Kartung

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Kartung
Gemeinde Sinzheim
Koordinaten: 48° 46′ 24″ N, 8° 10′ 8″ O
Höhe: 142 m ü. NN
Einwohner: 2088 (31. Dez. 2018)[1]
Postleitzahl: 76547
Vorwahl: 07221

Kartung ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinzheim im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg. Der Ort liegt westlich des Fremersbergs und wird durch die Rheintalbahn, das Wohngebiet Litzlung und Gewerbegebiete vom südlich und östlich angrenzenden Sinzheim getrennt. Kartung ist mit 2.067 Einwohnern der größte Teilort Sinzheims.[1] Kartung ist lokal vor allem für seine bunte Vereinslandschaft sowie für die regelmäßigen Veranstaltungen bekannt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kartung liegt in der Oberrheinischen Tiefebene etwa 5 km von Baden-Badener Stadtzentrum und 31 km von Karlsruhe entfernt. Vom benachbarten Baden-Badener Stadtteil Oos wird Kartung durch die Bundesstraße 500 getrennt, welche die Verbindung zur etwa 2 km entfernten Bundesautobahn 5 herstellt. Eine Straßenunterführung zum südlich gelegenen Hauptort Sinzheim unterquert die viergleisig ausgebaute Strecke der Rheintalbahn und die parallel dazu verlaufende L80/Bundesstraße 3 (neu). Eine Straßenüberführung führt zum Sinzheimer Gewerbegebiet im Osten und der alten Bundesstraße 3.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1987 fertiggestellte Vereinsheim Kartungs, die Seeräuberschenke

Kartung wurde 1272 erstmals anlässlich einer Stiftung an das Kloster Allerheiligen urkundlich erwähnt.[2] Das Straßendorf wurde im 20. Jahrhundert durch Neubaugebiete erweitert. Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums der Dorfgemeinschaft und des Kartunger Straßenfests begannen 1978 in Kartung Arbeiten im Rahmen des Bundeswettbewerbs Unser Dorf soll schöner werden. Im Zuge dessen wurde ein Sport- und Festplatz und ein Vereinsheim gebaut, Ortseingangstafeln aufgestellt sowie drei Brunnenanlagen errichtet. Das Vereinsheim wurde von 179 Helfern in knapp eineinhalb Jahren von Frühjahr 1986 bis Sommer 1987 ohne Arbeitslohn errichtet.[3] Der Kreuzplatz wurde 1998 umgestaltet und eine Seeräuberfigur, das Markenzeichen Kartungs, integriert.[4]

Pfarrgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kartunger Kirche

Der Bau der Kartunger Kirche im Stil der Neuromanik begann im Jahr 1902.[5] Die finanzielle Grundlage hierfür bildete eine Schenkung des kinderlosen Franz Zeitvogel aus Leiberstung, der in seinem Testament 9.000 Mark für den Bau einer Kapelle im Ortsteil Kartung hinterließ. Ursprünglich sollte sie dem hl. Franziskus geweiht werden, wurde jedoch im Jahr 1904 schließlich von Franz Xaver Lender als Marienkirche konsekriert. Die letzte Renovierung fand 2005 statt.[6] Die Orgel der Kirche wurde durch Spenden in Höhe von 35.000 DM von den Kartunger Vereinen mitfinanziert.[7]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bild der KNC-Hexen am Kartunger Faschingsumzug 2010

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kartunger Narrenclub (KNC): Der Kartunger Narrenclub, welcher 1965 gegründet wurde, veranstaltet seit 1970 jährlich eine Prunk- und Fremdensitzung sowie seit 1996 den Kartunger Faschingsumzug.[8]
  • Männergesangsverein Sängerlust Kartung e.V.: Der Männergesangsverein, welcher 1904 gegründet wurde, besteht aus verschiedenen Chören aus jeweils unterschiedlichen Altersgruppen und veranstaltet, zusätzlich zu diversen Veranstaltungen und Konzerten der verschiedenen Gruppen, jährlich ein Jahreskonzert, das seit 1977 veranstaltet wird.[9][10]
  • Radsportverein Edelweiss Kartung: Der Radsportverein Edelweiss Kartung, welcher 1924 gegründet wurde, veranstaltet in regelmäßigen Abständen verschiedene Fahrradrennen in unterschiedlichen Altersgruppen.[11]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kartunger Straßenfest: Jedes Jahr findet das Kartunger Straßenfest statt, welches vom Kartunger Narrenclub, dem Männergesangsverein Kartung und dem Radsportverein Kartung und der Dorfgemeinschaft Kartung veranstaltet wird. Schätzungen zufolge wurde das Straßenfest, das seit 1978 veranstaltet wird, von etwa 250.000 Menschen besucht.[12]
  • Kartunger Faschingsumzug: Jedes Jahr findet der Kartunger Faschingsumzug statt, der seit 1996 vom Kartunger Narrenclub veranstaltet wird. Dieser verläuft von der Duttenhurster Straße und der Kartunger Straße vorbei am Kreisel in die Tiefenauerstraße und von dort zum Kindergarten im Sommerau. Der Faschingsumzug 2013 wurde von 90 Gruppen mitgestaltet und erreichte etwa 2.000 Besucher.[13]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Arbeitsplätze bieten die Gewerbegebiete In den Lissen I und II, Im Unterfeld und Am Markbach. Diese bestehen seit drei Jahrzehnten und setzen sich aus über 40 Gewerbebetrieben zusammen.[1]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule Kartung-Winden

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilfried Lienhard: 100 Jahre unter Yburg und Fremersberg: das 20. Jahrhundert im Baden-Badener Rebland und in Sinzheim, Baden-Baden, Sinzheim 2001.
  • Franz Zoller: Sinzheim – Heimat zwischen Schwarzwald, Rhein und Reben, Sinzheim 1984
  • Förderverein Sinzheimer Brauchtum e.V.: Bildband „So war's früher in Sinze“, Sinzheim 1994
  • Wilfried Lienhard: Maria Hilf in Kartung, Sinzheim 2004.
  • Hans Boos: Kartunger Narren-Club e.V. Kartunger Narrenzeitung "Der Sehräuber" Sinzheim-Kartung 1988

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kartung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Kartung Kartunger Straßenfest GdbR – Jörg Wörther, Hans Boos

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kartung: Größter Teilort. In: Webseite der Gemeinde Sinzheim. Abgerufen am 18. Februar 2014.
  2. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Rastatt und Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg – Der Landkreis Rastatt. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-1364-7, Band 2, S. 495
  3. Die Kartunger Vereine: Vereinsheim In: 20 Jahre Kartunger Dorfgemeinschaft, 1998, S. 21.
  4. Die Kartunger Vereine: Kreuzplatz In: 20 Jahre Kartunger Dorfgemeinschaft, 1998, S. 27.
  5. Landesarchivdirektion Baden-Württemberg, Landkreis Rastatt und Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (Hrsg.): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg – Der Landkreis Rastatt. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-1364-7, Band 2, S. 484
  6. Kartung, Maria – Hilfe der Christen. In: Webseite der Pfarrgemeinde Sankt Martin Sinzheim. Abgerufen am 27. Februar 2014.
  7. Die Kartunger Vereine: Kirchenorgel In: 20 Jahre Kartunger Dorfgemeinschaft, Auflage 5000, 1998, S. 18.
  8. Der Vorstand. Webseite des Kartunger Narrenclubs, abgerufen am 1. März 2014.
  9. Förderverein Sinzheimer Brauchtum e.V.: "Der Fremersberger 4" Heimatbuch – Aus den Jahren 2003 bis 2006 und vieles aus der guten alten Zeit. 2006, S. 27–34.
  10. MGV Sängerlust Kartung e.V.: Über uns. In: Webseite des Männergesangsvereins Kartung. Abgerufen am 12. Februar 2016.
  11. Förderverein Sinzheimer Brauchtum e.V.: So war's früher in "Sinze". 2006, S. 295 (In der heimischen Sprache ist "Sinze" eine Abkürzung für Sinzheim).
  12. Faßanstich beim Straßenfest in Kartung. In: Webseite des Fernsehsenders Baden-TV. 29. August 2009, abgerufen am 18. Februar 2014.
  13. Kartunger Narrenclub KNC lädt zum 48. Faschingsumzug durch das Seeräuberdorf. In: Webseite des Fernsehsenders Baden-TV. 29. August 2009, abgerufen am 11. Februar 2013.