Kasa-obake

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Ein zweibeiniger Kasa-Obake aus Kanō Enshins Hyakki Yagyo Zumaki (百鬼夜行図巻), um 1758.
Kasa-Obake aus Utagawa Yoshikazus Mukashi Banashi Bakemono Sugoroku (百種怪談妖物雙六), um 1850.

Kasa-Obake, (jap. 傘おばけ, dt. „Schirm-Geist“) auch Karakasa-Obake (から傘おばけ, dt. „Papierschirm-Geist“) und Karakasa-Kozō (唐傘小僧, dt. „Schirm-Junge“) genannt, ist ein fiktives Wesen der japanischen Folklore, das zur Yōkai-Gruppe der Tsukumogami („Artefakt-Geister“) zählt. Ihm wird ein ambivalenter Charakter nachgesagt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kasa-Obake hat die Gestalt eines großen, traditionellen Papierregenschirms. Er trägt ein einzelnes, großes Auge und einen Mund mit sehr langer Zunge. Sein Stiel mündet in einem menschlichen Fuß oder Bein mit Fuß, in manchen Fällen trägt er Schuhwerk (zum Beispiel Geta oder Zōri). Er bewegt sich hüpfend fort oder spannt sich selbst auf und schwebt umher. In seltenen Fällen kann der Kasa-Obake auch zwei menschliche Arme und/oder zwei Beine besitzen.[1][2] Kasa-Obake entwickeln ein Eigenleben, wenn sie ihren „100. Geburtstag“ erreichen, in dieser Zeit zu oft ignoriert wurden und sich nutzlos vorkommen. Als Vergeltung für die Verwahrlosung (und aus reiner Langeweile) verfolgen sie Hausbewohner und Spaziergänger und erschrecken sie. Andere Kasa-Obake betreiben lediglich harmlosen Schabernack. Oder sie fliegen einfach davon.[2]

In der Präfektur Ehime geht die Sage um, dass dereinst ein verhexter Regenschirm im Bezirk Higashimurayama ahnungslose Spaziergänger, die von Platzregen überrascht wurden, dazu verleitete, den Schirm aufzuspannen, um sich vermeintlich vor dem Regen zu schützen. Doch stattdessen packte der Kasa-obake seine Opfer am Handgelenk und trug sie meilenweit davon.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestaltungsvorbild war der Bankasa (番傘), ein großer, aufspannbarer Regen- oder Sonnenschirm, der sich besonders in der Edo-Zeit großer Beliebtheit erfreute. Er war ein robuster Alltagsschirm mit kurzem, relativ dickem Schaft, ein Massenprodukt und für den „kleinen Mann“ bestimmt. Teure Luxusanfertigungen waren mit Seide bespannt.[3]

Die ersten Erwähnungen und Abbildungen des Kasa-obake erschienen um 1850 (frühe Meiji-Epoche) in dem Werk Mukashi Banashi Bakemono Sugoroku (百種怪談妖物雙六) von Utakawa Yoshikazu. In Toriyama Sekiens Werk Hyakki Tsurezure Bukuro erscheint eine abgewandelte Form, der Hone-karakasa (dt. „Papierregenschirm aus Knochen“).[4]

Moderne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den frühen 70er Jahren erfuhr der Kasa-obake eine Art modernes Comeback. In verschiedenen Yōkai-Filmen, wie zum Beispiel Yōkai Hyaku Monogatari von Yasuda Kimiyoshi aus dem Jahr 1968, erscheinen Kasa-obake, wo ihnen herausragende Rollen zukommen.

Die Gestalt des Kasa-Obake hat außerdem Eingang in moderne Romane, Manga und Anime-Serien gefunden. Er gehört zu jenen Yōkai, die unter Kindern und Jugendlichen in Japan große Bekanntheit und Popularität genießen.[5] Besonders Kinder und Jugendliche malen Kasa-Obake-Motive. Ebenfalls beliebt ist ein Hampelmann-Spielzeug in Gestalt des Kasa-Obake.[6] Eine bekannte Parodie des Wesens ist im Game-Boy-Spiel Super Mario Land 2 als Gegner von Mario zu finden.[5] In Japan sind sogar Tattoos mit Kasa-obake Motiven populär.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michaela Haustein: Mythologien der Welt: Japan, Ainu, Korea. ePubli, Berlin 2011, ISBN 3844214070.
  • Friedrich B. Schwan: Handbuch japanischer Holzschnitte. Iudicium, München 2003, ISBN 3-8912-9749-1, S. 750.
  • Laurence C. Bush: Asian Horror Encyclopedia: Asian Horror Culture in Literature, Manga and Folklore. Writers Club Press, San José 2001, ISBN 0595201814.
  • Kenji Murakami: 妖怪事典. Mainichi Shinbunsha, Tokyo 2000, ISBN 9784620314280.
  • Hirotaka Ichiyanagi: 知っておきたい世界の幽霊・妖怪・都市伝說. Seitōsha, Tokyo 2008, ISBN 9784791615681, S. 77.
  • Lea Baten: Playthings and pastimes in Japanese prints. Shufunotomo, Tokyo/New York 1995, ISBN 0834803445.
  • Katsumi Tada, Zō Jimusho: 日本と世界の「幽霊・妖怪」がよくわかる本. PHP Kenkyūjo, Tokyo 2007, ISBN 9784569668871.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Kenji Murakami: 妖怪事典. S. 54 & 119.
  2. a b Michaela Haustein: Mythologien der Welt. S. 25 & 40.
  3. Laurence C. Bush: Asian Horror Encyclopedia. S. 95.
  4. Hiroko Yoda, Matt Alt: Japandemonium Illustrated: The Yokai Encyclopedias of Toriyama Sekien. Dover Publications, New York/Mineola 2017, ISBN 9780486800356, S. 150.
  5. a b Katsumi Tada, Zō Jimusho: 日本と世界の「幽霊・妖怪」がよくわかる本. S. 54–57.
  6. Lea Baten: Playthings and pastimes in Japanese prints. S. 59.
  7. Brian Ashcraft, Hori Benny: Japanese Tattoos: History • Culture • Design. Tuttle Publishing, Rutland 2016, ISBN 9781462918591, Seite 116 u. 117.