Katharine Weißgerber

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Katharine Weißgerber

Katharine Weißgerber (* 3. August 1818 in Schwarzenholz; † 6. August 1886 in Saarbrücken), auch bekannt als Schultze Kathrin, erhielt für ihren Mut und ihren Einsatz während der Schlacht bei Spichern auf den Spicherer Höhen (6. August 1870) bei Saarbrücken das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf das Geschäftshaus von Carl Jacob Schultz, rechts das Portal der Schlosskirche (Stadtarchiv Saarbrücken)

Die Tochter des Leinewebers und Bergmanns Peter Weißgerber und der Maria Katharina Lauer wurde am 3. August 1818 als deren fünftes Kind in Schwarzenholz, Maienstraße (heute Schulze-Kathrin-Straße) geboren.

Den Namen Schultze Kathrin erhielt sie durch ihre Tätigkeit als Haushaltshilfe und Kindermädchen bei der Familie Schultz in Saarbrücken. Ihr Dienstherr Carl Jacob Schultz betrieb in Saarbrücken in der heutigen Straße "Am Schlossberg" gegenüber der Längsseite der Saarbrücker Schlosskirche ein Manufakturenwarengeschäft. Schultz war in den Befreiungskriegen Jäger im Lützowschen Freikorps gewesen, hatte dann als Unteroffizier im 9. Husarenregiment in Saarbrücken gedient und sich im Jahr 1825 durch die Heirat mit der Zinngießerstochter Magdalena Catharina Korn in Saarbrücken etabliert. Heute befindet sich auf dem Gelände des Wohn- und Geschäftshauses der Familie Schultz ein Parkplatz.[1][2]

Verbandsplatz Saarbrücken

Als Frankreich am 19. Juli 1870 den Preußen den Krieg erklärte, überschritten noch am gleichen Tag französische Truppen die Grenze bei Saarbrücken und nahmen die Stadt am 28. Juli unter Beschuss. Am 2. August drangen die französischen Truppen in die Stadt ein. Katharine Weißgerber brachte einen Verletzten in Sicherheit und suchte für den Sterbenden im Kugelhagel einen Priester.

Preußische Truppen trafen ein und begannen am 6. August die Gegenoffensive. Inmitten des Kampfgetümmels kümmerte sich Katharine Weißgerber um die verwundeten Soldaten beider Nationen. Ihr Einsatz wurde dem preußischen König Wilhelm gemeldet, der ihr das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen (d.h. unverheiratete Frauen) verlieh.

Farbskizze zu „Die Ankunft König Wilhelms I. in Saarbrücken am 9. August 1870“ (Deutsches Historisches Museum)

In einer Farbskizze aus dem Jahr 1877 zu seinem Gemälde „Die Ankunft König Wilhelms I. in Saarbrücken am 9. August 1870“ stellte der Maler Anton von Werner Katharine Weißgerber einen Korb tragend in der Menschenmenge dar. In der endgültigen Fassung des Gemäldes für den Saarbrücker Rathauszyklus wurde die Darstellung jedoch getilgt.[3]

Grab auf dem Ehrenfriedhof im Deutsch-Französischen Garten

Trotz der ehrenden Anerkennung starb Weisgerber arm und krank und nahezu vergessen. Durch Spenden nach einem Aufruf in der Saarbrücker Zeitung wurde ein Grab im „Ehrental“ finanziert, heute Teil des Deutsch-Französischen Gartens in Saarbrücken.[4] Ihr Grabstein trägt die Inschrift:

„Dem heldenmütigen Mädchen zum ehrenden Gedächtnis gewidmet von ihren Mitbürgern.“

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Saarbrücken ist eine Schule nach ihr benannt: Die „Katharine-Weißgerber-Schule / Erweiterte Realschule Saarbrücken-Klarenthal“. Auch das heutige Gymnasium am Rotenbühl trug von 1938 bis 1945 ihren Namen. Außerdem ist eine Straße in der Landeshauptstadt nach ihr benannt.

Im Saarwellinger Ortsteil Schwarzenholz ist ebenfalls eine Straße nach ihr benannt. Hier erinnerte an sie auch eine Gedenktafel an ihrem Geburtshaus, das zwischenzeitlich wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Vor dem Feuerwehrhaus in der Bartholomäusstraße befindet sich ein kleines Denkmal mit ihrem Porträt. Die Apotheke auf der anderen Straßenseite des Denkmals und die Mehrzweckhalle im Ort tragen ihren Namen. Der Seniorenstift im Ortsteil Saarwellingen erhielt auf Vorschlag des damaligen Saarwellinger Bürgermeisters Werner Geibel den Namen Schulze-Kathrin-Hof. Bemerkenswert ist, dass in der Gemeinde Saarwellingen die Schreibweise leicht abgeändert gehandhabt wird, und zwar ohne das t in Schultze. Initiativen, dies zu korrigieren, lehnt der Bürgermeister der Gemeinde Saarwellingen mit Hinweis auf die ortsübliche Schreibweise ab.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl August Schleiden: Illustrierte Geschichte der Stadt Saarbrücken. Dillingen/Saar 2009, S. 193.
  2. Pierre Séguy: Die Schulze Kathrin oder der Dank des Vaterlandes. Saarheimat 14, 1970, S. 137–142.
  3. Dominik Bartmann: Der Saarbrücker Rathauszyklus., in: Dominik Bartmann (Hrsg.): Anton von Werner. Geschichte in Bildern. Hirmer Verlag, München 1993, ISBN 3777461407, S. 252–265.
  4. Gerhild Krebs: Deutsch-Französischer Garten. memotransfont, abgerufen am 6. September 2013.