Kaspar Schulz Brauereimaschinenfabrik & Apparatebauanstalt

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Kaspar Schulz

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Rechtsform GmbH
Gründung 11. Januar 1677
Sitz Bamberg, Bayern
Leitung Johannes Schulz-Hess
Mitarbeiterzahl 205
Branche Stahl- und Metallverarbeitung
Website www.kaspar-schulz.de
Stand: 1. Juli 2016

Kaspar Schulz Brauereimaschinenfabrik & Apparatebauanstalt e.K. ist ein inhabergeführtes, mittelständisches deutsches Familienunternehmen in der 10. Generation mit Sitz im oberfränkischen Bamberg. Es ist spezialisiert auf die Produktion von Fabrikationsanlagen für die Bierherstellung mit einer Jahreskapazität von bis zu 400.000 Hektolitern. Das seit 1677 bestehende Unternehmen ist der älteste noch existierende Industriebetrieb Bambergs und einer der ältesten metallverarbeitenden Betriebe Deutschlands.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stammhaus von Kaspar Schulz 1677–1887

Die Geschichte des Unternehmens lässt sich ohne Unterbrechung bis in das Jahr 1677 zurückverfolgen, als der aus dem schlesischen Greiffenberg stammende Christian Schulz, Kupferschmied in Bamberg, die Witwe seines verstorbenen Meisters heiratete und damit selbstständig wurde.[2] Stammhaus der Familie und der Kupferschmiedewerkstatt war über mehr als zwei Jahrhunderte das Haus Unterer Kaulberg 15, inmitten des UNESCO Welterbes Altstadt von Bamberg. Die Chronologie des Hauses als Kupferschmiedewerkstatt und vorher Werkstatt eines Dachdeckers lässt sich noch deutlich weiter in die Vergangenheit zurückverfolgen.[3]

Im 18. Jahrhundert traten die Nachfahren von Christian Schulz als Kupferschmiede in prägender Weise bei der kunsthandwerklichen Innenausstattung und Außengestaltung von Kirchen im Bistum Bamberg hervor. Der bedeutendste Auftrag war die Dacheindeckung der Türme des Bamberger Doms nach den Plänen Johann Jakob Michael Küchels 1765–1767. Bei den Schlussarbeiten verlor Kupferschmiedemeister Tobias Schulz, Enkel von Christian Schulz, am 31. Dezember 1767 durch den Sturz vom Südostturm sein Leben. Er wurde im Kreuzgang des Domes begraben.[4] Neben kirchlichen Aufträgen wurden im 18. und 19. Jahrhundert Gebrauchsgegenstände aus Kupfer für Privathaushalte und Gefäße für das Bierbrauen hergestellt. Die älteste, sich noch in Gebrauch befindliche Brauanlage der Schulz’schen Kupferschmiede ist dabei das 1844 von Andreas Schulz (1782–1865) geschmiedete ehemalige Schlüsselfelder Kommunbrauhaus, das heute im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim steht.[5]

Am 13. März 1879 erfolgte in der 7. Generation unter (Johann) Kaspar Schulz (1856–1915) der Eintrag in das Gewerbebuch der Stadt Bamberg.[6] Wie Geschäftsbücher belegen, behielt Kaspar Schulz das vielfältige Dienstleistungs- und Warenangebot eines Kupferschmieds bei, jedoch vollzog sich unter seiner Ägide eine Spezialisierung auf die Produktion, Installation und Wartung von Brauereitechnik (Sudpfannen, Kühlschiffe etc.). Aufgrund der beengten Raumverhältnisse und der gestiegenen Nachfrage verlagerte Kaspar Schulz 1887 die Kupferschmiedewerkstatt vom Unteren Kaulberg an der Fernstraße nach Würzburg gelegen in die Innenstadt Bambergs (Frauenstraße 15). Kaspar Schulz blieb als Firmenname bestehen und wurde von den folgenden Generationen beibehalten. Mit dem räumlichen Umzug ging der Wandel von der rein handwerklich geprägten Kupferschmiedewerkstatt hin zum Industriebetrieb einher. In den 1920er Jahren wurde unter Adalbert Schulz (8. Generation) die Produktionspalette um den Apparatebau, darunter Mälzereimaschinen, Destillierapparate für Schnapsbrennereien und Sterilisationsapparate (i.S. von Desinfektion) für Krankenhäuser, erweitert. Diese wurden bis nach China international nachgefragt.[7]

Typisches 3-Geräte-Sudhaus von Kaspar Schulz 2016

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Betrieb zur Herstellung von Gehäusen für Seeminen verpflichtet.[8] Nach 1945 erfolgte schrittweise die Verlegung des Unternehmens an den heutigen Standort am Stadtrand Bambergs (Hallstadter Straße 174, nach einer Straßenumbenennung: Kaspar-Schulz-Straße 1). Seit dieser Zeit wurden die Produktionsstätten kontinuierlich ausgebaut und modernisiert (Bauabschnitte 1956, 1968, 1979, 1989, 1994, 2014). Bereits 1947 war die Produktion von Spezialtanks aus Aluminium aufgenommen worden, 1965 folgte die Herstellung von Behältern aus Edelstahl.[9] Die erste vollautomatische Schulz-Sudhaussteuerung wurde 1973 konzipiert und bei der Würzburger Hofbräu erstmals realisiert.[10] 1985 wurde mit der Produktion von Craftbeer- und Erlebnisbrauereien mit einer Anlagengröße von 2,5 bis 30 hl begonnen, die einen Trend zurück zur Biervielfalt auslösten bzw. diesen Trend international mitgestalteten. Mit über 385 realisierten Anlagen, die in 67 Ländern (Stand: 1. Juni 2016) stehen, ist Kaspar Schulz in diesem Bereich Marktführer.[11]

Innovationen und Entwicklung seit 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulz verfügt über eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Die Markteinführung des Würzekochsystems “SchoKo” 2001, ein Nachverdampfungsverfahren, das eine Einsparung von bis zu 70 Prozent an Primärenergie gegenüber herkömmlichen Kochverfahren ermöglicht, wurde 2003 mit dem Bayerischen Energiepreis prämiert.[12] 2005 wurde der Optimaischer, ein System zur gleichmäßigen und staubfreien Maischeeinbringung, vorgestellt.[13] Im Rückgriff auf Bewährtes werden seit 2010 wieder kleine Mälzungsanlagen gefertigt. Dadurch sollen Craftbeer-Brauer ermutigt werden, ihr benötigtes Malz selbst herzustellen.[14]

Produktionshalle von Kaspar Schulz

Im August 2015 wurde das Unternehmen, das mit der Inbetriebnahme einer neuen Produktionshalle Ende 2014 seine Produktionsfläche um 2.000 m² vergrößert hatte, in besonderer Anerkennung für dessen Innovationskraft mit dem vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie ausgelobten Preis „Bayerns best 50“ ausgezeichnet.[15] Mit der Übernahme des 1946 gegründeten Unternehmens Hinke-Tankbau mit Sitz im oberösterreichischen Vöcklamarkt zum 1. Januar 2016, das auf die Fertigung von Behältern für die Brauerei- und Getränkebranche sowie der pharmazeutischen und chemischen Industrie spezialisiert ist, können nun große Tanks bis 12 m Durchmesser, 40 m Höhe und 1.500.000 l Inhalt im Stehen gefertigt und damit auch die Nachfrage ausstoßstärkerer Brauereien in diesem Bereich bedient werden. Mit der Übernahme von Hinke erhöht sich die Zahl der Beschäftigten auf 205.[16] Im Juni 2016 erfolgte mit der Wahl unter die TOP100 des deutschen Mittelstands eine weitere Anerkennung auf Basis eines wissenschaftlichen Auswahlverfahrens.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kestel, Christian: Von der Kupferschmiedewerkstatt zum modernen Industriebetrieb. 333 Jahre Brauereimaschinenfabrik und Apparatebauanstalt Kaspar Schulz. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 70 (2010), S. 125–149, hier S. 125f.
  2. Dengler-Schreiber, Karin: Chronik der Familie Schulz und der Firma Kaspar Schulz. Von der Kupferschmiede zur Brauereimaschinenfabrik und Apparatebauanstalt. Bamberg 2002, S. 3.
  3. Von Tilmann Breuer und Reinhard Gutbier: Die Kunstdenkmäler von Bayern. Die Stadt Bamberg. Band 3: Immunitäten der Bergstadt. Teil 2: Kaulberg, Matern und Sutte. München 1997, S. 631.
  4. Das Bistum Bamberg in Geschichte und Gegenwart. Teil 5: Der Dom zu Bamberg. Kathedrale und Mutterkirche. Straßburg 1997, S. 60.
  5. 333 Jahre Schulz. Tradition und Innovation aus Bamberg seit 1677. Bamberg 2010, S. 76, S. 103–105 und S. 140.
  6. Stadtarchiv Bamberg, Bestand C 34/42 Nr. 10, Gewerbe-Anmelde-Register der Stadt-Gemeinde Bamberg, S. 124.
  7. Kestel, Christian: Von der Kupferschmiedewerkstatt zum modernen Industriebetrieb. 333 Jahre Brauereimaschinenfabrik und Apparatebauanstalt Kaspar Schulz. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 70 (2010), S. 136–141.
  8. Kestel, Christian: Von der Kupferschmiedewerkstatt zum modernen Industriebetrieb. 333 Jahre Brauereimaschinenfabrik und Apparatebauanstalt Kaspar Schulz. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 70 (2010), S. 142.
  9. 333 Jahre Schulz. Tradition und Innovation aus Bamberg seit 1677. Bamberg 2010, S. 243, 275, 277, 292f.
  10. BRAUINDUSTRIE 03/2002, S. 34–35.
  11. BRAUINDUSTRIE drinktec2009, S. 46. Pressemitteilung "Kaspar Schulz gehört zu Deutschlands Innovationselite" vom 24. Juni 2016
  12. BRAUINDUSTRIE 10/2003, S. 10–13.
  13. 333 Jahre Schulz. Tradition und Innovation aus Bamberg seit 1677. Bamberg 2010, S. 296.
  14. Prospekt "SCHULZ MÄLZUNGSSYSTEM", Bamberg 2016. Siehe auch Homepage www.kaspar-schulz.de
  15. Fränkischer Tag, Ausgabe Bamberg, vom 11. August 2015, S. 14
  16. Fränkischer Tag, Ausgabe Bamberg, vom 18. März 2016, S. 9
  17. Yogeshwar, Ranga (Hrsg.): TOP 100 2016 - Wegbereiter: Die innovativsten Unternehmen im Mittelstand. München 2016, S. 312f.