Katharine Gun

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Katharine Teresa Gun (* 1974 als Katharine Teresa Harwood in Taiwan) ist eine ehemalige Übersetzerin im Dienst des britischen Government Communications Headquarters (GCHQ), die 2003 als Whistleblowerin mit streng geheimen Unterlagen zu illegalen Aktivitäten während der Invasion des Iraks im gleichen Jahr an die Öffentlichkeit trat — dafür wurde sie 2004 mit dem Sam Adams Award ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gun wurde als Kind britischer Eltern in Taiwan geboren, wo sie auch einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte. Später studierte sie an der University of Durham in England Japanisch und Chinesisch und begann nach ihrem Studium für die Government Communications Headquarters als Übersetzerin zu arbeiten.[1]

Als Whistleblowerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 31. Januar 2003 erhielt sie eine E-Mail vom NSA Angestellten Frank Koza – dem Chief of Staff für regionale Ziele[2], in der das GCHQ um Amtshilfe bei der Übersetzung von Material aus der Überwachung und dem Abhören der Büros der Vereinten Nationen bat, die durch das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen von 1961, einen völkerrechtlichen Vertrag, als illegal deklariert ist. Der Befehl zur Sammlung und Auswertung lautete:

“[…] the whole gamut of information that could give US policymakers an edge in obtaining results favourable to US goals or to head off surprises.”

„[…] die gesamte Skala an Informationen, die US-Entscheidern einen Vorteil dabei verschaffen könnten, Ergebnisse im Einklang mit den Zielen der USA zu erreichen oder Überraschungen zu vermeiden.“

Frank Koza[3]

Betroffen waren die Staaten Angola, Bulgarien, Kamerun, Chile, Guinea und Pakistan, die zu diesem Zeitpunkt Stimmrecht im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatten, in dem die Vereinigten Staaten den Angriffskrieg auf den Irak legitimieren lassen wollten. Sie leitete den betreffenden Text an die Zeitung The Observer, Tage nach der Veröffentlichung im März wurde Gun verhaftet. In einer Botschaft an die Öffentlichkeit rechtfertigt sie die Veröffentlichung:

“[…] because they exposed serious illegality […] on the part of the US government who attempted to subvert our own security services; […] I have only ever followed my conscience.”

„[…], weil sie gravierende Illegalität auf Seiten der US-Regierung belegen, welche versuchte, unsere eigenen Geheimdienste zu untergraben […]. Ich bin immer nur meinem Gewissen gefolgt.“

Sie erhielt breite öffentliche Unterstützung durch einzelne Personen wie Whistleblower Daniel Ellsberg, Bürgerrechtler Jesse Jackson oder Schauspieler Sean Penn und von Organisationen wie dem Institute for Public Accuracy sowie dem National Council for Civil Liberties.[4]

Anklage & Prozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anklage wegen Verstoßes gegen den ersten Absatz des Official Secrets Act 1989 erfolgte am 13. November 2003, die Eröffnung des Verfahrens am 25. Februar 2004. Katharine Gun plädierte nicht schuldig und bekannte sich weiter öffentlich zu ihren Taten:

“I’m just baffled that in the 21st century we as human beings are still dropping bombs on each other as a means to resolve issues. […] my actions were necessary to prevent an illegal war in which thousands of Iraqi civilians and British soldiers would be killed or maimed.”

„Ich bin verblüfft darüber, dass wir Menschen im 21. Jahrhundert immer noch Bomben aufeinander werfen, um Probleme zu lösen. […] meine Handlungen waren notwendig, um einen illegalen Krieg zu verhindern, in dem tausende irakische Zivilisten und britische Soldaten getötet oder verstümmelt werden würden.“

Eine halbe Stunde nach Eröffnung wurde das Verfahren eingestellt, da die Anklagebehörde unter Lord Goldsmith keinerlei Beweise zu ihrer Position vorbrachte. Die Gründe hierfür sind unbekannt, gemeinhin wurde vermutet, dass ein im Sinne des GCHQ erfolgreich geführter Prozess die Veröffentlichung von weiteren geheimen Dokumenten oder politische Exposition mit sich gebracht hätte – zumal die Bevölkerung ohnehin kritisch gegenüber dem Irakkrieg eingestellt und eine Verurteilung durch eine Jury also unwahrscheinlich sei.[5]

Nachspiel & Auswirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt verstärkt wurde besonders die Position von Diplomaten und Politikern aus Chile und Mexiko, die USA „arbeiteten regelmäßig mit schmutzigen Tricks“.[2]

2006 veröffentlichte Gun den Text Iran: Time to Leak, in dem sie dazu auffordert, weiterhin geheime Dokumente zu Aktivitäten von öffentlichem Interesse zu veröffentlichen.

2013 sagte Gun in einem Interview über ihr Whistleblowing:

“Still no regrets, but the more I think about what happened, the more angry and frustrated I get about the fact that nobody acted on intelligence. The more we find out that in fact the million-person march was a real cause of worry for Downing Street and for Blair personally, it makes you think we were so close and yet so far.”

„Ich bedauere es immer noch nicht, aber je mehr ich darüber nachdenke, was passiert ist, desto wütender und frustrierter werde ich darüber, dass niemand aufgrund der Erkenntnisse gehandelt hat. Je mehr wir herausfinden, dass die Million-Person-March-Demonstration der wahre Grund für die Sorge von Regierung und Tony Blair persönlich waren, desto mehr lässt das einen denken, dass wir so nah dran waren [am Erfolg] und doch so weit weg.“

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2019 feierte eine Verfilmung ihrer Aktivitäten unter dem Namen Official Secrets im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere. In der Hauptrolle ist Keira Knightley zu sehen und die Regie führt Gavin Hood. Die Verfilmung ist an das 2008 veröffentlichte Buch The Spy Who Tried to Stop a War: Katharine Gun and the Secret Plot to Sanction the Iraq Invasion angelehnt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oliver Burkeman, Richard Norton-Taylor: The spy who wouldn't keep a secret. The Guardian, 26. Februar 2004
  2. a b Katharine Gun: Ten years on what happened to the woman who revealed dirty tricks on the UN Iraq war vote?, The Guardian. 3. März 2013. Abgerufen am 8. Februar 2014.
  3. US plan to bug Security Council: the text (Memento vom 9. Februar 2004 im Internet Archive), The Observer, 2. März 2003. Abgerufen am 8. Februar 2014.
  4. US stars hail Iraq war whistleblower, The Guardian, 18. Januar 2004. Abgerufen am 8. Februar 2014.
  5. Katharine Gun, BBC, 26. Februar 2004, Abgerufen am 8. Februar 2014.
  6. Pamela McClintock: Harrison Ford, Anthony Hopkins to Star in 'Official Secrets', hollywoodreporter.com, 28. Januar 2016. Abgerufen am 31. Januar 2016.