist und war als Model tätig, wobei er einmal zum Mister Brandenburg gewählt wurde.

Hilse ist seit 2017 in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder.[2] Er lebt in Lohsa.[3]

Politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hilse wurde 2015 wegen Unzufriedenheit über die Politik der CDU politisch aktiv und ist seit Januar 2016 Mitglied der AfD. Im März 2016 gehörte er zu den Gründern der AfD-Ortsgruppe Hoyerswerda.[3] Im gleichen Jahr lehnte er in einem Interview jegliche politische Gewalt ab und sagte, seine Region habe andere Sorgen als den Islam. Von nationalistischen Äußerungen seiner Parteikollegen Alexander Gauland und Jens Maier und Extremisten distanzierte er sich.[1] Die Partei hatte er wegen der Eurorettungspolitik, der Flüchtlingspolitik, Energiewende und Aussetzung der Wehrpflicht gewechselt.[4] Er wurde im Juli 2016 in den AfD-Kreisvorstand Bautzen kooptiert und im November in dessen Vorstand gewählt.

Ende 2016 wurde Hilse zum Direktkandidaten der AfD im Bundestagswahlkreis Bautzen I gewählt. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann Hilse mit 33,2 % der Erststimmen das Direktmandat, der Zweitplatzierte, der CDU-Bewerber Roland Ermer, unterlag mit 30,6 % der Stimmen.[5][6] Im Wahlkampf nannte er die Einführung von Volksentscheiden auf Bundesebene als sein wichtigstes Ziel. Außerdem wolle er sich für mehr Geld für Bildung einsetzen sowie für Dieselfahrzeuge produzierende Unternehmen und deren Zulieferer, um Arbeitsplätze zu sichern.[7] Maßnahmen zur Reduzierung der Luftverschmutzung lehnt er ab, Stickoxid- und Feinstaubgrenzwerte hält er nicht für wissenschaftlich, sondern für "ideologisch" begründet und sollten seiner Meinung nach abgeschafft werden.[8] Er leugnet zudem den von Menschen verursachten Klimawandel und lehnt die Energiewende als zu teuer und nicht umsetzbar ab.[7] 2018 äußerte er im Bundestag, die AfD sage "hier und heute der Irrlehre des von Menschen gemachten Klimawandels den Kampf an", für die es keine Beweise gebe, und forderte anschließend "den Ausstieg aus allen diesbezüglichen nationalen und internationalen Verträgen und Gremien".[8]

Polizei und Justiz sollen personell gestärkt und an den deutschen Grenzen durchgängig kontrolliert werden. Zur Reduzierung von Flucht und Einwanderung nach Deutschland fordert Hilse Schutzzonen nahe Kriegsgebieten und eine Wirtschaftspolitik, die die afrikanische Wirtschaft schützt. Ein Einwanderungsgesetz soll die Migration regeln.[7] Nach erfolgter Wahl versprach Hilse den Einsatz für mehr Sicherheit insbesondere in Grenzgebieten, für Verteilung von Wohlstand nach unten, für einen Ausstieg aus dem Euroraum und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Flüchtlingskrise 2015. Außerdem kritisierte er die Entscheidung von Frauke Petry, nicht der AfD-Fraktion anzugehören und aus der Partei auszutreten.[9]

Zu Beginn des Jahres 2018 war Hilses Kreisverband Gastgeber des sächsischen AfD-Parteitages, für den Hilse dazu aufrief „das Altparteienkartell zu stürzen“.[10][11] Zu seiner Aktivität im Bundestag befragt hob er seine Rede gegen die Klimapolitik hervor. Außerdem distanzierte sich Hilse von einem viel kritisierten, rassistischen Tweet seines Fraktionskollegen Jens Maier, dem er aber glaube, dass einer seiner Mitarbeiter den Tweet geschrieben habe und nicht Maier selbst. Darüber hinaus kritisierte Hilse die Ansiedlung von Wölfen in der Lausitz, gegen die stärker vorgegangen werden müsse, und vertrat die von Experten als unsinnig bezeichnete These, es handele sich nicht um richtige Wölfe, sondern um Hybriden.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tilman Steffen: Hoyerswerda: Angst als Antrieb. Die Zeit, 21. September 2016, abgerufen am 25. September 2017.
  2. Sebastian Kositz: „Ich bin kein Nationalist“. SZ-Online, 11. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
  3. a b Karsten Hilse: Bewerbung für Landesliste Sachsen zur Bundestagswahl 2017. Website der AfD Sachsen, 9. Januar 2017, abgerufen am 25. September 2017, S. 2 (pdf, 168 KB).
  4. Stefan Locke: Das sind die Direktmandats-Gewinner der AfD. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. September 2017, abgerufen am 20. März 2018.
  5. AfD gewinnt an der Neiße. SZ-Online, 24. September 2017, abgerufen am 25. September 2017.
    Bundestagswahl 2017. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, 25. September 2017.
  6. bundeswahlleiter.de (mit zahlreichen weiteren Links)
  7. a b c Direktkandidaten aus Sachsen - Karsten Hilse. Mitteldeutscher Rundfunk, 30. August 2017, abgerufen am 20. März 2018.
  8. a b AfD nennt Klimawandel „Irrlehre“ und will Energiewende beenden. In: Handelsblatt, 23. März 2018. Abgerufen am 24. März 2018.
  9. "Wir vertreten die Positionen, die die CDU vor 15 Jahren vertreten hat". Mitteldeutscher Rundfunk, 26. September 2017, abgerufen am 20. März 2018.
  10. AfD gibt sich bei Parteitag in Hoyerswerda kämpferisch. Die Welt, 3. Februar 2018, abgerufen am 20. März 2018.
  11. AfD gibt sich bei Parteitag in Hoyerswerda kämpferisch. Freie Presse, 3. Februar 2018, abgerufen am 20. März 2018.
  12. Sebastian Kositz: Haben Sie nur ein Thema, Herr Hilse? Sächsische Zeitung, 18. Januar 2018, abgerufen am 20. März 2018.