Katharina Hagena

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Katharina Hagena auf der Frankfurter Buchmesse 2016

Katharina Hagena (* 20. November 1967 in Karlsruhe) ist eine deutsche Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina Hagena wurde am 20. November 1967 in Karlsruhe geboren. Von 1986 bis 1992 studierte sie Anglistik und Germanistik an der Marburg, Freiburg und London. Nach einem sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an der Zurich James Joyce Foundation promovierte sie 1995 über James Joyces Ulysses. Im Anschluss arbeitete sie zunächst zwei Jahre als DAAD-Lektorin am Trinity College in Dublin und übernahm dann Lehraufträge an den Universitäten Hamburg und Lüneburg.

Seit der Veröffentlichung ihres ersten Romans arbeitet sie als freie Schriftstellerin und lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Ihre Bücher führten sie unter anderem zu Veranstaltungen und Lesungen in Frankreich, Norwegen, England, Holland, Finnland, Lettland, Zypern und die Schweiz, aber auch außerhalb Europas nach Kanada, Indien und 2016 mit der Kulturdelegation des Außenministers Frank-Walter Steinmeier nach Vietnam. Seit 2015 ist sie Schirmherrin der Hamburger Klinik-Clowns.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 schrieb sie das Sachbuch Was die wilden Wellen sagen. Der Seeweg durch den Ulysses, das auf ihrer Doktorarbeit von 1996 basiert. „Zweifellos beschäftigt Joyce mit seinem unergründlichen Werk eine internationale Anhängerschaft, deren Rituale durchaus auch für Nicht-Joyceaner einen Unterhaltungswert haben. Hagenas Begeisterung packt früher oder später den Leser, und mit ihrer Einladung, den Abenteuern des »Mannes mit dem schlechtesten Orientierungssinn der westlichen Hemisphäre« nachzuspüren, will sie uns nicht aus der Irre führen, sondern uns die Freude am Irren lehren, dem Sich-treiben-Lassen im Meer der Sprache, dem Lesen an sich, dem eben, was die wilden Wellen sagen.“ (Gabrielle Alioth, Die Zeit)

Ihr erster Roman, Der Geschmack von Apfelkernen, erschien 2008 und wurde auf Anhieb ein großer Erfolg: Er verkaufte sich weltweit über 1,5 Millionen Mal, wurde in 26 Sprachen übersetzt und 2013 für das Kino verfilmt. Es ist die Geschichte einer norddeutschen Familie, erzählt in Erinnerungsbruchstücken, wobei jede der Figuren wiederum mit dem eigenen Vergessen ringt. „...zart und ohne Scheu, sinnlich und präzise. (...) Mit Der Geschmack von Apfelkernen ist ihr ein tolles Debüt gelungen.“ (Christoph Haas, Süddeutsche Zeitung)

Der nächste Roman, Vom Schlafen und Verschwinden, folgte 2012 und wurde ebenfalls in mehrere Sprachen übersetzt. Das Buch spielt innerhalb einer einzigen Nacht, in der die schlaflose, rastlose Erzählerin versucht, einem unter vielen Schichten verschütteten Geheimnis auf die Spur zu kommen. „Über den Tod und den Schlaf ist Katharina Hagena ein sehr waches und sehr lebendiges Stück Literatur gelungen. Was auf den Schildern am Fluss steht, wie wir in diesem Roman lesen, könnte auch als Motto diesem Buch voranstehen: Achtung, Sogwirkung. Jede der Figuren wird von irgendetwas mitgerissen, fort über alle Berge oder in die Tiefe. Uns Lesern geht’s nicht anders.“ (Friedhelm Rathjen, Die Zeit)

2016 erschien der Roman Das Geräusch des Lichts. Das Buch handelt von fünf Menschen im Wartezimmer eines Nervenarztes. Eine der Wartenden denkt sich, auch um nicht über sich selbst nachdenken zu müssen, Geschichten zu den anderen aus, wobei aber ihre eigene Geschichte immer wieder durchschimmert. Es ist ein Roman über das Verlieren und das Suchen, über die große weiße Leere Kanadas, über den Trost von Moosen und den darin lebenden Bärtierchen, über den Planeten Tschu, der nur durch Kaugummiautomaten erreicht werden kann, über die Geräusche des Nordlichts und das Erzählen als letzte Rettung. „In ihrem neuen Roman Das Geräusch des Lichts spürt Katharina Hagena dem Verhältnis von Dichtung und Wahrheit nach und auch dem von Ich und Welt. Alles hängt mit allem zusammen. (...) Die Ebenen sind, meist kunstvoll, miteinander verwoben. Hagenas Sprache ist besonders eindringlich und schön.“ (Katharina Stegelmann, SPIEGEL)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994 Forschungsstipendium der Gottlieb-Daimler und Carl-Benz-Stiftung für die Zurich James Joyce Foundation
  • 1995 Graduiertenförderung des Landes Baden-Württemberg
  • 2011 Prix du livre des poches für Der Geschmack von Apfelkernen, frz. Le goût des pépins de pomme

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • arbeitet zusammen mit der Illustratorin Stefanie Clemen an einem 18-bändigen Daumenkino zu James Joyce' Ulysses.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane

  • Der Geschmack von Apfelkernen, Kiepenheuer & Witsch, 2008.
  • Vom Schlafen und Verschwinden, Kiepenheuer & Witsch, 2012.
  • Das Geräusch des Lichts. Kiepenheuer & Witsch, 2016.

Sachbücher

  • Developing Waterways. Das Meer als sprachbildendes Element im Ulysses von James Joyce, hrsg. v. Willi Erzgräber und Paul Goetsch in der Reihe Neue Studien zur Anglistik und Amerikanistik, Bd. 70, Peter Lang, 1996.
  • Was die wilden Wellen sagen. Der Seeweg durch den Ulysses, Marebuchverlag, 2006.

Kinderbücher

  • Grausi schaut unter den Stein, mit Illustrationen von Stefanie Clemen, Bloomsbury Berlin, 2008.
  • Albert Albatros albert, mit Illustrationen von Stefanie Clemen, Cecilie Dressler, 2010.

Übersetzungen

  • Rechte wurden u.a. nach China, Kroatien, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Italien, Griechenland, Korea, Ungarn, Israel, Lettland, Litauen, Estland, Polen, Vietnam, Norwegen, Portugal, Rumänien, Spanien, Serbien, in die Türkei, die USA, die Tschechische Republik und die Niederlande verkauft.

Hörbücher

  • Der Geschmack von Apfelkernen, gelesen von Maren Eggert, Jumbo Neue Medien 2008
  • Vom Schlafen und Verschwinden, gelesen von Meret Becker sowie Regina Lemnitzer und Tim Grobe, Jumbo Neue Medien 2012.
  • Das Geräusch des Lichts, gelesen von Holger Dexne, David Hofner, Julia Meier, Angela Schmid, Jana Schulz, Jumbo Neue Medien 2016.

Aufsätze

  • Von Dunkel zu Dunkel übersetzen: Wege und Umwege durch ein Gedicht von Paul Celan, in Schwellen: Germanistische Erkundungen einer Metapher, hrsg. v. Nicholas Saul, Daniel Steuer et al., Königshausen & Neumann, 1999.
  • Der Turmbau zu Pharos, in Zettelkasten. Aufsätze und Arbeiten zum Werk Arno Schmidts. Jahrbuch der Tagung der Arno-Schmidt-Leser 1999, hrsg. v. Friedhelm Rathjen, Bangert & Metzler, 1999.
  • Phantastische Räume in Pamela L. Travers’ Mary Poppins, in Inklings. Jahrbuch für Literatur und Ästhetik, Bd. 17, hrsg. v. Dieter Petzold, Brendow-Verlag, 1999.
  • Stimme und Schrift in James Macpherson’s Poems of Ossian und deren Echo in James Joyce' Finnegans Wake, in Anglia. Zeitschrift für englische Philologie, 118/3, hrsg. v. Hans Sauer et al., Max Niemeyer Verlag, 2000.
  • Towers of Babble and of Silence, in Joyce on the Threshold, hrsg. v. Anne Fogarty und Timothy Martin, UP Florida, 2005.
  • Es atmen deine Seile Nordatlantik-Stille - Die Brooklyn Bridge in der Dichtung, in Mühlhäuser Beiträge, Bd. 30, 2007.
  • Nachwort zu Jane Austen: Lady Susan und andere Erzählungen, Manesse, 2011.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria Irchenhauser: Heimat im Spannungsfeld Globalisierung: Studien zu zeitgenössischen Heimatfilmen und Heimattexten, Kingston, Ontario, Kanada, 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Katharina Hagena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien