Katalin Karikó

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Katalin Karikó (* 17. Oktober 1955) ist eine in den USA lebende ungarische Biochemikerin. Sie ist Senior Vice President der deutschen Firma Biontech.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katalin Karikó wurde als Tochter eines Fleischhauers geboren. Sie absolvierte das Gymnasium in Kisújszállás. Ab 1973 studierte sie an der Universität Szeged, wo sie auch promovierte. Bereits während ihrer Zeit in Szeged arbeitete sie an der Synthetisierung von RNA. Nach dem unfreiwilligen Ende ihrer Post-doc-Anstellung am Biological Research Centre der Ungarischen Akademie der Wissenschaften wanderte Katalin Karikó 1985 mit ihrem Mann, einem Ingenieur, und ihrer Tochter in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Sie folgte einer Einladung an die Temple University in Philadelphia, wo sie drei Jahre lang arbeitete. Danach lebte sie ein Jahr lang in Washington. Ab 1989 arbeitete sie an der Medizinischen Fakultät der University of Pennsylvania. 1998 traf sie den Immunologen Drew Weissman, Professor an der University of Pennsylvania, mit dem sie danach an der Entwicklung von Medikamenten auf mRNA-Basis forschte. Gemeinsam gründeten die beiden ein Unternehmen, dem Karikó als Geschäftsführerin vorstand. Eine konkrete Medikamentenentwicklung scheiterte, das von den beiden erlangte Patent auf die Technologie wurde von der Universität verkauft. Karikós Stelle als Research Assistant Professor wurde von der Universität nicht verlängert, sie wurde auf eine befristete Postdoc-Stelle zurückgestuft.

Trotz dieser Rückschläge blieb Karikó der RNA-Forschung treu. Es gelang ihr schließlich, die viralen RNA-Moleküle so zu modifizieren, dass sie in menschlichen Zellen nicht mehr von der Immunabwehr zerstört werden. Die Ergebnisse publizierte Karikó gemeinsam mit Weissman. Derrick Rossi von der Harvard University griff die Technologie auf und entwickelte sie weiter. 2010 gründete er mit Kollegen die Firma Moderna. In Deutschland wurden die Gründer von Biontech Ugur Sahin und Özlem Türeci auf Karikó aufmerksam und boten ihr eine Stelle an. Seit 2013 ist Karikó Senior Vice President von Biontech. Parallel dazu ist Karikó adjunct associate professor an der University of Pennsylvania.[1]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karikó trug federführend zur Entwicklung der mRNA-Technologien bei, die heute als vielversprechender Ansatz für Impfungen etwa gegen Covid-19 und Medikamente von Krebs über Schlaganfälle bis zur zystischen Fibrose gelten.[2] Kariko hat vor allem erforscht, wie man die empfindlichen mRNA-Moleküle so in Lipid-Moleküle verpackt, dass winzige Nanopartikel entstehen, die man Tieren und Menschen injizieren kann, ohne eine Immunreaktion auszulösen. Es wird vermutet, dass Karikó dafür eines Tages vielleicht sogar den Nobelpreis für Chemie bekommen könnte.[3] Für 2020 wurde ihr gemeinsam mit Drew Weissman der Rosenstiel Award zugesprochen.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karikós Tochter Susan Francia war zweifache Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin im Rudern.

Karikós Schul- und Studienkollege Norbert Pardi arbeitet ebenfalls an der University of Pennsylvania im gleichen Forschungsfeld wie Karikó selbst.[4][2]

Ausgewählte Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anderson B.R., Muramatsu H., Nallagatla S.R., Bevilacqua P.C., Sansing L.H., Weissman D., Karikó K. Incorporation of pseudouridine into mRNA enhances translation by diminishing PKR activation. In: Nucleic Acids Research. Band 38, Ausgabe 17, September 2010, S. 5884–5892
  • Karikó K., Muramatsu H., Welsh F.A., Ludwig J., Kato H., Akira S., Weissman D. Incorporation of pseudouridine into mRNA yields superior nonimmunogenic vector with increased translational capacity and biological stability In: Molecular Therapy: The Journal of the American Society of Gene Therapy. Band 16, Ausgabe 11, November 2008, S. 1833–1840
  • Karikó K., Buckstein M., Ni H., Weissman D. Suppression of RNA recognition by Toll-like receptors: the impact of nucleoside modification and the evolutionary origin of RNA. In: Immunity. Band 23, Ausgabe 2, August 2005, S. 165–175
  • Karikó K., Weissman D., Welsh F.A. Inhibition of toll-like receptor and cytokine signaling--a unifying theme in ischemic tolerance. In: Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism. Band 24, Ausgabe 11, November 2004, S. 1288–1304
  • Karikó K., Ni H., Capodici J., Lamphier M., Weissman D. mRNA is an endogenous ligand for Toll-like receptor 3 In: The Journal of Biological Chemistry. Band 279, Ausgabe 13, März 2004, S. 12542–12550

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Herden: Warum der mRNA-Impfstoff das perfekte Mittel gegen das Coronavirus ist. In: Die Welt, 1. Dez. 2020, aufgerufen 1. Jan. 2021
  2. a b Julia Kollewe: Covid vaccine technology pioneer: 'I never doubted it would work'. Abgerufen am 27. November 2020 (englisch).
  3. Das steckt hinter der mRNA-Technologie
  4. hungarianspectrum.org: A typical Hungarian story: Katalin Karikó. Abgerufen am 27. November 2020 (englisch).