Kartäuserkloster Frankfurt (Oder)

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Kartäuserkloster Frankfurt (Oder)
Carthus
Frankfurt (Oder) 1652
Das Carthus auf dem 1652 von Caspar Merian angefertigten Plan Francofurtum ad Viadrum / Franckfurt an der Oder.

Das Kartäuserkloster Frankfurt (Oder) war ein Kloster des Kartäuserordens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die KartauseDomus Misericodiae Dei“ („Barmherzigkeit Gottes“) wurde 1396 von Bürgern der Stadt Frankfurt (Oder)[1] vor den Mauern der Stadt gegründet, an der Straße nach Guben am Oderufer im Bereich des heutigen Carthausplatzes.[2] Die ersten Mönche ließen sich im darauffolgenden Jahr in Frankfurt nieder.[3]

Johannes de Indagine, Prior der Kartause 1461 bis 1464.[4]

1432 wurde die Kartause durch die Hussiten zerstört. Für 1506 sind elf Mönche bezeugt. Das Kloster besaß drei Weinberge, beschäftigte einen Weinmeister und betrieb einen umfangreichen Weinhandel. Es gab auch eine Branntweinbrennerei sowie eine Bierbrauerei. Das Kloster besaß die Dörfer Madlitz, Döbberin, Niederjesar, Arensdorf, Unterlindow, Jacobsdorf, Briesen und Brieskow sowie die Große Heide. 1534 wurde das Kloster visitiert. 1538 verblieben dem Kloster ein Weinberg und die Dörfer Brieskow und Lindow sowie der fischreiche Brieskower See.

Nachdem 1539 die Reformation in der Mark Brandenburg eingeführt wurde, übergab Kurfürst Joachim II. von Brandenburg 1540 alle Güter des Kartäuserklosters der Universität Frankfurt. Die Universität erhielt die Klosterbibliothek, alle Immobilien und den Güterbesitz. Die verbliebenen Mönche hatten im Kloster lebenslanges Wohnrecht, sie durften jedoch keine Novizen aufnehmen.[3] Letzter Prior des Klosters war Peter Golitz. Der letzte Mönch starb 1568.

Die Klostergebäude wurden als Steinbruch genutzt. Mit dem Obst aus den Klostergärten wurden die Professoren der Frankfurter Universität versorgt. Im Jahr 1631 wurden die Reste des Klosters bei der Belagerung durch die Schweden niedergebrannt.

Aktenstücke über das Kloster befinden sich im Stadtarchiv Frankfurt (Oder) und im Brandenburgischen Landeshauptarchiv. Sichtbare Baureste des Klosters existieren nicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sönke Lorenz, Oliver Auge, Robert Zagolla: Bücher, Bibliotheken und Schriftkultur der Kartäuser - Festgabe zum 65. Geburtstag von Edward Potkowski, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2002

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lorenz, S. 141
  2. Lorenz, S. 137
  3. a b Analecta Cartusiana, abgerufen am 22. April 2018
  4. Erich KleineidamIndaginis, Johannes. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 169 (Digitalisat).

Koordinaten: 52° 20′ 0″ N, 14° 33′ 11,3″ O