Kasem Hoxha

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Kasem Hoxha (* 12. August 1968 in Tirana, Albanien[1][2]) ist ein deutsch-albanischer Schauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie und Flucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoxha wurde in der albanischen Hauptstadt Tirana während der kommunistisch-stalinistischen Diktatur unter Enver Hoxha geboren. Er wuchs dort mit seiner Familie als eines von fünf Kindern in ganz armen Verhältnissen auf und erlebte die Willkür des Hoxha-Regimes. Bereits als Kind wollte Hoxha Schauspieler werden.[1] Im Alter zwischen vier und sechs Jahren lebte Hoxha aus familiären Grunden bei seinen Großeltern; zu seiner Familie kehrte er immer zum Schulbeginn zurück. Sein Vater starb an Lungenkrebs, als Kasem Hoxha noch ein Kind war. Mit 16 Jahren ging Hoxha auf ein Internat. In jener Zeit beschäftigte er sich auch erstmals bewusst mit der politischen Situation Albaniens.

Seinen zweijährigen Militärdienst leistete er ab 1988 im Norden Albaniens; er war inmitten der Berge im nördlichsten Teil des Landes stationiert.[1][3] Wegen seiner Fähigkeiten und seiner Geschicklichkeit im Morsen und Telegrafieren wurde er in der Telegrafenstation eingesetzt.[1] Anfang Juli 1990, direkt nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst, schloss er sich einer politischen Protest- und Widerstandsgruppe an und flüchtete als politisch Verfolgter in die Deutsche Botschaft in Tirana, wo er etwa eine Woche, teilweise ohne Essen und Getränke sowie ohne gesundheitliche und medizinische Versorgung mit Tausenden anderen auf engstem Raum in Isolation von der Außenwelt ausharrte.[1][3] Mit einem von der NATO organisierten Flüchtlingstransport wurde er am 8./9. Juli 1990 in die 40 Kilometer entfernte Hafenstadt Durrës gebracht, wo mit einer Fähre über die Adria zunächst nach Brindisi, Italien, kam.[1][3] Mit Zügen ging es dann für ihn weiter über die Schweiz nach Deutschland.[3] Seine erste Station in Deutschland war Regensburg, wo er einen Monat verblieb.[1][3] Anschließend kam er nach Aschaffenburg.[1]

Seine erste Arbeitsstelle bekam er gemeinsam mit einigen Landsleuten in der Papierfabrik in Aschaffenburg/Damm, wo er zunächst für Reinigungsarbeiten eingestellt wurde. Später wechselte er innerhalb der Firma zum Papiermacher.[1] 1993 lernte er seine Freundin und spätere Lebensgefährtin kennen, deren Familie ihn in seiner weiteren Entwicklung, insbesondere auch für die Schauspielerei bestärkte.[1] Hoxha absolvierte schließlich eine Ausbildung zum Zahntechniker.[1]

Ausbildung und Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoxha wollte jedoch weiterhin Schauspieler werden. Von 1999 bis 2002 machte er schließlich eine Schauspielausbildung bei der Actor’s Company in Aschaffenburg; dort absolvierte er bei dem Leiter Torsten Stoll, der später sein Schauspiellehrer wurde, zunächst ein Schauspielerseminar, um seine künstlerische Eignung für den Beruf festzustellen.[1] 1999 absolvierte er außerdem ein Seminar in Method Acting (Lee Strasberg/Uta Hagen) bei John Costopoulos am Actor’s Studio in New York City.

Von 2000 bis 2004 hatte er bundesweite Theaterengagements, u. a. in Tod eines Handlungsreisenden (als Willy Loman; Regie: Torsten Stoll), Die Kaktusblüte (als Norbert und Herr Cochet; Regie: Susanne Frey), Minna von Barnhelm (als Wirt, Regie: Jurek Makarowsk) und in der Gangsterkomödie Treue oder der Hochtseitstag von Chazz Palminteri (Regie: Torsten Stoll).

Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hoxha arbeitet als Darsteller mittlerweile fast ausschließlich für Film und Fernsehen. Häufig wird er dabei in Kriminal- und Actionfilmen in der Rolle des Bösen eingesetzt.[1]

Seine erste Filmrolle hatte er, noch während seiner Zeit auf der Schauspielschule, in einem Diplomfilm der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM Köln). Seine erste Fernsehrolle war 2005 in der RTL-Actionserie Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei. In dem Kinofilm Zelle (2007) spielte er den Bosnier „Sarajevo“, der unter seinen Erlebnissen im Bosnienkrieg leidet.[4] Im Wiener Tatort-Krimi Operation Hiob (2010) spielte er Dr. Ziu, einen Kosovo-Albaner' und Kopf des Drogensyndikats. In dem Spielfilm Murat B. – Verloren in Deutschland (2011) wirkte er in einer Nebenrolle als Herr Okic mit.

In dem Kinofilm Schutzengel (2012), mit Til Schweiger als Regisseur und Hauptdarsteller, spielte er einen Auftragskiller (Watcher), der schließlich von Schweiger erschossen wird.[5] Hoxha musste hierfür vor den Dreharbeiten zusammen mit weiteren Schauspielern eine professionelle, mehrwöchige Waffenausbildung bei Paul Maurice (CIA/Spezialeinheit USA) absolvieren.

Über den Caster Emrah Ertem erhielt Hoxha nach einem Casting in Berlin die Rolle des Mädchenhändlers Amed, einen Kumpel des Astan-Clans, im ersten Tatort-Krimi Willkommen in Hamburg (Erstausstrahlung März 2013) des Ermittlerduos Nick Tschiller (Til Schweiger) und Yalcin Gümer (Fahri Yardım).[6][7] Diese Rolle spielte er dann auch im zweiten Tschiller-Fall Tatort: Kopfgeld, diesmal als inhaftierter Astan-Kumpel.

In dem Fernsehfilm Das Attentat – Sarajevo 1914 (2014) spielte er den Polizisten Fritz Stadler. 2014 übernahm er eine kleine Gastrolle als Pyrotechniker in der Tragikomödie Honig im Kopf von Til Schweiger.

Hoxha hatte außerdem Episodenrollen in der Fernsehserien GSG 9 – Ihr Einsatz ist ihr Leben (2007, als Söldner Dragan), Notruf Hafenkante (2009), Ein Fall für zwei (2010), SOKO Wien (2010; 2013 als Russe russisch-georgischer Mafioso Ivan Fetissow) und Heiter bis tödlich: Koslowski & Haferkamp (2014).

Im Oktober 2015 war Hoxha in der ZDF-Krimireihe Wilsberg in einer Nebenrolle zu sehen; er spielte den Diskothekenbesitzer Manu.[8][9] Seit 2016 gehört Hoxha in der TV-Reihe Der Kroatien-Krimi zum Ermittlerteam um Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian).

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2015 unterstützte Hoxha seinen Freund und Schauspielerkollegen Til Schweiger, als über diesen anlässlich des geplanten Baus eines Flüchtlingsheims ein Shitstorm auf Facebook und im Internet niederging.[10] In einer E-Mail an Schweiger, die dieser dann veröffentlichte, berichtete Hoxha in bewegenden Worten von seiner eigenen Flucht und gab Schweiger Rückendeckung für dessen Pläne.[3][10]

Hoxha lebt in Köln.[1][2]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n KASEM HOXHA: EX- Schüler von Torsten Stoll Interview mit Kasem Hoxha vom 23. Februar 2014. Internetpräsenz Actor’s Company Aschaffenburg. Abgerufen am 9. Oktober 2015
  2. a b Kasem Hoxha Profil und Vita bei CASTFORWARD. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  3. a b c d e f Solidarität mit Flüchtlingen aus eigener Erfahrung Ein Interview mit Kasem Hoxha (Schauspieler). Domradio vom 6. August 2015. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  4. Elisabeth Singer: Zelle. Filmkritik. In: Stimme.de. 24. April 2009, archiviert vom Original am 5. März 2016; abgerufen am 11. Oktober 2015.
  5. "Schutzengel"- die Watcher-Szene, mit Kasem Hoxha und Luna & Til Schweiger. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  6. Tatort Folge 865: Willkommen in Hamburg Inhalt und Szenenfoto mit Kasem Hoxha. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  7. Mädchenhändler sind zum Sterben da: Amed (Kasem Hoxha) hält die Zwangsprostituierten in Schach. Fotostrecke in DER SPIEGEL. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  8. Wilsberg: 48 Stunden. Handlung, Besetzung und Produktionsdetails. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  9. Overbeck K.o. – Wilsberg soll ihm wieder auf die Beine helfen Presseportal/ZDF vom 7. Oktober 2015. Abgerufen am 11. Oktober 2015
  10. a b Til Schweiger: "Tatort"-Star plant Flüchtlingsheim - und erntet einen Shitstorm! Purestars.de vom 3. August 2015. Abgerufen am 11. Oktober 2015