Kartuzy

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Kartuzy
Wappen von Kartuzy
Kartuzy (Polen)
Kartuzy
Kartuzy
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Kartuzy
Fläche: 6,23 km²
Geographische Lage: 54° 20′ N, 18° 12′ OKoordinaten: 54° 20′ 0″ N, 18° 12′ 0″ O
Einwohner: 14.826
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 83-300
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GKA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 211: Żukowo - Nowa Dąbrowa (- Słupsk)
DW 224: Wejherowo - Tczew
DW 228: Kartuzy - Bytów
Schienenweg: PKP-Linie 229: Kartuzy ↔ Stara Piła/Gdańsk Wrzeszcz
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 26 Schulzenämter
Fläche: 205,28 km²
Einwohner: 33.351
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 162 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2205023
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Mieczysław Gołuński[2]
Adresse: ul. Hallera 1
83-300 Kartuzy
Webpräsenz: www.kartuzy.pl



Kartuzy (deutsch Karthaus; kaschubisch Kartuzë) ist eine Kleinstadt im Powiat Kartuski der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, in der Kaschubischen Schweiz, etwa 32 Kilometer westlich von Danzig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karthaus westlich von Danzig an der Danziger Bucht und nordwestlich von Dirschau auf einer Landkarte von 1906.
Karthaus westlich von Danzig und nordnordöstlich von Berent auf einer Landkarte von 1910.
Marktplatz von Karthaus mit der ehemaligen Luther-Kirche

Die Stadt liegt in Pomerellen. Von 1308 bis 1466 gehörte Pomerellen zum Deutschordensland Preußen und kam dann bei der Zweiteilung Preußens zum westlichen Teil, später auch als autonomes Polnisch-Preußen bekannt, das sich freiwillig unter den Schutz der polnischen Krone begeben hatte.

Früher schrieb man den Ortsnamen noch ‚Carthaus‘, erst ab ungefähr 1860 setzte sich die Schreibweise Karthaus durch. Die Stadt gilt als Hauptstadt der Kaschubei und ist ein Zentrum der Kultur der Kaschuben.

Anfänge als geistliches Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kartause Karthaus (Kartuzy)

1380/81 stiftete der Adlige Johannes von Russoschin (Russoczin) nördlich des Turmberges eine Niederlassung des Kartäuserordens, genannt „Marienparadies“.[3] Die ersten Mönche kamen 1380 aus Böhmen/Prag nach Kaschubien. Der Deutsche Ritter-Orden bedachte das Kloster mit umfangreichen Zuwendungen und erweiterte dessen Besitz beträchtlich. Er befreite die Klosterdörfer von fast allen Abgaben und Diensten, die ihm als Landesherrn zu leisten waren.[3]

In den umliegenden Wäldern wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein Torf gestochen. Auf den Rodungen rund um das Kloster wurden evangelische Siedler aus Pommern angesetzt. Durch Karthaus verlief auch eine Marien-Wallfahrtsroute von Neustadt nach Berent als Teil des europäischen Jakobsweges. 1418 wird ein Gasthaus in Karthaus erwähnt. Nach diesem Krug hat der Krugsee (Jezioro Karczemne) seinen Namen. Der nördlichere der beiden Seen, an welchem das Klostergelände direkt anliegt, heißt Klostersee (Jezioro Klasztorne). Um diesen Krug herum entwickelte sich östlich des Sees ein kleines Bauerndorf, ein sogenanntes Vorwerk.

Während der Reformationszeit wurde das Kloster arg in Mitleidenschaft gezogen, und die Zahl der Mönche sank auf vier.[3]

Bei Ausgrabungen hat man einige Tunnel unter dem Kloster entdeckt. Deren Zweck und Ausmaß werden noch untersucht. Man vermutet, dass die Tunnel aus der Zeit der Nordischen Kriege stammen (siehe Weblinks). Auf dem „Spitzberg“, westlich des Klosters, gab es vermutlich aus vorchristlichen Zeiten eine heidnische Kultstätte. Nachgewiesen seit 1655 existiert dort die Kapelle „heilig Kreuz“. Diese verfiel zwischenzeitlich. Um 1900 stand nur noch der Turm, neben den man eine hölzerne Aussichtsplattform baute, die man spätestens seit 1920 Belvedere nannte. 1989 wurde die Kapelle wiedererrichtet. Von den unter dem Kloster entdeckten Tunneln vermutet man, dass sie zur Kapelle auf dem Spitzberg führten.

Karthaus als weltliche Siedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf, weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[4]

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit dem Gebiet von Danzig unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats Preußen miteinander verbunden gewesen waren, und so von der polnischen Fremdherrschaft befreit. Von da an gehörte Karthaus zum Königreich Preußen. Im Jahr 1785 wird Carthaus als ein königliches Vorwerk und Dorf mit Sitz des Domänenamts und insgesamt 28 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.[5] Um 1789 umfasste der Amtsbezirk Karthaus 74 Dörfer mit 721 Feuerstellen; der Sitz des Domänenamts befand sich auf dem Vorwerk Groß Czapielken.[6] Um 1790 existierte bereits die Seestraße (poln. heute ulica Jezioro).

Im gesamten näheren Umland gab es zunächst noch keinen Ort, welchen man von der Bevölkerungsgröße her als Stadt hätte bezeichnen können. Bei der Verwaltungsreform 1818 wird das Gärtnerdorf Karthaus zum Hauptort des dünn besiedelten Landkreises und zum Sitz des Landrats bestimmt.

In einem 1810 von König Friedrich Wilhelm III. verfügten Säkularisationsedikt wurde die Aufhebung aller Klöster in Preußen angeordnet. Das Kloster Karthaus und sein Grundbesitz wurden aber erst 1823 vom Staat beschlagnahmt. Hier beginnt die Geschichte Karthaus als weltliche Siedlung. Eine Zeitlang dient das Kloster noch als Emeritenanstalt für ältere katholische Geistliche. Später wurden Teile der Katen, in denen die Mönche gelebt hatten, abgerissen. In den darauf folgenden Jahren waren Klostergebäude und Inventar dann dem Verfall preisgegeben.

1841 werden viele Grundstücksparzellen rund um das Vorwerk des Klosters zum Verkauf freigegeben. Und bald darauf (1842/44) kommt es zu tumultartigen Zusammenstößen zwischen den zuziehenden evangelischen Deutschen und den angesessenen katholischen Kaschuben, als das Refektorium des vormals katholischen Klosters zu einem evangelischen Andachtsraum umgewidmet werden sollte. Aus Danzig kamen schließlich die schwarzen Husaren, die Leibgarde der preußischen Könige, um für Ruhe zu sorgen.[7]

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Karthaus noch ein kleiner Marktflecken, der um 1848 insgesamt 817 Einwohner zählte. 1851 besuchte König Friedrich Wilhelm IV. Carthaus. Daran erinnert heute noch ein Denkmal. 1853 überschreitet die Einwohnerzahl bereits der 1000er Marke. Erst ab 1856 gibt es eine selbständige evangelische Kirchgemeinde mit eigenem Pfarrer in Karthaus, allerdings noch ohne evangelische Kirche. Im Jahr 1862 wird Karthaus vom Verwaltungsstatus her selbständige Landgemeinde. Es bestehen zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Schulen, Kreisgericht, Landratsamt, ein Armenhaus und eine Feuerwehr. Seit ungefähr 1865 gibt es in Karthaus auch eine Synagoge, gelegen am Brunoplatz, dem zentralen Marktplatz der Stadt. Diese Synagoge wurde 1939 zerstört und der jüdische Friedhof eingeebnet. Heute befindet sich auf dem Gelände eine Bankfiliale. Juden sind seit etwa 1820 in Karthaus ansässig. Ende des 19. Jahrhunderts lebten um die 140 Juden in Karthaus. 1931 waren es noch knapp 40.

Die evangelische Deutsche Kirchgemeinde erbaute, ebenfalls am Brunoplatz, ab 1883 eine Kirche im neugotischen Stil. Man taufte sie anlässlich seines vierhundertsten Geburtstages „Martin-Luther-Kirche“. Sie soll dann im Jahr 1887 geweiht worden sein. Heute ist sie ein katholisches Gotteshaus und seit 1983 dem heiligen Kasimir geweiht.

1894 erhielt Karthaus Eisenbahnanschluss an die Eisenbahnlinie Praust-Lauenburg der Preußischen Staatsbahn. Zu dieser Zeit bestand auch bereits die Klosterbrauerei Karthaus.1903 erhielt die Stadt ein Wasserleitungsnetz, nachdem man auf dem nahgelegenen Hafkeberg ein Hochreservoir erbaute. 1910 wurde ein Wasserkraftwerk an den Radauneseen in Betrieb genommen [8]. Im Folgejahr wurden Karthaus und das Umland elektrifiziert.

Um die Jahrhundertwende ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftszweig in Karthaus. Es gab viele Gaststätten und Hotels für Feriengäste aus dem Deutschen Reich. Es gab sogar Briefköpfe mit dem inoffiziellen Schriftzug „klimatischer Luftkurort Karthaus“.

Kartuzy 1920 bis 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1920 gehörte Karthaus zum Landkreis Karthaus im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Bestimmungen des Versailler Vertrages 1920 in Kraft traten und der Polnische Korridor durch deutsches Reichsgebiet verlegt wurde, musste Karthaus ohne Volksbefragung an Polen abgetreten werden. Am 8. Februar 1920 trifft der polnische General Józef Haller in Karthaus ein, der die Übergabe des Polnischen Korridors überwacht. Haller und seinem Kavallerie-Regiment wird vom polnischen Teil der Bevölkerung ein stürmischer Empfang bereitet. Der Anwalt Emil Sobiecki wird erster polnischer Bürgermeister.

Mit der polnischen Übernahme der Verwaltung hieß die Stadt erstmals offiziell Kartuzy. Es gab zunächst noch einiges Chaos, da in der Provinz Posen die Westpolnische Bank die 'Mark' als Währung ausgeben wollte, die Zentralbank in Warschau hingegen die 'Polnische Mark'. So gab es in Karthaus zunächst ein lokales Notgeld. Wie in Deutschland kam es in Polen ab 1921 zu Hyperinflation. 1924 wurde der goldgedeckte Złoty eingeführt. Am 16. Oktober 1922 wird in Kartuzy die polnischsprachige Zeitung „Gazeta Kartuska“ erstmals herausgegeben.

Viele junge Kaschuben und Polen müssen nun in den Polnisch-Sowjetischen und den Polnisch-Ukrainischen Krieg ziehen. Durch die polnischen Behörden kommt es vereinzelt zu antideutschen Verwaltungsmaßnahmen gegen missliebige öffentliche Personen der deutschen Bevölkerungsschicht. Im Juli wird der evangelische Pfarrverweser Weber aus Hoppendorf (pl. Hopowo) verhaftet, weil er angeblich Bolschewist gewesen sei.

Daraufhin verließen viele Deutsche Karthaus. 1910 waren von den ca. 70.000 Einwohnern des Kreises Karthaus 27,8 % Deutsche, 1921 nur noch 7,8 %. Zuerst wanderten Beamte und Lehrer ab, später auch andere Berufsgruppen wie Kaufleute und Handwerker. Zumeist sind nur deutsche Gutsbesitzer und Bauern geblieben. Doch nach einer Landreform 1925 verschlechterte sich auch für sie die Lage. Es kam dabei auch zu Enteignungen.

Seit 1926 gibt es ersten öffentlichen Nahverkehr. Eine Buslinie fährt auf der Route Danzig-Zuckau-Karthaus. Ab 1936 kommen weitere Verbindungen hinzu. Karthaus lag an der strategisch wichtigen „französischen Kohlenbahn“. Diese wichtige Eisenbahnstrecke verband das Oberschlesische Kohlerevier mit dem Hochseehafen Gdingen.

Am 13. September 1934 kündigte Polen den Minderheitenschutzvertrag. Nach der einseitigen Aufkündigung des Deutsch-Polnischen Nichtangriffspakts durch Deutschland am 28. April 1939 spitzt sich die politische Lage zu. Im polnischen Korridor, vor allem in den größeren Städten Thorn und Graudenz, kommt es zu Übergriffen polnischer, meist jugendlicher, Gruppen auf die deutsche Zivilbevölkerung, die nach 1920 zur Minderheit geworden war. In Karthaus gab es weniger Ereignisse dieser Art, da es hier weniger Polen gab, und Kaschuben und Deutsche ein friedliches Verhältnis pflegten. Aus einzelnen Dörfern des Kreises Karthaus (Eggertshütte, Nestempohl, Hopowo) gibt es aber vereinzelte Berichte über Überfälle auf Tanzveranstaltungen, Bauernhöfe und evangelische Kirchen.

Karthaus 1939 bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den letzten Augusttagen 1939 werden von den Polen die deutschsprachigen Wegweiser an den Straßen entfernt.

Durch den Polenfeldzug 1939 kam das entnommene Territorium des Polnischen Korridors an das Reichsgebiet zurück. Im Kreis Karthaus ist der Geschützlärm aus Danzig noch zu hören. Gegen 8 Uhr morgens passiert ein erster deutscher Spähtrupp aus Danziger Richtung die Dörfer der Landkreisgrenze. Am vierten Kriegstag traf die Wehrmacht aus Richtung Bütow ein. Das 322. Infanterie-Regiment erreichte am 3. September den Radaunensee und am nächsten Tag wurde gegen Abend Karthaus erreicht. Die deutsche Bevölkerung begrüßte die Wehrmacht als Befreier, Juden wurden alle deportiert, und auch viele Polen wurden ins Generalgouvernement abgeschoben. Kurz nach dem deutschen Einmarsch werden auf dem Brunoplatz Aufnahmen für die Deutsche Wochenschau gemacht.

Der Landkreis Karthaus wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem die Stadt bis 1945 gehörte.

Zwischen September und November 1939 kam es zu Massakern durch die SS und den Volksdeutschen Selbstschutz, unter anderem auch bei Karthaus. Im Wald bei Kaliska, drei Kilometer nordöstlich des Stadtkerns von Karthaus, sollen bis zu 200 Menschen ermordet worden sein.[9] Am 27. Oktober 1939 wurden durch das für den 'Militärbezirk Westpreussen' zuständige „SS-Einsatzkommando 16” ca. 75 Personen, darunter der kaschubische Pfarrer des Dorfes Kelpin und zehn weitere Geistliche, hingerichtet. Für einen der getöteten Pfarrer läuft ein Seligsprechungsverfahren durch die katholische Kirche. Auch in den nahen Dörfern Gribno, Eggertshütte und Kobissau soll es Erschießungen gegeben haben. Als Antwort auf diese Gräueltaten formierte sich im Dezember 1939 in den umliegenden Wäldern der Kaschubei die erste kaschubische Partisanengruppe “Gryf Kaszubski”. Es bildeten sich noch weitere Partisanengruppen u.a. südlich von Karthaus in der Tucheler Heide.

Viele Angehörige der polnisch-kaschubischen Intelligenz des Kreises Karthaus wurden darüber hinaus beim Massaker von Piaśnica (nahe Putzig) umgebracht. Auch polnische Handwerksbetriebe wurden bald von Deutschen übernommen und die Eigentümer ins Generalgouvernement gebracht. Bleiben konnten zunächst noch die Polen, die in der Landwirtschaft unabkömmlich waren. Die nationalsozialistische Politik gegenüber den Kaschuben war hingegen nicht so extrem wie gegenüber den Polen. Die Kaschuben wurden in die Volksliste III aufgenommen. Im Zuge dieser „Zwangsgermanisierung“ konnten Kaschuben nun auch in die Wehrmacht eingezogen werden, was sie nach Kriegsende in den Augen der Polen und Russen wiederum zu deutschen Kollaborateuren machte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Zuge der „Schlacht um Ostpommern“ am 6. März 1945 das 60 km südwestlich von Karthaus gelegene Bütow von der Wehrmacht aufgegeben. Sie zog sich auf eine Verteidigungslinie vor Neustadt und Karthaus zurück. Am 7. März drangen die Truppen der sowjetischen 2. Weißrussischen Front das erste Mal in den Kreis Karthaus ein. Am 10. März erreichten sie von Süden kommend die Stadt. Während der Kämpfe um Karthaus sollen ca. 320 Soldaten der Roten Armee gefallen sein.

Die deutsche Bevölkerung begann in den ersten Märztagen mit der Flucht nach Danzig. Am 10. März 1945 besetzte die Rote Armee die Stadt. Nur eine geringe Minderheit war in der Stadt verblieben. Im ganzen Kreis Karthaus lebten nach einer Zählung vom 1. November 1945 noch 1.212 Deutsche[10]. Der Militärbefehlshaber für Kartuzy war 1945 der sowjetische Oberst Popov. Bald nach Kriegsende wurde Karthaus zusammen mit Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische gestellt. Danach setzte die Zuwanderung polnischer Zivilisten ein, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Bevölkerung bemächtigten. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Durch die sowjetische Militärverwaltung wurden in den Nachkriegsjahren vorhandene Industrieanlagen und Eisenbahnstrecken abgebaut.

Kartuzy seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der evangelische Friedhof war im Jahr 1977 nicht mehr vorhanden.[11]

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Übernahme der Verwaltung durch Preußen wurde 1772 das sogenannte Kontributionskataster angelegt. Danach lag die Bevölkerung des gesamten Landkreises Karthaus bei rund 10.500 Personen.

Jahr Einwohner Anmerkungen
1773 157 [12]
1829 324 [12]
1836 500 in dreißig Privathäusern[13]
1848 817 davon 511 Katholiken, 273 Evangelische und 33 Juden[14]
1852 901 [15]
1869 1.765 [3]
1875 1.975 [16]
1880 2.179 [16]
1890 2.351 [16]
1900 2.642 [17]
1921 3.800 darunter 450 Evangelische[18]
1943 6.024 [3]
1960 7.900
1970 10.600
1980 12.000
1998 16.100
2010 15.200

Bei der Volkszählung von 1910 wurde anhand der Sprache auch die Ethnizität erfasst: In Westpreussen stellten die Kaschuben nur 4,6 % der Bevölkerung, Karthaus war dagegen der Landkreis mit dem höchsten Anteil (71 %) kaschubischer Bevölkerung in Westpreussen. Die Deutschen waren mit 28 % in der Minderheit, bildeten aber die obere Gesellschaftsschicht. Der Anteil der Polen betrug nur 0,8 %. Großgrundbesitz teilten sich Kaschuben und Deutsche, das weitere Land war meist kaschubischer Kleinbesitz. Die Deutschen konzentrierten sich in den kleineren Landstädtchen. In der Stadt Karthaus stellten die Deutschen, einer Zählung von 1905 nach, die Mehrheit mit 58 %.

Der deutsche Bevölkerungsanteil sank infolge der Ereignisse des Jahres 1945 stark. Wer nicht floh, wurde nach und nach vertrieben. Zurück blieb nur eine geringe Zahl vor allem älterer deutscher Personen. Heute leben keine Deutschen mehr in Kartuzy.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Stadtwappen stammt aus dem Jahr 1923 und entspricht dem Entwurf des kaschubischen Schriftstellers Aleksander Majkowski. Damals erhielt Karthaus unter polnischer Verwaltung Stadtrechte und ein Wettbewerb für ein Wappen wurde ausgeschrieben. Die sieben Sterne sind das Symbol des Kartäuser-Ordens. Sie stehen des Weiteren für die ersten sieben Mönche, welche der Legende nach, Karthaus gründeten. Die blaue Farbe des Schildes symbolisiert die Ostsee, und die Kaschubei, welche man aufgrund der vielen Seen früher auch 'das blaue Ländchen' nannte. Der Greif ist das Symbol der Kaschuben bzw. Pommern.

Bereits 1907 bemühte man sich vergeblich um die Verleihung des Stadtrechtes durch die Regierungsstellen in Danzig. Für diesen Fall existierte bereits ein Wappenentwurf: Der gespaltene Wappenschild zeigte heraldisch links das schwarzweiße Kreuz des Deutschritterordens. Auf der anderen Schildseite sieben silberne Sterne auf blauem Grund.

Auf den Geldscheinen des lokalen Notgeldes aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg findet man ein weiteres "inoffizielles" Wappen. Es gleicht dem deutschen Wappenentwurf, zeigt aber anstelle des Ordenskreuzes eine bildliche Darstellung der heiligen Jungfrau Maria.

Von 1941 bis 1945 wurde von den Deutschen Behörden noch ein anderes Wappen verwendet[19]. Es zeigt in blau einen rot bewehrten und rot bezungten goldenen Greif, der in rechten Vorderpranke einen roten Turm. Der Greif schreitet auf grünem Boden, über ihm die sieben Sterne der Karthäuser.

Sport und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1923 wurde von zwei Brüdern der erste Karthauser Fußballverein 'Cartusia Kartuzy' gegründet. Seine Farben sind: Blau, Weiß und Schwarz. Tatsächlich gab es bereits vor dem Jahr 1913 einen Fußballverein in Karthaus[20], daneben auch einen Tennisverein und einen Turnverein. Auch bestand zu dieser Zeit bereits ein ‚Stadt-Verschönerungs-Verein‘[20] und ein ‚Verein für kaschubische Volkskunst‘ (initiiert von Friedrich Lorentz, dem Autor des Großen Kaschubischen Wörterbuchs).

Sehenswürdigkeiten und Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einzige Museum der Stadt ist das kaschubische Museum mit Sammlungen zur Geschichte und Folklore der Kaschuben. Es befindet sich seit 1947 in einer alten, ehemals deutschen Villa.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die alte Klosterkirche „Marienparadies“ aus dem vierzehnten Jahrhundert mit dem sargdeckelförmigen Kupferdach. Daneben die anderen erhaltenen Teile des Klosters:

  • die Eremitenanstalt und das Klosterrefektorium
  • eine Marien-Statue aus Sandstein aus dem Jahr 1750
  • Die ehemalige Luther-Kirche aus dem Jahr 1887
  • das Postgebäude aus dem Jahr 1890 im Stil des niederländischen Manierismus, (Ul. Parkowej).

Daneben gibt es zahlreiche denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude und Wohnhäuser aus der Zeit von 1860 bis 1930.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kartäuserstiftskirche. Das Dach hat die Form eines Sarges.
Kaschubisches Museum in Kartuzy

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1886 bzw. 1905 bis 1994 bzw. 2000 bestand in Kartuzy Anschluss an die Bahnstrecke Pruszcz Gdański–Łeba, die aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden musste. Am 24. März 2002 jedoch nahm man den Güterverkehr auf dem Teilstück Kartuzy–Stara Piła (Altemühle) wieder auf. Es besteht von hier auch eine Verbindung nach Gdańsk Wrzeszcz (Danzig-Langfuhr). Seit 1. Oktober 2015 besteht wieder regelmäßiger Personennahverkehr nach Kartuzy. Der Ort Kiełpino in der Gemeinde hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Nowa Wieś Wielka–Gdynia.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Kartuzy gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende 26 Ortsteile:

Polnischer Name Kaschubischer Name Deutscher Name
(bis 1920 und 1939–1945)
Bącz Bãccz Bontsch
1942–1945 Bonsch
Borowo Bòrowô Borowo
Brodnica Dolna Dólnô Brodnica Nieder Brodnitz
1942–1945 Niederbrodnitz
Brodnica Górna Górnô Brodnica Ober Brodnitz
1942–1945 Oberbrodnitz
Burchardztwo Bùrchardztwò Burchardswo
Dzierżążno Dzérżãżno Seeresen
Głusino Głusëno Glusino
1942–1945 Glüsen
Grzybno Grzëbno Gribno
1942–1945 Grüben
Kaliska Kalëska Kaliska
Kiełpino Kôłpino Kelpin
1942–1945 Kelpsee
Kolonia Kòlonijô Wilhelmshuld
Kosy Kosë Kossi
1942–1945 Kössen
Łapalice Łapalëce Lappalitz
1942–1945 Garchendorf
Mezowo Mézowò Mehsau
Mirachowo Mirochòwò Mirchau
Nowa Huta Nowô Hëta Nowahutta
1942–1945 Neuhütte
Pikarnia Pikarniô Pechbude
Pomieczyńska Huta Pòmiéczëńskô Hëta Pomietschinerhütte
1942–1945 Pommershütte
Prokowo Prokòwò Prockau
Ręboszewo Rãbòszewò Remboschewo
1942–1945 Broddenfurt
Sianowo Sjónowò Sianowo
1942–1945 Schwanau
Sianowska Huta Sjónowò Hëta Sianowerhütte
1939–1945 Schwanauerhütte
Sitno Sëtno Zittno
1942–1945 Schütthof
Smętowo Chmieleńskie Smãtowò Smentau
1942–1945 Schmentau
Staniszewo Stajszewò Stanischewo
1942–1945 Stahns
Stara Huta Stôrô Hëta Starahutta
1942–1945 Althütte

Literatur zur Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 59, Nr. 6.)
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 391.
  • Peter Letkeman: Zur Ortsgeschichte von Karthaus i. Westpreussen im 19. und 20. Jahrhundert, 1987.
  • Ernst Bahr: Aus der Geschichte des Klosters und der Stadt Karthaus, 1957.
  • Heinz Voellner: Der Kampf um Westpreußen 1945, Münster 1985.
  • Willy Heidn: Die Geschichte des Kreises Karthaus (vom Ende der Ordensherrschaft 1466–1945), 1971.
  • Wilhelm Brauer: Der Kreis Karthaus: ein westpreussisches Heimatbuch, 1978.
  • Ryszard Ciemiński: Album kartuski, Gdańsk 1991; ISBN 83-85130-28-4.
  • Elzbieta Pintus: Moje prawdziwe przezycia, 2005, ISBN 83-89079-40-2.
  • Paul Lau: Kirchenchronik des Kirchenkreises Karthaus-Kartuzy: Erinnerungsblätter aus der Vergangenheit der evangelischen Kirche im Kreise Karthaus-Kartuzy, 1938.
  • Willy Heidn: Der Kreis Karthaus 1772 – Die Besitzergreifung durch den König von Preußen, 1972.
  • Willy Heidn: Die nationalen Verhältnisse im Kreise Karthaus und die Grenzziehung 1920, 1967.
  • Theodor Hirsch: Geschichte des Karthauser Kreises bis zum Aufhören der Ordensherrschaft. In: Zeitschrift des Westpreußischen Geschichts-Vereins. Heft 6, 1882, S. 1–148.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Category:Kartuzy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Burmistrz Kartuz, abgerufen am 24. Januar 2015
  3. a b c d e Ernst Bahr: Karthaus. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, pp. 97-98.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, S. 28.
  6. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 59, Nr. 6.
  7. Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt. Nipkow, Neidenburg 1890.
  8. Wilhelm Schwandt: Karthaus und die Karthäuser Schweiz - Führer durchs Marienparadies. Danzig 1913, S.14
  9. Maria Wardzyńska: Był rok 1939, S. 159.
  10. Herder Institut Marburg: Die Deutschen östlich von Oder und Neiße 1945-1950, Dokumente aus Polnischen Archiven. Band 4, 2004.
  11. Wilhelm Brauer: Karthaus und sein Kloster "Marienparadies": ein 'Bildband' zum Heimatbuch des Kreises Karthaus, 1980, Foto Nr. 82.
  12. a b Willy Heidn: Ortschaften des Kreises Karthaus/Westpr. in der Vergangenheit, 1965.
  13. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Der preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 2, Berlin 1836, S. 477.
  14. Wilhelm Brauer: Bildband zum Heimatbuch des Kreises Karthaus, 1980.
  15. Kraatz: Topographisch-statistische Beschreibung des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 91.
  16. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Westpreußen, Kreis Karthaus (2006)
  17. Meyers Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 10, Leipzig und Wien 1907, S. 688.
  18. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 9, Leipzig 1931, S. 755.
  19. http://www.kartuzy.cartuz.pl/herb.html
  20. a b Wilhelm Schwandt: Karthaus und die Karthäuser Schweiz - Führer durchs Marienparadies, Danzig 1913, S.17.