Katharina Nocun

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Katharina Nocun (2012)

Katharina Maria Nocun [dt. kataʀina nokun] bzw. Katarzyna Nocuń [pln. kataʒɨna nɔt͡suɲ] (* 1986 in Tychy, Polen) ist eine deutsch-polnische[1] Politikerin, Netzaktivistin und Bloggerin. Sie war von Mai bis November 2013 politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland und leitete[2] bei Campact unter anderem die Kampagne „Schutz für Edward Snowden in Deutschland“.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina Nocun wurde in Polen geboren und kam im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland.[4] Ihre Mutter ist Datenbankadministratorin, ihr Vater IT-Projektmanager. Nach dem Abitur 2006 am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel studierte sie zunächst Politik und Wirtschaft an der Universität Münster und anschließend den internationalen Studiengang Politics, Economics and Philosophy an der Universität Hamburg.[5] Sie hat einen Bachelor of Arts, ihre Bachelorarbeit schrieb sie über die Online-Abstimmungssoftware LiquidFeedback. Bis Dezember 2012 war sie Referentin für digitale Verbraucherrechte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Danach arbeitete sie als Redakteurin beim Computermagazin netzwelt und absolvierte ein Teilzeitstudium in Wirtschaftsinformatik. Seit 2013 leitete sie beim Kampagnennetzwerk Campact e. V. Online-Kampagnen zu Bürgerrechts- und Netzthemen[6] und arbeitete 2016 als Campaignerin für Wikimedia Deutschland.[2]

Sie besitzt sowohl die deutsche als auch die polnische Staatsangehörigkeit und ist zweisprachig aufgewachsen.[1]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netzaktivismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2007 war sie u. a. für den „Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung“ tätig und sprach, bis sie 2013 auf die Liste der Piratenpartei zur Landtagswahl in Niedersachsen gewählt wurde, regelmäßig öffentlich für das bundesweite überwachungskritische Bündnis.[7][8] Sie arbeitete an Positionierungen und Protestaktionen[9] mit und vertrat das Bündnis bei Anhörungen der Europäischen Kommission.[10]

Daneben ist sie seit 2009 beim Bielefelder Bürgerrechtsverein Digitalcourage tätig[11] und befasste sich dort vor allem mit dem Elektronischen Entgeltnachweis (ELENA)[12][13] und dezentralen sozialen Netzwerken.[14] In den Jahren 2010–2011 sprach sie öffentlich für das Demonstrationsbündnis „Freiheit statt Angst“ und hielt dort 2011 eine Rede zum Thema Vorratsdatenspeicherung in Europa und Polen.[15][16] 2011 unterstützte sie den Protest des „Arbeitskreises Zensus“ gegen die Volkszählung. 2012 war sie Mitinitiatorin beim Bündnis „Hamburg gegen ACTA“.[17] Die Demonstration am 11. Februar 2012 in Hamburg gehörte mit 8000 Teilnehmern zu den größten Demonstrationen gegen das Urheberrechtsabkommen in Deutschland.[18]

Während ihrer Studienzeit an der Universität Münster vertrat sie von 2009 bis 2010 als Referentin für Datenschutz und Freie Software beim AStA der Universität Münster die Interessen der Studierenden gegenüber der Hochschule. Dort wirkte sie bei Initiativen gegen den elektronischen Studierendenausweis und bei den Protesten gegen Studiengebühren im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks mit.[19][20] Zusammen mit dem AStA der Fachhochschule Münster und dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung war sie Herausgeberin eines Readers über Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung im Kontext von neuen Anti-Terror-Gesetzen.[21]

Im Dezember 2010 nahm sie für den Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung an der letzten Anhörung der EU-Kommission vor der Reevaluierung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Brüssel teil.[22] Dieses Erlebnis beschrieb sie später als prägend für ihren Eintritt in die Piratenpartei; sie kritisierte öffentlich eine mangelnde Einbindung von Bürgerinteressen auf EU- und Bundesebene.[23]

Parteipolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nocun trat im März 2012 der Piratenpartei Deutschland bei. Sie war Spitzenkandidatin der Piratenpartei bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2013 (Listenplatz 2), stand bei der Bundestagswahl 2013 auf Listenplatz zwei des niedersächsischen Landesverbandes[24] und trat auch als Direktkandidatin im Wahlkreis Osnabrück-Land an.[25] Sie war Themenbeauftragte für Datenschutz der Piratenpartei Deutschland.

Im Januar 2013 reichte sie bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die Bundesregierung ein, wegen „mangelnder Unabhängigkeit des Bundesbeauftragten für Datenschutz und die Informationsfreiheit.“[26]

Am 4. Mai 2013 initiierte sie mit Patrick Breyer und Meinhard Starostik eine Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen das am 1. Juli in Kraft getretene Gesetz zur Bestandsdatenauskunft.[27]

Am 10. Mai 2013 wurde sie mit 81,7 Prozent der Stimmen im Zustimmungs-Wahlverfahren zur politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei gewählt.[28] Vor dem Parteitag im November 2013 erklärte sie, nicht erneut für das Amt zu kandidieren. Angesichts ihrer Dreifachbelastung aus Studium, Lohnarbeit und Politik könne sie sich die Arbeit im Bundesvorstand „leider nicht mehr leisten.“[29] Ihr Nachfolger im Amt des politischen Geschäftsführers war bis zu seinem Rücktritt am 16. März 2014 Björn Semrau.

Am 5. Oktober 2016 trat Nocun aus der Piratenpartei Deutschland aus.[30]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Leif-Erik Holtz und Marit Hansen: Towards Displaying Privacy Information with Icons. In: Privacy and Identity Management for Life. Springer Science+Business Media (2011), S. 338–348. doi:10.1007/978-3-642-20769-3 27

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Katharina Nocun – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Deutsche Welle: Na czele niemieckiej Partii Piratów stoi dziewczyna z Polski, vom 11. Mai 2013
  2. a b Julian Fischer: Team Ideenförderung bekommt Unterstützung. In: Wikimedia Blog. Wikimedia Deutschland, 1. März 2016, abgerufen am 2. März 2016.
  3. Tagesspiegel: [1], vom 18. August 2014
  4. Kandidatengrillen, abgerufen am 10. Mai 2013
  5. KDG Wesel: Konrad Duden Gymnasium Wesel, Absolventen 2006
  6. Campact e.V.: Campact Mitarbeiter
  7. Spiegel-Online: [2], vom 27. Dezember 2011.
  8. Tagesthemen: [3], vom 7. Oktober 2012.
  9. Pressemitteilung des AK Vorrat zum Aktionstag gegen Vorratsdatenspeicherung: [4], vom 13. Dezember 2011.
  10. FAZ: [5], vom 12. Mai 2013.
  11. Homepage Digitalcourage (ehemals FoeBud, nicht mehr online)
  12. FoeBuD e.V.: ELENA: Elektronische Leistungserfassung Eines Neuen Ausmaßes (Memento vom 9. Januar 2015 im Internet Archive), Beitrag vom 2. August 2010.
  13. Hamburger Abendblatt (Bild): [6], vom 31. März 2010.
  14. Datenschutz Nachrichten (DANA): [7], Ausgabe 2/2012.
  15. Wiki AK Vorrat (Bilder): [8]
  16. Seite des Demobündnisses: Fakten zur Demo und zum Aktionstag (Memento vom 21. Mai 2013 im Internet Archive)
  17. Pressemitteilung des Bündnisses „Hamburg gegen ACTA“: [9], vom 9. Februar 2012.
  18. Spiegel Online: [10]
  19. Berliner Zeitung: Der gläserne Student, 18. Oktober 2010.
  20. Echo Münster: „Turbo-Abi und Bologna“: Bildungsstreik-Bündnis lässt über Reizthemen diskutieren. 10. September 2009.
  21. Don’t Panic – Ein Reader über den Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung: [11], von 2009.
  22. Europäische Kommission: Cecilia Malmström Member of the European Commission responsible for Home Affairs Taking on the Data Retention Directive European Commission conference in Brussels Brussels. 3. Dezember 2010.
  23. Süddeutsche Zeitung: Am Ende der Durststrecke. 4. August 2013.
  24. die tageszeitung: Katharina Nocun – Strikt sachlich, jung und Oberpiratin, 28. Dezember 2012
  25. Zulassung von Kreiswahlvorschlägen. Kreiswahlleiter, 26. Juli 2013, archiviert vom Original am 23. Oktober 2013, abgerufen am 26. Juli 2013 (PDF; 74 kB).
  26. Piratin bezweifelt Unabhängigkeit des Bundesdatenschützers. heise online, 7. Januar 2013, abgerufen am 20. August 2013.
  27. Verfassungsbeschwerde gegen die Bestandsdatenauskunft. Till Zimmerman, 4. Mai 2013, abgerufen am 28. Juli 2013.
  28. Frankfurter Rundschau: Katharina Nocun wird neue Oberpiratin, vom 10. Mai 2013
  29. Wahldebakel: Piratin Nocun zieht sich aus Parteivorstand zurück in Spiegel Online vom 20. November 2013
  30. FAZ: Auch Katharina Nocun verlässt die Piraten vom 5. Oktober 2016