Katharina König-Preuss

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Katharina König-Preuss (2016)

Katharina König-Preuss (* 7. April 1978 in Erfurt, geborene König) ist eine deutsche Politikerin (Die Linke) und seit 2009 Thüringer Landtagsabgeordnete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tochter des Pfarrers Lothar König besuchte bis 1997 ein Gymnasium in Jena. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr in Israel begann sie ein Studium der Semitischen Philologie, Islamwissenschaft und Politikwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, das sie 2002 abbrach. Bis 2009 arbeitete sie sieben Jahre als Sozialpädagogin und Straßensozialarbeiterin in einem Jugendzentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde in Jena. Ab 2004 studierte sie „Soziale Arbeit“ an der Berufsakademie Gera und erwarb 2007 den Abschluss zur Diplom-Sozialarbeiterin (BA).

Politisch engagierte sich König-Preuss bereits seit 1999 im Aktionsbündnis gegen Rechts (Jena) und im Vorfeld des Irakkrieges ab 2002 im Jenaer Friedensbündnis. Bei der Thüringer Kommunalwahl 2004 wurde sie für die damalige PDS in den Stadtrat gewählt und bei den Kommunalwahlen 2009 und 2014 wiedergewählt. Zur Thüringer Landtagswahl 2009 wurde König-Preuss auf den elften Platz der Landesliste gewählt und zog über diesen Listenplatz im Herbst in den Landtag ein. Sie ist Sprecherin ihrer Fraktion für Jugendpolitik, Netzpolitik und Antifaschismus. Sie ist Mitglied des Innenausschusses[1] und saß zusammen mit Martina Renner im thüringischen Untersuchungsausschuss zum Nationalsozialistischen Untergrund.[2][3][4]

Das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz versuchte Oktober 2012 einen Mitarbeiter von Katharina König-Preuss als V-Mann zu gewinnen.[5] Innenminister Jörg Geibert bestätigte den Anwerbeversuch.[6]

Sie hat einen Artikel für das Buch Made in Thüringen? über den NSU-Verfassungsschutz-Komplex verfasst.[7]

Unter Verwendung des von Wolf Biermann für ihre Partei bei der Feierstunde im Bundestag zum 25. Jahrestag des Mauerfalls benutzten Begriffs „Drachenbrut“ beschmierten in der Nacht zum 14. November 2014 Unbekannte ihr Saalfelder Wahlkreisbüro.[8]

Seit ihrer Heirat im April 2017 führt sie den Namen König-Preuss.[9]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DDR-Unrechtsstaatsdebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Rede im Thüringer Landtag legte König-Preuss dar, warum sie die DDR für einen Unrechtsstaat hält. Wegen dieser Position wurde sie von drei Mitgliedern und einem Sympathisanten ihrer Partei aus Bad Blankenburg in einem offenen Brief scharf attackiert, außerdem forderten diese eine Rückgabe ihres Mandats. Während einige Mitglieder der Partei den Autoren des Briefs zustimmten, stellten sich die Mehrheit des Kreisverbandes und der Fraktionsvorsitzende der LINKEN Bodo Ramelow hinter die Abgeordnete, die eine Auseinandersetzung in der Linken zur DDR-Vergangenheit und der Rolle der SED forderte.[10][11]

Residenzpflichtdebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einer Debatte im Thüringer Landtag zur Residenzpflicht warf König-Preuss der Thüringer Polizei eine rassistische Kontrollpraxis vor. Dass Asylbewerber in Thüringen ihren Landkreis nicht verlassen dürfen, führe dazu, dass die Polizei ausländisch aussehende Menschen mit dunklerer Hautfarbe häufiger kontrolliere, um in dieser Personengruppe vermutete Verstöße gegen die Residenzpflicht aufzuspüren und zu ahnden. Sie ergänzte, dass hier das System und nicht der einzelne Polizist rassistisch sei. Dennoch wurde sie für die Feststellung von CDU-Politikern wie Wolfgang Fiedler, der aus Protest den Plenarsaal verließ, heftig kritisiert.[12]

Aufklärung des NSU-Terrorismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König-Preuss engagiert sich in der Aufklärungsarbeit zur rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund. Sie war und ist Mitglied der NSU-Untersuchungsausschüsse des Thüringer Landtags und trägt diese Arbeit durch Vorträge und Publikationen in die Gesellschaft. Am Tag der Urteilsverkündung im NSU-Prozess stellte König-Preuss drei Strafanzeigen gegen Mitarbeiter von Behörden wegen deren Verhalten bei den Ermittlungen zur Terrorgruppe bei der Staatsanwaltschaft Erfurt.[13] Diese Aktivitäten stehen im Zusammenhang mit ihrem Engagement gegen Rechtsextremismus seit ihrer Jugendzeit.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katharina König: Die Durchsuchung. In: Johannes Eisenberg, Lea Voigt, Manuel Vogel (Hrsg.): Antifaschismus als Feindbild. Der Prozess gegen den Pfarrer Lothar König. Hamburg: Laika-Verlag, 2014, Seiten 111 bis 117.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Katharina König-Preuss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Innenausschuss. Thüringer Landtag, abgerufen am 16. August 2011
  2. Thüringer Neonazi-Ausschuss: "Ab morgen bin ich hier Präsident, Sie können gehen". In: spiegel.de
  3. "Es war dunkel, außerdem war ich betrunken". In: sueddeutsche.de
  4. Top-Aussagen im Untersuchungsausschuss. In: haskala.de
  5. Anwerbeversuch bei der Linken – Willst du unser V-Mann sein? In: taz, 19. Oktober 2012
  6. Partei kritisiert Verfassungsschutz – Linke-Mitarbeiter umworben. In: n-tv.de, 19. Oktober 2012
  7. Bodo Ramelow (Hrsg.): Made in Thüringen?
  8. Wahlkreisbüro von Linke-Politikerin König mit Parolen beschmiert. In: Ostthüringer Zeitung, 17. November 2014
  9. Abgeordnetenseite des Thüringer Landtags
  10. Offener Brief (PDF; 1,6 MB)
  11. Thüringer Linke-Genossen streiten über DDR (Memento vom 8. Oktober 2010 im Internet Archive)
  12. Kai Mudra, Matthias Thüsing: Fiedler verlässt Landtag unter Protest. In: Thüringer Allgemeine, 18. Juni 2011
  13. Martin Schutt: Strafanzeige gegen Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden. In: Thüringer Allgemeine, 11. Juli 2018. Siehe auch Kein Schlussstrich im NSU-Komplex: Staatshaftungsklagen und Strafanzeigen. In: Radio F.R.E.I., 31. Juli 2018 (Interview Katharina König-Preuss).
  14. Patricia Hecht: Kampf gegen Rechts: Von guten Mächten getragen. In: Die Tageszeitung, 20. September 2017.